Titel: Schäfer und Montanus' elektrische Bohrmaschine für Zahnärzte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 269/Miszelle 4 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj269/mi269mi04_4

Schäfer und Montanus' elektrische Bohrmaschine für Zahnärzte.

Schon seit längerer Zeit bedienen sich die Zahnärzte beim Plombiren der Zähne, dem Einsetzen von Stiftzähnen u.s.w. einer Bohrmaschine, welche der Arzt mittels Fuſstritt treibt. Zur Erleichterung für den Zahnarzt wurde dann die Maschine mittels eines elektrischen Motors getrieben, für welche der Strom von einer Tauchbatterie aus Chromsäurelementen geliefert ward. Dabei muſste der Arzt immer noch die Eintauchung mittels seines Fuſses aufrecht erhalten. Um ihn vollkommen frei zu machen, wenden Schäfer und Montanus in Frankfurt a. M. das von ihnen fabricirte Element von A. Dun in Frankfurt (D. R. P. Kl. 21 Nr. 34228 vom 12. Juli 1885) bei einem von ihnen gebauten elektrischen Motor an, der auf dem Instrumenttische oder besser auf einem |192| beweglichen Wandarme aufgestellt wird. 6 bis 8 solcher Elemente bleiben beständig zum Gebrauche fertig zusammengestellt. Nach Uhland's Technischer Rundschau, 1888 * S. 9, wird an dem Handstücke des die Drehbewegung dem Bohrer zuführenden Schlauches eine in Deutschland, England und Amerika patentirte Einschaltvorrichtung angebracht.

Es sind nämlich auf einer cylindrischen Hartgummihülse, welche auf dem Schlauche festsitzt, fünf Neusilberfedern dicht neben einander aufgeschraubt, über deren vorderen Enden sich ein Messingring dreht. Dieser Messingring ist über den Federn zur Hälfte ausgeschnitten, so daſs dieselben frei liegen und nur dann von dem Ringe berührt werden, wenn derselbe gedreht wird. Die erste und letzte der Federn stehen mit dicken Kupferlitzen, die dazwischen liegenden dagegen mit dünnen Neusilberdrähten eines Kabels in Verbindung. Die einzelnen Drähte des Kabels sind natürlich gegen einander isolirt.

Nimmt nun der Zahnarzt das Handstück zum Arbeiten in die rechte Hand, so dreht er mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand den King, wodurch die Federn nach und nach in metallische Verbindung mit einander treten. Der Strom kommt dann durch die Kupferlitze der Feder 1 an, geht durch Vermittlung des Ringes in die Feder 2 und von dieser durch den dünnen Neusilberdraht in den Motor. Wegen des hohen Widerstandes des Neusilberdrahtes gelangt nur wenig Strom in den Motor und derselbe läuft langsam. Soll die Geschwindigkeit gesteigert werden, so dreht man den Ring so weit, daſs er auch die Feder 3 berührt. Der Strom geht dann durch zwei Neusilberdrähte gleichzeitig und da somit der Widerstand im Kabel bedeutend geringer ist, so wird dem Motor mehr Strom zugeführt und derselbe läuft schneller.

Der Arzt kann mit der einmaligen Füllung der Batterie 6 bis 9 Monate lang arbeiten.

Mittels einer hinten am Motor angebrachten einfachen Umschaltvorrichtung ist es möglich, den Motor rechts oder links herum laufen zu lassen.

Auch bei Benutzung von Speicherbatterien (Accumulatoren) läſst sich diese Einschaltvorrichtung anwenden.

Unangenehm macht sich die Anwendung elektrischer Motoren durch den von diesen verursachten Lärmen, der manche Patienten in eine ganz unnöthige Angst versetzt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: