Titel: Neuerungen auf dem Gebiete der Brau-Industrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 271 (S. 538–551)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj271/ar271112

Ueber technische Neuerungen auf dem Gebiete der Brau-Industrie (zugleich Bericht über die Stuttgarter Brauerei-Ausstellung); von Prof. Alois Schwarz in Mährisch-Ostrau.

(Fortsetzung des Berichtes S. 351 d. Bd.)

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 27.

Einen anderen neuen Staubsammler hatte die Maschinenfabrik Gg. Kiefer in Feuerbach-Stuttgart in der Ausstellung vorgeführt, welcher auf ähnlichem Prinzipe wie der vorbeschriebene beruht.

Textabbildung Bd. 271, S. 538
Dieser Staubsammler besteht, wie nebenstehende Abbildung zeigt, aus zwei, vier, sechs oder acht Flanellschläuchen, durch welche die eintretende, mit Staub geschwängerte Luft staubfrei durch den Flanell in das Freie tritt, und geschieht die Reinigung des von Staub zugelegten Flanelles wie folgt: An dem vorderen Haupte der Maschine befindet sich der Automat (Abklopfer), dessen Einrichtung so getroffen |539| ist, daſs nur zwei Schläuche zusammen abgeklopft werden, während die übrigen in Thätigkeit bleiben und somit der regelmäſsige Gang der zuströmenden Luft nicht im Geringsten beeinträchtigt wird. Bei den in Abklopfung befindlichen Schläuchen wird der unterhalb am Schlauche befestigte schwere Ring mittels einer Kette vom Automaten hoch gezogen und plötzlich fallen gelassen, wodurch 4 bis 8 Stränge, welche den Belastungsring tragen, mit Kraft gegen die Wandung des Flanelles geschlagen werden und zwar so, daſs selbst die feinsten Staubtheilchen, welche sich in den Poren des Flanelles festgesetzt, herausfallen müssen, um so mehr, da sich diese kräftige Abklopfung alle 10 Minuten bei jedem einzelnen Schlauche 6 mal hinter einander wiederholt.

Der abgeklopfte Staub, welcher inzwischen durch eine geeignete Vorrichtung aufgefangen worden ist, wird seitlich durch eine Schnecke oder durch Sackrohre direkt in Säcke befördert, und beide Schläuche erhalten nach der Abklopfung wieder freien Einzug der Luft.

Diese neue Anordnung des hier beschriebenen Staubsammlers bietet die gröſste Sicherheit für Explosionsgefahr, indem sich die von Staub angefüllte Luft nur in Flanellumhüllungen (Flanellschläuchen) befindet, und bei einem derartigen Vorkommnisse sich nur ein Riſs in denselben bilden könnte, wo sich dann die Staubluft mit der atmosphärischen Luft vermischen würde.

Die Schläuche werden auch häufig mit schwachen Jalousien umkleidet, welche die entströmende Luft nach oben weisen und ein unmittelbares Berühren der Schläuche unmöglich machen. Der Antrieb des Automaten ist sehr einfach, da er von unten oder oben oder auch von der Seite angetrieben werden kann.

Andere Constructionen von Staubcollectoren (Patent Printz) waren von Eugen Kreiſs in Hamburg und auch von Amandus Kahl in Hamburg in Betrieb vorgeführt worden.

Die Patent-Staub-Collectoren werden mit auſserordentlichem Vortheile überall da angewendet, wo es sich darum handelt, Staub, gleichviel welcher Art – er mag also noch so fein, trocken oder feucht, faserig, klebrig u.s.w. sein – von Maschinen oder aus Räumen zu entfernen, sei es behufs Gewinnung zur Wiederverwerthung oder aus gesundheitlichen Gründen zur Reinigung der Luft, wie z.B. auch in Mälzereien. Diese Staubcollectoren können so nahe als möglich an die betreffenden Maschinen oder Staubquellen gerückt werden, saugen den hier entstehenden oder auch den in einem Raume schwebenden Staub auf, sammeln denselben an, und es kann die völlig gereinigte Luft in demselben Raume entweichen. Der Kraftbedarf zum Betriebe der Vorrichtung an und für sich, abgesehen von dem Bläser, ist sehr unwesentlich; der Antrieb der Filtertrommel erfolgt durch einen nur 50mm breiten Riemen. Es findet bei den neuen Staubsammlern die Reinigung des Filtertuches in der Weise statt, daſs nach und nach die einzelnen Zellen |540| des Filterkörpers abgeklopft werden, unter gleichzeitiger Anwendung eines kräftigen, pulsirenden Luftstromes, welcher an der betreffenden isolirten Zelle des Filters von entgegengesetzter Seite wirkt, wodurch der an dem Filterstoffe zurückgehaltene Staub sowohl abgeklopft als abgeblasen wird. Die Abklopfung geschieht jedoch nicht gegen den Filterstoff, sondern gegen den Rahmen desselben. Durch diesen Abklopfer in Verbindung mit Gegenwand fällt der losgelöste Staub in eine Schnecke, welche denselben seitlich herausbefördert, während völlig gereinigte Luft den Apparat verläſst, und werden selbst die noch fest an dem Filtertuche haftenden Staubtheilchen wirksam entfernt ohne Abnützung des Filterstoffes, welcher daher von sehr langer Dauer ist.

Von den in das Gebiet der Mälzerei schlagenden Apparaten fand die von Eugen Kreis in Hamburg in Betrieb vorgeführte neue Förderspirale, als neues Förderelement, groſse Beachtung, und zwar war eine von 100mm und eine von 200mm Durchmesser mit einer Leistungsfähigkeit von 80 bezieh. 400 Centnern in der Stunde ausgestellt. Dieses neue Förderelement besteht aus einer cylindrischen Drahtspirale von besonderem Querschnitt, welche wie die bekannte Förderschnecke sich in einem Gerinne um ihre Achse dreht. Die Drahtspirale wirkt direct nur auf einen sehr geringen Theil des zu fördernden Gutes, sie setzt nur den äuſseren Mantel des innerhalb der Spirale befindlichen Gutes in Bewegung, die sich dem letzteren, sowie auch dem über der Spirale befindlichen Theilchen in Folge der Adhäsion mittheilt. Durch Vorwärtsbewegen dieses äuſseren Mantels wird sowohl der innere Kern als auch das über der Spirale befindliche Gut mitgeführt, gleichsam mitgetragen, so daſs durch Erhöhung des Gerinnes die Leistung sich entsprechend steigern läſst. Ein Vermengen oder Zerreiben des Fördergutes findet nicht statt. Der Spiraldraht besitzt einen besonderen, rechteckigen Querschnitt, wodurch der bei rundem Draht vorhandene Uebelstand des Keilschubes, d.h. des Festklemmens des Fördergutes zwischen der Rundung des Drahtes und dem Boden des Troges, sowie die Schwierigkeiten einer dauerhaften Verbindung zwischen dem runden Draht, der Stütze und der Achse gänzlich vermieden und gröſsere Leistung, sowie leichterer Gang erzielt ist. In Folge der Vortrefflichkeit der Vorrichtung ist dieselbe auch bereits in vielen Tausenden Metern Länge ausgeführt.

Eine gleichfalls ausgestellte neue Construction von Transportschnecken, Patent Röſsler und Reinhard, zeigte wesentliche Verbesserungen gegenüber den üblich angewendeten Formen von Transportschnecken, indem bei derselben die Flügel aus starkem Eisenblech gestanzt (nicht gegossen) sind und die Befestigungslasche nach einem eigenen Verfahren umgebogen erscheint, wodurch eine sehr groſse Versteifung des Flügels erzielt wird und ein Abbrechen derselben, wie dies bei Guſseisenflügeln häufig, kaum möglich ist. Diese Flügel werden mit der Höhlung der |541| Lasche auf die Welle gelegt und mittels einfacher Kopfschraube auf derselben befestigt. Das Gewicht einer solchen Schnecke beträgt bei einem Durchmesser von 25cm in haltbarer Ausführung bloſs 8k auf den laufenden Meter, während Transportschnecken gleichen Durchmessers mit Guſseisenflügeln entsprechend 20 bis 40k wiegen.

Ein sehr interessanter Apparat, welcher als Zugehör zu den Malzputzmaschinen anzusehen ist, nämlich ein Magnetapparat, war von Scholl und Auer in Göppingen ausgestellt. Diese Apparate bezwecken das Ausscheiden von Eisentheilen aus Getreide und Malz und werden gewöhnlich auf dem Trichter der Schrotmühlen derart angebracht, daſs sämmtliches Malz den Magnet passiren muſs, der etwa im Malz enthaltene Eisentheile, welche beim Durchgehen durch die Walzen dieselben beschädigen könnten, zurückhält; die Apparate sind auch mit selbstthätiger Abstreifvorrichtung versehen, durch welche die an dem Magnete haftenden Eisentheile seitlich abgehoben werden.

Eine zweite von dieser Fabrik ausgestellte Magnetmaschine dient zum Trennen der Eisen- und Stahltheile aus Metall-, Dreh-, Bohr- und Feilspänen und ist für Metallwaarenfabriken von groſsem Werth.

Unter den zahlreich ausgestellten Gerstesortir- und Putzmaschinen waren meistens bekannte Constructionen, und nur wenige neue Einrichtungen vertreten. Bloſs Amandus Kahl in Hamburg hatte eine neue Wasch- und Reinigungsvorrichtung für Gerste ausgestellt. Dieser Apparat, Patent Niederer-Kahl, besteht aus zwei Theilen, dem wagerechten „Scheideapparat,“ in welchem sämmtliche Verunreinigungen der Gerste durch einen Wasserstrom abgeschieden werden, und einem senkrechten Cylinder, der sogenannten „Waschcolonne,“ in welchem eine senkrechte mit Schaufeln besetzte Welle rotirt. Im unteren Theile dieses Cylinders wird die Gerste gewaschen und durch die Schaufeln nach aufwärts gehoben, wobei gleichzeitig das abflieſsende Wasser sammt den Verunreinigungen durch Centrifugalkraft weggeschleudert und auch noch durch den Drahtmantel des Flügelwerkes die anhaftende Spreu abgeschieden wird. Einrichtung und Betrieb dieser neuen beachtenswerthen Waschvorrichtung sind folgende: Durch den linksstehenden wage rechten Theil der Maschine, dem sogenannten Scheideapparat, welcher mehrere Abtheilungen hat, wird ein flieſsender Wasserstrom (entweder kann kaltes oder auch Condensationswasser angewendet werden) geführt, und so rasch, wie das Wasser läuft, trennen sich von dem guten Getreide je nach specifischer Schwere in den respectiven Abtheilungen: Abschwamm, etwa noch vorhandene Strohstückchen, Hülsen, Unkräuter, Holztheilchen u.s.w., halb gesunde, faule, brandige u.s.w. Körner, Steine, Metalltheilchen u.s.w., kurzum alle fremden Beimischungen der Frucht, die schwerer als letztere sind. Nachdem nun dem Getreide die gröſsten Unreinigkeiten und schlechten Bestandtheile genommen, laufen sowohl die schweren als auch die gesunden Körner, die sich |542| aus zwei Abtheilungen vereinigen, zusammen durch einen Trichter in die senkrechte Waschcolonne. Hier wird das Getreide mittels Centrifugalkraft rationell gewaschen, worauf alsdann beim Austritt aus diesem Apparat eine nochmalige Behandlung mit Luft erfolgt. Je nach den Verwendungszwecken, z.B. Mälzereien, kann das Getreide, bevor es in die Weiche kommt, noch einige Zeit unbeschadet auf Haufen lagern, wohingegen das Getreide bei Vermahlung in Mühlen nach vorbeschriebener Reinigungsprocedur noch eigens construirte Trockenapparate zu passiren hat.

