Titel: Kick, über Neuerungen im Mühlenwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 269 (S. 61–71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj269/ar269010

Ueber Neuerungen im Mühlenwesen; von Prof. Fr. Kick.

(Patentklasse 50. Fortsetzung des Berichtes S. 17 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Das Reinigen und Schälen des Getreides. Es ist bekannt, daſs unter Reinigung des Getreides alle jene Verfahren verstanden werden, durch welche man die dem Getreide anhaftenden Schmutztheilchen und sonstige Beimengungen entfernt; während man unter Schälen auch die Beseitigung eines Theiles der äuſseren, werthlosen Zellschichten (der Frucht- und Samenhaut) versteht, insoferne selbe nicht in die tiefe Spalte reichen, welche Weizen und Roggen aufweist.

Die Schälmaschinen, wenn sie auch die genannten, wichtigsten Getreidearten nicht völlig zu schälen vermögen, wie das z.B. bei Reis möglich ist, haben unbestritten den Vortheil sehr kräftiger Reinigung, sie entfernen das Bärtchen und Theile der Fruchthaut. Es fragt sich nur, wie weit ist ihre Anwendung von Vortheil, soll man so weit zu schälen suchen, daſs die Körner nahezu weiſs (von der Spalte abgesehen) erscheinen? In dem Berichte 1886 259 204 wurde mitgetheilt, daſs V. Till in Brück a. d. Mur auf trockenem Wege das Getreide zu schälen suchte, und wurden die Ergebnisse kurz besprochen. Auf der Müllerei-Ausstellung 1887 in Mailand hatte Ganz und Comp. in Budapest eine Schälmaschine senkrechter Anordnung ausgestellt, bei welcher das Getreide durch mit Schmirgel belegte Arbeitsflächen, ähnlich wie bei Till's Maschine, eine recht sanfte Einwirkung erfuhr; doch hafteten auch dieser Maschine noch mannigfache Uebelstände an. Seither ist diese Firma, bezieh. Herr Friedrich Eichleiter im Vereine mit Herrn Wimmer bemüht, die Schälfrage weiter zu fördern. Sie kehrten zur Till'schen Maschine, welche in mehreren Einzelheiten verbessert wurde, zurück; das Schälen findet wie bei Till durch mit Schmirgel belegte Scheiben statt, doch ist der Cylinder (Mantel) fest stehend, eine gute Regelung des Einlaufes und eine kräftige Ventilation angebracht. Es wurden bereits vielfache und zum Theile recht günstige Proben ausgeführt, und hofft Eichleiter, daſs bei etwa 16 Proc. Schälverlust das Getreide so von den äuſseren Theilen der Frucht- und Samenhaut befreit werden kann, daſs sowohl eine Verkürzung des Schrotprozesses, als eine Verminderung der Griesauflöse-Durchgänge sich ergibt. Die Schrotmehle und Schrotdunste fallen schöner aus, die Griese lassen sich leichter putzen. Die ökonomischen Vortheile, welche sich in Bezug auf die besserwerthigen Producte nach eingelangten Mittheilungen auf etwa 60 fl. (100 M.) für 100 MC Weizen belaufen, müssen die Kosten des Schälbetriebes natürlich übersteigen. Dies dürfte der Fall sein, da der Schmirgelüberzug der Scheiben bei beständigem Betriebe angeblich etwa 8 Tage Stand hält (zuweilen wesentlich länger) und zur Schälung von 100 MC in 24 Stunden 20 erforderlich sein sollen, welche des vereinfachten, |62| weiteren Vermahlungsganges wegen zudem nur theilweise in Rechnung zu stellen wären. Wenn auch noch weitere Versuche in groſsem Maſsstabe abzuwarten sind, so sind doch schon die bisherigen sehr beachtenswerth.

Den langdauernden Versuchen Eichleiter's entsprang auch dessen *D. R. P. Nr. 36859 vom 18. März 1886 auf ein Verfahren trocken geschältes Getreide, durch Beimengung von Kleie, gemeinsamer Bewegung des Gemenges und schlieſslichen Trennung der Theile, von dem anhaftenden Schälstaube zu befreien. Durch dieses Verfahren wird der Schälstaub entschieden vollkommener entfernt, als durch Ventilation allein, doch bedingt dessen Anwendung die Einschaltung zweier Cylinder hinter die Schälmaschine. Durch die gute Absonderung des Schälstaubes hebt sich die Qualität des Schrotmehles vom 1. und 2. Schroten, und deshalb ist dieselbe von Wichtigkeit.

Recht interessant ist der von Wimmer in Scheibbs mit zwei Posten zu 100 MC durchgeführte Versuch, welcher hier mitgetheilt werden möge:

100 MC Weizen ergaben
gereinigt:
100 MC Weizen ergaben ge-
reinigt und geschält:
als Material für die 1. Schro-
tung

98,70 MC
als Material für die 1. Schro-
tung

82,25 MC
zur 2. Schrotung gelangten 95,64 „ zur 2. Schrotung gelangten 78,26 „
3. 86,65 „ 3. 57,96 „
4. 73,91 „ 4. 32,46 „
5. 50,81 „ 5. 15,30 „
6. 29,56 „ 6. 7,44 „
Uebergang von derselben 19,51 „ Uebergang 4,94 „
––––––– ––––––––
Demnach betrugen die ge-
sammten Schrotmengen:

454,78 MC

278,61 MC

Hiernach verhalten sich die zu verarbeitenden Schrotmengen wie 8 zu 5, und müſste danach auch die Zeit der Vermahlung eine wesentlich verkürzte sein.

Eichleiter und Wimmer verbinden die Schälmaschine, wie oben bereits erwähnt, mit einem Ventilator und schalten zwischen beide einen Staubfänger, wodurch das Schälmehl vollkommen gesammelt wird. Von besonderer Wichtigkeit ist zartes Schälen; das Abschleifen der Frucht- und Samenhaut hat ohne tieferes Ritzen des Kornes zu erfolgen. Reichliche Ventilation verhindert nicht nur die Erhitzung des Getreides, sondern soll auch das Schälen bei geringerem Kraftaufwande ermöglichen. Die Versuche Wimmer's in Scheibbs und bei Krendl in Wildon ergaben gröſsere Ausbeute an Weiſsmehlen und an Mehl überhaupt, doch liegen darüber genaue Zahlenangaben nicht vor; letztere beziehen sich durchweg auf kleinere Posten. Der Satz auf S. 66 meiner „Mehlfabrikation“: „Dennoch ist die Anwendung der 'Schälmaschinen' anzurathen, weil sie den Weizen höchst intensiv putzen, das Bärtchen und Theile der Fruchthaut entfernen und dadurch die Erzeugung eines schönen Mehles erleichtern,“ dürfte nach den mitgetheilten Ergebnissen eine Erweiterung |63| erfahren müssen, etwa dahin gehend, daſs eine geringe Mehrausbeute an Mehl überhaupt und an besseren Mehlen insbesondere durch das Schälen erreichbar ist und dasselbe auch eine Verkürzung des Schrot- und Griesprozesses ermöglicht.

Es ist übrigens durchaus nicht ausgeschlossen, daſs die von Eichleiter und Wimmer zum Schälen verwendete verbesserte Till'sche Maschine ihre Verwendung groſsentheils als eine intensiv wirkende Reinigungsmaschine finden wird.

Unter den neueren Getreide-Reinigungs- und Putzmaschinen finden sich zunächst zwei, welche mit dem alten „Conus“ groſse Aehnlichkeit haben. A. Wache's Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik in Glatz in Schlesien verwendet einen conischen Stern S (Fig. 1), zwischen welchem und dem Mantel m, aus geschlitztem Bleche, das Getreide allmählig gegen unten gelangt. Bei der Anordnung von H. M. Collyer und Middleton Crawford in New York (*D. R. P. Nr. 39585 vom 7. September 1886) ist der Kegel in seinen oberen drei Viertheilen aus Holz, mit Schmirgel belegt, im unteren Viertheile mit Bürsten besetzt; der Mantel ist aus Drahtsieb gebildet. Die Anordnung von Wache besitzt eine vom Handrade R aus stellbare Achse, wie dies zu Folge der allmähligen Abnutzung des Steines nöthig ist, das Getreide wird sodann einer Bürstmaschine zugeführt; Collyer hingegen hat im Untertheile einen Saugventilator angeordnet, gestattet der äuſseren Luft durch einen ringförmigen Spalt oben am Mantel Eintritt in den Raum zwischen dem Siebmantel und einen denselben umgebenden Vollmantel und saugt dieselbe gegen einwärts und unten ab.

Fig. 1., Bd. 269, S. 63
Neu ist die Anordnung von Ernst Garbe in Berlin (*D. R. P. Nr. 41927 vom 13. Mai 1887), welcher einen wellenförmigen Mantel aus Drahtgeflecht anwendet, in welchem eine Trommel kreist, deren Oberfläche mit entsprechend geformten, in die Vertiefungen des Mantels passenden Wellen aus Drahtgeflecht bedeckt ist. Die Anordnung ist gleichfalls die lothrechte. Abgesehen von den Schwierigkeiten der Herstellung und besonders der Ausbesserung der wellenförmigen Drahtgeflechte, mag Garbe's Maschine recht gut reinigen, wenn zwischen Trommel und Mantel der richtige Spielraum ermittelt ist.

|64|

Die Herren Em. Störr und Wilh. Uhlmann in Lützschera, Sachsen (*D. R. P. Nr. 43406 vom 7. Oktober 1887) haben eine Getreideschälmaschine ausgeführt, bei welcher in zwei senkrechten Cylindern aus Drahtgewebe (viereckigen Drähten), welche mit einander in Verbindung stehen (wie die Fig. 2 im wagerechten Schnitt andeutet), zwei Teller und Schaufelsysteme kreisen, welche der Höhe nach versetzt sind, so daſs die erste Abtheilung des ersten Cylinders höher liegt als die erste Abtheilung des zweiten Cylinders u.s.w. Auch sind die Cylinder durch Zwischenböden in Abtheilungen getheilt. Das Getreide gelangt auf den obersten Teller t1 des Cylinders c1 wird gegen die Sieb wand geschleudert, fällt auf den ersten Zwischenboden und wird von diesem durch Flügel, welche an der Unterseite des Tellers sitzen, in den Cylinder c2 geworfen, von den Schlägern f in diesem herumgetrieben, bis es auf den obersten Zwischenboden von c2 fällt, von welchem Flügel es in die zweite Abtheilung des ersten Cylinders zurückwerfen u.s.w. Das Getreide wird also von der ersten Abtheilung des ersten Cylinders in die erste Abtheilung der zweiten, von dieser in die zweite Abtheilung von c2, von hier in die zweite Abtheilung von c2, von hier in die dritte Abtheilung von c1 u.s.w. geworfen. Da man denselben langen Weg auch durch einen Cylinder mit der doppelten Zahl Abtheilungen erreichen kann, so ist diese Anordnung als unnöthige Complication aufzufassen.

Fig. 2., Bd. 269, S. 64
Fig. 3., Bd. 269, S. 64
Die Maschine von Gustav Hartlaub in Hamburg gehört zu den Spitzgängen oder Schälmaschinen mit einem Steine. Der Stein ist auf einer p. senkrechten Spindel gelagert, oben von etwas gröſserem Durchmesser als unten und von einem Siebmantel umgeben, in welchem elastische Einlagen angebracht sind, welche den eigentlichen Gegenstand des Patentes (*D. R. P. Nr. 38497 vom 5. August 1886) bilden. Die zwischen Stein und Mantel befindlichen Körner werden, dem Kreislaufe des Steines folgend, sich an einander, am Steine und am Mantel reiben. Die aus Kautschuk, Filz oder anderem Materiale bestehenden elastischen Einlagen hemmen den Umlauf, die Körner müssen sich um sich selbst drehen und dadurch um so vollkommener den Reinigungsprozeſs durchmachen. Die Hartlaub'sche Maschine soll namentlich zum Poliren der Kaffeebohnen sich eignen, aber auch zur Reinigung anderer Körnerfrüchte dienlich sein. Fig. 3 stellt im wagerechten Schnitte bei S ein Stück des Steines, bei m den Mantel und |65| bei e eine der stellbaren Einlagen vor, deren mehrere, etwa sieben, in gleichen Abständen in dem Mantel angebracht sind. Der Mantel läſst sich, der Verkleinerung des Steines bei dessen allmähliger Abnutzung entsprechend, nachstellen.

Bei der Schäl- und Reinigungsmaschine von Otto Fuchs in Buttstädt (*D. R. P. Nr. 38707 vom 27. August 1886), welche dem äuſseren Ansehen nach einem Mahlgange ähnlich ist, trägt die senkrechte Achse eine Scheibe, in deren Mitte sich der Einlauf befindet und an deren Unterseite mehrere Treiber befestigt sind, welche in ringförmige Abtheilungen des das Getreide aufnehmenden, niedrigen Kastens hineinragen und bei der Drehung der Spindel darin umlaufen. In den ringförmigen Wänden der Abtheilungen sind Oeffnungen angebracht, so daſs das Getreide aus der innersten Abtheilung endlich bis in die äuſserste gelangt, welche Bewegung noch durch Schaufeln befördert wird, die gleich den Treibern an der Unterseite der rotirenden Scheibe befestigt sind. Der Boden und die Wände der Abtheilungen bestehen groſsentheils aus eingesetztem Reibbleche und die Treiber sind damit bekleidet, und zwar so, daſs die erste (innerste) Abtheilung das gröbste, die äuſserste das feinste Reibblech besitzt, wodurch Herr Fuchs eine schonendere Einwirkung auf das Getreide hervorbringen will. Aus dem Hohlraume, unter den Abtheilungen, welcher mit den Hohlräumen der doppelwandigen Zwischenwände der Ringabtheilungen in Verbindung steht, wird die Luft durch einen Ventilator abgezogen und werden daher die abgestoſsenen Schalentheilchen thunlichst rasch entfernt.

Eine Schälmaschine, deren Anordnung einige Aehnlichkeit mit einem Graupengange nach Martin hat, bei welcher die Trommel aber an der Umfläche und an den Seitenflächen mit zahlreichen kleinen Messern nach Fig. 4, der fest stehende Mantel mit Reibblech versehen ist, wurde von C. F. Rolle in Zschopenthal, Sachsen (*D. R. P. Nr. 34164 vom 17. April 1885) eingeführt. Drei nach Bedarf in Wirkung zu bringende Ausläufe, in verschiedener Höhe, gestatten gröſsere oder kleinere Füllung und mehr oder weniger heftige Einwirkung. Die scharfen Schneiden und Spitzen der Messer sollen ritzend auf die äuſseren Gewebsschichten des Getreides wirken. Doch halten Messer die Schärfe nur durch beschränkte Zeit.

Fig. 4., Bd. 269, S. 65
Fig. 5., Bd. 269, S. 65
Fig. 6., Bd. 269, S. 65
Zu den Reinigungsmaschinen, bei welchen das Abscheuern der Getreidekörner |66| vorzüglich durch Reiben der Körner an einander erfolgt, gehört die Getreidepolirmaschine von Ludwig Röſsler in Aibling und Heinr. Reinhard in München (*D. R. P. Nr. 41693 vom 24. März 1887) und die Maschine von August Schneider in Firma Schneider und Werner in Dresden-Neustadt (*D. R. P. Nr. 42257 vom 3. Mai 1887). Bei beiden Maschinen wird das Getreide in hoher Schicht in einem wagerechten, liegenden Cylinder der Wirkung von Flügeln ausgesetzt, welche an einer rotirenden Welle befestigt sind. Röſsler und Reinhard verbinden mit der Welle schraubenartig gewundene lange Flügel, welche ganz wenig von der Achsenrichtung abweichen, und viel kürzere Flügel mit starker entgegengesetzter Neigung, welche eigentlich transportirend wirken. Die langen Flügel wirken daher mehr als Rührer und suchen dabei das Getreide gegen den Einlauf zu schieben, die kurzen Flügel besorgen den Transport gegen den Auslauf und bedingen in ihrem Zusammenwirken mit den langen Flügeln eine kräftige Reibung der Körner unter sich, so daſs z.B. bei geschälter Hirse recht wohl eine polirende Wirkung bei richtiger Tourenzahl und entsprechender Regelung von Zu- und Ablauf erfolgen kann. – Bei der Maschine von Schneider sind mit der Achse theils Rührarme, theils schräg gestellte, das Getreide befördernde Bleche verbunden, wie die Fig. 5 und 6 darstellen. Die Formen der Arme werden nach Fig. 5 verschieden gehalten und ihre Neigung ist einstellbar. Diese Maschine arbeitet in Verbindung mit einem Ventilator und wird dieselbe auch zur Reinigung von Malz verwendet.

Fig. 7., Bd. 269, S. 66
Fig. 8., Bd. 269, S. 66
Fig. 9., Bd. 269, S. 66
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Reispolirmaschine. All der Reis, welcher in den Kleinhandel gelangt, ist geschälter Reis, d.h. von den Spelzen befreit. Um das Ansehen dieser Getreidefrucht noch weiter zu verschönern, findet nach dem Schälen noch ein einmaliges bis dreimaliges Schleifen statt und läſst man auf das letzte Schleifen ein Bürsten folgen um der Waare Glanz zu geben. Besonders schönen, hohen Glanz erlangt der Reis durch das sogen. Poliren, und hat Giuseppe Locarni in Vercelli auf der Müllereiausstellung in Mailand 1887 eine Reispolirmaschine ausgestellt, bei welcher der Reis durch ein ganz eigenthümliches Gewebe, welches aus etwa 4mm dicken Flachs-Schnüren sammtartig1) hergestellt ist, gerieben wird. Zu diesem Zwecke ist das Innere einer langsam rotirenden Trommel mit diesem Gewebe überzogen; in derselben liegt eine kleinere Trommel, welche auſsen mit demselben Gewebe bekleidet ist und der Reis gelangt zwischen beide und wird einer sanften Reibung unterworfen. Die Leistung der Maschine ist der Menge nach nicht bedeutend, denn in 2 Stunden werden etwa 150k Reis polirt (oder glacirt); jedoch ist der so behandelte Reis von hohem, fast öligem Glänze und von weit glasigerem Aussehen, als der bloſs gebürstete. Durch diese Behandlung soll der Reis haltbarer werden; gewiſs ist, daſs er ein weit schöneres Aussehen als der bloſs gebürstete erlangt.

Fig. 10., Bd. 269, S. 67
Bürstmaschinen oder Reinigungsmaschinen, bei welchen Bürsten doch wesentlich mitwirken, sind von Wilhelm Zahn in Berlin, H. Gathmann in Hannover und Emil Fritsch in Leipzig patentirt worden. Bei der Maschine von Zahn (*D. R. P. Nr. 40380 vom 8. December 1886) sind an einer senkrechten Trommel Schlagleisten angebracht, welche das Getreide gegen einen mit Bürsten besetzten Mantel werfen. Fig. 7 zeigt die Anordnung in einem senkrechten Schnitte, aus welchem zu entnehmen ist, daſs für gute Ventilation gesorgt ist.

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Fig. 8 zeigt im wagerechten Schnitte die Anordnung der Bürsten, deren Borstenbüschel in einem spitzen Winkel zur Bewegungsrichtung der Schläger stehen. Bei der Anordnung von Gathmann (*D. R. P. Nr. 38360 vom 6. Juli 1886) ist ein Bürstenconus an einer wagerechten Achse angebracht, die Getreidezuführung erfolgt an der Achse, wie Fig. 9 zeigt, und wird das Getreide zuerst gegen den fest liegenden Stein T gebürstet und dann gegen das aus kreisförmigen Drahtringen und Verbindungsdrähten gebildete Sieb S.

Die Bürstmaschine von Fritsch (*D. R. P. Nr. 35275 vom 12. Mai 1885) arbeitet mit fest stehenden conischen Bürsten gegen unter denselben rotirende Steine und ist, wie Fig. 10 darstellt, aus zwei gleichartigen Abtheilungen zusammengesetzt. Oben an der Maschine befindet sich der Ventilator, und die Luftbewegung erfolgt bei x quer der Richtung des Getreidestromes, ist daher recht wirksam.

Magnetische Auslesemaschine. Abweichend von der gewöhnlichen Anordnung, bei welcher die Polenden der Magnete in der geneigten Fläche eingelassen sind, über welche das Getreide abgleitet, bringt Alwin Hempel in Dresden (*D. R. P. Nr. 42950 vom 1. Oktober 1887) die gewölbten oder dachförmigen Polschuhe der Magnete am Ende der schiefen Ebene so an, daſs das Getreide zuerst auf die Polschuhe und dann zwischen denselben hindurchfällt, wodurch enthaltene Eisentheile meist an der unteren Seite der Polschuhe hängen bleiben und von dort auch während des Betriebes abgenommen werden können. Nach der Patentzeichnung zu schlieſsen, verwendet Hempel Inductionsmagnete.

Getreide- Wasch- und Trockenmaschinen. Die Getreidewaschmaschinen können zwar eine sehr vorzügliche Reinigung des Getreides bewirken, sie machen aber nachfolgendes Trocknen erforderlich, und das vertheuert den Vermahlungsvorgang wesentlich. Das Trocknen für sich allein genommen hat bei naſs geernteter Frucht und dumpfig gewordenem Getreide allerdings hohe Bedeutung, weil durch das Trocknen dem Verderben Einhalt gethan werden kann. Die vorliegenden Neuerungen weisen theilweise Beachtenswerthes auf.

Die Waschmaschine von Arnold Niederer in Heidelberg und Amandus Kahl in Hamburg (*D. R. P. Nr. 36418 vom 22. Januar 1886) läſst das Getreide aus der Spalte einer Gosse aus ganz geringer Höhe in eine Wanne so fallen, daſs die Körner knapp vor der Zwischenwand w (Fig. 11 und 12) in das Wasser tauchen. Indem das Wasser mit bestimmter Geschwindigkeit in der Richtung des Pfeiles flieſst, werden die Körner sofort über die Zwischenwand w nach III mitgenommen und sinken dort gegen den Auslauf a1, während Steinchen von gleichem oder gröſserem Volumen noch in II niedersinken und bei a2 entfernt werden können; taube Körner und leichter Schmutz gelangen durch die Oeffnung o1 in die Abtheilung IV, aus welcher sie bei o2 abflieſsen, während etwa mitgerissene schwere Körner zum Auslaufe a3 gelangen.

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Soll diese Maschine gut arbeiten, dann muſs durch einen Kleinweizencylinder eine Entfernung der kleinen Steinchen bereits früher stattgefunden haben, denn sonst würden diese, obwohl specifisch schwerer, durch das bewegte Wasser dennoch über w mit den Getreidekörnern gerissen und nach a1 gelangen. Die Wasserzuführung erfolgt durch das Einlaufrohr e.

Die Waschmaschine von F. Brandstaedter in Louvain, Belgien (*D. R. P. Nr. 40927 vom 28. August 1886) soll das Getreide waschen und zugleich schälen, indem dasselbe in einem cylindrischen, stehenden Gefäſse, welches einwärts gerichtete, radiale Stäbe trägt, von einer mit radialen Armen versehenen rasch umlaufenden Spindel gepeitscht wird. Die Anordnung ist für postenweisen Betrieb eingerichtet und würde, ganz abgesehen von der sehr kräftigen Durchfeuchtung des Getreides, nur geringe Leistung bieten.

Fig. 11., Bd. 269, S. 69
Fig. 12., Bd. 269, S. 69
Von demselben Erfinder ist eine Getreidetrockenmaschine (* D. R. P. Nr. 41044 vom 4. Januar 1887) gebaut, bei welcher in einem senkrechten Siebcylinder ein Flügelsystem rotirt, welches sowohl hebend als trocknend wirkt. Getreide und Waschwasser treten unten ein, schraubenförmige Flügel befördern das Getreide aufwärts, während andere Flügel einen Luftstrom erzeugen, welcher trocknend wirken soll. Nahe an der Decke der Maschine findet der Austritt des Getreides statt.

Ungleich beachtenswerther ist die Anlage für Waschen und Trocknen, welche von Edmundson Scholes in Hollinwood, England (* D. R. P. Nr. 40113 vom 13. Juli 1886) in dessen Patentschrift dargestellt ist. Das Getreide fällt in ein stehendes Waschgefäſs, in welchem eine Spindel mit Schlagleisten (Rührleisten) sich dreht, sinkt in diesem Gefäſse nieder und gelangt in ein damit verbundenes, darunter befindliches, schräg liegendes Rohr, welches auf gröſsere Höhe ansteigt, als die des Waschgefäſses. In diesem Rohre befindet sich eine Getreideschraube, welche das Getreide hebt, und da das Rohr über die Höhe des Wasserspiegels |70| im Waschgefäſse hinausragt, so wird das Getreide durch die Schraube aus dem Wasser gehoben und in ein Fallrohr befördert, welches es einer Centrifuge zuführt. Diese wirkt ähnlich gewissen Milchcentrifugen ununterbrochen, indem die Füllung oder der Zulauf nahe der Achse, der Auslauf oder die Hebung des Getreides nahe an der Wand des Centrifugenkorbes durch fest stehende, schräg gestellte Schaufeln erfolgt, um welche sich der Korb dreht.

Das ausgeschleuderte Wasser und das Getreide haben natürlich getrennten Ablauf. Das Getreide gelangt sodann zu einer Trockenmaschine, welche aus über einander gesetzten Tellern mit hohlen, durch Dampf geheizten Böden und einem Rührwerke besteht. Das Getreide fällt aus dem Zuleitungsrohre auf den obersten Teller, wird von dem Rührwerke allmählig gegen auswärts befördert, fällt auf den zweiten, gröſseren Teller, wird auf diesem durch entgegengesetzt geneigte Rührer gegen einwärts befördert, fällt durch eine nahe der Achse befindliche Durchbrechung des Tellers nach abwärts auf den dritten Teller, auf welchem es wieder nach auswärts befördert wird u.s.w., bis es endlich unten die Maschine trocken verläſst.

Oben an der Trockenmaschine ist ein Saugventilator angebracht, welcher die Dämpfe aus der Maschine absaugt. Die Luftbewegung ist der Richtung der Bewegung des Getreides entgegengesetzt, wie es sein soll.

