Titel: Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 271 (S. 58–67)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj271/ar271008

Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.

(Patentklasse 25. Fortsetzung des Berichtes Bd. 269 S. 1.)

Mit Abbildungen auf Tafel 4 und 5.

Die Wirkerei bildet mit dem Stricken und Häkeln zusammen diejenigen gewerblichen Arbeiten, welche Maschenwaaren herstellen; die Producte aller drei Arbeiten sind deshalb in ihren Faden Verbindungen bisweilen einander so vollständig gleich, daſs aus diesen Verbindungen allein in einzelnen Fällen nicht mit Sicherheit zu erkennen ist, ob die eine oder andere Arbeit zur Herstellung verwendet worden ist. Das Handstricken wird trotz der vielen Vervollkommnungen in der Wirkerei in manchen Gegenden Deutschlands noch immer gewerbmäſsig betrieben, aber es kommen doch selten Verbesserungen im Verfahren oder in den Hilfsmitteln vor.

Als eine solche Verbesserung zeigt sich jetzt ein Strickring von Frau Marie Wild in Furth (Bayerischer Wald) (* D. R. P. Nr. 44069 vom 3. Februar 1888), welcher wie Fig. 1 Taf. 4 zeigt, an den Zeigefinger der linken Hand, der gewöhnlich den Faden führt, gesteckt wird, eine Zufuhrrinne von mehr als einer Windung um den Finger herum bildet, bei a1 eine Bremse und bei c eine Oese trägt, so daſs der Faden mit gleichmäſsiger Spannung und entsprechend der erforderlichen Menge geregelt zugeführt wird, wodurch allerdings das Stricken eine gewisse Erleichterung erfahren mag.

Die Wirkerei selbst hat im verflossenen Halbjahre für die Handstühle nicht irgend welche Neuerungen aufzuweisen, und für flache |59| mechanische Stühle sind auch nur die folgenden zwei Fälle zu verzeichnen:

Der mechanische Wirkstuhl für reguläre Waare von Gustav Heidler in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 43202 vom 5. Juli 1887) enthält nur für die Umsteuerung der Bewegungen zum Maschenbilden in diejenigen zum Mindern folgende neue Einrichtung: Die Triebwelle t (Fig. 2 Taf. 4) dreht, wie in vielen Wirkmaschinen, entweder die Arbeitswelle a zum Maschenbilden, oder die Minderwelle m zum Mindern der Waarenbreite. Während der gewöhnlichen Reihenarbeit bleibt das Minderrad m1 still stehen, weil es mit dem Bolzen b an den Schieber c stöſst und weil ihm an der Stelle m2 die Zähne fehlen. Soll aber gemindert werden, so hat in den bisher verwendeten Stühlen das Minderrad m1 auf der rechten Seite ein Beschwergewicht, welches, sobald durch den Zählapparat der Schieber c vom Bolzen b entfernt wird, niedersinkt, dabei m1 dreht und den Eingriff zwischen t1 m1 herstellt. Hiervon verschieden ist die neue Einrichtung in der Weise, daſs beim Ausrücken der Arbeitswelle a durch das Seitenexcenter e der Bolzen e1 an denjenigen d1 des Schiebers dc trifft, den letzteren hebt und nun nicht bloſs c von b entfernt, sondern mit c1 den Bolzen b empor drückt, also das Minderrad m1 direkt um ein Stück umdreht, so daſs es sicher mit seinen Zähnen in diejenigen des Triebrades t1 eingreifen muſs. Es ist also die unsichere Einrückung von m1 durch seine einseitige Belastung in eine sichere durch direkte Drehung verwandelt worden.

Der Kettenwirkstuhl für Plüschmusterwaare von Döring in Berlin (* D. R. P. Nr. 43419 vom 19. Juni 1887) ist ein flacher mechanischer Kettenstuhl (Fig. 31 Taf. 4) mit lothrechten Nadeln a auf beweglicher Nadelbarre b, welcher nach Art der Fangkettenstühle (sogen. Raschel-Maschinen) hinter der Stuhlnadelreihe a eine zweite Reihe von Nadeln c, aber ohne Haken, also glatte Drahtstäbchen enthält, wie sie sonst bereits zur Plüschwirkerei benutzt werden. Die Neuheit der vorliegenden Einrichtung besteht nun darin, daſs diese Plüschstäbchen c in der fest liegenden Abschlagschiene e einzeln beweglich sind und zwar durch die Platinen einer Jacquardmaschine einzeln gehoben werden können; sie stehen also im Allgemeinen unter der Abschlagkante e und arbeiten in dieser Stellung nicht, denn sie erhalten in derselben nicht Faden von den Kettenmaschinen df. Da, wo also die Plüschstäbchen c in der tiefsten Lage verbleiben, bildet die Nadelreihe a allein die Grundwaare aus den Fäden von df, wo aber einzelne Stäbchen c gehoben werden, wie in Fig. 32 , da legen sich die Plüschfäden der Maschine f mit um diese Stäbchen, sie bilden dort lange Schleifen i, welche erst nach Beendigung der nächsten Maschenreihe auf d von den Stäben c frei gelassen werden (Fig. 33 ), also dann in ihrer Länge verbleiben und die Futter- oder Plüschdecke der Waare bilden. Da diese Decke aber nur da hervorgebracht wird, wo die Stäbchen c in die Arbeitslage gehoben |60| werden, so kann man sie eben vereinzelt an den verschiedenen Waarenstellen erzeugen und kann mit ihr also eine Verzierung der Waare oder ein Muster bilden. Die Plüschseite wird dann natürlich zur Vorderoder Auſsenseite der Waare genommen.

Eine andere als die eben besprochene Art des gewirkten Plüsches, der sogen. Kulirplüsch, wird am Rundstuhle in der Weise hergestellt, daſs man eine Reihe gewöhnlicher kurzer Schleifen mit einer Reihe recht langer Schleifen zusammen vor in die Nadelhaken schiebt und die alten Maschen über diese beiden Henkel abschlägt, so daſs die langen Platinenmaschen auf der Rückseite als Plüschhenkel hervorstehen. Damit diese Henkel auch geschnitten werden, so hat R. Stahl in Feuerbach-Stuttgart einen Rundstuhl zur Herstellung von Plüschwaare (* D. R. P. Nr. 45060 vom 13. März 1888) mit einer Kreisschere hh1 (Fig. 4 Taf. 4) versehen, welche an einer Stelle des Stuhlumfanges festgehalten und deren Scheibenmesser hh1 vom Nadelkranze n des Stuhles selbst umgedreht werden. Durch das Abschlagen der Waare sind die Maschen weit nach auſsen getrieben worden und die langen Plüschhenkel i stehen vor den Nadelköpfen nach auſsen hin und werden bei der Stuhldrehung zwischen die Scheiben hh1 geführt, welche ihre äuſseren Bogenlagen abschneiden, so daſs offene Plüschfäden entstehen.

Auf französische Rundwirkstühle beziehen sich weiter noch folgende Erfindungen: Ein Stoffabzug-Apparat von R. Stahl in Feuerbach-Stuttgart (* D. R. P. Nr. 43172 vom 23. Juli 1887) erspart das zeitraubende und lästige Aufheben und Einbinden der bisher gebräuchlichen Gewichtsscheibe und besteht in folgender Einrichtung: Am Nadelkranze a (Fig. 5 Taf. 4) wird ein Ring b entweder angegossen oder sonst durch Anklemmen oder Schrauben befestigt, in dessen keilförmiger Nuth die Waare w liegt, gehalten durch eine Anzahl am Umfange des Stuhles gleichmäſsig vertheilter Gummirollen f. Die Rollen oder Walzen f enthalten je eine Metallröhre und drehen sich mit derselben um eine Lederschnur oder Darmsaite g, welche dicht um die Waare herumgebunden ist. Zu beiden Seiten einer jeden Walze f ist eine Drahtöse h gelagert, in welcher ein Hebel i so hängt, daſs er sich mit einer Kante e auf die Walze stützt. Wegen des Gewichtes vom unteren Hebelende i1 wird der Hebel für gewöhnlich die punktirt gezeichnete Lage einnehmen. Von der festen Scheibe des Stuhles getragen hängen ferner die Arme l herab, an denen sich die Scheiben k drehen, welche den mit dem Stuhle umlaufenden Hebeln i so weit im Wege stehen, daſs diese Hebel durch sie in die Lage wie ausgezogen gedrückt werden. Bei dieser Schwingung drückt aber die Kante e gegen den Umfang der Gummiwalze, dreht diese Walze ein wenig und zieht dabei den Stoff in Richtung n von den Nadeln ab. Es muſs ausprobirt werden, daſs die Reibung zwischen den Walzen f und der Waare nicht gröſser ist als die gröſste Spannung, welche die Waare erhalten soll.

