Titel: Ueber neuere Dampfkesselconstructionen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 271 (S. 145–150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj271/ar271024

Ueber neuere Dampfkesselconstructionen.

Mit Abbildungen auf Tafel 8 und 9.

Im Nachstehenden geben wir einige neue Veröffentlichungen von Kesselconstructionen wieder, die, wenngleich sie keine erhebliche Neuerungen in den Constructionsgrundsätzen darbieten, in mancher Hinsicht doch bemerkenswerthe Ausführungen zeigen.

Kessel von Terme und Deharbe. Eine Beschreibung dieses sogen. combinirten – aus einem Systeme von Röhren und einem cylindrischen Oberkessel bestehenden – Kessels findet sich in der Märznummer von Portefeuille économique des machines. Der Kessel ist für eine Landmaschine bestimmt und soll 1000k Dampf von 10at Spannung in der Stunde liefern. Er besteht im Wesentlichen aus 80 geschweiſsten Eisenröhren von 80mm äuſserem Durchmesser, 4mm Wandstärke und 2100mm Länge. Je drei Röhren sind zu einem Elemente vereinigt und bilden in ihrer gegenseitigen Lage gleichsam die Kanten einer dreiseitigen Pyramide, deren Grundfläche in dem senkrechten Dampfsammler ruht, in welchen auch die Röhren münden (Fig. 3 bis 7). Die Spitze der Pyramide wird von einem U-förmigen Gehäuse (Fig. 8) gebildet, welches die Rohrenden aufnimmt und verbindet. Die beiden oberen Röhren I dieses der Kesselconstruction eigenthümlichen Elementes liegen einander parallel und steigen vom gemeinschaftlichen Gehäuse aus etwas an, während das untere, mittlere Rohr H sich vom Gehäuse ab senkt. Wird daher das mit Wasser gefüllte Rohr geheizt, so bringt der sich entwickelnde Dampf einen lebhaften Wasserumgang in der Richtung der in Fig. 3 und 4 eingezeichneten Pfeile hervor, indem die beiden oberen Rohre ihren Dampf in den Dampfsammler J entsenden und gleichzeitig in das untere Rohr H Wasser eintritt. Der Dampf kann in dem senkrechten Kopfraume J rasch aufsteigen und gelangt durch Sammelrohre in den oberen Dampfsammelraum K, Die Speisung des Kessels wird in den Dampfraum eingeführt und spritzt vor das eingehängte Blech.

Die Röhrenelemente bilden beim vorliegenden Kessel vier einander gleiche Reihen, die neben einander angeordnet sind (Fig. 2, 5, 6 und 7).

Der Dampfsammler ist ein wagerechtes genietetes Rohr, welches bis zur Mittellinie mit Wasser gefüllt gehalten wird. Etwaiger Schmutz des Speisewassers setzt sich in dem Schlammsacke ab, von wo er zeitweise abgelassen wird.

Die zur Verbindung der Röhrenelemente dienenden Gehäuse sind von schmiedebarem Gusse und ist deren Construction aus der Stückzeichnung (Fig. 8) zu ersehen.

Versuche haben ergeben, daſs der Kessel leicht zu bedienen ist, daſs die Spannung rasch ansteigt und sich gut hält, sowie auch, daſs das Innere rein bleibt und die Verbindungen dicht sind. Auswechselung einzelner Theile kann in kürzester Frist bewirkt werden.

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Der Thornycroft'sche Kessel (Fig. 9 bis 12 Taf. 8) wird in der Revue industrielle vom 3. November 1888 näher beschrieben. Er besteht aus dem Dampfsammler (1) und den beiden neben dem Roste liegenden Siederohren (2), welche durch Röhrenbündel (12) mit einander in Verbindung stehen. Die Röhren sind in Gruppen von je acht Stück angeordnet, welche nahezu in derselben senkrechten Ebene liegen, und, vom oberen Theile des Siederohres ausgehend, in den Dampfsammler münden. Die Röhren sind so angeordnet, daſs aus einem Theile derselben zugleich die Wände gebildet werden, welche die Röhrenbündel nach auſsen und innen abschlieſsen und somit den Heizgasen als Führung dienen (vgl. Fig. 10 rechte Hälfte). Die erste und letzte Röhrengruppen sind etwas anders angeordnet, um dem Zuge der Feuergase die Umkehr zu gestatten (Fig. 10 linke Hälfte). Zum Schütze des unteren Theiles des Dampfsammlers gegen die Einwirkung der Heizgase ist eine Hülle, etwa von Asbestgeflecht, unter demselben angebracht, welche an die Röhrenwand anschlieſst und die Decke des Feuerzuges bildet. Das Dampfabführrohr (16) erstreckt sich der Länge nach über einen groſsen Theil des Dampfsammlers, in welchem eine aus Fig. 11 und 12 näher ersichtliche Vorrichtung in Form eines Schirmes angebracht ist, um das Mitreiſsen des Wassers möglichst zu verhindern. Die Enden dieses Schirmes sind zahnförmig ausgeschnitten und die Ausschnitte sind zum Theile senkrecht umgebogen. Hierdurch wird bezweckt, daſs sich das ausgeschiedene Wasser bei (19) sammelt und in den Wasserraum zurückgeführt wird, während der Dampf bei (20) hindurchstreicht, In den Figuren bezeichnet auſserdem: (11) ein Rohr zum Abführen des Dampfes bei etwaiger Beschädigung eines Rohres, (12) Blechwand zum Abschlusse, (13) Aschenfall von Blech, (14) Rost, (21 und 22) Verbindungsrohre zwischen den Siederöhren und dem Dampfsammler zur Zurückführung des Wassers behufs Erzielung eines lebhaften Wasserumlaufes, (23 und 24) Stutzen zum Anbringen von Sicherheitsvorrichtungen, (25 und 26) Rauchkammer und Schornstein, (27) Schiffsrumpf.

Der Buckland'sche Kessel (Fig. 13 Taf. 8), welcher nach Industries vom 19. Oktober 1888 von der Tyne Boiler Works Comp., Low Water, hergestellt wird, zeigt eine bekannte Kesselform dahin erweitert, daſs in der Mitte des eingehängten inneren Kessels B noch ein Rohr A angebracht ist. Der Kessel ist in der vorliegenden Ausführung, 11 Fuſs hoch, 5 Fuſs, weit, für Land- und Schiffsmaschinen bestimmt. Die Heizgase streichen von A aus um den Innenkessel B und entweichen durch E. Die vor dem Abzugskanale E in den ringförmigen Feuerzug eingesetzte Platte bei l soll den Gasen das zu rasche Entweichen unmöglich machen. Ein Kessel von oben angegebener Gröſse mit 142,33 Quadratfuſs Heizfläche verdampfte 695 Pfund Wasser in der Stunde, mithin 4,87 Pfund auf den Quadratfuſs (= 23k auf 1qm;) und zeigte eine 7,8fache Verdampfung.

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Sehr einfache Formen hat der stehende Kessel (Engineer vom 2. November 1888) Fig. 14 und 15 Taf. 8 von D. Wood and Sons, Cradley Heath. Erfahrungsgemäſs geben die Querrohre eines stehenden Kessels eine sehr wirksame Kesselfläche. In vorliegendem Falle sind vier solcher Querrohre zur Verwendung gekommen, welche je durch zwei, nach oben sich etwas conisch erweiternde senkrechte Rohre mit der Kopfplatte verbunden und so zu einem sich gegenseitig haltenden Systeme vereinigt sind, in welchem dem Dampfe der Durchgang zum Dampfraume sehr erleichtert ist. Nicht unwesentlich ist der hier erzielte lebhafte Wasserumlauf.

Ueber einen Dampfkessel der Maschinenbau-Actiengesellschaft vormals Breitfeld, Danek und Comp. in Prag macht Uhland's Wochenschrift, S. 35, nachstehende Mittheilungen (Fig. 1 und 2 Taf. 9):

Unter den Kesseln der Wiener Jubiläums-Gewerbeausstellung erscheint uns der von der Maschinenbau-Actiengesellschaft vormals Breitfeld, Danek und Comp. in Prag ausgeführte Flammrohrkessel besonders bemerkenswerth.

Dieser Kessel hat 190qm Heizfläche und arbeitet mit 7at Betriebsspannung. Er erscheint als die Combination eines gewöhnlichen Flammrohrkessels mit Siederöhren und einer Feuerbüchse „Patent Piedboeuf. Als Herstellungsmaterial benutzte man Fluſsstahlbleche, da diese die Wärme schnell aufnehmen. Obgleich man nun durch Anwendung von Fluſsstahlblechen schon eine sehr schnelle Dampfentwickelung erreichte, wandte man doch noch Siederohre an, um sowohl die Heizfläche ohne groſse Kosten zu vergröſsern, als auch die Heizgase äuſserst auszunutzen.

Hierbei war man genöthigt, für einen Apparat Sorge zu tragen, welcher ein jederzeitiges Reinigen der Röhren zulieſs, und ordnete aus diesem Grunde in dem am hinteren Theile des Kessels vorgesehenen Rauchkanale K einen durch den Kessel selbst gespeisten Ausblaseapparat E an. Derselbe hängt an einer über zwei Rollen geführten, mit einer Handhabe versehenen Kette und ist somit senkrecht verstellbar. Das Verbindungsrohr, welches von ihm zu dem auf dem Kessel angeordneten Dampfventile geführt ist, zerfällt in drei durch Kugelgelenke verbundene einzelne Theile. Damit man den erwähnten Ausblaseapparat während seiner Thätigkeit jederzeit beaufsichtigen kann, ist die hintere Wand des Kesselmauerwerkes durch eine mit Doppelwandungen versehene eiserne Thür verschlossen.

Die Feuerbüchse besteht aus dem vorderen, den Rost enthaltenden Theile F, sowie dem hinteren, mit Galloway-Röhren versehenen Theile G. Die Feuerbüchse hat eine bohnenförmige Gestalt (Fig. 2) erhalten, welche gestattet, alle Verankerungen der Büchse mit dem Kessel wegzulassen. Diese Feuerbüchse ist, da sie nur glatte Flächen hat, bequem von Kesselstein zu reinigen. Will man das Siederohrsystem, sowie die Kammer F |148| auch während des Betriebes von Flugasche reinigen, so genügt ein Inbetriebsetzen des oben erwähnten Ausblaseapparates E. Derselbe treibt alle Flugasche in den mit Galloway-Rohren versehenen Theil der Feuerbüchse, aus welchem sie sodann in einen mit dem selbsthätigen Verschlusse B1 versehenen Stutzen B gelangt. Von Zeit zu Zeit führt dieser nach dem Patente Lustig hergestellte Verschluſs eine Entleerung des Stutzens in den Aschenkanal W herbei.

Soll der mit Galloway-Röhren versehene Theil der Feuerbüchse G gereinigt oder nachgesehen werden, so steigt der betreffende Arbeiter durch den Stutzen C in die Büchse hinein. Um Wärmeverluste zu vermeiden, ist in diesem an seinem oberen Ende durch eine Platte verschlossenen Kanale noch ein mit Chamottefüllung versehener Deckel angeordnet.

Am vorderen, untere Theile des Kessels ist ein Wasserrohr A angeordnet, welches zugleich Speise- und Ablaſsrohr ist. Aus diesem Grunde sind drei Ventile von entsprechend 50, 65 und 65mm lichter Weite in dasselbe eingeschaltet. Die Speisung des Kessels geschieht mittels eines Körting'schen Injectors, dessen Dampfrohr sowie Druckrohr je 65mm lichte Weite erhalten haben. Das Saugrohr stellt die Verbindung des Injectors mit dem Wasserbehälter her. Der Dampfdom D hat zwei Stutzen, deren jeder ein Sicherheitsventil von 130mm lichter Durchgangsöffnung trägt, während ein dritter Stutzen ein Dampfventil von 140mm Durchgang erhalten hat.

Hinter dem oben erwähnten Aschenfalle W befindet sich ein Aschensammler R2, während der Fuchs R durch einen Rauchschieber R1 verschlieſsbar gemacht ist.

Bei dem Kessel von J. Bayer in München (D. R. P. Nr. 44663 vom 13. Januar 1888) sind die senkrechten Stutzen B (Fig. 3 Taf. 9), welche die Sieder S unter einander und mit dem Oberkessel A verbinden, in senkrechten Kammern untergebracht, welche von den Heizgasen zunächst durchströmt werden. In den an diese Heizkammern angrenzenden Zügen sind die Siederohre gelagert. Der Kessel zeigt in dieser Anordnung eine verhältniſsmäſsig groſse vom Feuer berührte Fläche, ist in allen seinen Theilen leicht zugänglich und hat nur inneren Druck.

Der Oriolle'sche Kessel Fig. 4 und 5 Taf. 9 bietet nichts besonders Neues, zeigt jedoch eine gute Anordnung. Nach Portefeuille économique des machines, Nr. 393 September 1888, besteht er im Wesentlichen aus zwei flachwandigen, durch Schraubenstehbolzen versteiften Kopfstücken R1 und R2, welche durch Röhren R, mit einer Neigung von 10 bis 20cm auf das laufende Meter, verbunden sind, und dem Oberkessel O, welcher als Dampfsammler dient. Der Wasserstand soll so niedrig gehalten werden, daſs die oberen Röhren noch als Ueberhitzer dienen können, welche Rolle auch dem Oberkessel zugetheilt ist.

