Titel: Die Signalanlagen der London and North Western Eisenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 269/Miszelle 3 (S. 480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj269/mi269mi10_3

Die Signalanlagen der London and North Western Eisenbahn.

Wie im Neuen Finanz- und Verloosungsblatte, 1888 S. 277, berichtet wird, hat der Betriebsdirektor der London and North Western Eisenbahn einen Vortrag über das Betriebssystem und die Leistungsfähigkeit englischer Bahnen im Allgemeinen, sowie über die genannte Gesellschaft im Besonderen gehalten. Wir entnehmen dem Berichte nachstehende Angaben über die Signalanlagen dieser Bahn:

Das Personal der Eisenbahn besteht aus 55217 Personen, wovon 8000 mit der Beförderung der Züge, 22000 auf die eine oder andere Weise im Betriebe und die übrigen als Commis, Beamte, Tagelöhner, Gehilfen u.s.w. beschäftigt sind. Die auf den im Vereine mit anderen Linien befahrenen Strecken beschäftigten Leute sind in dieser Zahl nicht mitbegriffen. Die Länge der North Western beträgt 1634 engl. Meilen (2631km), auſserdem hat die Gesellschaft in Pacht 346 Meilen und versorgt den Betrieb weiterer 568 Meilen, so daſs das ganze Netz eine Ausdehnung von 2548 engl. Meilen besitzt. Das Betriebsmaterial schlieſst 2541 Locomotiven (wovon 663 nur für den Personenverkehr bestimmt sind), 4548 Personenwagen und 53555 Güter- und Kohlenwaggons ein.

Die Bahn hat ein sehr ausgedehntes Signalsystem, das die Errichtung von 1400 Signalstationen mit 30000 Hebeln und 14000 Signalen, und eine Auslage von 40 Millionen Mark erforderte. Für die Instandhaltung der Signalapparate sind Jahr aus Jahr ein 600 Arbeiter beschäftigt.

Eine groſse Schwierigkeit im Betriebe englischer Eisenbahnen bietet der Nebel, der wiederholt von September oder Oktober bis gegen Ende Januar eintritt. Im vergangenen Winter war die Woche vom 9. bis 13. Januar die nebeligste, deren man sich seit vielen Jahren erinnerte. Der fast undurchdringliche graue Schleier umhüllte das ganze Land, während sonst gewöhnlich nur die groſsen Städte davon heimgesucht sind, und hielt viel länger als sonst an. Daſs eine solche Erschwerung des Betriebes zu Verspätungen führte, ist selbstredend, daſs indeſs der Verkehr trotzdem fast ohne jeden Unfall stattfand, war lediglich dem Nebelsignalsysteme zu verdanken, das sich zu dieser Zeit über Erwarten bewährte. Während der betreffenden Woche hatte die Bahn eine auſsergewöhnliche Nebelmannschaft an 2462 Signalstationen aufzustellen, weitere 2375 Mann wurden für mannigfachen auſserordentlichen Dienst angenommen und 1377 Mann für denselben Zweck in Bereitschaft gehalten. Es ist denn auch nur ein einziges bedauerliches Vorkommniſs zu erwähnen, es gerieth nämlich einer der neuangestellten Arbeiter im dichten Nebel auf ein unrichtiges Geleise und wurde von einem herankommenden Zuge überfahren. Die Verspätung der Expreſspersonenzüge erstreckte sich in den meisten Fällen nur auf wenige Minuten, während manche Züge ganz pünktlich eintrafen und der Zeitverlust nur ausnahmsweise ½ Stunde erreichte.

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