Titel: Locomotiv-Feuerbüchsen aus Fluſseisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 270/Miszelle 3 (S. 95–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj270/mi270mi02_3

Locomotiv-Feuerbüchsen aus Fluſseisen.

Hr. Paul Kreuzpointner in Altoona, Pa., hat mehrfach auf die ausgedehnte Verwendung hingewiesen, welche das Fluſseisen im Dampfkesselbaue der Vereinigten Staaten überhaupt und insbesondere beim Baue von Locomotivkesseln gefunden hat, während man in Deutschland hartnäckig sich einem Materiale gegenüber ablehnend verhält, mit dem man in Amerika allgemein die besten Erfahrungen gemacht hat.

Textabbildung Bd. 270, S. 95
Der Güte desselben Verfassers verdanken wir, schreibt Stahl und Eisen in Nr. 8, 1888 S. 535, die Zeichnung des Locomotivkessels einer Normal-Tendermaschine, Klasse O, der |96| Pennsylvania Railroad Co., die soweit sie die Feuerbüchse (Textfigur) betrifft, für den deutschen Locomotivbauer von hohem Interesse ist.

Ueber die Hauptabmessungen und das Material gibt uns folgende Tabelle Aufschluſs:

Kesselmaterial Fluſseisen
Stärke der Kesselplatten, Dom 7,9mm
„ „ „ Langkessel und Auſsen-
seite der Feuerbüchse

9,5
Abdachung, Deckplatte, Zwischenstück und Rauch-
kammer

11,1
Innerer Durchmesser des Kessels, maximal 1432
„ „ „ „ minimal 1352
Höhe vom Schienenkopfe bis zum Mittelpunkte des
Kessels

2032
Zahl der Rohre 193
Innerer Durchmesser der Rohre 50,8
Aeuſserer „ „ „ 57,1
Material der Rohre Schmiedeeisen
Länge der Rohre zwischen den Rohrwänden 3351,2mm
Aeuſsere Heizfläche der Rohre 116,12qm
Feuerfläche quer durch die Rohre 0,39
Länge der Feuerbüchse am Boden (inwendig). 1819,2mm
Breite „ „ „ „ „ 889
Höhe der Deckplatte über der Spitze des Rostes
(Mittelpunkt der Feuerbüchse)

1727,2
Material für die Innenseite der Feuerbüchse Fluſseisen
Stärke der inneren Feuerbüchsplatten,
Seiten

6,3mm
Vorderwand
Rückwand und Decke

7,9
Stärke der Rohrwände 12,7
Material der Rohrwände Fluſseisen

Wir betonen, daſs die Blechstärken auf langjähriger Erfahrung der Eisenbahngesellschaft beruhen. „Mit der nöthigen Vorsicht in der Herstellung und Bearbeitung des Materiales“, schreibt uns Herr Kreuzpointner, „kann es gar nicht fehlen, daſs sich das Martinfluſseisen auch in Deutschland die Anerkennung erwirbt, welche es verdient. Wenn es hier in Amerika unter der rohen, rücksichtslosen, unverständigen, oft geradezu verbrecherischen Behandlung, die ihm von Kesselschmieden und Bediensteten zu Theil wird, so gute Dienste leistet, warum soll es nicht dasselbe in Deutschland thun?“

Wir können der Anschauung unseres geschätzten Mitarbeiters um so eher beipflichten, als die deutschen Fluſseisenwerke, als in der Technik vornan stehend, in der Lage sind, ein den amerikanischen Blechen mindestens ebenbürtiges Fabrikat zu liefern.

Die Preisersparniſs bei Herstellung einer Locomotiv-Feuerbüchse aus Fluſseisen anstatt des hierzulande üblichen Kupfers wird von der Railroad Gazette bei dem gegenwärtigen Kupferpreise auf 2400 M. angegeben. Nach derselben Quelle hängt der Erfolg der Fluſseisernen Feuerbüchsen von drei Bedingungen ab: Das Speisewasser muſs möglichst wenig kohlensauren und schwefelsauren Kalk und Magnesia enthalten, die Bleche dürfen nicht zu dick genommen werden und das Fluſseisen muſs weich und von geringem Phosphorgehalte sein. Sind diese Bedingungen erfüllt, so sollen die Feuerbüchsen aus Fluſseisen ebenso dauerhaft wie jeder andere Locomotivtheil sein.

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