Titel: Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272 (S. 115–125)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/ar272016

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen).

(Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes Bd. 270 S. 114. Vgl. auch 271 * 72.)

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 6.

Fig. 1., Bd. 272, S. 115
1) Die von Greenwood und Batley in Leeds gebaute „Leeds“-Dynamo (1888 270 121) ist in Textfig. 1 in einer anderen Anordnung abgebildet, welche hauptsächlich für Glühlichtbeleuchtung, zum Laden von Speicher-Batterien, auch zum Galvanisiren benutzt wird. Der wagerecht zwischen den Polstücken liegende Elektromagnetkern bildet gleichzeitig das Joch des Feldmagnetes. Die Form und Abmessungen der Schenkel des Elektromagnetkernes sind so gewählt, daſs sie ein sehr gleichmäſsiges magnetisches Feld geben. Die Wickelung ist in einer einzigen Lage mit Gramme-Verbindungen ausgeführt.

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Wie die Abbildung erkennen läſst, sind die Lager der Ankerwelle sehr lang gehalten; ebenso ist der Stromsammler von groſser Länge und groſsem Durchmesser. Seine einzelnen Abtheilungen sind durch Glimmerlager isolirt, und an sie sind die Enden der Ankerspulen angelöthet. – Die Bürsten weichen insofern von der gebräuchlichen Form ab, als jede derselben nur klein ist, dagegen ist ihre Anzahl entsprechend vergröſsert; ihre Halter sind leicht zu verstellen und mit einer Einrichtung versehen, durch welche ein gleichmäſsiger Druck der Bürsten auf den Stromsammler ausgeübt wird; auch können die Bürsten, falls sie nicht gebraucht werden, vom Commutator abgehoben und in dieser Stellung festgehalten werden. – Die elektrischen Verbindungen auſsen an der Maschine sind, wie die Abbildung zeigt, einfach und handlich; die groſsen Maschinen erhalten Hauptumschalter und Sicherheitsstöpsel.

Die hier abgebildete Maschine gibt bei 750 Umdrehungen in der Minute einen Strom von 180 Ampère mit 100 Volt Spannung, womit 300 sechzehnkerzige Glühlampen gespeist werden können (Engineer, 1888 Bd. 66 * S. 430).

2) E. G. Acheson in Pittsburgh, Pennsylvanien, will Elektricität mit Hilfe von Wärme erzeugen und gründet die in seinem englischen Patente Nr. 17837 vom 28. December 1887 dargelegte Erfindung auf die Entdeckung, daſs, wenn um einen von Wärmeströmen durchflossenen Elektricitätsleiter ein magnetischer Kreislauf erzeugt wird, in diesem erwärmten Leiter bei jedem Oeffnen und Schlieſsen des magnetischen Kreislaufes ein elektrischer Strom erzeugt wird. Um diese Erscheinung zur Elektricitätserzeugung zu verwenden, benutzt der Erfinder einen hohlen cylindrischen Kern, der mit einer Reihe von Spulen aus isolirtem Drahte umwickelt ist. Die Enden derselben sind mit dem erzeugenden Stromkreise, welcher den abwechselnd hergestellten und unterbrochenen Strom liefert, verbunden. Durch den Kern und die Spulen sind ein oder mehrere Leiter geführt, welche die Spulen bilden, worin der Strom erzeugt wird: die Enden dieser Spulen sind mit dem Arbeitsstromkreise verbunden, und in einen Theil derselben wird auf geeignete Weise ein Wärmestrom eingeführt. Es ist zweckmäſsig gefunden worden, wenn zwei magnetische Kreise um den Leiter geführt werden, deren Richtungen entgegengesetzt derjenigen der Kraftlinien sind; die Wärmequelle soll zwischen die beiden Kreise gebracht werden, so daſs die Wärme von einem Punkte in der Mitte nach entgegengesetzten Richtungen strömt. Die magnetischen Kraftlinien müssen die Wärmeströme in gleich gerichtete elektrische Ströme umsetzen.

3) J. Hopkinson in London und E. Hopkinson in Manchester haben sich in England unter Nr. 4322 am 22. März 1887 Verbesserungen patentiren lassen, die sich besonders auf Dynamomaschinen mit mehr als einem elektrischen Felde beziehen. Hauptsächlich bezwecken sie, reichlichen Raum für den Kupferleiter des Ankers zu beschaffen und jede unnöthige Veränderung des Magnetismus des umlaufenden Ankers zu vermeiden. Die hierfür geeignetste Maschinenform ist diejenige, bei welcher die magnetischen Kraftlinien parallel zur Umdrehungsachse des Ankers liegen. Dieser besteht aus einer Reihe von Spulen, deren eiserne Kerne aus dünnen Platten bestehen, welche tangential zur Richtung der Bewegung gestellt sind. Diese Kerne sind mit die Pole bildenden Vorsprüngen versehen, um leichter das magnetische Feld zu bilden. Die Elektromagnetspulen ruhen auſsen auf dem Umfange eines Rades, dessen radiale Arme zwischen die Ankerkerne passen. Die Spulen selbst werden durch Ringe, welche um ihre Enden gelegt sind, zusammen gehalten. Die äuſseren Enden der Magnete sind an guſseisernen Ringen befestigt, wobei die |117| schmiedeeisernen Kerne etwas Spielraum innerhalb des Guſseisens lassen. Jedoch können die Magnete auch mit guſseisernen Polstücken versehen werden und dann ist das Schmiedeeisen in das Guſseisen eingelassen. Um bei der groſsen Geschwindigkeit den zerstörenden Wirkungen der Centrifugalkraft zu begegnen, sind auſser den schon erwähnten Binderingen noch eine Anzahl besonderer Sicherungen oder Führungen in geringer Entfernung von jenen angebracht, die, sobald sich die Binderinge etwas zu strecken anfangen, sogleich mit diesen in Berührung kommen und als Bremse wirken. – Die Platten der Ankerkerne werden durch Bolzen zusammen gehalten, die so angebracht sein müssen, daſs sie die Bildung elektrischer Ströme um die Kraftlinien herum nicht gestatten (vgl. 22).

4) L. Bollmann in Wien stellt nach dem Englischen Patente Nr. 5409 vom 19. April 1887 die Wickelung des Ankers abweichend von der in D. p. J. 1887 265 * 102 beschriebenen Weise her. Die Ankerwickelung ist zickzackförmig, oder in Form einer flachen Spirale ganz oder theilweise aus Eisen gebildet, damit sie bei ihrem Durchgange durch das Feld der feststehenden Feldmagnete abwechselnd magnetisirt werden und dadurch in dicht neben und parallel zu ihr gelegten ähnlichen Leitern elektrische Ströme erzeugen kann. Die Leiter können aber auch aus Kupfer hergestellt und mit einer eisernen Trommel oder Scheibe so verbunden werden, daſs sie zwischen diesen und den Polen der Feldmagnete liegen; das Kupfer wird dann nicht rings um das Eisen gewickelt, sondern liegt auf der einen Seite desselben.

5) H. W. Spang in Reading, Pa., V. St. A., stellt nach seinem Englischen Patente Nr. 5687 vom 19. April 1887 die Verbindung zwischen den Ankerspulen und den Stromsammlerabtheilungen aus einer Metalllegirung her, die leichter schmelzbar ist, als die Ankerwickelung. Bei eintretender Erhitzung werden diese Verbindungstheile schneller weich, als jene, und durch die Wirkung der Centrifugalkraft fortgeschleudert, bevor ein Schaden in der Ankerwickelung entsteht.

H. W. Spang in Reading, Pa., V. St. A., gibt in dem Englischen Patente Nr. 7541 vom 22. Mai 1888 eine neue Anordnung der Feldmagnete und eine neue Befestigungsart des Ankers auf der Welle. Die Feldmagnete sind so angeordnet, daſs die Pole von entgegengesetztem Vorzeichen verschiedenen Längstheilen des Ankers gegenüber stehen und sich auf den entgegengesetzten Seiten desselben befinden. Der Anker ist mit einer selbsthätig wirkenden Vorrichtung versehen, welche den Druck, mit dem er auf der Welle sitzt, vergröſsert, sobald sich das Bestreben, diese Verbindung zu lockern, zeigt. Auf die Welle A Fig. 13 und 14 Taf. 6 ist ein Schraubengewinde C geschnitten, welches seine Mutter in dem metallenen abgestumpften Kegel D findet, der in den cylindrisch angeordneten Holzkörpern E sitzt; die äuſseren Seiten von E legen sich gegen den inneren Umfang des Ankers F. Der Ansatz J an der Welle A verhindert den Stromsammler G und den Anker von der Welle abzurutschen. Ersterer besteht aus Platten, welche durch die Klammern H und die Schrauben K in ihrer Stellung erhalten werden. Alle |118| diese Theile können sich frei gegen einander bewegen, falls der Anker das Bestreben zeigt, sich auf der Welle zu drehen. Uebersteigt der auf den Anker ausgeübte Zug die Reibung zwischen Welle und Anker, so wird sich die Welle in ihren Lagern weiter drehen, wobei mit Hilfe der Schraube C das keilförmige Stück D vorwärts bewegt und so die Holzblöcke E aus einander und gegen den inneren Umfang des Ankers gepreſst werden, diesen wieder fest mit der Welle verbindend.

6) R. E. B. Crompton in Chelmsford, Essex, will durch die im Englischen Patente Nr. 12 880 vom 9. Oktober 1887 vorgeschlagene Verbesserung in der Herstellung der Ankerwickelung von Dynamomaschinen mit sehr mächtigen Strömen den durch Erhitzung entstehenden Kraftverlust vermindern. Zu diesem Zwecke stellt er die wirksamen Theile der Leiter des Ankers aus zusammengedrehten Drähten her, die einer den anderen überkreuzen, so daſs sie sich in stärkeren und schwächeren Stellen des magnetischen Feldes befinden und in jedem Stabe dieselbe gesammte elektromotorische Kraft inducirt wird, wenn er in das Feld ein- oder aus demselben austritt. Die äuſseren Leiter sind aus zwei oder mehr in der Mitte des Ankers sich kreuzenden Stangen gebildet.

7) G. Westinghouse in Pittsburg, Pa., V. St. A., gibt in dem Englischen Patente Nr. 9726 vom 12. Juli 1887 eine verbesserte Anordnung der Ankerwickelung, bei welcher die abwechselnden Spulen in entgegengesetzter Richtung gewickelt sind; die inneren Enden jeder Spule werden, durch die ganze Folge der Spulen, mit dem äuſseren Ende der folgenden verbunden.

Das ebenfalls an Westinghouse ertheilte Englische Patent Nr. 9727 vom 12. Juli 1887 betrifft die Ableitung eines Theiles des Hauptstromes einer Wechselstrommaschine und dessen Verwandlung in einen gleichgerichteten Strom behufs Erhaltung des magnetischen Feldes derselben. – Der unmittelbar auf der Ankerwelle aufgesetzte Commutator ist so eingerichtet, daſs der Strom weg durch die Feldmagnete bei jedem Stromrichtungswechsel umgekehrt und auf diese Weise ein Gleichstrom in die Feldmagnete geschickt wird.

Endlich sei hier noch desselben Erfinders Englisches Patent Nr. 9736 vom 12. Juli 1887 erwähnt, welches Verbesserungen in der Verbindung von Wechselstrommaschinen und den dazu gehörenden Apparaten betrifft.

Nach dieser Erfindung kann eine Wechselstromdynamo mit einer anderen ähnlichen Maschine während des Ganges parallel geschaltet werden, indem man sie zuerst durch einen Stromkreis von hohem Widerstände schlieſst, hierbei den diesen Stromkreis durchlaufenden Strom markirt und dadurch den Verlauf des Stromzustandes in beiden Maschinen beobachtet. In dem Augenblicke, wenn der Stromverlauf in beiden übereinstimmt, werden dieselben unabhängig vom Widerstände verbunden.

8) R. Dick und R. Kennedy in Glasgow wollen durch ihr, Verbesserungen in der Erzeugung und Vertheilung von Elektricität betreffendes Englisches Patent Nr. 3225 vom 2. März 1887 einen unveränderlichen Hauptstrom an gegebener Stelle in einen secundären Strom von beliebiger gewünschter Stärke umsetzen, der einen secundären Stromkreis, in welchen die Uebertragungsapparate eingeschaltet sind, durchläuft; es wird hierbei an den Enden dieses secundären Stromkreises eine unveränderliche elektromotorische Kraft erhalten, während in diesem Stromkreise ein veränderlicher Strom vorhanden ist. Zur Erreichung dieses Zweckes wird eine Dynamo mit einem Elektromotor vereinigt. Die Feldmagnete beider bilden das Gestelle der Maschine. Der Anker und Commutator des Motors sind an der einen Seite, die nämlichen Theile der Dynamo an der anderen Seite der langen Welle befestigt. Der Hauptleiter ist sowohl längs der oberen als auch längs der unteren Feldmagnete |119| des Motors, und des Stromerzeugers in hinter einander geschalteten Spulen gewickelt, geht dann zur Klemmschraube der einen Bürste des Commutators des Motors und endlich wird der Stromkreis von der Klemmschraube der entgegengesetzten Bürste dieses Commutators aus vervollständigt. Der starke Draht des secundären Stromkreises ist mit der Klemmschraube der Bürsten des Commutators der Dynamo verbunden und in hinter einander geschalteten Spulen zwischen die Spulen der primären Wickelung gewickelt und in einerlei Richtung um die unteren Feldmagnete sowohl des Motors als auch des Generators geführt. Ebenso ist dieser Draht um die oberen Feldmagnete über die primäre Wickelung in hinter einander geschalteten Spulen geführt und schlieſslich mit den übertragenden Theilen des Arbeitsstromkreises verbunden. – Der unveränderliche Hauptstrom geht durch die wenigen hinter einander geschalteten Drahtwindungen der Feldmagnete des Motors, durch die getrennten erregenden Spulen der Feldmagnete des Stromerzeugers, dann durch die Klemmschrauben der Bürsten des Motors und wieder zurück zum Hauptstromkreise. Die Zahl der Drahtwindungen in diesem Motorstromkreise genügt gerade, um eine gegebene Geschwindigkeit der Motorwelle mit einem Minimum von secundärem Strome aufrecht zu erhalten, und die Zahl der Drahtwindungen in den getrennten erregenden Spulen der Feldmagnete des Stromerzeugers reicht gerade hin, um eine gegebene elektromotorische Kraft im secundären Stromkreise aufrecht zu halten. Der secundäre Stromkreis geht von dem Stromerzeuger-Anker durch die hinter einander geschalteten Spulen aus dickem Drahte auf den Stromerzeuger und die getrennten erregenden Spulen des Motors, dann durch die übertragenden Theile zurück nach der anderen Klemme des Dynamo-Ankers.

9) R. Dick und R. Kennedy in Glasgow (Englisches Patent Nr. 9876 vom 14. Juli 1887) streben Verbesserungen an Wechselstrommaschinen mit Scheibenankern an, die in Fig. 1 bis 4 Taf. 6 dargestellt sind. Der Scheibenanker B bewegt sich zwischen den an den Seitenplatten A und A1 befestigten und an diesen vorspringenden Polstücken a und a1 der Elektromagnete. Dieselben werden durch den Strom einer besonderen Gleichstrommaschine oder einer sonst geeigneten Quelle erregt. Die Magnete jeder der Seitenwände A und A1 sind abwechselnd Nord und Süd, so daſs sich hier die Kraftlinien nach der Richtung des Umfanges anziehen, während sich wiederum zwei gleichnamige Pole, die Ankerscheibe B zwischen sich lassend, einander gegenüberstehen, so daſs zwischen ihnen sich die Kraftlinien abstoſsen. Die magnetischen Kraftlinien verlaufen in Folge dieser Anordnung von den festen Polen a, a1, durch Induction auf die Spulen b des umlaufenden Ankers, in der Umdrehungsrichtung des Ankers, anstatt quer durch, wie bei der älteren Anordnung der Wechselstrommaschinen, und dadurch wird eine verstärkte Erzeugung elektrischen Stromes erzielt.

R. Dick und R. Kennedy in Glasgow wollen (Englisches Patent Nr. 3658 vom 10. März 1887) die Verluste an Leistung vermeiden, welche durch die Umkehrung des Magnetismus in den Kernen der Stromumsetzer (Transformatoren) entstehen und sich durch Wärmeentwickelung äuſsern. Zu diesem Zwecke werden die Maschinen so angeordnet, daſs Umkehrungen des Magnetismus nicht nöthig sind. Die Stromumsetzer sind in der gewöhnlichen Weise mit primärer und secundärer Wickelung für die Wechselströme versehen, während ein dritter Stromkreis |120| für den, die anfängliche Erregung des Kernes des Stromumsetzers hervorrufenden Gleichstrom angewendet ist. Dieser dritte Stromkreis kann neben, oder über, oder unter, oder zwischen den beiden erstgenannten angeordnet werden, und der Gleichstrom kann von einer Gleichstrom-Dynamo, oder durch Abzweigung von dem die Feldmagnete erregenden Stromerzeuger genommen sein. In der Fig. 15 Taf. 6 bezeichnet B die Wechselstrom-Dynamo, E die den Gleichstrom liefernde Maschine, F eine kleine, die Feldmagnete von B und E mittels der Drähte C erregende Gleichstrommaschine. Rund um den Hauptstromumsetzer A ist der primäre Stromkreis HI gelegt, von den Bürsten der Wechselstrommaschine B ausgehend. Der secundäre Stromkreis LM leitet die durch die Drähte HI inducirten Wechselströme zu den secundären Stromerzeugern und zu den bei G parallel geschalteten Glühlampen N. Der dritte, durch die Drähte JK dargestellte Stromkreis ist um den Hauptstromumsetzer A gelegt und nimmt den von den Bürsten der Maschine E abgeleiteten Gleichstrom auf.

Die punktirten Linien D deuten an, wie die Feldmagnete von B durch einen von der Gleichstrommaschine E entnommenen Strom erregt werden können, und wie gleichzeitig der dritte Stromkreis mit Gleichstrom in einem Nebenschlusse von den Bürsten derselben Maschine E gespeist werden kann. Bei dieser letzteren Anordnung kann die Maschine F entbehrt werden.

10) In dem Englischen Patente Nr. 11917 vom 2. September 1887 gibt R. Kennedy in Glasgow eine Verbesserung an Dynamomaschinen an, welche hauptsächlich in der Anwendung zweier oder mehrerer Anker besteht, um, falls einer derselben beschädigt wird, mit Hilfe des zweiten den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Bei der in Fig. 5 und 6 skizzirten Anordnung wird ein Feldmagnet AA1 benutzt, um zwei magnetische Felder zu erzeugen, indem zwei Anker Bb und B1 b1 verwendet werden, die entweder einzeln oder vereinigt arbeiten. Der Elektromagnet AA1 besteht aus einem aufrecht stehenden schmiedeeisernen cylindrischen Kerne, welcher zwischen den beiden Trommelankern B und B1 mit Draht bewickelt ist; von seinen Polstücken C und C1 werden die Anker sowohl oben als auch unten bis auf geringe seitliche Ausschnitte umfaſst, so daſs sich das magnetische Feld rund um den Umfang des Ankers bildet.

Bei der in Fig. 7 und 8 dargestellten Maschine sind dem mittleren Elektromagnete der Fig. 5 noch zwei auſserhalb der beiden Anker stehende Magnete A2 und A3 hinzugefügt; alle drei sind durch die gemeinschaftlichen Polstücke über und unter den Ankern verbunden. Man erhält hier ein doppeltes und stärkeres magnetisches Feld für jeden Anker, mag ein Anker arbeiten, oder beide.

11) John Augustine Kingdon in London gibt im Englischen Patente Nr. 15837 vom 3. December 1886 (* D. R. P. Nr. 41795 vom 24. December |121| 1886) Verbesserungen solcher Dynamomaschinen, bei welchen durch die Drehung eiserner Leiter in unmittelbarer Nähe festliegender primärer und secundärer Magnete elektrische Ströme in den Windungen der letzteren erzeugt werden.

Die feststehenden, im Kreise radial gestellten, von einer äuſseren Stromquelle erregten primären Elektromagnete K (Fig. 16) wechseln mit den secundären Elektromagneten L ab, deren Kerne mit den Kernen der primären in magnetischer Verbindung stehen. Die Kerne W (Fig. 17) der Elektromagnete sind aus Platten von rechenförmiger Gestalt hergestellt, welche unter Wechselung der Fugen über einander gefügt und durch Schraubenbolzen zusammengehalten werden. Die eisernen Inductoren A werden aus kettenförmig an einander gereihten Eisenplatten gebildet, welche durch Schrauben zusammengehalten und mittels Scheiben C von nicht magnetischem Material an dem Schwungrade eines Motors oder an einer durch diesen angetriebenen Trommel E befestigt werden.

Die Inductoren können mittels Speichen und Winkel direkt mit einer auf der Triebwelle befestigten Nabe verbunden werden.

12) A. P. Trauer und H. W. Ravenshaw in Halifax, sowie W. T. Goolden in London bezwecken mit ihrer Erfindung (Englisches Patent Nr. 9104 vom 27. Juni 1887), die elektromotorische Kraft des Ankers einer Dynamomaschine durch die Aenderung der inducirenden Wirkung der Feldmagnete zu ändern, wobei jedoch der magnetische Sättigungsgrad derselben nicht so weit verringert wird, daſs ihr Magnetismus Schwankungen ausgesetzt wird. Der Grundgedanke dieser Erfindung besteht darin, daſs einem Feldmagnete ein zweiter magnetischer Kreis beigegeben wird –, z.B. etwa ein ähnlicher Feldmagnet –, der, wenn er unter den Bedingungen der geringsten elektromotorischen Kraft arbeitet, einen viel kleineren magnetischen Widerstand bieten würde als der Anker und sein lufterfüllter Spielraum, so daſs nahezu alle Kraftlinien durch ihn hindurch abgeleitet würden. Fig. 9 zeigt in schematischer Darstellung die Anwendung dieser Grundsätze auf eine gewöhnliche Dynamo in Hintereinanderschaltung. In diesem Falle würde der Hauptmagnet A in stets gleicher Stärke magnetisirt werden, während der zweite oder Hilfsmagnet B in seinem Magnetismus durch den Rheostat C beeinfluſst wird, welcher in eine Nebenschlieſsung eingeschaltet ist. Wenn der Widerstand des Rheostaten bis zu seinem Maximum steigt, so werden beide Magnete A und B gleichmäſsig magnetisirt, und die Leistung der Maschine wird dementsprechend zunehmen. – In Fig. 10 sind beide Magnete aufrecht neben einander gestellt. Fig. 11 zeigt, wie sich der vorher erläuterte Zweck auf mechanischem Wege erreichen läſst. Der Hauptmagnet A ist mit Vorragungen B an seinen Polstücken versehen, die ausgebohrt sind und die freie Drehung eines zwischen ihnen gelagerten eisernen Körpers K gestatten. Derselbe |122| kann mit Hilfe von Schnecke und Schneckenrad gedreht werden und treibt je nach seiner Stellung die Kraftlinien vom Anker mehr oder weniger nach seinen Polstücken. – In Fig. 12 ist dieser Körper an einem Ende um einen Bolzen drehbar befestigt und über dem Anker angeordnet; mit Hilfe eines gezahnten Bogens, in welchen eine Schnecke eingreift, wird seine Stellung zum Anker verändert.

13) L. Maiche in Paris (Englisches Patent Nr. 5958 vom 23. April 1887) hat, wie schon 1888 270 122 erwähnt worden ist, eine Maschine vorgeschlagen, bei welcher sowohl das durch permanente Magnete gebildete magnetische Feld, als auch die Spule, worin der Strom durch Induction erzeugt wird, feststehen, während in letzterer ein eiserner Anker umläuft, wobei er an den Polen eines Magnetes vorüber geht.

Nach den nämlichen Grundsätzen ist auch die in Fig. 16a und 17a dargestellte mehrpolige Maschine (Oesterreichisches Patent vom 3. März 1888 Kl. 21) hergestellt, a und a1 sind die acht vorhandenen Magnete, welche in zwei Gruppen von je vier an den beiden Enden der feststehenden Spule c in paralleler Lage an den beiden Gestellwänden b befestigt sind. Die zwischen den Magneten festgeklemmte Spule c wird von einer Welle d durchzogen, welche in den Lagern e ruht und mittels der Riemenscheibe f angetrieben wird. Diese Welle trägt auſserhalb der Spule zwei kreuzförmige Polschuhe g und g1 , welche so gestellt sind, daſs die Spitzen des Sternes g den vier Nordpolen der Magnete a an einer Seite der Maschine gegenüber stehen, während gleichzeitig die Spitzen des Sternes g1 sich an den Südpolen der Magnete a1 an der anderen Seite der Maschine befinden. – Bei Drehung der Welle werden die Polwechsel in dem aus der Welle d und den Sternen g und g1 bestehenden Eisenkerne in der Spule c Stromstöſse induciren, welche man bei der Unbeweglichkeit der Spulen ohne Zuhilfenahme von Stromsammlern und Bürsten einfach von den Enden der ein Ganzes bildenden Bewickelung der Spule ableiten kann.

Die permanenten Magnete können auch durch beliebig erregte Elektromagnete ersetzt werden. In diesem Falle können die Eisenkerne der letzteren durch permanente Magnete gebildet werden, wodurch die Maschine selbsterregend wird. In diesem Falle muſs aber der zum Zwecke der Erregung abgeleitete Zweig des Wechselstromes zunächst gleichgerichtet gemacht werden. Zu diesem Zwecke wird von den Polklemmen der unbeweglichen Spule c eine Zweigleitung hergestellt, in welche die Bewickelungen der inducirenden Magnete und auſserdem ein Voltmeter eingeschaltet sind, bei welchem ein Streifen aus Kupfer oder anderem Metalle und ein Aluminiumstreifen in salziges oder angesäuertes Wasser taucht. Dasselbe besitzt in Folge der auftretenden starken Polarisation die Eigenschaft, nur Ströme gleicher Richtung passiren zu lassen, so daſs also der abgeleitete Zweigstrom in einen gleichgerichteten verwandelt wird.

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Statt einen solchen Zweigstrom zur Erregung zu benutzen, kann man auch die Bewickelung der unbeweglichen Spule aus mehreren Abschnitten zusammensetzen und einen oder einige derselben zur Erregung benutzen. – Das oben beschriebene Voltmeter kann auch durch eine Anzahl galvanischer Elemente irgend welchen Systemes ersetzt werden, deren elektromotorische Kraft der der Maschine gleich sein muſs. Es werden dann die, dem Strome der Elemente entgegengesetzt gerichteten Ströme von jenem aufgehoben, während die in der Richtung mit dem galvanischen Strome übereinstimmenden sich mit diesem vereinigen.

14) Die neue Maschine von T. Stanley in Hyde (Chester) besitzt nur einen Feldmagnet f (Fig. 18), der unmittelbar über dem sich drehenden Anker c gelagert ist. Dieser Magnet f wird auf jeder Seite des Ankers von dem schweren eisernen Rahmen a umfaſst, der sowohl den zu f entgegengesetzten Pol des magnetischen Feldes, als auch gleichzeitig die Grundplatte der Maschine bildet. Englisches Patent Nr. 9829 vom 13. Juli 1887.

15) W. Gillett und G. Haseltine in New York (Englisches Patent Nr. 4929 vom 3. April 1888) erzeugen mit dem in Fig. 19 und 20 abgebildeten Apparate elektrische Ströme, wie sie zum Betriebe elektrischer Klingeln und für ähnliche Zwecke Verwendung finden. A ist ein ringförmiger Anker, welcher an seinem inneren Umfange mit den nach der Mitte gerichteten Hervorragungen J versehen ist, durch vier angeschraubte Füſse I getragen wird und ein querüber laufendes oberes und ein unteres Querstück B trägt, die sich beide rechtwinkelig kreuzen. Im Mittelpunkte dieser Querstücke und concentrisch zu dem Ringe A sind die Zapfen E drehbar gelagert; dieselben tragen in der Mitte den in einem Durchmesser von A liegenden, an beiden Enden mit den aus isolirtem Drahte gewickelten Spulen D versehenen Magnet C, der mit Hilfe der auf eine nach oben hervorragende Verlängerung von E aufgesetzten Kurbel F gedreht werden kann. Die Spulen D, deren Enden in der gewöhnlichen Weise verbunden sind, gehen bei der Umdrehung an den Hervorragungen J vorüber, wodurch in ihnen Ströme erregt werden, die durch den von der Spule D durch den Mittelzapfen gehenden isolirten Draht G nach der am Querstücke B befestigten, jedoch von diesem isolirten Feder H abgeleitet werden.

16) M. Immisch in London (1887 265 105) bewirkt, nach dem Englischen Patente Nr. 831 vom 19. Januar 1887, die Umwandlung von Wechselströmen in gleichgerichtete mit Hilfe eines primären, vom Wechselstrome durchflossenen Leiters, der von einer Anzahl secundärer Leiter, welche von jenen inducirt werden, umgeben ist. Sowohl der innere, als auch das äuſsere Ende aller secundären Leiter ist mit je einer besonderen Bürste verbunden und jede der beiden Bürsten ruht auf einer Nabe, worauf in zwei Reihen eine entsprechende Anzahl Stromwenderplatten angebracht ist. Die Platten dieser beiden Reihen sind in cylindrischer Form abwechselnd neben einander angeordnet.

