Titel: Berliner's Gramophon; Tainter und Bell's Graphophon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 270/Miszelle 8 (S. 383–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj270/mi270mi08_8

Berliner's Gramophon; Tainter und Bell's Graphophon.

E. Berliner hat sein Gramophon (1888 269 * 115) noch wesentlich verbessert und vereinfacht. Die Abformung der Wellenlinie erfolgt jetzt nach La Lumière Electrique, 1888 Bd. 29 * S. 492, nicht mehr durch Photogravirung, |384| sondern einfacher so: man nimmt eine Zinkscheibe und gieſst eine flüchtige Flüssigkeit darüber, welche darauf eine sehr dünne Schicht Wachs absetzt; auf die letztere läſst man den schreibenden Stift wirken. Dann behandelt man die Scheibe mit Chromsäure; nach Verlauf von 15 Minuten sieht man auf der Oberfläche bei Betrachtung mittels der Lupe eine Furche, welche sehr treu alle Wellen der vom Stifte gezeichneten Linie wiedergibt. Eine Vervielfältigung kann elektrolytisch oder durch Abformen bewirkt werden.

Der die Rede aufzeichnende Apparat selbst besteht aus einer Platte, welche durch ein Triebwerk in der Minute 50mal umgedreht wird; auf die Platte wird eine Zinkscheibe von 300mm Durchmesser befestigt. In dem die Töne wiedererzeugenden Apparate wird die wagerecht liegende Platte mittels einer Handkurbel und einer Reibungsscheibe in Umdrehung versetzt. Der Stift ruht auf ihr durch sein eigenes Gewicht und versetzt die beim Schwingen tönende Platte, woran er befestigt ist, ganz nach der Gestalt der gezeichneten Spirallinie in Schwingungen und bewegt, indem er der Spirale folgt, die Fassung der schwingenden Platte zugleich vom Umfange nach der Mitte hin. Der Stift und die schwingende Platte sind an einem Hebel befestigt, der etwa 450mm von der Scheibenmitte drehbar gelagert ist und sich mit der schwingenden Platte bewegt, wobei er einen kleinen Winkel beschreibt.

Aus Anlaſs eines von E. T. Gilliland im New York Electrical Club am 12. Mai 1888 gehaltenen Vortrage über Edison's neuen Phonograph (1888 269 * 119) erörtert Charles Sumner Tainter in der Electrical World, 1888 Bd. 12 * S. 16, die Verbesserungen, welche er, zum Theile unter Mitwirkung von Chichester A. Bell, seit 1885 an dem Phonographen (oder Graphophon; vgl. auch Bell 1886 262 334) angebracht hat. Tainter behauptet, Edison habe in seinen Patenten von 1878 (in Amerika Nr. 200521, in England Nr. 1644) Wachs u. dgl. nur als Ueberzug oder Bindemittel für Papier und ähnliches Material benutzt, in diesem Materiale auch die Schrift durch Einzahnung (intending) erzeugt. In Tainter's und Bell's Patent Nr. 341214 von 1885 und in Tainter's Patent Nr. 341288 von 1885 lauten die Ansprüche auf das Einschneiden (cutting or engraving) der Schrift in das Wachs selbst. Tainter gibt a. a. O. Abbildungen seiner Graphophone. Die ältesten von 1885 tragen die Wachsplatte entweder auf einem Cylinder oder auf einer Platte; die Bewegung erfolgt hier durch die Hand, in den späteren Graphophonen mittels Fuſstritt. Nach Engineering vom 14. September 1888 * S. 248 soll der daselbst zugleich mit vielen anderen einzelnen Theilen abgebildete Regulator im Stande sein, die Umlaufsgeschwindigkeit auf 160 Umläufen in der Minute bis auf Abweichungen von 1 bis 2 Umdrehungen genau zu erhalten, mag der Fuſstritt auch noch so rasch und noch so unregelmäſsig bewegt werden. Als Mitarbeiter C. S. Tainter's in Washington werden daselbst genannt: Prof. Graham Bell und Dr. Chadwick Bell. Sollen zwei Personen abwechselnd sprechen, so bekommt das Graphophon zwei Mundstücke. Die neuesten Maschinen (von 1877) sind meist mit einem Typendrucker (Schreibmaschine) versehen; sie haben dann zwei kleine Tasten; drückt man auf die eine, so gibt das Graphophon die Rede wieder; hat es einige Worte gesprochen, so drückt man auf die zweite Taste, der Cylinder bleibt still stehen, wenn auch der Fuſstritt weiter bewegt wird, und man hat Zeit, die gehörten Worte zu drucken; ist dies geschehen, so drückt man wieder die erste Taste u.s.w.

Es werden auch doppelte Instrumente, gebaut; dieselben haben zwei Walzen, für jede Walze einen besonderen Empfänger, aber für beide Walzen nur ein gemeinschaftliches Rohr zum Sprechen. Von den erzeugten Aufzeichnungen wird dann die eine zurückbehalten, die andere an die Person geschickt, für die sie bestimmt ist. Nähere Auskünfte sind durch die Graphophone Agency, 160 bis 164 Broadway, New York City, zu erlangen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: