Titel: Verfahren und Einrichtungen zum Trocknen u.s.w. von Kohlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 270 (S. 155–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj270/ar270026

Verfahren und Einrichtungen zum Trocknen, Sortiren und Zerkleinern von Kohlen, sowie zur Herstellung, zum Kühlen und Löschen von künstlicher Kohle.

Mit Abbildungen auf Tafel 10.

Nach P. Tunner werden in Schweden zum Trocknen der zum Betriebe der Eisenhochöfen verwendeten Holzkohle zwei verschiedene Methoden in Anwendung gebracht. Die eine ist von dem Gewerken M. Lindberg erfunden und wird in Dalkarshyttan benutzt, die andere hingegen ist von G. Uhr zuerst in Bangbro eingeführt, später auch nach den Hochöfen zu Mokärnshyttan, Horndal und Sandviken übertragen worden.

Beide Methoden stimmen insofern überein, als die Trocknung mit Hilfe erwärmter Luft bewerkstelligt wird; allein die Art, wie das ausgeführt wird, ist wesentlich verschieden. Zu Dalkarshyttan wird die zu trocknende Kohle in aus Drahtgeflechten dargestellte Körbe gefaſst, welche, auf Wagengestellen ruhend, auf einer Schienenbahn in einen langen gemauerten Tunnel eingeführt und in diesem von einem warmen Luftstrome umspült werden. Da hierbei zwischen den Körben und dem |156| Mauerwerke des Tunnels nothwendig ein bedeutender Zwischenraum frei gelassen werden muſs, so kann der warme Luftstrom nicht gezwungen werden, das Innere der Korbfüllung entsprechend zu durchdringen, weshalb die Trocknung eine längere Zeit und in Folge dessen eine groſse Anzahl von Körben, einen langen Tunnel und an beiden Enden des Tunnels Ventilatoren erfordert, wovon der eine blasend, der andere saugend wirkt, kurz der ganze Apparat wird groſs und kostspielig.

Bei der neueren Anordnung wird die Kohle in aus Eisenblech hergestellte, mit einem mehrfach durchlochten, gitterartigen Boden versehene Gefäſse gefüllt, wobei die erwärmte Luft den Inhalt der Gefäſse direkt durchziehen muſs, somit nahezu die volle Trocknungskraft der warmen Luft dem Inhalte der Gefäſse zu Gute kommt. Bei den Trocknungsapparaten zu Bangbro und Mokärnshyttan durchströmt die warme Luft die Kohle im Gefäſse von oben nach unten, während bei jenem zu Horndal die warme Luft durch den Boden ein- und zu oberst austritt, wodurch der Apparat einfacher und die Bedienung desselben erleichtert wird.

Bei einigen Apparaten geschieht die Erwärmung der Trocknungsluft mittels der Wärme, welche in dem erzeugten Roheisen und der abfallenden Schlacke enthalten ist. Allein die auf diesem Wege erlangten Resultate sind nicht befriedigend, indem die so erlangte Temperatur sehr ungleich, im Durchschnitte auch zu niedrig ist, kaum 30 bis 40° überschreitet und in Folge dessen die Trocknung der Kohle sehr langsam erfolgt. Ueberdies steht das erzeugte Roheisen, wenn dasselbe unmittelbar zum Bessemern oder zur Darstellung von Guſswaare verwendet wird, nicht zu Diensten der Lufterhitzung, und jedenfalls ist damit viele Arbeit, wie vermehrte Anlage- und Erhaltungskosten verbunden. Diesen Uebelständen auszuweichen, hat G. Uhr bei den zuletzt ausgeführten Trocknungsapparaten die Gichtflamme (richtiger die verbrannten heiſsen Gichtgase) des Hochofens zur Erhitzung der Trocknungsluſt einfach dadurch dienstbar gemacht, daſs er in entsprechender Höhe über der freien Gichtmündung einen trichterförmigen und mit einem Drahtcylinder versehenen Fangschirm anbrachte, welcher sofort mit einer Rohrleitung und einem darin eingeschalteten Saug- und Blasventilator die Leitung der aufgefangenen heiſsen Gase zu den mit Kohle gefüllten Trocknungsgefäſsen bewerkstelligte.

Diese einfache billige Einrichtung entspricht vollkommen, indem die Trocknungsluſt (die heiſsen Gase) bei der kurzen Rohrleitung noch so warm zu den Trocknungsgefäſsen gelangen, daſs oft die Temperatur derselben durch Beimischung von atmosphärischer Luft ermäſsigt werden muſs, was sehr leicht durch einen nach auſsen zu öffnenden Schieber in der Rohrleitung vor dem saugend wirkenden Ventilator geschehen kann. Es soll nämlich die Temperatur bei den Trockengefäſsen stets |157| unter 1000 gehalten werden, um der Gefahr einer Entzündung der Kohle enthoben zu sein. Sehr erwünscht ist eine Temperatur von beiläufig 80°. Aber selbst bei einer Temperatur von 40 bis 50° erfolgt die Trocknung ziemlich rasch, da die Menge der Trocknungsluſt eine bedeutende ist und die Temperatur derselben bei ihrem Verlassen der Trocknungsgefäſse nur 15 bis 30° beträgt (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1887 S. 489).

Ein ähnliches Verfahren, welches die Entwässerung gewaschener Feinkohle oder ähnlicher Waschproducte durch den direkten Druck von Dampf, Luft oder Gasen bezweckt, ist der Bergwerksgesellschaft Hibernia und Shamrock in Herne patentirt worden (D. R. P. Nr. 43116 vom 21. Juni 1887).

Ein Behälter A (Fig. 1) von beliebiger, am besten cylindrischer, langgestreckter Form wird von oben gefüllt und durch den Deckel a dicht verschlossen. Der Boden a1 ist durchlocht oder aus einem Drahtsiebe hergestellt. Die Maschen des Siebes sind von solcher Weite, daſs das Füllmaterial zurückgehalten und nur die Flüssigkeit durchgelassen wird. Statt dessen kann auch der Boden undurchlässig gemacht werden. Man läſst dann die Flüssigkeit seitwärts austreten. Dampf, Luft oder Gase werden durch das Rohr B zugeführt. Die Zuführung wird durch das Ventil b geregelt, welches vor der Entleerung abgesperrt wird; zugleich wird Ventil b1 geöffnet. Zur bequemen raschen Entleerung des Behälters ist der Boden zweitheilig und nach unten aufklappbar angeordnet. Das nasse Material wird durch eine über den Behältern liegende Transportschnecke C zugeführt und durch den mittels Schieber c abschlieſsbaren Trichter c1 in den Behälter geleitet. Das unterhalb des Behälters austretende Wasser wird von einem Gefäſse oder einer Rinne D aufgefangen und abgeleitet. Die Behälter A können in beliebiger Anzahl aufgestellt und jeder für sich oder zu mehreren gleichzeitig in Thätigkeit gesetzt werden.

Das entwässerte Material wird sofort in Wagen E zur Beförderung nach anderen Verarbeitungsstellen abgestürzt.

Der Patentanspruch bezieht sich nicht auf den Apparat, sondern auf das Verfahren und lautet wie folgt: „Ein Verfahren zur Entwässerung nasser kleinkörniger Materialien, wie gewaschener Feinkohle oder ähnlicher Waschproducte, darin bestehend, daſs gegen die in einseitig dicht geschlossenen Behältern aufgehäuften nassen Materialien von der geschlossenen Seite her Dampf oder comprimirte eventuell erhitzte Luft oder Gase mit direktem Drucke wirken gelassen wird, so daſs das die Zwischenräume zwischen den Körnern ausfüllende, eine zusammenhängende Wassersäule darstellende Wasser nach der entgegengesetzten, Seite hin durch dort angeordnete Austrittsöffnungen verdrängt wird.“

Ein Trockenapparat für Braunkohle ist von Dr. Georg Becknagel in Nassau vorgeschlagen worden (D. R. P. Nr. 43 873 vom 21. September |158| 1887). Der Apparat besteht aus zwei gleichen 2500mm hohen und 1400mm weiten Mänteln AA (Fig. 2), welche bis zu ⅘ ihrer Höhe mit gleichmäſsig vertheilten Löchern versehen sind. In der Längsachse jedes dieser Mäntel ist ein gelochtes Rohr BB von 260mm Durchmesser angebracht. In den Zwischenraum zwischen diesem inneren Rohre und dem Mantel werden die zu trocknenden Kohlen gebracht und sodann warme Luft von unten und oben in das centrale innere Rohr BB eingeblasen. Da die Mäntel unten und oben geschlossen sind, entweicht die Luft, nachdem sie die Kohlen bestrichen hat, durch die Löcher des Mantels. Die Kohlen sintern während des Trocknens zusammen. Deshalb ist dafür gesorgt, daſs diejenigen oberen Löcher des centralen Rohres, an welchen Kohlen nicht mehr anliegen, verschlossen werden. Zu diesem Zwecke hat das centrale Rohr oben einen nicht gelochten Fortsatz F von 500mm Länge, in welchen ein ebenso langer Stutzen H ohne Reibung paſst. Dieser Stutzen ist an seinem unteren Ende mit zwei Armen versehen, welche durch einen Schlitz des centralen Rohres BB nach auſsen führen und nach Art eines Schwimmers auf den Kohlen aufliegen, so daſs der Rohrstuten durch sein Gewicht mit den Kohlen zugleich sinkt und so die oberen Löcher des Rohres BB verschlieſst. Zum Einblasen der Luft dient ein Schraubenventilator S, welcher sich auf der einen Seite saugend an den Raum anschlieſst, in welchem heiſse, Luft vorräthig ist, auf der anderen Seite aber mit einem cylindrischen, senkrecht zur Achse abgeschlossenen Ansätze F versehen ist. Dieser cylindrische Ansatz besitzt vier Rohransätze T deren Achsen in einer zur Ventilatorachse senkrechten Ebene liegen, und welche, durch Rohre verlängert, bestimmt sind, die von der Schraube in den angesetzten Cylinder (Windkessel) eingepreſste Luft nach den zwei Kohlenbehältern zu führen.

Durch diesen an dem Schraubenventilator angebrachten Windkessel dürfte man im Stande sein, die Vorzüge des Schrauben Ventilators mit denen des Flügelventilators zu vereinigen. Bei Anwendung des Windkessels V ist es durch den Schraubenventilator möglich, mit geringem Arbeitsaufwande groſse Luftmengen von im Querschnitte gleichmäſsiger und weit höherer Pressung zu erhalten, als bei dem Verfahren einer parallel zur Achse gerichteten Fortleitung der Luft.

Fig. 3 bis 5 zeigen einen Apparat zum Trocknen von Braunkohlen-Naſspreſssteinen, erfunden von Balduin Beckstein in Altenburg (D. R. P. Nr. 39499 vom 23. September 1886). Der in Holz oder Eisen ausführbare Apparat besteht aus einem Kasten, der in eine beliebige Anzahl isolirter Zellen eingetheilt ist, deren jede ein abgeschlossenes Ganzes für sich bildet. Die zu trocknenden Braunkohlen-Naſspreſssteine werden auf die herausnehmbaren Rahmen f gelegt und auf den seitlich angebrachten Winkeleisenschienen h durch die Klappen h in den Apparat geschoben. Die Rahmen f stoſsen durch Querleisten g an einander, so |159| daſs ein Zusammemstoſsen der Naſspreſssteine unmöglich wird. Die Erwärmung der durch die einstellbaren Luftklappen b einströmenden kalten Luft erfolgt durch die mittels Dampfes oder heiſser Luft geheizten, schlangenförmig oder anders geführten Rohre r, in welchen der Dampf oder die Luft bei c eintritt und bei d austritt. Die Erwärmung kann aber auch durch hohle eiserne Platten erfolgen.

Die erwärmte Luft zieht durch die zwischen den Naſspreſssteinen verbleibenden Fugen, so daſs die zu trocknenden Steine e von allen Seiten mit der erwärmten Luft in Berührung kommen und die darin enthaltene Feuchtigkeit von der Luft herausgezogen wird. Durch die Zungen l erhält die Luft ihre Austrittsrichtung.

Die Einrichtung des Apparates bekundet einen erfreulichen Fortschritt in dem Verfahren des Trocknens der Naſspreſssteine, da umfangreiche Schuppenbauten in Fortfall kommen und der Trockenprozeſs von der Witterung gänzlich unabhängig, also auch im Winter ausführbar ist. Sehr wesentlich dürfte es sein, daſs bei der beschriebenen Einrichtung die Feuchtigkeit der einen Schicht nicht mit der darüber befindlichen Steinschicht in Berührung kommt und die feuchte Luft von jeder der isolirt getrockneten Schichten ungehindert entweichen kann.

Eine Einrichtung zum Auffangen und Aufsammeln des Staubes bei der Förderung getrockneter Kohle ist von G. Dorn in Greppiner Werke bei Bitterfeld (D. R. P. Nr. 41121 vom 17. April 1887) vorgeschlagen worden.

Abgesehen von den Trockenöfen sind es bekanntlich in erster Linie die Elevatoren für die getrockneten Kohlen, welche zur Erzeugung von Staub Veranlassung geben. Man baut diese Elevatoren daher in besondere gemauerte Schächte ein, welche durch natürlichen Luftzug den Staub nach auſsen befördern. Durch diese Vorrichtung wird zwar dem Staube ein Weg nach der Auſsenluft geschaffen, es geht dabei aber eine beträchtliche Menge Kohle verloren. Zur Vermeidung dieses Uebelstandes ist das den Elevator B enthaltende Gehäuse C (Fig. 6) mit einem Exhaustor J oder einem Dampfstrahlgebläse und einer mit Abzug nach oben versehenen Kammer E verbunden. In dieser wird die Staubluft mit durch Rohr L einströmendem Dampfe zusammengebracht, so daſs der Staub sich niederschlägt und durch eine Schnecke M gesammelt werden kann.

Paul Haeuser in Meuselwitz (Sachsen-Altenburg) hat mehrere Patente auf Trockenvorrichtungen für Kohle erworben (D. R. P. Nr. 40 002 vom 2. März 1886, Nr. 40005 vom 28. August 1886, Nr. 42 576 vom 2. Juni 1887 und Nr. 42 581 vom 24. August 1887).

Die in Nr. 40002 beschriebene Trockenvorrichtung, ein Dampftellertrockenapparat, ist charakterisirt

1) durch die Anordnung eines Gerüstes für die Rührarme D (Fig. 7), welches mit düsenförmigen Ringen b versehen ist und sich in senkrechter |160| Richtung zum Zwecke der Regulirung des Luftabzuges verschieben läſst;

2) durch die Anordnung von beweglichen Rührschaufel trägem, welche aus Stangen bestehen, die sich durch bekannte Mechanismen in bestimmter Höhe feststellen lassen;

3) durch die Anordnung von auf und ab beweglichen conischen Absperrrändern m, welche zur Luftzutrittsregulirung dienen und mit den Düsen b in Verbindung stehen.

Die in der Patentschrift Nr. 40005 beschriebene Neuerung an Rührvorrichtungen für Dampf- und Feuerluft-Tellertrockenapparate besteht darin, daſs die Schaufelträger als drehbare, doppelarmige Hebel gebildet sind, welche sich mittels einer Verbindungsschiene derartig verstellen lassen, daſs die Schaufeln ihre Richtung zur Mittellinie des Rührarmes verändern und mit letzterem einen mehr oder weniger spitzen Winkel bilden.

Fig. 8 und 9 veranschaulichen die in der Patentschrift Nr. 42576 beschriebene Einrichtung an Dampf-Tellertrockenapparaten, welche darin besteht, daſs die Kohle in dünn zertheiltem Zustande über den Boden der Teller a hinweg nach dem anderen Teller gebracht wird, zu welchem Zwecke zwischen den Heizstellen am äuſseren Umfange die mit Durchlochungen versehenen Ueberführringe b angeordnet sind. Dieselben sind wiederum mit Mänteln f versehen, damit die durch Kanäle i vorgewärmte Luft zwangläufig durch b mit der fallenden Kohle in Berührung kommt.

Zur Vermeidung des Uebertrocknens der Kohle trifft der Erfinder (nach Nr. 42581) an den Tellertrockenöfen die Einrichtung derart, daſs man durch einige Trockenteller beliebig Wasser strömen lassen kann, zu welchem Zwecke neben dem Dampfrohre D (Fig. 10) die mit Hähnen B versehenen Wasser-Zu- und Abfluſsrohre A angebracht werden.

Diese in Kürze gekennzeichneten Haeuser'schen Erfindungen tragen zwar nicht den Charakter groſsartiger Neuerungen in sich, immerhin dürften dieselben aber geeignet sein, kleine in der Praxis entstehende Schwierigkeiten mehr und mehr zu beseitigen.

(Schluſs folgt.)

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