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Spannschloſs für die Schnur der Abzugsscheibe an Rundwirkmaschinen von Wilhelm Heidelmann in Stuttgart (* D. R. P. Nr. 44596 vom 25. Februar 1888). Der vom französischen Rundstuhle herabhängende Waarencylinder wird gewöhnlich an eine innerhalb desselben liegende Scheibe angebunden, die sein Abzugsgewicht bildet. Man knüpft dabei einfach die Enden der Schnur zusammen und dreht sie wohl durch ein hindurch geschobenes Drahtstäbchen mehrmals zu einer Schleife zusammen, um sie thunlichst stark anzuspannen. Zur Erreichung einer zuverlässigeren und besser aussehenden Verbindung soll nun das in Fig. 6 Taf. 4 gezeichnete Spannschloſs dienen: Dasselbe besteht aus der gekrümmten Rinne a, in welcher bei c das eine Ende d der Schnur eingeschraubt oder in sonst einer Weise befestigt ist und welche die Lager b für einen Hebel eb trägt. Das andere Ende d1 der Schnur ist in einem Haken f befestigt, welcher an einen Bolzen des Hebels eb angehängt wird. Die Schnur hat eine solche Länge, daſs sie mit f in den Hebel, wenn er in der punktirten Stellung sich befindet, leicht eingehängt werden kann; legt man ihn dann nach rechts hin um, so spannt er die Schnur straff und wird zugleich durch deren Spannung in seiner geschlossenen Lage erhalten.

Der französische Rundwirkstuhl mit automatischer Ausrückvorrichtung von Wilhelm Heidelmann in Stuttgart (* D. R. P. Nr. 44267 vom 16. Juli 1887) enthält folgende neue Vorrichtung zum Anzeigen eines während der Arbeit vorkommenden Fehlers in der Waare oder in der Nadelreihe und zur Mittheilung desselben an den bekannten Ausrückapparat derart, daſs der Stillstand des Stuhles eintritt. Diese Anzeige- und Vermittelungsvorrichtung besteht aus einem Stäbchen s (Fig. 7 Taf. 4), welches, in Verbindung mit einem zweiten Stabe o, durch eine Feder leicht an die Waare w dicht unter den Nadeln n gedrückt wird, so daſs im Allgemeinen diese Waare an s vorbei streicht. Ist aber eine Masche abgefallen, also eine Kettelmasche entstanden, oder der Faden zerrissen, so daſs ein Loch sich gebildet hat, oder eine Nadel durch Miſspressen tief gezogen worden u.s.w., so dringt der Stab s durch die Waare hindurch oder wird sonst von ihr oder der Nadel erfaſst und ein Stück seitlich mit fort gezogen, wobei sein Tragrahmen r um die Achse a sich dreht und der Haken b vom Stifte c hinweg rückt, mit welchem er bisher die Platte d hielt. Diese Platte d fällt nun herab, wird von einer Schraube p des Nadelkranzes mit fort genommen und schiebt dabei mit ik den Ausrückstab v des Stuhles fort, welcher in bekannter Weise den Stillstand des letzteren veranlaſst. Da man indessen bisweilen Waaren arbeitet, welche an einzelnen Stellen Laufmaschen enthalten, so ist folgende Vorkehrung getroffen worden, um diese Laufmaschen ohne Einwirkung auf den Taster s an ihm vorbei zu führen: Der Stuhl trägt kurz vor dem Taster so an den Armen ay (Fig. 72 Taf. 4) drehbar den Stab l mit der gekrümmten Platte m und |62| auf dem Nadelkranze den Winkel p über derjenigen Waarenstelle, welche die Laufmasche enthält. Kommt nun diese Stelle an den Taster s hinan, so treibt p durch den Arm ql die Platte m schnell ein Stück seitlich fort und die letztere tritt dem Stabe o gegenüber und drückt ihn und s wenig nach auſsen zurück, verhindert also das Eintreten von s in die Laufmasche. Schlieſslich gleitet p an q vorbei und Im schwingt wieder in die alte Lage zurück.

Englische Rundstühle, d.h. solche mit senkrecht auf einer Kreislinie stehenden Nadeln, eignen sich vorherrschend zur Herstellung enger Waarenschläuche; haben sie feststehende Nadeln, so enthalten sie gewöhnlich nur ein System der Maschenbildung, bei einzeln beweglichen Nadeln aber kann die Menge der Systeme bis zu acht vermehrt werden. Diese Anzahl gestattet schon die Herstellung mannigfaltiger bunter Ringelwaaren, man hat indeſs auch an diesen Stühlen mit einzeln beweglichen Nadeln noch besondere Ringelapparate angebracht und einen solchen enthält der Bundwirkstuhl für Ringelwaare von Friedrich Bruno Woller in Stollberg i. S. (* D. R. P. Nr. 43882 vom 19. Oktober 1887). Es ist bei demselben darauf gerechnet, daſs man einen Farbenwechsel zwischen mehr als zwei Fäden erreichen kann ohne die nicht arbeitenden Fäden von der Waare abschneiden zu müssen; deshalb liegt über dem Rundstuhle und in gleicher Achsenrichtung mit ihm ein Fadenführerund Spulenapparat, welcher gleichmäſsig mit dem Stuhle gedreht wird. Die nicht arbeitenden Fadenführer hängen mit ihren Fäden innerhalb und der arbeitende Führer hängt auſserhalb der Nadelreihe, die ersteren liegen in einer Scheibe, welche sich mit dem Nadelkranze dreht und der letztere bleibt fest an seinem Platze. Hierdurch wird es möglich, die Fäden innen an der Waare von einer Stelle zur anderen frei hängen zu lassen.

Mit den englischen Rundstühlen von kleinem Durchmesser haben die Rundstrickmaschinen nach Form und Arbeitsweise manche Aehnlichkeit; auf ihnen soll aber nicht wie auf ersteren, nur ein Waarenschlauch von gleichbleibender Weite gewirkt werden, sondern man will thunlichst genau die Form eines Strumpfes herstellen, hat zu dem Zwecke bisweilen flach zu arbeiten, wobei das Schloſs nicht stetig umdrehend, sondern hin und her schwingend um den Nadelkranz zu bewegen ist und man hat endlich die Breite eines solchen flachen Waarenstückes zu vermindern und zu vermehren, weshalb einzelne Nadeln vorübergehend aus- und wieder eingerückt werden müssen. Das letztere selbsthätig von der Maschine verrichten zu lassen, ist die Neuheit in der Rundstrickmaschine von William Henry Kelly in Woonsocket, Rhode Island, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 43358 vom 8. Februar 1887). Das Schloſs dieser Strickmaschine, denn nur durch dessen Einrichtung wird der eben genannte Zweck erreicht, ist in Fig. 8 Taf. 4 abgebildet; dasselbe enthält die zwei Seitenexcenter bc; sein unteres Mittelstück a wird |63| zunächst und für die neue Anordnung nicht gebraucht, das obere Mittelexcenter aber besteht aus dem festen Theile d und den beiden beweglichen Stücken ef, es sind ferner vorhanden zwei feststehende Excenter gh und zwei um z1 schwingende Sectoren ik mit den an ihnen befestigten Zungen i1 k1. Die Seitentheile ef liegen im Allgemeinen unten auf b und c. Bewegt sich nun das Schloſs nach links in der Pfeilrichtung a, so laufen die Nadeln n in der Richtung x an b empor und gelangen auf e. Die erste Nadel aber, welche an e stöſst, wird diesen Theil e, da er beweglich ist, vor sich her drängen und heben bis er, wie punktirt gezeichnet, an d stöſst und diese erste Nadel 1 wird dann an e und d weiter in die höchste Lage, also über das ganze Schloſs empor gehoben und ausgerückt (z), sie arbeitet in dieser Lage nicht mit, da sie vom Schlosse gar nicht mehr getroffen und bewegt werden kann. Die nächsten Nadeln n aber, von 2 ab nach links hin, stoſsen nun an die untere Kante des gehobenen Seitentheiles e, gleiten an dieser abwärts und gehen in der Richtung xx ihren gewöhnlichen Arbeitsweg zur Maschenbildung; sie heben das bewegliche Stück c, um rechts unter ihm austreten zu können. Somit ist es möglich, bei jedem Schloſshube eine und zwar immer die erste Nadel auszurücken. Sollen nun diese ausgerückten Nadeln n1 nach und nach wieder in Thätigkeit kommen, so werden die Sectoren ik, welche bis dahin durch eine Schraube in senkrechter Stellung fest gehalten wurden, durch Lösen der Schraube dem Federzuge y frei gegeben und in die schiefe Lage, wie punktirt angedeutet, gebracht. Bewegt sich nun das Schloſs nach links, so stöſst die erste Nadel I mit ihrem Fuſse an die Zunge k1 (punktirt), sie drückt gegen diese Zunge und veranlaſst ein Schwingen von k und k1, wobei die Nadel I nach unten geführt wird, so weit, daſs sie nun beim nächsten Hube wieder vom Schloſstheile h erfaſst und zur Maschenbildung bewegt wird, diese Nadel ist also wieder eingerückt. Bei dem Schwingen um z haben sich aber k und k1 gesenkt, die nächste Nadel neben I trifft also k1 nicht mehr und sie sowie alle übrigen Nadeln n1 bleiben oben stehen. Damit ist es also möglich, diese unthätigen Nadeln nach und nach wieder zur Arbeit einzurücken.

Die Rundstrickmaschine für mehrfadige Musterwaare von Max Stephan in Berlin (* D. R. P. Nr. 44874 vom 13. Juli 1887) ermöglicht die Herstellung von unterlegten Farbmustern oder von einer Verbindung unterlegter mit plattirten Farbmustern durch Verwendung von abwechselnd geraden Nadeln a (Fig. 91 und 92 Taf. 4) und einwärts abgebogenen Nadeln b in irgend einer Reihenfolge neben einander. Den geraden Nadeln a wird der gewöhnliche Strickfaden c und den abgebogenen b ein, vielleicht andersfarbiger Musterfaden d vorgehalten. Wenn aber die Nadeln sich senken, so drängen sich die abgebogenen b an der Abschlagkante e auch nach vorn und erfassen, wie Fig. 92 zeigt, auch den gewöhnlichen Strickfaden c mit, so daſs sie also plattirte Maschen bilden.

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Da der Plattirungsfaden d indeſs unter oder hinter den geradstehenden Nadeln liegt, so ist die Fadenverbindung auch zu den unterlegten Waaren zu rechnen und folglich eine Combination unterlegter und plattirter Farbmuster. Sollen jedoch plattirte Maschen nicht entstehen, so verwendet man als abgebogene Nadeln b solche mit besonders langen Haken, wie b3 in Fig. 92 zeigt; damit wird erreicht, daſs die Hakenöffnung bereits unterhalb des gewöhnlichen Strickfadens c liegt, wenn die Nadel b3 bis vor an diesen Faden gedrängt worden ist, womit also ein Einlegen dieses Fadens c in b3 vermieden wird. Die Nadeln b bilden dann Maschen nur aus d und diejenigen a Maschen nur aus c und es entsteht rein unterlegte Waare. Fig. 92 verdeutlicht ferner, wie man durch Einführen eines nicht steil liegenden Fadens e, welcher unter die Zungen von b und zwischen beide Nadelreihen ab gelangt, auch Futterwaare arbeiten kann.

Eine eigenthümliche Verbindung zweier glatten Waarenschläuche liefert die Bundstrickmaschine für doppelfadige Schlauchwaare von Thomas Henry Carroll in Philadelphia, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 43596 vom 28. Juni 1887). Der Nadelcylinder a (Fig. 101 und 102 Taf. 4) dieser Maschine enthält Nuthen von verschiedener Tiefe und in diesen die Führungsbleche d1 e1 von verschiedener Breite, so daſs die Nadelreihen de zwei concentrische Kreise bilden. Jeder Nadelreihe d und e wird entweder durch einen Fadenführer b mit zwei Oeffnungen oder durch zwei getrennte Führer bb1 (Fig. 103 Taf. 4) je ein Faden gf zugeführt und es bildet auch jede Nadelreihe ihren Waarencylinder für sich. Da aber doch, wie Fig. 101 und 103 zeigen, die Maschen der inneren Nadeln d zwischen den Maschen der äuſseren Nadeln e hinabgezogen werden, so steckt eine Reihe immer in der anderen und beide Waarenstücke bilden einen einzigen zusammenhängenden Waarencylinder, dessen Zusammensetzung verschieden sein wird, je nachdem die äuſseren und inneren Nadeln in verschiedener Reihenfolge, 1 und 1 wie gezeichnet oder 2 und 1, 2 und 2 u.s.w. mit einander abwechseln. Endlich können noch durch besondere Führer 00 (Fig. 103 ), welche von den Zähnen eines sich drehenden Rades schwingend bewegt werden, weitere Fäden hi vor und hinter die Nadeln de gelegt werden, worauf diese sich nur bis in die Fangstellung senken, damit diese Fäden nicht Maschen bilden, sondern als Füller- oder Füllfäden zwischen den Maschen des Doppelschlauches liegen. Ein wesentlicher Vortheil und eine specielle Verwendung dieser eigenthümlichen Waare ist nicht angegeben und nicht zu ersehen.

Die Lamb'sche Strickmaschine endlich findet wegen ihrer groſsen Verwendbarkeit zum flachen und runden Stricken immer mehr Eingang in der Wirkerei und unterliegt deshalb auch immer weiteren Veränderungen, durch die sie zu den mannigfachsten Arbeiten geeignet gemacht wird. Von zwei verschiedenen Firmen ist z.B. eine Lamb'sche Strickmaschine für Doppelrandwaare angegeben worden und zwar von |65| Sander und Graff in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 43974 vom 5. Juni 1887) und von G. F. Groſser in Markersdorf bei Burgstädt i. S. (* D. R. P. Nr. 44028 vom 2. November 1887). Für beide Fälle ist der Name „Doppelrandwaare“ nicht streng richtig, es war vielmehr die Waare „Preſsmusterwaare“ zu nennen, wie es im Texte der Groſser'schen Patentschrift auch richtig geschehen ist, denn unter Doppelrandwaare versteht man eben eine Waare, in welcher Doppelränder als Muster vorkommen und Doppelränder entstehen nur in der Weise, daſs eine glatte Waare nach etlichen Reihen zu einer Röhre umgebogen wird, indem man eine nächstfolgende Reihe als Randreihe arbeitet oder, bei nur einer Nadelfontur, die erste Maschenreihe dieses glatten Waarenstückes mit zur letzten Reihe auf die Nadeln aufhängt. Nur dadurch bilden sich die Ausbiegungen des Doppelrandes oder die sogen. Raupenstreifen (Fig. 111 Taf. 4). In den vorliegenden Fällen wird aber immer auf beiden Nadelreihen gearbeitet, auf der vorderen entstehen Maschen und auf der hinteren Henkel, also mehrfache Doppelmaschen, man kann damit niemals eine Röhre, sondern nur eine Ausbiegung, wie Fig. 112 zeigt, erhalten, in welcher jede Maschenreihe des vorderen Stückes a mit der hinteren hängenbleibenden Masche b durch einen Henkel verbunden ist. Die neuen Angaben zur Erzielung solcher Fangmaschen oder Preſsmuster sind nur eine Fortsetzung derselben Angaben zu gleichem Zwecke, wie sie vor Jahren die Patentschrift Nr. 19515 (1883 247 * 366) in gröſserer Auswahl brachte. Nach Sander- und Graff besteht das Mitteldreieck aus drei Stücken abc (Fig. 113 Taf. 4), von denen das kleine Dreieck b in bekannter Weise in die Schloſsplatte emporgezogen, also ausgerückt werden kann und die Zunge c drehbar ist, von einer Feder f aber immer an b herangezogen wird. Geht nun z.B. das Schloſs nach rechts und b ist gesenkt, also eingerückt, so steigen die Nadeln zur Einschlieſsstellung empor und bilden neue Maschen, ist aber b gehoben, also ausgerückt, so gelangen die Nadeln nur auf die Höhe xx in die sogen. Fangstellung und bilden Doppelmaschen. Sind dabei alle Nadeln über a hinweggegangen, so schlieſst sich die Zunge c wieder und beim nächsten Schübe rückwärts, also nach links würden diese Nadeln an c zur höchsten Stellung und zur Bildung von Maschen gehoben werden. Will man aber auf mehrere Reihen an den Nadeln Henkel oder mehrfache Doppelmaschen bilden, so bringt man an der Seite der arbeitenden Nadeln n noch etliche Drahtstifte n1 ohne obere Haken in die Maschine und schiebt nun das Schloſs nur so weit wie gezeichnet nach rechts hin, d.h. so weit, daſs noch Drahtstäbchen n1 unter der Zunge c bleiben, dann wird für die Umkehr und den neuen Ausschub nach links auch die Zunge c geöffnet bleiben und das Schloſs die Nadeln n auch in dieser Reihe nur bis in die Fangstellung heben.

In der Einrichtung von G. F. Groſser besteht das Mitteldreieck auch |66| aus drei Stücken abc (Fig. 114 und 12 Taf. 4), von denen c fest liegt, a in die Schloſsplatte emporgezogen und ausgerückt, b aber um das Gelenk d in die Schloſsplatte hineingedreht und erforderlichen Falles auch mit seinem Gelenkstücke d und Träger e am Bolzen f in die Schloſsplatte hinaufgezogen werden kann. Wenn nun a emporgehoben ist und das Schloſs sich von rechts nach links bewegt, so heben sich die Nadeln an c nur bis m, bis in die Fangstellung, sie treffen in m eine Rinne oder einen vertieften Theil von b, welcher nach rechts hin ansteigt und drücken auf dieser Bahn den Theil b empor (Fig. 12) und kommen endlich an h wieder herab. Ist das Schloſs an allen Nadeln vorbeigegangen, so klappt b, durch die Feder g gedrückt, wieder nieder und hebt beim Schübe nach rechts hin die Nadeln auf die Höhe der Einschlieſsstellung, so daſs nun Maschen gearbeitet werden; sollen aber bei diesem Schübe auch Henkel, also mehrfache Doppelmaschen entstehen, so zieht man eben b auch in die Schloſsplatte empor und arbeitet folglich mit dem kleinen Mitteldreiecke c allein.