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Fig. 21 ist eine Ansicht des Stromwenders mit den Bürsten u.s.w.; Fig. 22 zeigt denselben abgewickelt und Fig. 23 stellt die Gesammtanordnung dar. Der Stromwender besteht nach Fig. 21 aus den beiden, je drei Bögen umfassenden Plattenreihen A und B, denen die beiden Bürstenreihen C und D entsprechen; die Nabe A1 (Fig. 23) ist den Contactplatten A gemeinschaftlich, auf ihr schleift die Bürste E; ebenso ist die Nabe B1 den Platten B gemeinschaftlich und dient der Bürste F als Unterlage. Der Stromwender ist auf der Welle des Motors M befestigt, nimmt also an der Drehung derselben Theil. Bin Zweig der Wechselströme wird durch den eigenen Stromwender M1 des Motors abgeleitet und zur Erregung verwendet. Der Wechselstrom geht durch die primäre Wickelung einer Inductionsspule und inducirt Ströme in der secundären Wickelung, deren Enden entweder mit den Platten A und B oder mit den Bürsten E und F verbunden sind. – Die Drähte der secundären Wickelung können sämmtlich mit einem Umschalter verbunden werden, durch welchen behufs Veränderung des Stromes mehr oder weniger Drähte parallel geschaltet werden können; auch ist ein geeigneter Ausschalter vorgesehen, um den Stromumsetzer auſser Thätigkeit setzen zu können. – Je nachdem die Wechselströme den Bürsten C und D oder E und F zugeführt werden, wird der Gleichstrom von den Bürsten E und F oder C und D abgenommen.

17) Joel's neueste, in Textfig. 2 in der Seitenansicht dargestellte, von Henry F. Joel und Comp. in London ausgeführte Dynamomaschine ist, wie die Abbildung erkennen läſst, sehr niedrig gehalten und kann daher mit sehr hohen Umdrehungen laufen. Die beiden, seitwärts des Ankers aufrecht gestellten Magnete haben sehr starke, aus ausgeglühtem Schmiedeeisen angefertigte Kerne und sind durch zwei guſseiserne Polstücke, von denen das untere gleichzeitig als Grundplatte dient, verbunden; dieselben sind mit nach innen vorspringenden Ansätzen versehen, welche mit ihren inneren Flächen den Anker zum gröſsten Theile umfassen. Die Maschine ähnelt daher im Aeuſseren derjenigen von Kremenezky, Meyer und Comp. in Wien (vgl. 1887 264 * 537). Das Eigenthümliche dieser Maschine ist der Anker, welcher in Textfig. 3 mit Fortlassung eines Theiles seiner Wickelung dargestellt ist. Der Kern desselben besteht aus einer Anzahl (etwa sechs) einzelner Theile, jeder derselben ist aus einer gröſseren Zahl, aus schwedischem Holzkohlenbleche gestanzten ringbogenförmigen Platten zusammengestellt. Die Platten des einen Theiles greifen an den Berührungsstellen in die Zwischenräume der Platten des benachbarten Theiles; sie sind mittels isolirter Bolzen auf der aus nicht magnetischem Material hergestellten sternförmigen Nabe befestigt. Die aus isolirtem Drahte gewickelten Spulen werden über geeignete Formen getrennt gewickelt (Textfig. 4) und dann über die einzelnen Theile des Kernes geschoben. – Durch diese Theilung des Ankerkernes und die Anwendung gesondert hergestellter |125| Spulen wird die Auswechselung einer schadhaft gewordenen sehr leicht; überhaupt ist in der Anordnung und Herstellung der Maschine darauf Bedacht genommen, daſs alle Theile leicht abgenommen und ausgewechselt werden können. – Da die Ankerspulen leicht vom Kerne abgenommen werden können, so kann die Maschine durch Einsetzen anderer Spulen auch für verschiedene Leistungen, für Spannungen von 2000 bis 15000 Volt und selbst zur Erzeugung von Wechselströmen benutzt werden. Durch den Bau des Ankers wird eine gute Ventilation gesichert und die Bildung Foucault'scher Ströme verhindert (Engineering, 1888 Bd. 66 S. 525).

Fig. 2., Bd. 272, S. 125
Fig. 3., Bd. 272, S. 125
Fig. 4., Bd. 272, S. 125
18) D. Halpin und T. A. Timmis in London bringen die Bürsten einer Dynamo oder die auf einem umlaufenden Stromsammler aufliegenden Contactstücke auf einem beweglichen Schlitten an, welcher von der Anker welle aus mittels Schneckenrad und Schnecke oder durch andere geeignete Mittel eine hin und her gehende Bewegung in der Richtung der Ankerwelle, d. i. rechtwinkelig zur Drehungsrichtung des Ankers, erhält. Auſserdem ist Vorsorge getroffen, daſs die Bürsten auch in ihrer tangentialen Stellung zum Stromsammler verstellt werden können, um ihre richtige Lage zur neutralen Achse desselben zu erzielen (Englisches Patent Nr. 1331 vom 27. Januar 1887).

(Fortsetzung folgt.)

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