Titel: Ueber neuere Dampfkesselconstructionen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 271 (S. 337–340)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj271/ar271067

Ueber neuere Dampfkesselconstructionen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 145 d. Bd.)

Mit Abbildungen auf Tafel 16.

Einen Kessel mit einem sehr wirksamen Wasserumlaufe hat Werth durch Oesterreichisches Privilegium schützen lassen. Nach Fig. 1 steht der cylindrische Oberkessel mit einem Siederöhrenbündel mittels des Raumes a in Verbindung. Vom Oberkessel aus flieſst das Wasser in der Richtung der Pfeile durch den Raum a und gelangt durch ein in dem Siederohre angebrachtes Rohr an das untere Ende der geschlossenen Röhre und von da ebenfalls in der Richtung der Pfeile zu dem Raume b. Diese Einrichtung ist dieselbe, wie bei den Field'schen Kesseln. Zur erfolgreichen Führung ist der Raum a durch eine Wand getheilt. Die etwaigen, schwebend gehaltenen Verunreinigungen werden sich beim Austritte aus b zu Boden senken, und können von dort durch den Ablaſshahn leicht entfernt werden.

Der Kessel von P. Hanrez in Brüssel (Englisches Patent Nr. 17697 vom 23. December 1887) besteht aus zwei Kammern C (Fig. 2), welche durch Röhren T mit einander verbunden sind. Das Wasser durchstreicht, wie bei der Oriolle'schen Construction (1889 271 148), das Rohr D, den als Dampfsammler dienenden Oberkessel E und gelangt von da durch das senkrechte Rohr wieder zu der unteren Kammer C. Auf dem Dampfsammler befinden sich zwei Dome, die durch ein Rohr mit einander verbunden sind. Der vordere Dom steht mit dem Dampfsammler in unmittelbarer Verbindung, während der andere Dom an seinem unteren Ende durch einen Trichter abgeschlossen ist, der bei normalem Stande des Wassers in dasselbe reicht. Da das Dampfableitungsrohr auf dem letzteren Dome angebracht ist, so wird nur wasserfreier Dampf abgeliefert und der etwaige Niederschlag durch den Trichter zurückgeführt. Ueber dem Roste J befindet sich der Mauerbogen K, welcher den Heizgasen die Richtung zwischen der unteren Kammer C und der Platte L anweist. Die Gase ziehen weiter in der Richtung der Pfeile und entweichen durch den Kanal M in den Kamin.

Aehnlich dem Thornycroft'schen Kessel ist nach Zweck und Bauart der von du Temple (Fig. 3 und 4). Auch hier findet sich der Oberkessel mit zwei seitlichen Wasserbehältern durch ein System von mehrfach gebogenen Rohren verbunden. Ein lebhafter Wasserumlauf wird bewirkt, indem das durch die Dampfentwickelung in den oberen Kessel geführte Wasser durch ein in der linken Hälfte der Fig. 3 dargestelltes Rohr den seitlichen Behältern, und somit den Siederöhren wieder zugeführt wird. Die Siederöhren sind von gezogenem Stahle und haben 25mm äuſseren Durchmesser. Der Feuerraum ist aus Eisenblech gebildet und bis an den seitlichen Behälter mit feuerfesten Ziegeln ausgemauert. In Folge des geringen Wasserinhaltes und der groſsen Vertheilung des- |338| selben ist zur Indampfsetzung eines derartigen Kessels von 500 nur eine Zeit von 45 Minuten erforderlich, wogegen ein Locomotivkessel annähernd die doppelte Zeit erfordert. Eine Ablagerung von Kesselstein in den Röhren ist nicht zu befürchten, auch können dieselben jeder Ausdehnung durch die Wärme willig folgen. Zwei dieser Kessel sollen nach der Revue industrielle vom 5. Januar 1889, der wir die vorstehende Mittheilung entnehmen, auf dem Torpedo Nr. 20 zwei Jahre lang, ohne irgend welche Beschädigung zu erleiden, im anstrengenden Dienste gewesen sein. Ein für Torpedo Nr. 54 bestimmter Kessel von 500 , der den stärksten Proben widerstand, wiegt 5t,5, mithin 11k für die Pferdekraft.

Godard verwendet zu seinen Kesseln (Englisches Patent Nr. 17026 vom 10. December 1887) denselben Grundgedanken (Fig. 5 und 6). Bei Fig. 5 wird die Seiten wand von dem Wasserraume a gebildet, von dessen unterem Theile die mehrfach gebogenen Siederöhren c ausgehen und in den oberen Theil wieder münden. Von hier aus wird der Dampf, nachdem er bei m einen Wasserabscheider durchstrichen hat, in den Oberkessel geleitet, wo er eine aus den Fig. 5 und 6 zu ersehende Dampftrockenvorrichtung hki zu durchstreichen hat, um in das Ableitungsrohr l zu gelangen. Bei der Einrichtung nach Fig. 6 ist die Seitenwand durch die Röhren a1 a1 ersetzt, welche durch das senkrechte Rohr a verbunden sind. Wenngleich schon durch die Lage der Röhren ein Durcheinanderwirbeln der Heizgase erzielt und damit verhindert ist, daſs dieselben mit einem heiſsen Kerne und unbenutzter Wärme abziehen, so sind doch noch Platten t angebracht, welche die Wirbel vermehren.

Bei dem Kessel von J. S. White (Englisches Patent Nr. 16595 vom 2. December 1887) sind spiralförmig gewundene Heizröhren a (Fig. 7 und 8) zur Verwendung gekommen, welche mit ihrem unteren Ende a2 in den ringförmigen Wasserraum c hineinragen, während das obere Ende a3 in den gemeinschaftlichen Dampfraum d führt. Wasser- und Dampfraum sind durch die Röhren f mit einander verbunden, durch welche das mitgerissene Wasser nach c zurückgeführt und der erforderliche Umlauf des Wassers ermöglicht wird. Die Spiralröhren bestehen je aus zwei in einander geschobenen Röhren.

Der Dampfkessel von G. F. Nibson in Belmont, Massachusetts, Nordamerika (Amerikanisches Patent Nr. 12800 vom 4. September 1888) soll in erster Reihe dazu dienen, Gebäude durch Dampf oder heiſses Wasser zu heizen (Fig. 9 und 10). Der Kessel A ist zwischen zwei Wände D montirt, die Feuerbüchse C und der Rauchfang H sind in gewöhnlicher Weise gehalten. Ein senkrecht angeordnetes Rohr X verbindet den unteren Theil des Kessels mit einem wagerechten Rohre Z, welches letztere durch die Kesselmauerung D hindurchgeleitet wird. Die eingeschlossenen Röhren V verbinden die Enden des Rohres Z mit |339| den Enden des Rohres F, welches neben der Feuerbüchse liegt. Ein wagerechtes Rohr M reicht durch die Mauer D und endigt mit einem Hahne. – Zwei kurze eingesetzte Rohre G verbinden die Enden der Rohre L mit den Auſsenseiten des Rohres M. Auſserhalb der Kesselmauerung unter dem Kopfe des Kessels ist ein Wagerechtrohr N angeordnet und die Röhre J an jedem Ende des Rohres N geht zurück durch die Bekleidung in den Kessel bei L gerade unter der Wasserlinie. Ein Ende des Rohres N ist mit einem Ventile versehen. Acht schräge Rohre Q verbinden das Rohr H mit dem Rohre M und eine gleiche Anzahl Zweigrohre Q bilden eine Verbindung zwischen diesen Rohren Q und dem Rohre F. Dieses Rohrsystem bewirkt einen fortwährenden Wasserumlauf.

K. Gamper in Sielce (Rufsland) verwendet bei seinem britischen Patente Nr. 16914 vom 8. December 1887 ein conisches ausziehbares Flammrohr (Fig. 11), dessen Querschnitt aus Fig. 12 und 13 zu ersehen ist. Das Flammrohr ist mit senkrechten Siederöhren d versehen, welche am vorderen Theile den Rost h durchstreichen und in zwei Hälften theilen.

T. A. York und J. C. Edwards in Wolverhampton bringen bei ihrer Kesselconstruction (Englisches Patent Nr. 13257 vom 30. September 1887) in dem Feuerrohre ein oder mehrere Siederohre an (Fig. 14, 15 und 16). Fig. 14 zeigt die Anwendung eines einfachen Siederohres A, welches bis nahe an die Feuerbrücke C innerhalb des Feuerrohres B reicht und an der anderen Seite zum Zwecke der bequemen Reinigung durch die Kesselmauerung hindurch geführt ist. Das Einsetzrohr ist durch zwei Stutzen mit dem Hauptkessel verbunden. In Fig. 16 ist auf der linken Hälfte noch ein besonderes Rohr b und auf der rechten Hälfte mehrere Röhren c eingesetzt.

C. J. Galloway in Manchester verwendet bei seinem Englischen Patente Nr. 10871 vom 8. August 1887 (Fig. 17 und 18) gebogene Platten CDE zu den Feuerrohren, um denselben mehr Widerstandsfähigkeit zu ertheilen. Es entstehen auf diese Weise Buckel wie bei D, zwischen welchen die Gallowayröhren B und E eingenietet werden. Die Seitenplatten A sind aus dem angeführten Grunde gewellt. Wir möchten sehr bezweifeln, ob die erreichten Vortheile mit der dazu aufgewendeten Arbeit im Verhältnisse stehen.

R. Orr hat in seinem Englischen Patente Nr. 17870 vom 29. December 1887 (Fig. 20 und 21) als Roststäbe Röhren A verwendet, denen er, auſser an den Enden, die rund bleiben, einen dreikantigen Querschnitt gibt. Diese Röhren bilden einen flachen Rost, dessen Stäbe sich, wie gewöhnlich, nach unten verjüngen. Die vorderen Enden der Roststäbe sind an dem Rohre D befestigt, die anderen Enden ragen in den Raum B des Kessels hinein. Das Rohr D ist durch Rohr E mit dem unteren Theile des Kessels verbunden, damit der stetige Wasserzufluſs zu den Röhren A gesichert sei. In ihrer Mitte werden die Roströhren durch |340| das Wasserrohr J getragen. An der vorderen Seite ist die Platte F angebracht, welche die Ausstrahlung der Wärme vom Roste aus verhindern soll, ohne jedoch den Zug zu stören. Der Aschenfall G ist durch eine Thür H verschlossen. Die Heizgase treten durch den Rost A hindurch in den Aschenfall G und ziehen von hier aus durch das Feuerrohr zum Kamine.

Der Kessel von Norton in Ipswich (Englisches Patent Nr. 3713 vom 10. März 1888) hat einen bei A kreisförmigen, bei B zur Aufnahme der Feuerröhren a, b, c abgeflachten Feuerraum. Von D aus gelangen die Gase durch das Röhrenbündel d zur Rauchkammer E und zum Kamine F. Der Raum D ist durch eine Platte f von feuerfestem Thone abgeschlossen.

In den Fig. 22 bis 24 ist die von C. S. Knap in London angegebene Verbindungsweise von Röhren, (Englisches Patent Nr. 11066 vom 13. August 1887) mittels eines eingeschobenen Stahlringes, dargestellt. Die Ringe werden mit ihren conischen Enden in die zu verbindenden Röhren getrieben und haben zur gröſseren Festigkeit eine oder mehrere Einschnürungen.

Die Enden der Feuerröhren, welche bekanntlich dem Verbrennen am meisten ausgesetzt sind, sucht W. Hague in Pittsburg durch die in Fig. 25 und 26 dargestellten Einsetzröhren (Englisches Patent Nr. 5240 vom 9. April 1888) zu schützen. Die Einsetzröhre ist mit Längsriefeln e und mit einem Schlitze g versehen, letzteres, um einen leichten Anschluſs an die zu schützenden Röhren zu ermöglichen, während die Riefeln den erforderlichen Abstand zwischen Einsetzrohr und Feuerrohr bewirken.

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