Titel: Ein einfaches Chromometer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 6 (S. 575–576)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi12_6

Ein einfaches Chromometer.

C.H. Ridsdale, welcher früher ein Chromometer zur Bestimmung von Kohlenstoff in sehr weichem Stahl angab (1887 263 * 288), hat nun auch einen solchen Apparat zur Vergleichung stark gefärbter Flüssigkeiten, wie sie z.B. bei der Kohlenstoffbestimmung in Stahl mit 0,1 bis 0,12 Proc. C. erhalten werden, construirt. Nach der Beschreibung, welche Ridsdale im Journal of the Society of Chemical Industry, 1888 Bd. 7 * S. 70, gibt, besteht der sehr einfache Apparat aus drei graduirten Probirröhren, welche in einem durchlöcherten Brette hängen. Das Brett selbst wird von zwei senkrecht aufgestellten Glasstäben, welche unten in einem hölzernen Standbrette befestigt sind, gehalten. Die mittlere der eingetheilten Röhren, welche zur Aufnahme der Vergleichsflüssigkeit dient, kann unten geschlossen sein; die beiden seitlichen Röhren dagegen haben unten Oeffnungen. In alle drei Röhren sind kleine emaillirte Glascylinder eingesetzt, welche bis zum untersten mit 0 bezeichneten Theilstriche reichen. An den beiden seitlich angebrachten Glasstäben ist etwas unter der Mitte eine Vorrichtung angebracht, welche gestattet, drei Glasröhren von etwas gröſserem Durchmesser über die oben angebrachten Meſsröhren zu schieben und auf jeder beliebigen Höhe zu halten. Die Vorrichtung besteht, wie aus der Figur zu ersehen ist, aus drei befestigten Backen und aus drei durch Kautschukbänder gegen sie gehaltenen an einer horizontalen Achse drehbaren Backen, welche den Röhren entsprechend ausgehöhlt sind.

Textabbildung Bd. 268, S. 575
Zur Vergleichung verschieden stark gefärbter Flüssigkeiten füllt man die Lösung von bekanntem Gehalt in die mittlere unten geschlossene Röhre, z.B. Dis zum Theilstriche 10.

Die zu vergleichende Lösung gibt man in eine seitliche Röhre, und von da flieſst sie durch die Oeffnung in die darunter stehende Röhre. Sobald letztere beinahe voll ist, blickt man von oben in die beiden eingetheilten Röhren und hebt das gefüllte untere Rohr, bis die Farbe beider Lösungen gleich erscheint. Um einen Einfluſs der doppelten Glaswände auf die Farbe auszugleichen, hebt man auch die untere Röhre in der Mitte, obschon sie leer ist, auf gleiche Höhe. Hierauf liest man die Theilstriche in der seitlichen Meſsröhre ab und erhält den gesuchten Procentgehalt durch Multiplikation der Theilstriche Vergleichslösung mit dem Procentgehalte derselben und Division des Productes durch die Theilstriche der untersuchten Flüssigkeit.

|576|

Wenn die Vergleichsflüssigkeit und die zu untersuchende Lösung stark verschiedene Farbe zeigen, kann man auch in der Mitte eine unten offene Röhre benutzen und dann die Flüssigkeitshöhe in beiden Röhren reguliren. Man kann auch eine bestimmte Menge der zu untersuchenden Flüssigkeit in eine geschlossene Röhre bringen und die Schicht der Vergleichsflüssigkeit ändern. Wenn dann bei Benutzung von 10 Theilstrichen der zu untersuchenden Flüssigkeit die Vergleichsflüssigkeit 0,10 Proc. des zu bestimmenden Körpers enthält, so kann der Procentgehalt direkt an der Skala abgelesen werden. Dies ist überhaupt immer der Fall, wenn so viel Theilstriche der zu untersuchenden Flüssigkeit benutzt werden, als die Vergleichslösung hundertstel Procente des gesuchten Körpers enthält.

Ridsdale hat seinen Apparat namentlich zur Bestimmung von Kohlenstoff in Stahl nach der Eggertz'schen Probe benutzt.

0,1 bis 0g,2 Stahlspähne werden in einer Probirröhre unter Zusatz von Salpetersäure von 1,2 spec. Gew. unter Erwärmen in heiſsem Wasser gelöst. Hierauf verdünnt man die Lösung auf 10 oder 20cc und vergleicht sie im Chromometer mit einer Flüssigkeit von bekanntem Gehalte. Ueber die beim Lösen zuzusetzende Salpetersäure, wie auch über die Verdünnung gibt Ridsdale folgende Tabelle:

Gewicht
der benutzten
Substanz

Zu erwartender
Kohlenstoffgehalt
Zum Lösen benutzte
Salpetersäure von
1,2 spec. Gew.

Verdünnung
0,1g
0,2
bis 0,08 Proc. 1,2cc
2,5
10cc
20
0,1 0,08 0,19 1,5 20
0,1 0,20 0,30 1,7 40
0,1 0,31 0,40 2,0 80

Wenn man nach Ridsdale's Vorschrift verfährt, wird namentlich die bei der gewöhnlichen Eggertz'schen Probe oft störende Färbung des Eisennitrates durch groſse Verdünnung völlig vermieden.

Der neue Apparat ist bedeutend einfacher als der früher von Ridsdale beschriebene und derselbe liefert bei raschem Arbeiten doch sehr zuverlässige Zahlen.

P.N.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: