Titel: Gutzkow, Magnesiadarstellung in Kalifornien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 270 (S. 30–38)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj270/ar270008

Magnesiadarstellung in Kalifornien; von F. Gutzkow in San Francisco.

Mit Abbildungen.

Unter den Industriezweigen Kaliforniens nimmt die Bereitung von Salz aus Seewasser eine hervorragende Stelle ein. Für die abfallende Mutterlauge fand sich keine Verwendung, bis der Umstand, daſs beträchtliche Mengen von Magnesia zur Absorption des Nitroglycerines von hiesigen Pulverfabriken aus England importirt wurden, mich zur Anlage einer Magnesiafabrik veranlaſste. Die Fabrik wurde vor etwa 8 Jahren |31| auf dem Salzmarsche der Union Pacific Salt Company, etwa 20 englische Meilen südöstlich von San Francisco errichtet. Der Markt war nicht groſs genug, um eine hohe Kapitalanlage zu gestatten. Von der Verwendung von Compressionsmaschinen, durch welche Kohlensäure unter mehrfachem Atmosphärendrucke in geschlossene eiserne Cylinder gepreſst wird, wie es in England gebräuchlich sein soll, konnte keine Rede sein. Ein einfacher Root oder Baker „Blower“ muſste genügen. Als, Kohlensäurequelle konnten nur die Gase dienen, welche man durch Verbrennung von Koks unter dem Dampfkessel erhielt. Der Rest der Anlage bestand aus Dampfmaschine, Pumpe, Mahlmühle, viereckigen Holzkästen und runden Bottichen aus „Redwood“ (Sequoia). Gerade die Einfachheit der Hilfsmittel und einige bei der Fabrikation sich unerwarteter Weise zeigende Schwierigkeiten, die in der technischen Literatur unerwähnt geblieben sind, wird eine Beschreibung der Anlage vielleicht von Interesse machen.

Der Prozeſs selbst bestand in Fällung mit Kalkmilch, Behandlung des Magnesiumhydrates mit Kohlensäure und Kochen der geklärten Lösung – lauter wohlbekannte Arbeiten. Ehe dieser Prozeſs jedoch endgültig eingeführt wurde, versuchte ich einen anderen, ökonomisch vortheilhafteren. Das Magnesiumhydrat wurde in verhältniſsmäſsig wenig Wasser (ein engl. Pfund MgO im Cubikfuſs) suspendirt und während der Einleitung der Kohlensäure auf 40° gehalten. Es bildete sich sofort ein basisches Kohlensäuresalz, das bei schlieſslichem Erhitzen zu 90° unter starkem Aufschwellen in die gewünschte Verbindung überging. Diese unterschied sich von Magnesia alba nur durch einen unbedeutenden Mehrgehalt von MgO und die Beimischung einiger Procente kohlensauren Kalkes, welche für die Verwendung als Absorptionsmittel nicht schaden konnte. Trotzdem daſs das erhaltene Product auſserordentlich voluminös war, indem 1g gepulvert 18cc einnahm, war die Absorptionsfähigkeit nur dann genügend, wenn das Trocknen mit einer Schnelligkeit geschah, wie sie sich im Groſsen nicht erreichen lieſs. Diese Modification des Prozesses muſste deshalb aufgegeben werden.

Die Figur zeigt die Anlage im Durchschnitte und in logischer Folge. In Wirklichkeit verbot der schlechte Marschboden, die Apparate so hoch zu legen, wie die Zeichnung angibt. Es war nothwendig, einige Zwischenproducte zu pumpen, auch mehrere Apparate in die Nähe des Dampfkessels zu legen.

Die Mutterlauge von der Salzfabrikation, eine trübe, schleimige, röthliche Flüssigkeit von etwa 29° B. und bekannter Zusammensetzung1) mit etwa 100g MgO im Liter, wird in den Bottich (1) gepumpt. Derselbe |32| ist 2m,5 hoch und hat 3m,75 im Durchmesser. Soll die Magnesia chemisch rein sein, also zu medizinischem Gebrauche dienen, so wird die Mutterlauge in (1) durch Alaun unter Erhitzung geklärt und von organischen Substanzen gereinigt. Die Menge des erforderlichen Alaunes beträgt etwa 100k für die 25cbm in (1), und ist verschieden nach Jahreszeit und Jahrgang, je nach der Menge der organischen Bestandtheile, zu welchen zahllose lebende Thierchen (Cyclops und Artemia) zu zählen sind. Es bildet sich eine höchst voluminöse Abscheidung von Thonerde, welche beim Erhitzen der Mutterlauge nach oben steigt und bei schlieſslich 80° zu einer etwa 10cm dicken Kruste sich zusammenzieht. Man entfernt dieselbe am einfachsten dadurch, daſs man einen Gummischlauch bis zum Boden des Bottiches einführt und durch einen langsamen Wasserstrom den Bottich so voll füllt, daſs man die Kruste mittels hölzerner Rechen über den Rand des Bottiches ziehen kann, selbstverständlich mit einiger der Reinlichkeit wegen gebotenen Vorsicht. Für die Hauptmenge der Magnesia jedoch, die zur Absorption dienen soll, wird der Alaun in einer später zu beschreibenden Weise verwendet, die billiger und bequemer ist. Der Bottich (1) hält genug Mutterlauge für etwa 10 Tage. Ihr Magnesiagehalt muſs annähernd bestimmt werden, damit der Arbeiter weiſs, wie viel Zoll er für jede nachfolgende Operation aus dem Bottiche lassen muſs.

Textabbildung Bd. 270, S. 32
Das Magnesiumhydrat wird in dem Bottiche (2) bereitet und der Kalk in (3) gelöscht. Die Verbindung der drei Bottiche vermeidet, wie die Figur andeutet, unnützes Heben von Kalk und Mutterlauge. (2) hat gleiche Gröſse mit (1) und enthält einen durch Hand gedrehten Rührer. (3) ist 1m hoch und 2m im Durchmesser und wird 0m,6 hoch mit heiſsem Wasser von etwa 80° gefüllt, das im Verlaufe des Prozesses erhalten wird. Man trägt 136k Kalk ein, d. i. 300 Pfund mehr oder weniger, in zwei oder drei Portionen. Auf 1 Th. Kalk kommen mithin etwa 10 Th. kochenden Wassers. Der Kalk selbst ist von vorzüglicher Güte und enthält auſser etwas grobem Sande nur 0,4 Proc. Thonerde und Eisenoxyd. Die fertige Kalkmilch wird gerührt und flieſst nach (2). Man wäscht den Rest mit Wasser aus und läſst so viel Wasser nachflieſsen, |33| daſs die verdünnte Kalkmilch in (2) 0m,3 hoch steht, d.h. ein für allemal zu derselben markirten Höhe. Hierauf mischt man die nöthige Mutterlauge aus (1) zu, welche einen mäſsigen stöchiometrischen Ueberschuſs von MgO zuführt, und füllt schlieſslich den Bottich bis zum Rande. Nach 2 bis 3 Stunden hat sich das Magnesiumhydrat bis zu 0m,54 abgesetzt. Man läſst die Lösung fortlaufen und füllt noch dreimal voll. In dem somit viermal durch Decantation, jedesmal im Verhältnisse von 0m,54 zu 2m,5, gewaschenen Breie von Magnesiumhydrat finden sich 200 Pfund MgO in 200 Cubikfuſs Wasser (90k in 5cbm,66) und mehrere Procente kohlensauren Kalkes, die von den Bicarbonaten im Wasser herrühren, ferner, wenn die Mutterlauge ungeklärt geblieben war, organische und andere Verunreinigungen derselben. Kalkhydrat und Gyps ist wenig vorhanden in Folge der groſsen verwendeten Wassermenge, etwa 750 Th. auf 1 Th. MgO. Auf dem beschriebenen Werke wird das Wasser durch einen unmittelbar neben Bottich (2) liegenden artesischen Brunnen geliefert. Müſste man mit Wasser haushalten, so bieten sich naheliegende Modificationen des Verfahrens.

Das Magnesiumhydrat flieſst von (2) nach dem Sammelbehälter (4), in welchem sich alle 24 Stunden 11cm,32 mit 180k MgO ansammeln, da (2) doppelt vorhanden ist. Die Behandlung mit Kohlensäure geschieht in (6). (5) dient dazu, das Hydrat mit der nöthigen Wassermenge zu mischen. Ein Rührwerk in (4), das beim Füllen von (5) durch Maschinenkraft bewegt wird, ferner ein Apparat, der die jedesmal abflieſsende Hydratmenge dem Arbeiter angibt, und Wasserhahn mit Schwimmer sind für den Zweck erforderliche Hilfsapparate. Mittels einer sehr weiten Ausfluſsröhre kann man (6) in wenig Secunden füllen.

Das kohlensaure Gas wird durch die Verbrennung von ziemlich schlechtem Gaskoks auf dem Roste eines Dampfkessels von 1m Durchmesser und 5m Länge erzeugt. Der Kessel (14) ist einer der hier ausschlieſslich üblichen Locomobilkessel. Seine Einmauerung unterscheidet sich ebenfalls nicht von der gewöhnlich angewandten. Eine runde Klappe im eisernen Schornsteine gestattet die Feuerung mit dem Gebläse durch eine 0m,24 weite Röhre in Verbindung zu bringen. Bei geschlossener Klappe erzeugt das Gebläse gerade reichlich die zu seinem Betriebe erforderliche Dampf kraft, d. i. 8 . Ist die Klappe offen, so erzeugt der Kessel den Mehrbedarf für Erhitzung der Flüssigkeiten, ohne daſs eine Verdünnung durch aus dem Schornsteine vom Gebläse angesogene Luft eintritt. Diese günstigen Verhältnisse erleichterten den Betrieb ungemein, weil das Gebläse mit gröſster Regelmäſsigkeit arbeiten kann, ohne einen Ueberfluſs von Dampf zu erzeugen, für den sich nur periodisch Verwendung findet. Die Verbrennungsgase sind zu heiſs, um direkt benutzt werden zu können. Sie circuliren deshalb zuerst in einem langen, 2m,2 breiten aus Holz und Stein construirten Kasten (13), der mit verzinktem Eisenbleche bedeckt ist. Die starken |34| Pulsationen des Gebläses erfordern, daſs jedes der 0m,62 breiten und 2m,2 langen Bleche für sich befestigt wird. Der Apparat dient zum Trocknen von fertigem Magnesiumcarbonatbreie und zum Absetzen der angesaugten Asche und läſst sich ohne Schwierigkeit durch Verkitten von auſsen dicht halten. Von ihm zieht das Gas in einen Holzkasten (12), der durch zwei Scheidewände in drei Theile getheilt ist. Der mittlere Theil enthält Wasser, die beiden Endkammern sind durch 60 Röhren von 0m,025 Durchmesser und 12 Fuſs Länge in Verbindung. Diese legt man, am besten in einer einzigen Reihe, in halbkreisförmige Einschnitte der aus zwei Theilen bestehenden Scheidewände in ein Bett von geeignetem Kitte, deckt die zweite Hälfte der Scheidewände, ebenfalls mit Einschnitten versehen und mit Kitt ausgestrichen, darüber und schraubt das Ganze mit Bolzen zusammen. Das Dichthalten macht so keine Beschwerde und die Röhren lassen sich leicht zur Reinigung herausnehmen. Das Kühlwasser kommt aus dem erwähnten artesischen Brunnen und ist 15° warm, weshalb die Gase nur auf etwa 20° gekühlt werden können.

Das Gebläse (11) ist ein „Baker Blower“ Nr. 2, der theoretisch 7 engl. Cubikfuſs in einer Umdrehung liefert und mit 120 Umdrehungen in der Minute arbeitet. Ich setze die Construction dieser vortrefflichen Hilfsmaschine als bekannt voraus. Mit dem speciellen zur Verfügung stehenden Blower konnte man eine genügende Luftmenge nur durch eine Wassersäule von 2 Fuſs Höhe (0m,62) treiben. Mit den pneumatischen und hydraulischen Widerständen im Kühlapparate und Absorptionsgefäſse entspricht das etwa 3 Zoll (0m,075) Quecksilbersäule, was auch mit Erfahrungen im Schmelzbetriebe übereinstimmt. Doch war die erforderliche Kraft viel höher, als die Circulare der Fabrik angeben. Mit weniger Dampfkraft erhält man wohl gleichen und auch höheren Druck, aber auf Kosten des Volumens der durchgepreſsten Luftmenge.

Der Bottich (6) ist der wichtigste Theil der Anlage. Denn von dem Volumen und der Concentration der hier in 24 Stunden dargestellten Lösung von kohlensaurer Magnesia hängt das Ausbringen der Fabrik ab. Das erste bestimmt sich aus dem vom Gebläse überwindbaren Drucke, wie oben angegeben, gleich 2 Fuſs (0m,61), und aus der gleichmäſsig vertheilbaren Gasmenge zu 1cm,68. Der Bottich hat deshalb am Boden 2m und oben 2m,14 Durchmesser und 2m Höhe, um den sich reichlich bildenden Schaum bequem halten zu können. Der zweite Factor, die Concentration, wird weniger durch die starke Verdünnung der durchgepreſsten Gase beeinfluſst als man annehmen möchte, sobald nur der Strom selbst reichlich und lebhaft genug ist. Niedrige Temperatur ist natürlich förderlich 5 doch muſste man sich mit der Temperatur von 15° des Brunnenwassers begnügen, die sich durch die Wärme des nur zu 20° gekühlten Gasstromes noch erhöhte. Möglichst |35| feine Vertheilung des Magnesiumhydrates ist ebenfalls wünschenswerth. Doch bleibt der wichtigste Punkt die Quantität dieses Hydrates in jeder Charge und die Zeit der Einwirkung der Kohlensäure. Es bildet sich nämlich unter Umständen keine Lösung von Magnesiumbicarbonat, sondern nur Sesquicarbonat, d.h. drei Aequivalente CO2 für 2 MgO. Setzt sich schon aus dem Bicarbonate, wie die Lehrbücher angeben, allmählich das neutrale Carbonat MgCO3, 3H2O ab, so geschieht dies noch weit schneller aus dem Sesquicarbonate, namentlich bei Gegenwart von überschüssigem Hydrate. Das Salz scheidet sich in harten Krystallen aus und kann – unter diesen Verhältnissen – kaum wieder in Lösung gebracht werden. Erfahrung lehrte, daſs man nichts gewann, wenn man die Behandlung mit Kohlensäure über eine Stunde verlängerte oder einen stärkeren Brei als 1 Th. MgO in etwa 180 Th. Wasser (⅓ Pfund im Cubikfuſse) anwendete. Die sich so ergebende Lösung von Sesquicarbonat hält im Liter 4 bis 5g MgO, d. i. 1 Th. in 250 bis 200 Th. Wasser. Im Laboratorium erhält man auf ähnliche Weise, durch Ansaugen der mit Wasser gekühlten Flamme eines Bunsenschen Brenners mittels des Bunsen'schen Wasserstromsaugers, auch nur 6g MgO im Liter als guten Durchschnittswerth, ein Resultat, das ich auch im Groſsen gelegentlich erhalten konnte.

Die Verbrennungsgase werden dem Bottiche (6) durch eine Röhre von verzinktem Eisenbleche (Kupfer wäre besser gewesen) von 0m,15 Durchmesser zugeführt. Etwa 0m,4 vom Boden öffnet sich diese Röhre in einen Conus von 0m,3 unterer Weite, dessen 0m,075 breiter Flansch 0m,05 vom Boden auf angenagelten Holzstücken ruht. Auf diesem Flansche und einer Zahl radial sich ausbreitender Holzlatten ist ein durchlöcherter falscher Boden von Kupfer befestigt mit Oeffnungen von 1mm,5 Durchmesser, 1500 im Quadratmeter (je eine im Quadratzoll). Der Kupferboden ist in acht Segmente geschnitten. Die Schnittlinien sind bedeckt durch ein Holz 0m,05 im Quadrate, dessen eines Ende in einer in die Dauben gemeiſselten Vertiefung ruht, während das andere durch einen in den Boden des Bottiches geschraubten eisernen Haken mittels eines Holzkeiles gehalten wird. Dies ermöglicht eine leichte Entfernung der Kupfersegmente zur Reinigung der Oeffnungen, welche mindestens einmal wöchentlich nöthig ist. Man legt die Bleche einfach in stark verdünnte Schwefelsäure. Auf gleiche Weise reinigt man Hähne und andere Messingtheile. Eiserne Röhren werden losgeschraubt und in das Kesselfeuer gelegt. Die Kruste wird dann schnell und völlig als Pulver herausgeschleudert.

Man macht in 24 Stunden 20 Operationen in (6), ohne daſs es nöthig ist, das Gebläse für Füllung oder Entleerung in Stillstand zu bringen. Die nicht ausgenutzten vier Stunden kommen auf Mahlzeiten der Maschinenwärter und etwaige Reparaturen. Die tägliche Ausbeute von 20 × 1,68 = 33cbm,6 mit 4 bis 5g MgO im Liter oder ungefähr 150k |36| MgO repräsentirt also etwa 350k der fertigen Magnesia alba. Das Prinzip des Prozesses besteht demnach darin, den geringen Gehalt der Magnesialösung durch ihr groſses Volumen zu compensiren. Es hätte sich dies noch weiter treiben lassen; denn die Zunahme des Magnesiagehaltes ist nicht der Zeit proportional. Eine Lösung, welche nach einer Stunde 4g MgO im Liter hält, hatte nach ¼ Stunde 2g, nach ½ Stunde 3g, nach ¾ Stunden 3g,5 im Liter. Es wäre also vortheilhafter, anstatt 33cbm,6 mit 150k MgO, 67cbm,2 mit 225k MgO in 40 halbstündigen Operationen zu erzeugen. Von den täglich verbrauchten 3000 Pfund Koks gehen 2000 auf den Maschinenbetrieb und 1000 Pfund auf das Erhitzen der erhaltenen 33cbm,6. Man würde also aus den 67cbm,2 ein um 50 Proc. höheres Ausbringen mit nur 1000 Pfund Koks Mehrverbrauch erreichen.

Bottich (6) entleert in (7) von 2m,5 Durchmesser und 1m,2 Höhe. Dieses Geſäſs dient zum Absetzen der ungelösten Substanzen. Bei fehlerhaftem Betriebe, d.h. bei groſsem Ueberschusse von Magnesiumhydrat, bildet sich leicht genug eine wasserklare Lösung} bei richtigen Verhältnissen jedoch ist nicht genug Hydrat übrig, um die Lösung zu klären. Man wirft deshalb in jede Charge von (6) kurz vor dem Entleeren ein Pfund Alaun. Dies ist die oben erwähnte verbesserte Anwendung dieser Substanz. (7) ist mit einer Reihe von Messinghähnen versehen, durch welche die klare Lösung abgelassen wird, sobald sie das Niveau des Hahnes erreicht hat. Innerhalb einer Stunde kann man bequem die in der vorherigen Operation dargestellte Lösung klar ablassen. Der Rückstand wird einmal in 24 Stunden aus (7) entfernt, beträgt dann 0cbm,7 oder etwa 2 Proc. der 33cbm,6, und ist flüssig genug, um nach einigem Rühren durch die in der Figur angedeutete Trichter röhre zu flieſsen.

