Titel: Ader's Erzeugung hörbarer Morsezeichen in Unterseekabeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 269/Miszelle 4 (S. 611–612)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj269/mi269mi13_4

Ader's Erzeugung hörbarer Morsezeichen in Unterseekabeln.

Ader hat der Pariser Akademie der Wissenschaften kürzlich eine Mittheilung über die Erzeugung hörbarer Morsezeichen in Unterseekabeln gemacht (vgl. Comptes rendus vom 19. März 1888, Bd. 106 S. 857, Annales Industrielles vom 13. Mai 1888, S. 610), deren wesentlicher Inhalt folgender ist.

Legt man ein Telephon ans Ende eines arbeitenden Unterseekabels, so hört man nichts; das Telephon arbeitet zwar, aber das Ohr hört nichts, weil dazu wenigstens etwa 20 Schwingungen in der Secunde gemacht werden müssen. |612| Legt man aber zwischen Kabel und Telephon ein Mittel, das den Strom vielmal in der Secunde unterbricht, so sendet das Telephon einen Ton zum Ohre. Ein solches Mittel wäre einfach ein durch eine Lokalbatterie in Bewegung erhaltener Unterbrecher, ferner ein durch eine mechanische Kraft in Umdrehung versetztes Schlieſsungsrad. Man kann dann beim Telegraphiren mit Strömen von einerlei Richtung die Morse-Punkte und Striche leicht als längere und kürzere Töne unterscheiden.

Telegraphirt man aber die Punkte durch einen positiven, die Striche durch einen ebenfalls nur kurzen negativen Strom (wie z.B. beim Spiegelgalvanometer oder Thomson's Heberschreibapparat), so kann man den Stromunterbrecher dem Strome aus dem Kabel mittels einer Gabel abwechselnd zwei Telephonen zuführen lassen, von denen das eine ans linke, das andere ans rechte Ohr gehalten wird; in jeden der beiden Stromwege wird eine Lokalbatterie mit eingeschaltet, so daſs ihre Ströme gleichgerichtet sind und daher stets abwechselnd der Strom der einen Batterie vom Linienstrome vernichtet, der Strom der anderen Batterie von ihm verstärkt wird. Dann hört das linke Ohr die mittels positiver, daher bloſs durch den linken Empfänger gehender Ströme gegebenen Punkte, das rechte Ohr die Striche. Noch besser lassen sich dabei die beiden Elementarzeichen von einander unterscheiden, wenn man das Kabel mit zwei Stromunterbrechern verbindet, von denen der linke einen hohen Ton, z.B. G, der rechte einen tiefen Ton, z.B. C, hervorbringt. Die beiden Lokalbatterien (die auch zu einer einzigen zusammenschmelzen können) haben dabei die nämliche Aufgabe. Die positiven Kabelströme gehen in den linken Zweig und erzeugen ein G am linken Ohre, die negativen gehen in den rechten Zweig und erzeugen ein C am rechten Ohre; ersteres bedeutet einen Morse-Punkt, letzteres einen Morse-Strich. – Weitere Betrachtungen namentlich über das Wünschenswerthe einer Erleichterung der Kabeltelegraphie hat Ader in dem Bulletin de la Société Internationale des Electricians, 1888 Bd. 5 S. 95, gegeben (vgl. auch Journal of the Society of Telegraph-Engineers and Electriciens, 1888 Bd. 17 S. 640).

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