Den Gegenstand des Patentes bildet eigentlich nur die Abführung von Schlamm und schweren Verunreinigungen aus dem schrägen, die Getreideschraube enthaltenden Rohre. Zu diesem Zwecke befindet sich an demselben eine feste, durchlochte Platte, einen Oberboden bildend, unter welcher eine auf und ab gehende Platte mit conischen, in die Löcher des Doppelbodens passenden Zapfen bald den Abfluſs des Schlammes gestattet, bald aufhebt, wodurch ein Festsitzen des Schlammes einerseits und ein zu groſser Wasserverlust andererseits vermieden ist. Etwas oberhalb des genannten Doppelbodens befindet sich an der Unterseite des schrägen Rohres ein Ausschnitt, in welchen sich schwere Verunreinigungen, Steinchen u. dgl., einlagern. An diesem Ausschnitte ist ein Zellenrad (Trommel mit Aussparungen) angeschlossen, welches ruckweise Drehungen macht. Aus dem Rohrausschnitte fallen die Steinchen in die Zellen des Rades und werden durch dessen Drehung entfernt, gleichfalls ohne allzu groſsen Wasserverlust. Die ganze Anordnung scheint wohl durchdacht, doch ist Waschen und nachfolgendes Trocknen eine theuere Reinigung, welche nur in Ausnahmsfällen gerechtfertigt ist.

Unter der Benennung Reinigungsmaschine hat Emil Weiſs und Louis Fränkel in Berlin (*D. R. P. Nr. 37831 vom 1. Mai 1886) eine in der Hauptsache vielen Getreideputzmaschinen sehr ähnliche Maschine patentirt erhalten, welche er zum Auflösen plattgedrückten Schrotes verwendet wissen will. Die Maschine ist eine stehende. In einem Mantel aus Drahtgewebe, dessen lothrechte Drähte scharfkantig und dessen wagerechte |71| Drähte rund sind, dreht sich ein System von Scheiben, welche an den Umflächen gleichfalls mit solchem Drahtgewebe bekleidet sind, und tragen die Scheiben an der Unterseite Flügel. Der Mantel ist entsprechend der Scheibenzahl durch nach innen einspringende Ringe in Abtheilungen getheilt; jede Abtheilung steht durch einen Ausschnitt im Ringe mit der nächsten in Verbindung, und da die Ausschnitte um 180° versetzt sind, so muſs jedes Theilchen jede Abtheilung mindestens halb durchlaufen. Auf diesem Wege finden zahlreiche Stöſse des plattenförmigen Schrotes an den Mantel- und Scheibenwänden statt und dadurch die Auflösung des Schrotes. Empfehlenswerth kann diese Maschine für Schrot aus hartem Weizen gar nicht, für plattes Schrot aus weichem Weizen auch nur bei einem einfachen, weniger auf weiſse Züge gerichteten Mahl verfahren sein.

Zum Schlusse dieses Abschnittes sei noch des Verfahrens gedacht, geschälte Hülsenfrüchte mit einem schützenden Ueberzuge zu versehen, welches den Gegenstand des Patentes von Friedrich Krietsch in Wurzen, Sachsen (D. R. P. Nr. 39223 vom 27. Oktober 1886) bildet. Krietsch beabsichtigt, das Eindringen der atmosphärischen Luft in den Kern geschälter Hülsenfrüchte dadurch zu verhindern, daſs er dieselben in einen mit Dampfröhren umgebenen Cylinder bringt, bei dessen Durchlaufen durch Zuführung von heiſsem Wasser oder Dampf eine Erwärmung auf 40 bis 50° R. erzielt wird, worauf die Hülsenfrüchte unmittelbar in eine Maschine mit glatten Arbeitsflächen gelangen, welche dieselben Korn an Korn reiben, wodurch eine Erwärmung bis 70° R. erfolgt. Durch die Erwärmung und das Reiben wird eine gebildete Kleisterschicht geglättet und hierdurch eine Art Ueberzug erzielt, welcher die Hülsenfrüchte (Erbsen u. dgl.) vor der Einwirkung der Luft schützen und ihnen ein schöneres Aussehen verleihen soll. Die Patentschrift enthält keine näheren Angaben über die angewendeten mechanischen Mittel.

(Fortsetzung folgt.)

|67|

Die an Stelle der Sammtnadeln gebrauchten Leisten mögen eine Höhe von 40 bis 50mm besitzen.

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