Das Sicherheitsröhrensystem wird aus einer groſsen Anzahl 2000mm |149| langer Röhren gebildet. Die Kammern R1 und R2 gestatten eine freie Umströmung des dem Kessel an der tiefsten Stelle der Wand R2 zugeführten Wassers. Der erzeugte Dampf strömt durch die Wand R1 dem Oberkessel O zu und sammelt sich in dessen oberem Theile, sowie in dem Dampfdome D.

Der hintere, untere Theil des Oberkessels O ist zu einem 500mm weiten., 1900mm langen Vorwärmer U ausgebildet, der durch ein 200mm weites Rohr V mit der Wand R2 verbunden ist.

Die vier Wände der Feuerung sind, um eine sichere Lagerung zu erzielen, sehr stark ausgeführt und haben vollständige, durch eine Anzahl quer aufgenieteter Flacheisenstangen verstärkte Blechbekleidung. Der Feuerungsrost besteht lediglich aus über Rundeisenstäbe gelegten Roststäben. Die auf dem Roste sich entwickelnden Feuerungsgase gelangen nach dem Durchstreichen des Sicherheitskessels R zu dem wagerechten Oberkessel O, umspülen den letzteren, sowie den mit ihm verbundenen Vorwärmer U und werden dann erst dem Fuchse zugeführt. Das Röhrensystem R, sowie der Oberkessel O ruhen auf einem hohlen Steinpfeiler, welcher zugleich als Rauchkanal benutzt ist. Im Uebrigen wird die Ummantelung des Oberkessels von Blechplatten gebildet.

Die Anlage ist für zwei Feuer eingerichtet und zur Heizung mit Briquettes berechnet.

Die Sicherheitsvorrichtung, die Leitung des Zuges, sowie die Vorrichtung zur Reinigung zeigen nichts Neues.

Die Anordnung der flachen Wände macht die Vortheile des Röhrenkessels bezüglich der Explosionssicherheit wieder hinfällig und ist gerade nicht empfehlenswerth. Es ist daher die Mittheilung unserer Quelle über die Haltbarkeit und gute Verwendbarkeit des Kessels mit Verständniſs aufzunehmen. Die erreichte Heizfläche ist allerdings bedeutend.

Als Anhalt für die Kesselverhältnisse mögen nachstehende Angaben dienen, welche sich auf Versuche mit einem Torpedokessel unter Verwendung künstlichen Zuges beziehen.

Gesammte Heizoberfläche 52qm,88, Rostfläche 1qm,59, Verhältniſs der beiden zu einander 33,34. Wasserinhalt 0cbm,596, gesammter Kesselraum 1cbm,073. Bei einer Versuchsdauer von 2 Stunden ergab sich: Briquettes von englischer Staubkohle 757k,7, erzeugter Dampf 5627k, entsprechend 7k,42 auf 1k Kohle, also für 1m = 53k. Auf 1qm Rostfläche wurden 238k Kohle verbrannt. Speisewasser 30°.

J. A. Eno in Newark, New Jersey (Amerikanisches Patent Nr. 11983 vom 18. August 1888) legt durch die Feuerbüchse eines stehenden Röhrenkessels, und zwar nahe unter die Kopfplatte ein mehrfach hin und her gehendes Rohr D (Fig. 6 und 7 Taf. 9), welches an der einen Seite mit dem am Boden befindlichen Speisewasserbehälter G verbunden ist, an der anderen Seite durch die beiden Wände K und B des inneren und äuſseren Kessels an dem Kessel durch das Rohr F und E heraufgeführt |150| wird, um bei der mittleren Wasserstandshöhe wieder in den Kessel zu münden. Diese Vorrichtung soll zum Vorwärmen und zum Ausschneiden des Kesselsteines in Pulverform dienen.

J. W. Eldroyd will nach einem österreichischen Patente bei neben einander liegenden Kesseln die vom Mauerwerke herbeigeführten Wärmeverluste dadurch beseitigen, daſs er die Mauern durch Wasserbehälter ersetzt; dieselben sind flach oder gar kofferförmig gehalten und vertrauensvoll unter den Kesseldampfdruck gebracht. Verstöſse gegen das Patent werden schwerlich gemacht werden.

Der Kingsley'sche Kessel (American machinist vom 10. November 1888) ist, trotz der Reklame unserer Quelle, weiter nichts als ein Flammrohrkessel mit eingehängten Field'schen Röhren.

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