Titel: Preece, über die Ursachen der Feuersgefahr aus elektrischen Leitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 269/Miszelle 6 (S. 575–576)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj269/mi269mi12_6

Preece, über die Ursachen der Feuersgefahr aus elektrischen Leitungen.

In der Sitzung der Society of Telegraph-Engineers and Electricians in London (vgl. Journal of the Society of Telegraph-Engineers and Electricians, 1888 Bd. 17 S. 478) hat W. H. Preece einen Vortrag über die Gefahr von Brandunfällen bei der elektrischen Beleuchtung gehalten, der durch die Neubearbeitung der von dieser Gesellschaft 1882 herausgegebenen „Regeln“ veranlaſst worden ist.1) Der Redner erwähnte dabei, daſs in Lord Brassey's Haus ein Stromverwandler (Transformator), der in einem feuersicheren Eisenkasten untergebracht war, den Kasten erhitzte und zu einem Feuerlärme Anlaſs gab, obgleich kein wirklicher Brand entstand- daſs das Temple Theatre in Boston abbrannte zufolge eines Kurzschlusses in mit Baumwolle besponnenen und durch Paraffin isolirten Drähten; daſs das Feuer in den Midland Works in Derby veranlaſst ward durch einen Kurzschluſs, der einen alten hölzernen Lampenträger in Brand setzte. Im J. 1887 brannten durchschnittlich monatlich etwa zwei bis drei Theater durch die Schuld ihrer Beleuchtungsanlagen nieder, die Gesammtzahl der durch die elektrische Beleuchtung in derselben Zeit veranlaſsten Brände aber ist sehr klein. Mehrere der Ursachen zur Feuersgefahr lassen sich indessen schwer voraussehen. So entstehen in Ställen Kurzschlüsse durch die zerfressende Wirkung des Ammoniakes auf die Drähte und die metallenen Haspen u. dgl., in Häusern durch das Scheuern der Flure und die durch Ratten und Mäuse angerichteten Verwüstungen. Von dem so häufig beim Baue von Häusern beliebten Einlegen isolirter elektrischer Leiter in Cement kann nicht dringend genug abgerathen werden. Bei unterirdischen und unterseeischen Kabeln schützt das Wasser die Guttapercha-Isolirung vor der Zerstörung; an der Luft aber verschlechtern sich Guttapercha und Kautschuk sehr leicht, wenn sie der Feuchtigkeit und Temperaturwechseln ausgesetzt sind; die Drähte werden dann durch elektrolytische Wirkung angegriffen und so zerfressen, daſs sie den Strom nicht mehr ohne übermäſsige Erhitzung leiten können. Aeuſserst gefährlich ist das Einlegen der Drähte in Holz; mehrere Schiffsbrände sind dadurch verursacht worden. Quecksilbercontacte sind nur zulässig, wo das Quecksilber häufig erneuert werden kann. In Wohnhäusern werden oft nachträglich noch so viele Lampen in die ursprünglichen Leitungen mit eingeschaltet, daſs die letzteren auſser Stande sind, den Strom noch ohne gefährdende Erhitzung fortzuleiten.

Die allergröſste Gefahr aber entspringt aus schlechten Verbindungen. Das Löthen dürfte vorzuziehen sein und als Fluſsmittel (ausgenommen bei Seekabeln) Flüssigkeiten einem Harze; wenn aber bei Verbindungen Flüssigkeiten beim Löthen benutzt werden, so müssen die Löthstellen gut ausgewaschen und getrocknet werden, bevor das Isolirmittel darüber gebracht wird. Auch in Umschaltern liegen oft Quellen einer Gefahr, wenn ihre Theile nur lose mit einander verbunden sind.

Ferner schlieſst die Entzündbarkeit der Isolirmittel eine Gefahr in sich. Minder entzündbar als andere Mittel ist der von der Westinghouse Company zur Isolirung ihrer „Waring's-Drähte“ benutzte Stoff, welcher als Destillat vom Erdöle erhalten wird, nachdem Naphta und die leuchtenden Oele und die Schmieröle übergegangen sind.

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Im Anschlusse an diese Mittheilungen sei auf eine in Industries vorn 25. Mai 1888, S. 524, abgedruckte Schilderung der Zustände in Amerika hingewiesen. In New York verschlechterten sich die Leitungen der Lichtgesellschaften zusehends ganz auffällig. Dort seien die Leitungen in vielen Fällen aus sogen. „Unterschreiber-Draht“ („Assecuranten-Draht“) hergestellt, dessen Hülle aus zwei oder mehr Lagen eines Baumwollgeflechtes besteht, das stark mit einem Bleiweiſsanstrich getränkt ist. Die von Anfang an schlechte Isolirung taugt jetzt gar nichts mehr; unter dem Einflüsse von Sonnenschein und Regen ist sie zerstört worden, und an tausend Stellen liegt der Draht ganz bloſs. Die Verbindungsstellen waren mit sogen. Isolirband bedeckt; dieser Artikel war anfänglich gut, wurde aber nach und nach billiger und schlieſslich ganz unbrauchbar; der isolirende Stoff, womit es getränkt ist, wird vom Wetter ausgewaschen, und dann hängt es lose am Drahte. Die an sich harmlosen Drähte anderer Gesellschaften kommen gelegentlich mit Lichtleitungen in Berührungen und nehmen aus diesen zerstörende Ströme auf. Auch bei dem Legen der Leitungen sind durch Nachlässigkeit oder Knauserei und Unwissenheit manche Ungehörigkeiten mit untergelaufen.

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Vgl. 1882 245 255. – Vorher schon hatte 1881 die Edison Company in New York, deren Beispiel der Fire Insurance Board of New York folgte, und 1882 das Phönix Fire Office in London solche Regeln für die Anlage elektrischer Beleuchtungen herausgegeben; bald darauf that das Franklin Institute in Philadelphia in Pennsylvanien dasselbe. – Nach einer Bemerkung von Killingworth Hedges wären die Phönix-Regeln im Wesentlichen übereinstimmend mit den schon zuvor von C. J. Woodbury in Amerika aufgestellten Regeln.

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