Titel: Ueber die Gesundheitsschädlichkeit von Nickel und Zinn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 2 (S. 599–600)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi13_3

Ueber die Gesundheitsschädlichkeit von Nickel und Zinn.

Anwendung von Nickelblech oder vernickelten Waaren zu Küchengeräthen. In neuerer Zeit sind von verschiedener Seite Bedenken gegen die Benutzung von Nickel zu genanntem Zwecke erhoben worden, und die oberste Sanitätsbehörde in Oesterreich soll selbst mit dem Gedanken umgehen, die Benutzung des Metalles zu Küchengeräthen, welche mit Speisen in Berührung kommen, ganz zu verbieten. Es dürfte daher nicht ohne Interesse sein, an die früheren Versuche von Schulz (Niederrheinische Gesellschaft für Naturwissenschaft, Bonn) zu erinnern, wonach festgestellt wurde, daſs selbst Mengen bis zu 10g Nickelacetat (eine Form, in welcher wohl hauptsächlich das Nickel durch Speisen in den Körper gelangen dürfte) in täglichen Gaben von 500mg gereicht, keinerlei nachweisbare schädliche Folgen ergeben haben. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Frage vom sanitären Standpunkte (auch gleich wichtig im Hinblick auf die bereits hochentwickelte Nickelindustrie. D. Ref.) hat van Hamel Roos in neuester Zeit diese Versuche in ähnlicher Weise wiederholt und ist ebenfalls zu gleichen negativen Resultaten gelangt. Gaben von 166mg Nickel in Form von Acetat einem Hunde gereicht, lieſsen selbst nach 34 Tagen, entsprechend einer Gesammtaufnahme von 16g,9 Nickelmetall, keinerlei Störungen erkennen (Rev. d. fals. d. denrées alim. I. 31). Wenn diese Versuche auch noch nicht als entscheidend zu betrachten sind, so wäre andererseits nach denselben ein etwaiges Verbot auch noch nicht hinreichend motivirt.

Zinn und verzinnte Waaren. Während man früher die Benutzung des Sinnes sowie verzinnter Waaren zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln allgemein für unbedenklich hielt, scheinen in neuerer Zeit die Ansichten darüber aus einander zu gehen. Thatsache ist, daſs selbst verdünnte Lösungen schwacher Säuren lösend auf das Zinn einwirken, wie aus einer Reihe Beobachtungen der letzten Jahre sich ergibt, 1881 fand P. Smiths dieses Metall in eingebauten Früchten, welche aus Weiſsblechgefäſsen stammten. In demselben Jahre fand O. Hehner sowohl in vegetabilischen wie animalischen Conserven bemerkenswerthe Mengen von Zinn. Besondere Beachtung dürfte in seinen Versuchen die Bestimmung von Zinn in condensirter Milch verdienen; es ergab eine Büchse von 1 Pfund 8mg Zinn. Hiernach wäre die Benutzung einer solchen Milch, besonders als Ersatz der Muttermilch bei Säuglingen, entschieden als schädlich zu betrachten, um so mehr als Hehner durch Thierversuche feststellte, |600| daſs dem Zinn in seinen Verbindungen allerdings eine schädliche Wirkung zukommt und zwar ist letztere bei den Zinnoxydulverbindungen stärker als bei den Oxydverbindungen. A.R. Leeds fand 1883 das Zinn neben Blei in einer Anzahl Nahrungsmittel, ebenso Francis P. Hall; durch E. Unger und G. Bodländer wurde in demselben Jahre der Nachweis geliefert, daſs das Zinn aus der genossenen Nahrung vom Blute wirklich resorbirt und demgemäſs in verschiedenen Organen, sowie im Harn dessen Anwesenheit festgestellt werden konnte. A. Gautier fand 1884 bis zu mehreren Milligramm Zinn auf 1k verschiedener Nahrungsmittel und Attfield, der einen solchen Zinngehalt allerdings für unschädlich hält, fand bis zu 0,007 Zehntel Graines auf 0,25 Pfund verschiedener Conserven. In neuester Zeit fand Th. Sachs in 29 Stück Spargel – der Inhalt einer Conservenbüchse – 0g,0709 SnO2 (Rev. ind. d. fals. d.d. alim. 1888 I. 91).

Wenn nun auch, abgesehen von den natürlichen Säuren selbst, solche Nahrungsmittel, welche bei der Bereitung eines besonderen Säurezusatzes bedürfen, wohl von den meisten Conservenfabriken nicht in verzinnte Gefäſse verpackt werden, so ist doch die Anwendung von solchen Mitteln, welche von einigen Fabriken verwandt werden, um die antiseptische Wirkung zu erhöhen – wie Weinsäure, Kochsalz, Salpeter u.s.w. – entschieden zu verwerfen, da diese die Löslichkeit des Zinnes wesentlich erhöhen.

Ueber die Verwendbarkeit verzinnter Gefäſse zur Aufbewahrung saurer Flüssigkeiten und Speisen hat Leo Liebermann in neuester Zeit Untersuchungen angestellt, wonach schon ein geringer Säuregrad die Löslichkeit des Zinneswesentlich befördert.

Es ergaben Stanniolstreifen von 24qcm bei 20° in 200cc einer

10 Proc. Essigsäure 0,004g gelöstes Zinn
5 0,004
1 0,005
½ 0,0003
1/10 Spuren

Bei schadhaften Blechen, bei welchen in Folge dessen Zinn und Eisen zugleich in Berührung mit der sauren Flüssigkeit sich befinden, erhöhen sich die Werthe noch beträchtlich, wie eine zweite Versuchsreihe zeigt.

Unter denselben Bedingungen wie oben, das Stanniol auſserhalb der Flüssigkeit mit einem eisernen Nagel in Verbindung und beide Metalle in der Flüssigkeit, wurde erhalten bei

10 Proc. Essigsäure 0,007g gelöstes Zinn
5 0,007
1 0,007
½ 0,0007
1/10 0,0003

Die erhaltenen Zahlen zeigen zugleich, daſs bereits eine Flüssigkeit von 1 Proc. an Säure dieselbe lösende Wirkung besitzt, wie eine solche von 10 Proc. freien Säuregehaltes.

Nach allen diesen hier angeführten Arbeiten wäre eine endgültige Entscheidung über die Gröſse der Schädlichkeit des Zinnes um so wichtiger, als hier einerseits gesundheitliche Rücksichten in Frage kommen, andererseits aber durch ein Verbot der Benutzung des Zinnes die bereits so hoch entwickelte Industrie der Nahrungsmittelconserven schwer geschädigt würde, da vorläufig für verzinnte Bleche ein Ersatzmittel von derselben Billigkeit und zweckentsprechenden leichten Verarbeitung nicht zu finden sein dürfte.

C.H.

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