Die geklärte Lösung wird in (8), von 2m,6 Durchmesser und 1m,83 Höhe, zum eben beginnenden Kochen erhitzt. Die Art der Erhitzung ist von Wichtigkeit. Bei sehr schnellem Erhitzen scheidet sich die Magnesia alba der englischen ähnlich aus, d. i. weich, ohne stark krystallinischen Charakter, mit nur mäſsiger Absorptionsfähigkeit nach dem Trocknen. Bei anhaltendem Kochen wird das Product verdorben und gleicht dem in dem beschriebenen, verworfenen Prozesse erhaltenen. Bei sehr langsamem Erhitzen zu etwa 70° erhält man viel grob krystallinisches neutrales Magnesiumcarbonat, das allerdings bei höherer Temperatur in das basische Salz übergeht, aber auch ein schlecht absorbirendes Material liefert. Am besten erhitzt man schnell zu 70° und dann so langsam, als die Verhältnisse gestatten, zu 99° und stellt den Dampf ab. Das Product ist dann deutlich krystallinisch und von höchster Absorptionsfähigkeit. Die geringe Magnesiamenge, die so noch gelöst bleibt, verliert man lieber, als daſs man durch wirkliches Kochen Gefahr läuft, die Qualität zu verderben. Der Dampf wird durch ein |37| conisches Mundstück von 6 bis 7mm Weite zugelassen und strömt in solcher Richtung ein, daſs die Flüssigkeit in Rotation kommt und dadurch einen leichten centralen Rührer bewegt, der das Absetzen verhindert. Das Geſäſs (8) ist doppelt vorhanden. Jedes Kochen erfordert also 12 Stunden, verarbeitet ein Viertel der täglichen Production und erzeugt etwa 70k Magnesia alba. Die ganze Ausbeute ist 4 × 70 oder 280k mit etwa 120k MgO. Wie früher angegeben, enthielt der täglich dargestellte Brei von Magnesiumhydrat 180k MgO. Ein Drittel ist also verloren gegangen: in dem ungelöst gebliebenen Hydrate, in dem während des Absetzens abgeschiedenen neutralen Salze, in der im Rückstande aufgesogenen Lösung, in der gekochten Lösung und durch Incrustationen in den Apparaten. In einer Stunde setzt sich die in (8) ausgeschiedene Magnesia, worunter ich hier die Magnesia alba verstehe, zu 0m,45 ab. Man läſst die heiſse Lösung fortlaufen oder benutzt einen Theil zum Kalklöschen und wäscht den Magnesiabrei durch Bewegen des Rührers und Oeffnen eines Hahnes auf das Filter (9), wo er, durch ein ziemlich feines Messingsieb laufend, von etwaigen mitgeführten Incrustationen u. dgl. befreit wird.

Das Filter ist ein gewöhnlicher Holzkasten, 5m lang, 3m,5 breit und 0m,3 tief. Aus Holzleisten, die auf den Boden genagelt werden, natürlich ohne den Wasserabfluſs zu verhindern, bildet man einen falschen Boden und bedeckt ihn mit einem gewöhnlichen baumwollenen Filtertuche, groſs genug, um auch die Seiten und den Rand zu decken. Das Filtriren geschieht schnell und ohne alle Schwierigkeit. Man kann ein Filtertuch 6 Monate benutzen. Der filtrirte Magnesiabrei hält noch 12 Th. Wasser auf 1 Th. Magnesia. Alle Versuche, diese aufgesogene Wassermenge durch Druck oder Saugen zu verringern, miſslangen, indem sich unfehlbar die Absorptionsfähigkeit der fertigen Magnesia verringerte. Ebenso verschlechterte sich die Qualität durch Trocknen in der Sonne, wozu der sechsmonatliche regenlose Sommer Kaliforniens einlud. Schon durch Liegen auf dem Filter verliert die Magnesia nach dem Trocknen. Man schaufelt deshalb die womöglich noch warme Magnesia vom Filter in Schubkarren und stürzt diese auf die Trockenherde aus. Je schneller man trocknen kann, desto besser die Qualität.

Der oben beschriebene, durch die heiſsen Gase erwärmte Apparat (13) gibt weniger gute Resultate als der Dampftrockenherd (10), unter welchem die verbrauchten Dämpfe der Dampfmaschine und Dampfpumpe circuliren. Derselbe ist 30m lang und 2m,1 weit und wird dadurch hergestellt, daſs man eine aus verzinkten Blechen zusammengenietete Platte von gleicher Gröſse auf einen Kasten von 0m,15 Tiefe und ebenfalls gleicher Gröſse nagelt, Nägel und Niete verlöthet und mittels angeschraubter hölzerner Leisten von 0m,10 Breite und 0m,05 Höhe, das Ganze in eine Pfanne von 0m,05 Tiefe und angegebener Gröſse verwandelt. Daſs man den Boden des Kastens aus einer doppelten Bretterreihe |38| bildet, den Theil, wo der Dampf eintritt, durch einige Bleche schützt, und den Apparat nur da aufstellt, wo durchsickerndes Condensationswasser keine Ungelegenheit macht, also unmittelbar über dem Erdboden, versteht sich von selbst. Es sind zwei solcher Trockenherde vorhanden und man stellt alle 12 Stunden den Dampf um, damit er schlieſslich unter den mit nassem Breie belegten Theil vollständig condensirt. Der Brei wird nur 2mm,5 hoch ausgebreitet. Man gewinnt nichts durch gröſsere Höhe, wegen der äuſserst schlechten Wärmeleitung der die Bleche berührenden getrockneten Magnesia. Auf einem dieser zwei Trockenherde lassen sich deshalb nur etwa 100k in 24 Stunden trocknen. Den Rest der Production trocknet man auf (13). Zu medizinischem Gebrauche bestimmte Magnesia erhält man durch Einstreichen des Breies in Formen aus verzinktem Eisenbleche. Diese sind oben und unten offen, 0m,15 im Quadrate groſs und 6mm,5 hoch. Nach dem Trocknen erhält man Kuchen von 11mm,5 im Quadrate und 5mm Höhe, welche 0k,113 wiegen (¼ Pfund englisch oder 10 bis 11 Pfund der Cubikfuſs). Die Form läſst sich bald entfernen und der Kuchen handtieren.

Die getrocknete zur Absorption bestimmte Magnesia wird in Fässer geschaufelt und in den Trichter der Mahlmühle gestürzt. Ein gezahnter wagerechter Cylinder bricht die Klumpen und füttert die eigentliche Mühle, die sich von einer um wagerechte Achse drehenden Kaffeemühle wenig unterscheidet. Sie macht 600 Umdrehungen in der Minute. Die gepulverte Magnesia wird in groſse Säcke gepackt, welche nach der Füllung bei 1m,2 Höhe und 1m Durchmesser 70k wiegen, oder etwa 75k der Cubikmeter. Die Kosten stellen sich wie folgt:

2 Maschinenwärter für Tag- und Nachtschicht zu 3 Dollars = 6,00 Doll.
2 chinesische Arbeiter für Löschen des Kalkes, Trocknen
der Magnesia u.s.w. zu 1 Dollar
=
2,00

3000 Pfund (1363k) Gaskoks zu ⅓ Cent = 10,00
600 Pfund (272k) gebrannter Kalk zu 0,625 Cent = 3,75
20 Pfund (9k) Alaun zu 2 Cents = 0,40
Verschiedene andere Kosten und Reparaturen = 5,00
––––––––––––––––
27,15 Doll.

oder für die täglichen 280k Magnesia etwas weniger als 4½ Cents für 1 englisches Pfund, d. i. 42 Pf. für 1k. Der Verkaufspreis ist etwa 10 Cents für 1 Pfund. Die Fabrikation ist daher einträglich und leidet nur durch die Unbedeutendheit und Unsicherheit des Verkaufsmarktes.

|31|

Eine Analyse findet sich in einer Beschreibung der kalifornischen Salzwerke von dem Verfasser in Bd. 5 S. 26 der „Transactions of the Technical Society of the Pacific Coast“ für 1888.

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