Titel: Mühlhäuser, über den Aufbau von Rosanilinfarbstoffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272 (S. 44–46)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/ar272009

Ueber den Aufbau von Rosanilinfarbstoffen aus aromatischen Säurechloriden und tertiären aromatischen Aminen; von Dr. Otto Mühlhäuser.

Läſst man Säurechloride in Gegenwart condensirend wirkender Mittel auf tertiäre Monamine einwirken, so entstehen Farbstoffe der Rosanilingruppe. So geht beispielsweise aus Benzoylchlorid, Dimethylanilin und Chlorzink das Tetramethyldiamidotriphenylcarbinol hervor, Vermuthlich entsteht vor letzterem das Dimethylamidobenzophenon bezieh. dessen Chlorwasserstoffadditionsproduct und verläuft die Reaction der Hauptsache nach in folgenden Phasen:

Textabbildung Bd. 272, S. 44

Geschichtliches.

Daſs Säurechloride und tertiäre aromatische Basen unter Bildung von Rosanilinen reagiren, haben O. und E. Fischer1) zuerst beobachtet. Sie erhielten aus Benzoylchlorid, Dimethylanilin und Chlorzink das |45| Malachitgrün, aus p-Nitrobenzoylchlorid das p-Nitro-Malachitgrün. In analoger Weise haben Kern und Caro2) und Kern und C. Muller3) einerseits, die Farbwerke vorm. Meister, Lucius und Brüning4) andererseits Farbstoffe der Rosanilingruppe aus tertiären Amidoderivaten des Benzoylchlorids

Textabbildung Bd. 272, S. 45

dargestellt. So Caro und Kern aus Dimethylamidobenzoylchlorid und Dimethylanilin das Hexamethylpararosanilin, aus Diäthylamidobenzoylchlorid und Diäthylanilin das Hexaäthyl-Pararosanilin, aus Methyläthylamidobenzoylchlorid und Methyläthylanilin das Trimethyltriäthyl-Pararosanilin. Sie erhielten diese Pararosaniline durch Einleiten von Chlorkohlenoxyd in Methyl-, Aethyl- bezieh. Methyläthyl-Anilin in Gegenwart von Aluminium- oder Zink-Chlorid; Säurechlorid-, Keton- und Farbstoffbildung in einer Operation ausführend. Ebenso bereiteten Kern und Müller und die Farbwerke vorm. Meister, Lucius und Brüning das Trimethyltriphenyl-Pararosanilin aus Methylphenylanilin, Chlorkohlenoxyd im Beisein von Chlormetallen. Zweidrittel symmetrisch substituirte Pararosaniline können nach dem Berichte der letztgenannten Gesellschaft bereitet werden, wenn man ein tertiäres Amidosäurechlorid in Gegenwart eines Condensationsmittels, z.B. Zink-, Eisen- oder Aluminiumchlorid auf solche tertiäre Amine wirken läſst, welche nicht zur Erzeugung des Säurechlorids gedient haben. So produciren die Farbwerke das Pentamethyl-Phenyl-Pararosanilin aus Phenylmethylamidobenzoylchlorid und Dimethylanilin, das Tetramethyldiphenyl-Pararosanilin aus 1 Mol. Dimethylamidobenzoylchlorid und 2 Mol. Methyldiphenylamin.

Seit 1883 fabriciren die Badische Anilin- und Sodafabrik und die Gesellschaft für chemische Industrie das Hexamethylpararosanilin, das Hexaäthylpararosanilin und das Trimethyl-Triphenyl-Pararosanilin auf Grund des Fischer'schen Säurechloridverfahrens. Letztgenannter Farbstoff wird auch von den Farbwerken vorm. Meister, Lucius und Brüning fabrikatorisch bereitet.

Technisches.

Will man ein symmetrisch substituirtes Rosanilin darstellen, so läſst man Chlorkohlenoxydgas oder dessen Lösung in Benzol auf die mit Chlorzink, Eisen- oder Aluminiumchlorid vermischte tertiäre Base einwirken. In Folge der Mitwirkung des Condensationsmittels reagirt dann das anfänglich gebildete Säurechlorid mit der im Ueberschusse vorhandenen tertiären Base unter Bildung des betreffenden Farbstoffes.

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Handelt es sich um die Erzeugung eines zweidrittel symmetrisch substituirten Rosanilins, so läſst man zunächst das COCl2 auf die gewählte Base nur soweit wirken, daſs die Reaction nicht über die Bildung des tertiären Amidosäurechlorids hinausgeht. Dies wird erreicht entweder durch Weglassen von Condensationsmitteln oder auch durch Anwendung von nur gelinde condensirend wirkenden Mitteln. Behandelt man dann das aus Säurechlorid, Aminchlorhydrat und Amin bestehende Reactionsproduct mit verdünnter Natronlauge, so wird das Chlorid verseift. Natronsalzlösung und nicht in Reaction getretenes Amin werden durch Abheben oder durch Filtration getrennt. Aus der wässerigen Lösung fällt man die tertiäre Amidobenzoesäure mit Salzsäure aus, wäscht und trocknet. Aus der trockenen Säure regenerirt man durch Erwärmen mit Phosphorpentachlorid das Säurechlorid und bringt dieses mit dem in Frage kommenden Amin und Aluminiumchlorid zusammen. Die meist freiwillig eintretende Reaction wird durch Erwärmen der Mischung zu Ende geführt. Den Ueberschuſs des angewendeten Amins entzieht man der alkalisch gemachten Schmelze durch Einleiten von Wasserdampf oder durch Auskochen mit Salzsäure, je nachdem die eine oder andere Trennungsmethode zulässig ist.

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Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1878 Bd. 11 S. 952 und 1879 Bd. 12 S. 797 und 800.

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Amerikanisches Patent Nr. 290856.

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Amerikanisches Patent Nr. 327953.

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D. R. P. Nr. 34463 vom 24. Juli 1884.

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