Die von Amandus Kahl in Hamburg ausgestellte Gerstesortirmaschine ist bei einfachem gefälligem Bau dauerhaft ganz in Eisen und so construirt, daſs es einem davorstehenden Mann ermöglicht ist, selbst die gröſsere Sorte von ebener Erde aus zu speisen. Auch liegt der ganze Arbeitsprozeſs unverdeckt vor und ist leicht zu übersehen. Die Speise- und die Ausscheidevorrichtung weisen zwei Verbesserungen auf. Durch erstere wird eine völlig gleichmäſsige Speisung der Maschine bewirkt, welche auf einfache und schnelle Weise regulirt werden kann, wobei durch eine Rüttelbewegung jede Verstopfung ausgeschlossen ist. Von einem regelbaren Windstrom erfaſst, gelangt das nun von seinen leichten Theilen befreite Korn auf ein sich über die ganze Länge und Breite der Maschine ausdehnendes neues Patentrüttelsieb. Dieses leicht auswechselbare Sieb ist mit 2 bis 3 verschiedenen Siebflächen versehen, die in ihrer Lochung je der zu reinigenden Frucht angepaſst werden und in der Weise gewählt sind, daſs das erste Siebfeld alle kleinen und dünnen Körner absondert. Die nicht verbleibenden, zum Durchgange bestimmten gröberen Bestandtheile werden über das Ende des Siebes in eine Abtheilung abgeführt. Der Durchgang des ersten und dritten Siebes wird je für sich in einer Abtheilung gleichfalls abgefangen, wohingegen der Durchgang des zweiten, mittleren Siebes, aus dem Siebgut, wie oben erwähnt, bestehend, nunmehr zum Hauptziel seiner speciellen Sortirung gelangt, nämlich auf eine um zwei Achsen rotirende, schräg nach oben gekehrte Auslesefläche, welche aus endlos zusammengesetzten Platten mit halbrunden, gebohrten Löchern besteht.

Zu den schönsten und bestausgeführten Maschinen dieser Art gehörten unstreitig die von der bekannten Kalker Trieuerfabrik Mayer und Comp. in Kalk bei Köln ausgestellten drei Sortirmaschinen nach Krüger's Patent für eine Leistungsfähigkeit von 9,15 resp. 30 Centner in der Stunde. Es sind dies vereinigte Gerstensortir-, Wicken- und Halbkörner-Auslesemaschinen von groſser Leistungsfähigkeit und einfacher Construction, welche sich in vielen Ausführungen vortrefflich bewährt haben. Die ausgestellten Krüger'schen Patent-Trieurs sind ohne Rüttelwerk, statt dessen mit einer Absiebetrommel ausgestattet, arbeiten daher geräuschlos und verursachen nicht das bei anderen Constructionen so störende Erschüttern des ganzen Arbeitsraumes.

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Heinrich Reinhard in München hatte als Neuheit ein Gefäſs mit Wage zur Bestimmung der Quellreife der Gerste ausgestellt, welches ohne weitere Untersuchung und Berechnung über das Fortschreiten der Wasseraufnahme in allen Schichten der Weichmasse Auskunft gibt. Die Wasseraufnahme, nach Procenten bezeichnet, stellt zugleich eine vergleichende Einheit für alle Mälzereien dar und ist genauer und verständlicher als die übrigen praktischen Merkmale, oder als die gebräuchliche Angabe der Weichzeit nach Tagen und Stunden. Das Gefäſs wird mit 200g der einzuweichenden Gerste gefüllt, mit dem Deckel geschlossen und in die frisch eingeweichte Gerste im Quellstock gestoſsen. Diese kleine Gerstenmenge weicht somit unter denselben Verhältnissen wie die groſse Masse. Will man sich von der Wasseraufnahme überzeugen, so kommt das Gefäſs aus der Weiche und wird in reinem Wasser durchgeschüttelt, damit etwa anhaftende Unreinigkeit durch die Oeffnungen entfernt wird. Alsdann wird der Deckel wieder abgenommen und als Ersatz für die Wagschale das Gefäſs angehängt. Die Wage zeigt die Wasserzunahme in Procenten an, wobei das Gewicht immer auf demselben Punkt stehen muſs, wie bei der trockenen Gerste.

Die Maschinenfabrik von Franz Hochmuth in Dresden hatte ihre neuesten verbesserten Malzwender im Betrieb vorgeführt; derselbe hat folgende Construction: Am Umfange einer hohlen Welle sind wechselseitig Arme eingesetzt, welche an ihren Enden in Gelenken drehbare, gebogene Schaufeln tragen, wie solche in der Querschnittzeichnung dargestellt sind (Fig. 1 Taf. 27).

Bei rascher Umdrehung der Wenderwelle bewegt sie sich nur langsam vorwärts, so daſs bei Eingriff der Schaufeln dieselben nie mehr als nöthig fassen können. Am Wenderarme sitzt lose eine Hülse E mit zwei kleinen Greifern, sobald nun die Schaufel zum Eingriff kommt, fällt durch ihr eigenes Gewicht die Hülse E am Arme herab und hält die Schaufel so lange fest, bis der Arm eine solch schräge Lage nach oben einnimmt, in welcher die Hülse durch die eigene Schwere herabgleitet und die Schaufel frei schwingen läſst. Durch diese Anordnung wird der groſse Vortheil erreicht, daſs das Malz nur nach und nach von der Schaufel herabgleitet und dabei einen möglichst langen Weg durch die erhitzte Luft zurücklegt.

Der Antrieb des Malzwenders geschieht durch einen einfachen Mechanismus; derselbe ist zu beiden Seiten in das Mauerwerk gelegt, da er wenig Raum bedarf, demnach die Darrbreite der Wenderbreite gleich ist. An den Enden tritt selbsthätig ein Umschaltungsmechanismus in Thätigkeit, so daſs der Wender ohne jede Aufsicht selbsthätig vor- und rückwärts arbeitet, demnach jede Controle der Arbeiter wegfällt.

Die Lager der Wenderwelle sind mit präparirten Metallschalen versehen, welche kein Oel oder irgend eine Schmierung erfordern.

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Die Hülse ist so construirt, daſs sich Staub, Körner und Unreinigkeiten niemals festsetzen können.

Ein anderer neuer Wendeapparat für Malz, von Friedrich August Hartmann und Comp. in Offenbach a. M. ausgestellt, zeichnete sich dadurch aus, daſs derselbe ebenfalls die Ausnützung des Raumes, in welchem das zu wendende Material ausgebreitet liegt, bei Malz also die Ausnützung der Darrhorde, voll und ganz gestattet. Es wird dies dadurch erreicht, daſs der gesammte Bewegungsmechanismus des Schaufelrades auſserhalb der eigentlichen Darrhorde angebracht ist, so daſs das Schaufelrad die volle Breite des Darrraumes erhalten kann. Diese eigenartige Anordnung des Bewegungsmechanismus bedingt eine von den bisher zu dem gleichen Zwecke benutzten Einrichtungen vollständig abweichende Construction, welche im Wesentlichen aus einem Umlaufgetriebe besteht, das gleichzeitig die Rotation des Schaufelrades und den Vorschub der Wenderwelle bewirkt.

Das Schaufelrad ist in bekannter Weise aus einem die Welle ersetzenden Cylinder, den darauf befestigten Blechscheiben, den radialen Stegen und den in den Scheiben drehbar gelagerten, aus winkelförmig gebogenen Blechen bestehenden Schaufeln zusammengesetzt. In den Enden des Cylinders sind die Drehzapfen eingesetzt, welche in Gehäusen lagern, die in Aussparungen der beiden Seitenwände des Darrraumes schlittenartig verschiebbar sind. Die Gehäuse haben mit Schraubengewinde versehene Naben und sind auf je einer zu beiden Seiten der Darrhorde sich über die ganze Länge des Darrraumes erstreckenden, an den beiden Enden der bezüglichen Wandaussparung drehbar gelagerten Spindel montirt, so daſs die Gehäuse mit dem Schaufelrad bei der gleichzeitig erfolgenden Drehung der beiden Spindeln in der einen oder anderen Richtung langsam über die Darrhorde vor- oder zurückgeschoben werden. In jedem Gehäuse ist zwischen den beiden Naben eine mit ihrer Nabe auf der Spindel verschiebbare Schnecke angeordnet, welche mit dem bezüglichen der beiden auf den Drehzapfen des Schaufelrades befestigten Schneckenräder in Eingriff steht. Die Nabe jeder Schnecke greift mit einer Feder in eine Nuth, welche über die ganze Länge in jede der beiden Spindeln eingeschnitten ist, so daſs sich die beiden Schnecken bei der Drehung der Spindeln mit diesen mitdrehen müssen, hierbei aber auch mit den Gehäusen längs der Spindeln vorbezieh. zurückgleiten können.

Durch die Drehung der Schnecken werden die Schneckenräder und hierdurch der Cylinder mit den Schaufeln in Bewegung versetzt.

Die eine Spindel des erstbeschriebenen Umlaufgetriebes ist als Welle durch die Stirnwand des Darrraumes hindurch verlängert und hier mit einer Klauenkuppelung versehen, welche durch Umlegen des Hebels mit der einen oder anderen der beiden lose und in entgegengesetzten Richtungen laufenden Riemscheiben gekuppelt wird, so daſs |545| hierdurch die Welle und die Spindel je nach Bedarf in Rechts- bezieh. Linksdrehung versetzt werden können. Damit nun diese Umkehrung der Drehungsrichtung der Spindeln jedesmal, wenn das Schaufelwerk an dem einen oder anderen Ende der Darrhorde anlangt, selbsthätig erfolgt, ist der soeben erwähnte Hebel durch eine Schiebstange mit einem durch ein Gewicht belasteten, zweischenkligen Hebel verbunden, welcher nahe am vorderen Ende des Darrraumes in geeigneter Weise drehbar an einer an der Wand befestigten Platte angebracht ist.

Ein auf dem bezüglichen Gehäuse befestigter Anschlag stöſst gegen Ende des Vorschubes des Schaufelwerkes gegen das untere Ende des zweiten Hebels, legt diesen und damit auch den ersten, den Kuppelungshebel, allmählich um, schaltet hierdurch die Kuppelung zwischen der Spindel und der rechts liegenden Riemscheibe aus und kuppelt dieselbe mit der zweiten sich entgegengesetzt drehenden Riemscheibe, so daſs die durch ein Kettengetriebe miteinander verbundenen Spindeln nunmehr nach entgegengesetzter Richtung in Drehung versetzt und das Schaufelwerk bei entgegengesetzter Schaufelwirkung wieder langsam zurückbefordert wird.

Am anderen Ende der Darrhorde stöſst der Anschlag ebenfalls gegen einen dritten Hebel, welcher mit dem zweiten Hebel durch eine Schubstange verbunden ist. Mit dem Umlegen des dritten Hebels wird also auch wieder der Kuppelungshebel umgelegt, die Kuppelung aus der links befindlichen Riemscheibe ausgelöst und in die rechts befindliche Riemscheibe eingeschaltet, so daſs also die Rotation der Spindeln und damit die Bewegung des Schaufelwerkes wiederum wechselt.

Die Kuppelung mit der betreffenden Riemscheibe wird bis zur nächsten Umsteuerung durch das am zweiten Hebel angebrachte Gewicht gesichert.

Beim Abstellen des Apparates wird der erste Hebel mit der Kuppelung durch Einklinken eines Ueberwurfhebels in Mittelstellung gesichert.

Eine sehr interessante, wenn auch schon seit einigen Jahren bekannte Neuerung war von der Berliner Actiengesellschaft für Eisengieſserei und Maschinenfabrikation in Charlottenburg zur Ansicht gebracht worden, nämlich das Verfahren der pneumatischen Mälzerei nach dem Trommelsysteme Patent Galland. Es war ursprünglich beabsichtigt gewesen, einen solchen Apparat in vollständiger Ausführung in der Ausstellung in Betrieb zu setzen, was sich jedoch aus technischen Gründen als undurchführbar erwies, weshalb dieses System bloſs durch groſse in Farben ausgeführte Tafeln den Besuchern zur Darstellung gebracht worden war. Wir reproduciren diese Tafeln, indem wir gleichzeitig eine ausführliche Beschreibung dieses Mälzereisystemes geben (Fig. 4 und 5 Taf. 27).

Ein gemauerter oder eiserner Koksthurm ist unten mit einem Roste r, worauf eine niedrige Koksschicht ruht, und über demselben, mit kleinem |546| Zwischenraume mit noch einem Rost R mit höherer Koksschicht versehen. Unter den untersten Rost wird möglichst reine und daher Luft aus der Höhe zugeleitet. Oberhalb vom Koks ist ein sogen. Anschwänzer s angebracht, der, sich drehend, in feiner Vertheilung frisches Brunnenwasser von etwa 8 bis 10° R. über den Koks niederrieselt und auf letzteren also in gröſster Oberfläche vertheilt. Der Raum über dem Anschwänzer steht in Verbindung mit einer Windzuleitung L und L1, zu den Malzapparaten gehend, und mit einer Windableitung S, von diesen zu einem Exhaustor (Ventilator) Z führend. Wenn letzterer saugt, so tritt unter den Rost frische Auſsenluft, durchstreicht den Koks, wird gereinigt, sättigt sich an dem in gröſster Oberfläche vertheilten Wasser, dieses theilweise verdunstend, mit Wasserdampf, und weil hierzu Wärmebindung nöthig ist, so kühlt sich die selbst im heiſsesten Sommer etwa mit 28° R. eintretende Luft bei diesem Prozesse bis auf 9 bis 11°, voll gesättigt mit Wasserdampf, ab. Im Winter, wo die Luft mit groſser Kälte, also unbrauchbar für die Mälzerei, unter dem Roste eintritt, wird durch ein in den freien Raum zwischen beiden Kokslagen eingeführtes kleines Dampfrohr d vom Dampfkessel so viel Dampf zugeleitet, daſs die Temperatur der oben aus dem Koksthurme den Apparaten zugeführten feuchten Luft ebenfalls 9 bis 11° beträgt. Dampf- und Wasserzuführung in den Koksthurm sind je nach den Auſsentemperaturen durch Ventile regulirbar. So ist für jede Jahreszeit in einfachster Weise das geeignete Mälzungsklima, bestehend in voll mit Wasser gesättigter, gereinigter kühler Luft, hergestellt, welche in nachstehender Weise zum Wachsen der Gerste Verwendung findet.

Das Einquellen der Gerste geschieht im Weichkasten W. Nachdem das Einweichen der Gerste in gewöhnlicher Weise vorgenommen und das letzte Wasser abgelassen ist, verbleibt das gequellte Gut noch 1 bis 2 Tage in dem mit fein gelochtem Doppelboden versehenen Weichkasten, welcher dann oben mit einem luftdicht abschlieſsenden Plan abgedeckt wird. Die Ventile v und v1 werden geöffnet und unter Durchsaugung von frischer gekühlter Luft wird das Anspitzen der Gerste begünstigt, indem dieselbe kühl gehalten und die sich bildende Kohlensäure abgesaugt wird. Unten in den Weichkästen sind ventilartig abgeschlossene Oeffnungen o, durch welche nach der genannten Anspitzzeit das Keimgut in die unterhalb der Weichkasten placirten Keimtrommeln T niedergelassen wird, worin der Keimungsprozeſs weiter vor sich geht.

Die Keimtrommeln sind unten auf 2 Paar Rollenböcken b gelagerte und mittels Schneckenradgetriebe g in etwa 40 Minuten einmal herumdrehbare Blechcylinder, von denen jede an einer Seite eine mit der Feucht-Windleitung L mittels eines Regulirdrehschiebers D in Verbindung stehende Luftkammer k hat, von welcher am äuſseren Umfange der Trommel halbkreisförmige, ganz fein gelochte Kanäle c die Trommelcylinder |547| der ganzen Länge nach durchziehen. Von der anderen Seite steht ein in der Mitte der Trommel angebrachtes, ebenfalls fein gelochtes Mittelrohr m, auch absperrbar und regulirbar, mittels eines Drehschiebers D1 in Verbindung mit der Windabsaugeleitung S. Dieses Mittelrohr hat jedoch keine direkte Verbindung mit der Luftkammer k; es kann daher die vom Ventilator gesaugte Luft die Trommel nur in der Richtung der eingezeichneten Pfeile durchstreichen. Jede Keimtrommel hat am Umfange zwei um etwa 120° versetzte, ganz leicht zu öffnende und dicht abschlieſsende Thüren zum Ein- und Auslassen der gequellten Gerste bezieh. des Grünmaizes. Durch das sehr langsame Drehen der Trommel bleibt die Oberfläche des Inhaltes nicht wagerecht stehen, sondern nimmt eine schräge Fläche an, auf welcher allmählich abrieselnd das wachsende Keimgut ohne irgend sonstige gewaltsame mechanische Beihilfe gewendet wird und somit vor Zusammenwachsen (Verfilzen) in der einfachsten und die zarten Würzelchen schonendsten Weise absolut sicher bewahrt bleibt. Jede sich in 40 Minuten einmal herumdrehende Trommel läſst das eingefüllte gequellte Gut, je nach der Temperatur, mit welcher man den Keimungsprozeſs führt, in 7 bis 9 Tagen fertig wachsen und zwar in der gleichmäſsigsten Weise mit vorzüglichster Lösung. Bei der constanten Zuführung von voll mit Wasser gesättigter und gereinigter Luft wird die sich bildende Kohlensäure stetig abgeführt, und ein Abtrocknen des Malzes kommt in dem kleinen Raume der Trommel nicht vor. Schimmelbildung ist selbst bei halben Körnern ausgeschlossen.

Zur jederzeitigen Beobachtung und entsprechenden Regulirung der Temperaturen des wachsenden Malzes im Inneren der Trommeln hat jede derselben an jeder der Stirnwände ein Thermometer. Zeigt sich bei einer Trommel für das Stadium des darin wachsenden Gerstenhaufens zu hohe oder zu niedere Temperatur, so wird solche Differenz durch Drehen des Windregulirhahnes D und dementsprechende Durchführung von mehr oder weniger gekühlter Luft durch diese Trommel in kürzester Zeit wieder auf den normalen Standpunkt regulirt. Ferner kann zu jeder Zeit auch von dem zwischen je 2 Trommeln angebrachten Podium p aus, durch Oeffnen einer der Thüren in der Mitte der Trommeln der Haufen mit Leichtigkeit gradirt und beobachtet werden. Es können auſser den Thüren auch noch Fenster zum Einblicke in die Trommeln angebracht werden.

Ist das Grünmalz hinreichend ausgewachsen, so wird mit dem Zuführungsdrehschieber D die feuchte Luft von der betreffenden Trommel abgesperrt und eine im Deckel dieses Drehschiebers angebrachte Thür geöffnet, so daſs gewöhnliche trockene Atmosphäre durch das Grünmalz gesaugt wird, welche ein Abschwelken und Abtrocknen nach Belieben in einfachster Weise bewirkt.

Das so fertige Grünmalz wird durch eine nach unten gestellte Thür |548| in untergefahrene Kippwagen entleert, und dies durch Nachstoſsen durch die zweite schräg nach oben gerichtete Thür nachhelfend von dem zwischen je 2 Trommeln angebrachten Podium p aus erleichtert.

Mit dem pneumatischen Grünmalzapparate, Trommelsystem Galland, kann man bei dem mit Leichtigkeit und in einfachster Weise hergestellten künstlichen Klima das ganze Jahr hindurch mälzen. Rechnet man jedoch zur Generalsäuberung und Neulackirung der Apparate und Räume im Jahre etwa 4 Wochen ab, so kann man eine jährliche Arbeitszeit bei diesen Apparaten von 335 bis 340 Tagen annehmen, gegenüber einer Arbeitsdauer von durchschnittlich 220 bis 230 Tagen auf den gewöhnlichen Tennen. Dementsprechend kann jede Trommel in vorstehend genannter Campagne 41 bis 42 mal fertiges Grünmalz ausleeren. Durch die gleichmäſsig niedrig gehaltene Temperatur der Haufen in den Trommeln während der Keimzeit ist der Verlust der Gerste an nutzbarer Substanz geringer als bei dem Wachsthume auf den Tennen, so daſs die Ausbeute an Malz eine erhöhte ist. Bei Anwendung der Galland'schen Keimtrommelapparate gebraucht man zur Herstellung des gleichen Malzquantums nur etwa ⅕ des Raumes wie bei gewöhnlichen Tennen.

Wegen des geringen Platzes, den die Apparate einnehmen, lassen sich dieselben mit Leichtigkeit in vorhandenen Gebäuden unterbringen. Es ist fast gleichgültig, ob die Keimtrommeln im Keller oder in hochgelegenen Räumen Aufstellung finden.

Abgesehen von der enormen Ersparniſs an Terrain stellen sich die Kosten der Anlage einer gewöhnlichen Tennenmälzerei durchschnittlich 45 bis 50 Proc. höher als eine solche mit Galland's Trommelapparaten bei gleichen jährlichen Productionen an fertigem Malze.

Die benöthigte Wassermenge ist für das Einweichen der Gerste bei dem pneumatischen Verfahren genau dieselbe, wie bei der Tennenmälzerei. Man kann dafür ziemlich genau für den Tag das 10fache von dem Gewichte der täglich einzuweichenden Gerste rechnen, so daſs bei einer täglichen Verarbeitung von 5000k Gerste für alle Weichkästen in 24 Stunden etwa 50000k = 50cbm Wasser für das Einweichen verbraucht werden. Als Kühlwasser für die Koksthürme wird in den Wintermonaten Oktober bis Ende März ungefähr dasselbe Quantum beansprucht wie zum Einweichen; es vermehrt sich das Quantum allmählich mit der zunehmenden Auſsentemperatur, jedoch wird für die Koksthürme in den allerheiſsesten Sommertagen höchstens die 3½fache Wassermenge gebraucht als im Winter.

Bei der so überaus einfachen und sicheren Regulirbarkeit aller Factoren, welche bei der pneumatischen Trommelmälzerei in Betracht kommen, ist das nöthige Arbeitspersonal auf das denkbar geringste Minimum gebracht. Ein Mann bei Nacht, welcher zugleich Maschinist sein kann, ist in der Lage, die Beobachtung und Regulirung der Temperaturen vorzunehmen für eine Mälzerei von mehreren Serien Trommeln |549| unbeschadet ihrer Gröſse. Desgleichen genügt für den Tagesbetrieb ein Mann für die Beobachtung und Regulirung. Nur während der Zeit des Ausleerens einer Trommel und Weiche sind zur Fortschaffung und Hochförderung des Grünmalzes zur Darre je nach Gröſse der Apparate noch 2 bis 3 Mann auf 1½ bis 2 Stunden zur Hilfe zu stellen.

Die Betriebskosten einschlieſslich der maschinellen Betriebskraft lassen sich je nach den Gröſsen der Anlagen für die Grünmalzfabrikation bis zu 0,3 der Betriebskosten eines Tennenbetriebes reduciren.

Ein zweites, ebenso häufig als das vorbeschriebene in der Praxis eingeführte System der pneumatisch-mechanischen Mälzerei, das von Saladin, für welches die Maschinenfabrik Beck und Rosenbaum's Nachfolger in Darmstadt das alleinige Ausführungsrecht für Deutschland erworben hat, war wohl in der Ausstellung nicht vorgeführt, doch hatte die genannte Firma an alle Ausstellungsbesucher ein Circular ergehen lassen, in welchem dieselben zur Besichtigung der an den Reiserouten der Ausstellungsbesucher befindlichen Anlagen von pneumatisch-mechanischen Mälzereien nach System Saladin eingeladen wurden.

Das Wesen des Saladin'schen Verfahrens besteht in Folgendem: Die geweichte Gerste wird in einen besonderen Keimkasten ausgestoſsen, in welchem sie vom Beginne bis zur Beendigung des Wachsthumes ununterbrochen verbleibt. Sie liegt in demselben auf einem Siebboden, unter welchem sich eine Luftzuführung befindet, welche mittels einer Klappe verschlieſsbar ist, und von der aus auf eine bestimmte Temperatur gebrachte feuchte Luft durch das Malz von unten her gedrückt werden kann. Durch diese gleichmäſsige Zuführung von Luft, welche vorher auf eine bestimmte Temperatur gebracht worden ist, wird die Temperatur des Haufens auf einer bestimmten, gewünschten Höhe, und die Luft im Haufen rein erhalten (von Kohlensäure befreit, der Sauerstoff ersetzt). Die zugeführte Luft wird auſserdem vor der Zuführung mit Feuchtigkeit gesättigt, um ein Austrocknen des Malzes zu verhindern. Wird ein Schwelken des Malzes nach beendetem Wachsthume gewünscht, so kann dies in demselben Kasten, in dem das Malz gewachsen ist, durch Zuführung von trockener warmer Luft ausgeführt werden (Fig. 2 und 3 Taf. 27).

Das Auflockern des Malzes wird bei dem Saladin sahen Verfahren nicht wie auf der Tenne durch Handarbeit bewirkt, sondern es dient zu dem Zwecke ein besonderer mechanischer Apparat, welcher „Wender“ oder richtiger „Auflockerer“ genannt wird. Im Wesentlichen besteht derselbe aus einem sich selbsthätig fortschiebenden eisernen Wagen, welcher auf Schienen über dem Keimkasten hin und her laufend korkzieherartige Auflockerungsschrauben trägt, welche, bis auf den Boden des Kastens reichend und sich um die eigene Achse drehend, bei der Vorwärtsbewegung des Wagens über dem keimenden Malze hin dieses durchfurchen und die Keime, die in einander gegriffen haben, trennen.

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Auch um die dem Malze zuzuführende Luft auf die gewünschte Temperatur zu bringen und mit Feuchtigkeit zu sättigen, bedient sich das Saladin'sche Verfahren eines besonderen, „Umwechsler“ (Changeur) genannten Apparates, welcher aus einer oder mehreren Trommeln besteht, deren Mantel von mehrfachen Lagen von Siebblech gebildet wird, und welche in ein Wasserbecken tauchen, dessen Wasser durch ein Schlangenrohr beliebig mit Dampf angewärmt oder mit Eiswasser gekühlt werden kann. Durch diese sich langsam drehenden Umwechsler wird die Luft, welche das Malz durchstreichen soll, durch einen Ventilator gepreſst und nimmt auf dem Wege durch die Siebblechlagen, welche das temperirte Wasser des Beckens durch Adhäsion mitnehmen, nicht nur die gewünschte Temperatur an, sondern sättigt sich auch mit Feuchtigkeit.

Die Keimkästen bestehen aus cementirtem Mauerwerke. Auf der Seite des Hauptganges sind sie offen, können aber hier durch eine Eisenblechwand ebenfalls geschlossen werden. In einer Höhe von 70cm über dem Boden befindet sich der oben genannte Siebboden CC (Fig. 2 und 3), auf welchem das Malz D liegt. Derselbe besteht aus 18 einzelnen Rahmen, welche an den beiden Längswänden des Keimkastens drehbar befestigt sind und von der Mitte des Kastens aus zur Hälfte nach rechts zur Hälfte nach links hin hochgeklappt werden können, so daſs der ganze innere Kastenraum frei und zugänglich wird, in ähnlicher Weise, wie die Flügel einer Flügelthür sich öffnend den Durchgang gestatten. Diese Einrichtung erleichtert die Leerung der Kästen auſserordentlich und gestattet auch eine sehr gründliche und schnelle Reinigung der Kästen.

Der oben erwähnte Saladin'sche „Auflockerer“ ist in Fig. 2 und 3 Taf. 27 im Durchschnitte und in Vorderansicht dargestellt. Derselbe besteht aus einem hohlen Metallcylinder G, an dessen beiden Enden Querleisten mit je zwei Rollen FF angebracht sind, welche auf den Längswänden des Keimkastens in Schienen laufen, so daſs der Cylinder auf dem Keimkasten der ganzen Länge desselben nach entlang gefahren werden kann. Quer durch den Cylinder ragen 5 Schaufeln H, welche eine Schnecke von doppelter Schraubenwindung bilden, bis auf das Siebblech hinabreichen und zum Auflockern des Malzes dienen. In dem Cylinder, parallel mit der Achse, aber unter ihr, befindet sich eine Welle, welche an beiden Enden einen Zahnstern trägt, welcher in eine in die Längswand des Keimkastens eingelassene Zahnstange eingreift. Diese Welle wird, durch eine Zahnradübersetzung mittels des Baumwollseiles MM gedreht und bewirkt durch ihr Eingreifen in die Zähne der Zahnstange die Vorwärtsbewegung des ganzen Auflockerers. Gleichzeitig wird durch denselben Antrieb eine auf dem Cylinder liegende Schnecke in Umdrehung versetzt, welche in die an den Schaufeln h angebrachten Zahnräder eingreift und so jedem für sich eine drehende Bewegung ertheilt, |551| so daſs diese Schaufele während des allmählichen Vorschreitens des Auflockerers das Malz durchfurchen und das Keimgut von unten nach oben heben und drehen. Ist der Auflockerer an einem Ende des Bassins angekommen, so muſs er sofort ausgerückt (bei N) werden, da er sonst beginnt, den Weg rückwärts zu machen, weil die Zahnstange am Kopfe so eingerichtet ist, daſs der Wender am Ende angekommen alsbald in die entgegengesetzte Bewegung übergeht. Dieser Uebergang wird aber auch aus der Entfernung für den Mälzer sichtbar durch besondere Einrichtung der Zahnradübersetzung, so daſs er auch, wenn er in einem entfernten Theile des Bassinraumes beschäftigt ist, bei der langsamen Bewegung der Auflockerer Zeit genug hat, das Ausrücken zu bewirken. Die Handhabung dieser Auflockerer ist eine einfache, ihre Leistung durchgreifend und elegant. – Die Vorzüge dieses Verfahrens sind die gleichen als die bereits beim vorhergehenden ausführlich besprochenen, welche überhaupt der pneumatischen Mälzerei einen Vorzug vor der Handmälzerei geben.

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