Lamb'sche Strickmaschine für Schlauchwaare von G. F. Groſser in Markersdorf bei Burgstädt i. S. (* D. R. P. Nr. 44806 vom 6. Januar 1888). Wenn glatte Rundwaare gestrickt wird, so arbeitet beim Ausschube nach links die vordere Nadelreihe v (Fig. 13 Taf. 5), das Schloſs a ist also geöffnet und das hintere Schloſs a1 ist geschlossen, beim nächsten Ausschube nach rechts hin muſs aber die hintere Nadelreihe h arbeiten, also a1 sich öffnen und a sich schlieſsen. Diese Umsteuerung erfolgt immer an den Enden der Nadelreihen durch die Riegel in den Seitenwänden der Maschine. Es ist nun unbequem, das Schloſs deshalb auf die ganze Länge der Nadelreihe zu verschieben, wenn man nur einen Schlauch von geringer Weite zu arbeiten hat und damit in solchem Falle die Umsteuerung an beliebiger Stelle durch die im Betriebe befindlichen Nadeln selbst erfolgt, so sind Riegel und Schloſsschieber überhaupt entfernt und von dem Mitteldreiecke ist unten eine Ecke b abgeschnitten worden, vorn rechtsseitig und hinten linksseitig. Die Dreiecke aa1 führen sich wie bisher mit Zapfen in einem senkrechten Schlitze der Schloſsplatte und werden nur durch eine schwache Feder nach unten gezogen. Gehen nun die Schlösser nach links, so sind sie zunächst beide offen (a1 wie punktirt angegeben), am vorderen a steigen die Nadeln in gewöhnlicher Weise empor und arbeiten, am hinteren a1 aber treffen die Nadeln gegen die schräge Seite d1 c1, sie drücken gegen dieselbe und schieben das Excenter a1 empor, schlieſsen das Schloſs und arbeiten also nicht. Ist der Schub über die wenigen überhaupt arbeitenden Nadeln erfolgt, so sinkt a1 auch wieder herab. Beim Schübe nach rechts gehen nun die hinteren Nadeln an a1 empor und arbeiten und die vorderen v stoſsen gegen cd und treiben a empor, schlieſsen also selbsthätig ihr Schloſs und arbeiten nicht.

Eine Strickmaschine mit mechanischem Minderapparate von Frank Wilcomb |67| in San Francisco, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 43491 vom 13. Oktober 1886) enthält als Decknadeln die gewöhnlichen Spitzendecknadeln a (Fig. 141 Taf. 5), deren Spitze in den hinter dem Nadelhaken befindlichen Schlitz für die Zunge eingesenkt wird, während die abzudeckende Masche auf der zurückliegenden Zunge hängt; a überdeckt also nur den Haken der Zungennadel und nicht auch die Zunge mit, wie bei Webendorfer, Patent Nr. 21008 (1883 249 111). Die abgedeckten Nadeln n1 (Fig. 142 und 143) werden dadurch von der weiteren Thätigkeit ausgerückt, daſs man sie in dem Schlitze einer Schiene b, welche sich nach und nach verschiebt, fangt und dadurch wenig empordrängt, so daſs zwischen ihnen und der arbeitenden Nadelreihe n der Fadenführer c noch hinweggehen kann; der letztere legt dann den Faden auf n, führt ihn aber auf beiden Seiten unterhalb der Nadeln n1 fort. Das Mindern wird während der Reihenbildung vorgenommen; es beginnt an einer Seite, wenn der Schlitten die Hälfte des Weges nach der anderen Seite hin durchlaufen hat und wird während der ersten Hälfte des Rückweges vom Schlitten beendet.

Verfahren zur Herstellung von Plüsch auf der Lamb'schen Strickmaschine von Seyfert und Donner in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 43721 vom 5. November 1887). Die zwei Nadelreihen der Strickmaschine arbeiten jede für sich ein Waarenstück und gleichzeitig werden von einem Faden auf beiden Nadelreihen lange Henkel gebildet, die also beiden Waarenstücken gemeinsam angehören und beim Abzüge von der Maschine selbsthätig zerschnitten werden, so daſs zwei Plüschstücken entstehen. Die Maschine enthält auf jeder Seite kurze und lange Nadeln nn1 (Fig. 15 Taf. 5) und für jede Sorte zwei Schlösser hinter einander; die vorangehenden Schlösser heben die Nadeln in die Fangstellung und ein Führer legt ihnen gemeinsam den Faden in die Haken, den sie beim Sinken als Henkel mit ihren alten Maschen vereinigen. Die folgenden Schlösser bewegen die Nadeln in gewöhnlicher Weise zur Maschenbildung derart, daſs diejenigen der einen Reihe vor denen der gegenüberliegenden wieder etwas vorlaufen, weil jede Nadelreihe ihre Maschenreihe für sich herstellen muſs. Die Doppelwaare ww1 wird nach unten abgezogen und ein Messer p, welches man nach jeder Reihe einmal zur Seite fortzieht, zerschneidet die quer zwischen w und w1 liegenden Henkel, so daſs die Waarenstücke w und w1 nun getrennt von einander aus der Maschine kommen.

G. W.

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