Titel: Schutz der Seedampfer durch Voraussendung eines elektrischen Bootes unter Wasser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 270/Miszelle 6 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj270/mi270mi08_6

Schutz der Seedampfer durch Voraussendung eines elektrischen Bootes unter Wasser.

Aehnlich wie A. Bain und Th. Wright nach ihrem englischen Patente vom 21. December 1841 dem auf einer Eisenbahn fahrenden Zuge in einer Entfernung von 1 engl. Meile (1km,6) eine „Lotsenmaschine“ voraussenden wollten, welche bei vorhandener Gefahr auf dem Zuge ein Warnungssignal ertönen lassen sollte (vgl. Zetzsche, Handbuch der elektrischen Telegraphier Bd. 4 S. 321), so haben sich zwei der französischen Kriegsflotte zugehörige Herren, Orecchioni und Cavalieri, kürzlich in Frankreich eine Einrichtung patentiren lassen, bei welcher ein einem Seedampfer unter Wasser vorauslaufendes elektrisches Boot dem Dampfer ein elektrisches Signal geben soll, wenn ein vom Grunde emporragendes, oder ein vom Wasserspiegel hinabreichendes Fahrthinderniſs ihm Gefahr droht. Der dadurch erzielte Schutz gegen den Verlust von groſsen Seedampfern und Menschenleben würde die Anschaffungs- und Betriebskosten für diese einen wichtigen Wachtdienst verrichtenden Boote reichlich decken. Nach La Lumiere Electrique, 1888 Bd. 29 * S. 517, soll ein Torpedoboot mit dem zu schützenden Seedampfer durch zwei Kabel verbunden werden, in denen dem ersteren der dasselbe bewegende elektrische Strom zugeführt wird. Es sind bereits in der Rhede von Marseille Versuche angestellt worden. Das Boot ist, wie die Torpedoboote im Allgemeinen, in der Mitte walzenförmig, an beiden Enden kegelförmig. Seine Länge miſst 6m,50, sein Durchmesser 0m,50. Die vorauslaufende Spitze schlieſst, wenn sie nach auſsen oder nach innen verschoben wird, einen elektrischen Stromkreis und löst dadurch auf dem |383| Dampfer ein Laufwerk aus, das eine Lärmklingel in Thätigkeit versetzt. Von der Spitze laufen nach oben und nach unten zwei Stangen von je 2m Länge; stoſsen diese innerhalb bezieh. auſserhalb ihres zweiten Stützpunktes auf ein Winderniſs, so verschieben sie die Spitze nach innen bezieh. nach auſsen, und die Klingel ertönt. Hat der Dampfer 5m Tiefgang und wird das Boot 4m unter dem Wasserspiegel gehalten, so wird die untere Stange noch erreicht von einer 6m tiefen Felsspitze, die obere von einem 2m eintauchenden Schiffsrumpfe, Eisfelde u.s.w. Das Boot soll etwa die dreifache Schiffslänge (300 bis 400m) voraus laufen, auf welche Länge das Schiff eine Wendung zu machen vermag. Nach dem Rathe von de Meritens und Trouvé werden jetzt mehrere Rotoren auf einer gemeinschaftlichen Welle angebracht, welche zugleich die Welle der Schraube ist. Diese Motoren sind im walzenförmigen mittleren Theile des Bootes untergebracht. Die den Strom vom Schiffe aus zuführenden Kabel sind nicht einfach in das Boot eingeführt, sondern sie laufen zunächst an eine wagerechte Lenkstange, die links und rechts 1m,50 vorsteht; fährt das Schiff in gleicher Richtung mit dem Boote, so sind beide Kabel durch das etwas schneller fahrende Boot gleich stark gespannt; wendet sich das Schiff, so wird dadurch das eine Kabel stärker gespannt und durch dieses das Boot in gleichem Sinne gewendet. Der Sicherheit halber ist an jedem der beiden Kabel eine elektrische Leitung zur Klingel angebracht. In dem nach dem Schiffe hin liegenden rückwärtigen kegelförmigen Theile des Bootes befindet sich ein eigenthümlicher hydraulischer Apparat, der durch die Wirkung des mit der Tiefe wachsenden Wasserdruckes, einer Feder und der Schraube, das Boot in nahezu gleich bleibender Tiefe unter Wasser erhält. Das Gewicht des Bootes liegt je nach seiner Gröſse zwischen 500 und 900k.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: