Titel: Doppelsteppstich-Nähmaschine in ihrer Verwendung als Stickmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272 (S. 150–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/ar272022

Die Doppelsteppstich-Nähmaschine in ihrer Verwendung als Strickmaschine.

Mit Abbildungen auf Tafel 7 und 8.

Die Stickmaschinen lassen sich im Allgemeinen in zwei groſse Klassen unterbringen und zwar gehören zu der ersten diejenigen Maschinen, welche Fäden von abgepaſster Länge verarbeiten, zu der zweiten dagegen diejenigen, bei welchen sogen. endlose Fäden zur Verwendung kommen.1)

Bei den mit kurzen, abgepaſsten Fäden arbeitenden Stickmaschinen, deren Typus die Heilmann'sche Stickmaschine ist, wird die Ausführung der Stickarbeit unmittelbar der bei der Handarbeit üblichen Arbeitsmethode entlehnt. Die Maschinen sind also eigentliche Plattstich-Stickmaschinen. Die Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit ist durch die Vermehrung der gleichzeitig arbeitenden Nadeln, also die gleichzeitig erzeugten Muster bedingt.

Bei denjenigen Stickmaschinen, welche die Fäden während der Arbeit direkt einer Anzahl Spulen entnehmen oder sogen. endlose oder continuirliche Fäden verarbeiten, ist die Stichbildung eine andere, sie ist derjenigen, welche bei Nähmaschinen gebräuchlich ist, analog und diesen Maschinen entlehnt, und zwar kommen hierbei die beiden Hauptsticharten in Betracht, nämlich der Kettenstich und der Doppelsteppstich. Es läſst sich somit die zweite Klasse der Stickmaschinen, also diejenigen, welche mit endlosen Fäden arbeiten, wieder eintheilen in Kettenstich-Stickmaschinen und Doppelsteppstich-Stickmaschinen. Durch ein dichtes Aneinanderlegen der einzelnen Stiche wird auf der Schauseite der Stickerei der Charakter der Plattstichstickerei gewahrt. Wie die Stichbildung, so sind auch die zur Erzeugung derselben nothwendigen Werkzeuge der gewöhnlichen Nähmaschine entlehnt.

Berücksichtigt man weiter, daſs die Leistungsfähigkeit einer jeden Stickmaschine durch die Anzahl der in der Zeiteinheit erzeugbaren |151| Stiche bedingt wird und eine möglichst groſse Stichzahl entweder erreichbar ist:

  • a) durch eine groſse Anzahl gleichzeitig arbeitender Nadeln, oder
  • b) durch groſse Arbeitsgeschwindigkeit bei Verwendung einer oder weniger Nadeln,

so lassen sich die drei groſsen Klassen von Stickmaschinen wieder eintheilen in Mehrnadel-Stickmaschinen und Einnadel-Stickmaschinen. Auf den ersteren werden gleichzeitig ebenso viele gleichartige Muster erzeugt, wie Nadeln vorhanden sind, die Arbeitsgeschwindigkeit darf nur eine mäſsige sein, um die Beaufsichtigung der Arbeitsleistung zu erleichtern. Die Einnadelmaschinen liefern stets nur ein Muster, arbeiten mit hoher Geschwindigkeit und gestatten dem Arbeiter, seine volle Aufmerksamkeit der genauen Erzeugung der Arbeit und jederzeit richtigen Stichbildung zuzuwenden.

Die Plattstich-Stickmaschinen gehören, da bei denselben immer nur das erstere der Fall ist, d.h. eine groſse Anzahl gleichartiger Muster gleichzeitig hergestellt wird, zu den Mehrnadel-Stickmaschinen. Die Kettenstich- und Doppelsteppstich-Stickmaschinen dagegen sind entweder Mehrnadel- oder Einnadel-Stickmaschinen und es ergibt sich somit folgende Uebersicht:

Textabbildung Bd. 272, S. 151
Berücksichtigt man weiter, daſs die Mehrnadel-Stickmaschinen lediglich zum Sticken dienen, die Einnadel-Stickmaschinen dagegen entweder nur zum Sticken oder auch zum Nähen und Sticken, so können wir die Einnadel-Stickmaschinen wieder unterscheiden in: Einnadel-Kettenstich-Stickmaschinen und Einnadel-Kettenstich-Näh- und Stickmaschinen und Einnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschinen und Einnadel-Doppelsteppstich-Stick- und Nähmaschinen oder kurz Kettenstich-Näh- und Stickmaschinen und Doppelsteppstich-Näh- und Stickmaschinen. Das obenstehende Schema erhält somit folgende Gestalt:

Textabbildung Bd. 272, S. 151
Aus diesem Schema ergeben sich folgende Klassen von Stickmaschinen:

1) Plattstich-Stickmaschine,

2) Mehrnadel-Kettenstich-Stickmaschine,

3) Mehrnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschine,

4) Einnadel-Kettenstich-Stickmaschine,

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5) Einnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschine,

6) Kettenstich-Stick- und Nähmaschine,

7) Doppelsteppstich-Stick- und Nähmaschine.

Bei der Plattstich-Stickmaschine, deren Vertreter die Heilmann'sche Stickmaschine ist, erfolgt die Stichbildung mit Hilfe zweispitziger Nadeln, die das Oehr genau in der Mitte haben und von der einen Seite in den Stoff eingeführt und nach der anderen Seite desselben durchgezogen werden und umgekehrt.

Die Mehrnadel-Kettenstich-Stickmaschinen arbeiten entweder mit Oehrnadeln oder Hakennadeln oder endlich auch mit Zungennadeln. Ist das erstere der Fall, so erfolgt die Stichbildung unter Vermittelung geeignet gestalteter Greifer, im zweiten und dritten Falle dagegen mit Hilfe von entsprechend bewegten Fadenführern.

Bei den Mehrnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschinen hat man die Oehrnadeln entweder mit Greiferschiffchen oder einfachen Schiffchen zusammenarbeiten lassen, zur Bedeutung ist nur der letzte Fall gelangt und kommen entweder hin und her laufende oder schwingende Bewegung ausführende Rundschiffchen zur Verwendung.

Bei den Einnadel-Kettenstich-Stickmaschinen wird die Stichbildung entweder durch Oehrnadel und Greifer oder Hakennadel und Fadenführer bewirkt. Die Hauptvertreter der letzten Art sind die Maschinen von Bonnaz und Cornely.

Bei den unter 5) und 7) genannten Maschinen sind die Stichbildungswerkzeuge die gleichen, und zwar arbeitet eine Oehrnadel mit einem Schiffchen zusammen, welches gewöhnlich ein schwingende Bewegung ausführendes Langschiffchen ist, doch kommen auch solche anderer Construction zur Verwendung.

Die unter 6) genannte Kettenstich-Stick- und Nähmaschine hat meines Wissens eine praktische Verwerthung nicht gefunden.

Die verschiedenartigsten Musterformen der Stickerei bedingen eine möglichst groſse Beweglichkeit und Freiheit in der Anordnung der Stiche auf dem Stoffe, also eine möglichst leichte Aenderung der Stichrichtung. Der complicirteste Fall ist die Erzeugung krummliniger Sticknähte, indem sich hierbei der Transport des Stoffes für je einen Stich stets aus einer geradlinigen Verschiebung von Stichpunkt zu Stichpunkt und einer Drehung um den Winkel, welcher von zwei auf einander folgenden Stichrichtungen eingeschlossen wird, zusammensetzt.

Die Herstellung der Stiche in beliebiger Gröſse und Richtung kann nun, wenn man berücksichtigt, daſs sowohl der Stoff als auch die Nadel zwei Bewegungen ausführen können, und zwar eine Verschiebung und Drehung, auf folgende Weisen erfolgen:

1) Verschiebung des Stoffes,

2) Verschiebung der Nadel,

3) Verschiebung und Drehung des Stoffes,

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4) Verschiebung und Drehung der Nadel,

5) Verschiebung des Stoffes und Drehung der Nadel,

6) Verschiebung der Nadel und Drehung des Stoffes.

Erhält der Stoff eine Verschiebung und die Nadel, wie unter 1) angegeben, entweder keine Drehung oder, wie unter 5) aufgeführt, eine solche, so wird der erstere entweder in einem allseitig frei beweglichen Rahmen aufgespannt oder mit der Hand frei auf dem Tische der Maschine verschoben, wie bei den Maschinen von Cornely-Bonnaz, so daſs die Nadel jede Stelle des Stoffes treffen kann. Der Stoffrahmen liegt entweder wagerecht oder senkrecht, und es arbeitet dementsprechend die Nadel in senkrechter oder wagerechter Richtung.

Die Bewegung des Stoffrahmens kann nun auf folgende Weisen erfolgen:

1) Ein an dem Rahmen befestigter Stift wird auf einem vorliegenden Muster (einer Patrone) geführt, und der Stoffrahmen hierbei durch geeignet angeordnete Lenker und Gegenlenker gehalten. Eine Verkleinerung des Musters ist also nicht möglich, d.h. die Nadeln arbeiten dasselbe in derselben Gröſse, in welcher es vorliegt.

2) Der Führungsstift ist nicht starr mit dem Stoffrahmen verbunden, sondern durch einen Storchschnabel (Pantographen) und es wird derselbe entweder

  • a) mit der Hand auf dem vorliegenden Muster bewegt oder
  • b) in dem Kreuzungspunkte zweier Schlitzschienen geführt, die dem zu erzeugenden Muster entsprechend durch eine geeignete Muster-vorrichtung bethätigt werden.

In beiden Fällen findet gewöhnlich eine Verkleinerung des Musters und zwar in dem durch das Umsetzungsverhältniſs des Storchschnabels bedingten Maſse statt.

3) Es wirkt auf jede Seite des Stoffrahmens entweder direkt oder indirekt ein System von Musterkarten oder Hubscheiben ein, welche auswechselbar sind oder deren Wirkung dadurch verändert werden kann, daſs zwischen sie und den Stoffrahmen durch eine Jacquardvorrichtung geeignet gestaltete Zwischenstücke eingeführt werden.

Erhält die Nadel, wie unter 2) angegeben, nur eine Verschiebung oder eine Verschiebung und Drehung wie unter 4), so erfordert dieses ein Aufspannen des Stoffes in einen festen Rahmen, dagegen eine derartige Lagerung der Nadel, bezieh. der Nadeln, daſs dieselbe über jede Stelle des Stoffes geführt werden kann; es entstehen hierdurch die Kettenstich- bezieh. Doppelsteppstich-Stickmaschinen mit beweglichem Nadelarme. Dieselben dienen lediglich zum Sticken und sind entweder Einnadel- oder Mehrnadelmaschinen.

Empfängt, wie unter 3) angegeben, der Stoff eine Verschiebung und Drehung, so muſs derselbe in einem allseitig beweglichen Rahmen aufgespannt werden, welcher mit der Hand unter Vermittelung eines |154| Storchschnabels dem herzustellenden Muster entsprechend unter der Nadel bewegt wird. Unterstützt wird der gewöhnlich wagerecht liegende Stoffrahmen von dem Tische der Maschine und durch geeignet angeordnete Lenker gehalten. Das Muster wird entweder in verkleinertem oder vergröſsertem Maſsstabe von der Nadel wiedergegeben.

Die noch verbleibende unter 6) bezeichnete Methode hat eine praktische Verwerthung nicht gefunden.

Die Drehung des Stoffes oder der Nadel hat den Zweck, die jeweilige Stichbildung immer in der für den Stich vorgeschriebenen Lage vor sich gehen zu lassen.

So beachtenswerth auch die Erfolge sind, welche die Vervollkommnung der Mehrnadel-Stickmaschinen mit sich gebracht haben, so gering sind dieselben im Allgemeinen in Bezug auf die Einnadelmaschinen, wenn man absieht von den Einnadel-Kettenstich-Stickmaschinen mit festem Nadelarme, welche ihre würdigen Vertreter in den Maschinen von Bonnaz und Cornely finden.

Fischer erwähnt in seiner bereits erwähnten Abhandlung über Stickmaschinen etwas Bestimmtes über die Kettenstich-Stick- und Nähmaschine, die Einnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschine und die Doppelsteppstich-Stick- und Nähmaschine nicht. Erst in neuerer Zeit hat man versucht, besonders die Doppelsteppstich-Nähmaschine zur Anfertigung von Stickereien geeignet zu machen und es sei deshalb gestattet, auf die hierzu gemachten Vorschläge etwas näher einzugehen.

Bei der Betrachtung der Einnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschinen, wie wir sie bereits im Eingange in ihrer Allgemeinheit bezeichnet haben, müssen wir zwei groſse Klassen unterscheiden, und zwar gehören zu der ersten diejenigen Maschinen, welche nur zum Sticken dienen und die wir als Einnadel-Doppelsteppstich-Stickmaschinen bezeichnet haben, zu der zweiten Klasse dagegen müssen die Maschinen gerechnet werden, welche zum Nähen und Sticken dienen und deshalb, wie im Eingange bezeichnet sein mögen, als Doppelsteppstich-Näh- und Stickmaschinen. Die erste Klasse von Maschinen dürfte kaum über das Stadium des Versuches hinausgekommen sein, hat also eine praktische Verwerthung nicht gefunden.

Der Stoff wurde bei diesen Maschinen in einem festen Rahmen eingespannt und die Nadel in einem allseitig beweglichen Arme befestigt und erst in neuerer Zeit hat man meines Wissens das Entgegengesetzte versucht, d.h. den Rahmen bewegt und die Nadel still stehen lassen. Eine Drehung der Nadel fand nicht statt und findet auch bei der zweiten Klasse von Maschinen nicht statt, da stark gekrümmte Nähte nicht hergestellt werden.

Die beiden Hauptvertreter dieser Maschinen sind: diejenige von Michalet und Bourget in Lyon, welche im Oktober 1874 durch das Englische Patent Nr. 3401 und im Februar 1875 durch das Amerikanische |155| Patent Nr. 164 751 geschützt wurde, und ferner die Maschine von J. Gutmann, auf welche im J. 1880 das Deutsche Patent Nr. 11405 ertheilt worden ist. Die erstere ist in den Fig. 1 und 2 Taf. 8 dargestellt und besitzt folgende Einrichtung:

Der zu bearbeitende Stoff ist auf einer der in dem auf Rollen g stehenden Wagen A gelagerten Walzen a oder b aufgewickelt und behufs Herstellung eines vollkommenen wagerechten Stickfeldes, welches sich unabhängig von dem Durchmesser der Wickelwalzen a und b immer in derselben Entfernung von der Nadel befindet, über die beiden Führungsstangen ce nach der zweiten Walze b bezieh. a geführt, welche ihn in dem Maſse aufnimmt, wie ihn die erste abgibt. Sperrwerke halten die Walzen in ihrer jeweiligen Stellung.

Die das Sticken ausführende Doppelsteppstich-Nähmaschine ist mit Hilfe der beiden Tragstangen m an den einen Schenkel des in dem auf der Säule D drehbar angeordneten ringförmigen Kopfstücke h zwischen Körnerschrauben i drehbar gelagerten Balanciers C befestigt und kann in ihrer Höhenlage mit Hilfe der Schraube oo1 , welche das die Stangen m fassende Kopfstück n trägt, verstellt werden. Das Gewicht der Maschine wird durch das Gegengewicht F ausgeglichen.

Der Nähmechanismus unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten von einer gewöhnlichen Doppelstepp-Nähmaschine, und zwar erstens hinsichtlich der Vorrichtung zur Bewegung des Stoffes und zweitens mit Bezug auf den Fadengeber. Eine Transportvorrichtung, d.h. ein Stoffschieber, ist überhaupt nicht vorhanden, sondern nur ein Stoffdrücker t, welcher in dem Augenblicke, wo eine Verschiebung des Nähmechanismus stattfindet, gelüftet ist, also nur während der Stichbildung auf die als Tisch dienende, den Stoff tragende Unterlagsplatte u wirkt. Die periodische Abhebung des Stoffdrückers erfolgt durch eine auf der die Nadel bethätigende oberen Triebwelle K sitzende Hubscheibe, auf welcher die Nase der durch eine Feder beeinfluſsten Drückerstange aufruht. Der Fadengeber u1 gibt die für die Herstellung eines Stiches erforderliche Menge Oberfaden bei Verschiebung des Nähmechanismus frei und zieht auſserdem nach der Stichbildung den Oberfaden an. Er ist zu diesem Zwecke in Form eines doppelarmigen Hebels ausgebildet, dessen einer das Fadenöhr tragende Arm durch die Wirkung eines auf einer auf der Welle K sitzenden Hubscheibe aufruhenden Bolzens gehoben wird, während eine auf den anderen Schenkel wirkende Feder die Abwärtsbewegung desselben veranlaſst.

Der Antrieb des Stichbildungsmechanismus erfolgt von dem zwischen den Stirnwänden des den Stoff tragenden Wagens A angeordneten, im Bocke B gelagerten Trittbrette J aus, durch welches die Schnurscheibe G in Umdrehung versetzt wird, die wiederum mittels des Schnurtriebes p, welcher über die am Ständer D sitzenden Rollen s und die am Balancier angebrachten Rollen r nach der auf der die Nadel bethätigenden Welle K |156| sitzenden Schnurscheibe läuft. Von dieser aus empfängt mit Hilfe der Kurbelstange q die Schiffchentreiberwelle L ihre schwingende Bewegung.

Die Maschine von Gutmann (1881 240 437) zeigt im Wesentlichen dieselbe Einrichtung wie die vorstehend beschriebene. Der Nähapparat selbst ist an einem Cardani'schen Gelenke aufgehängt. Es hat diese Aufhängung den Nachtheil, daſs sich die Nähmaschine, da sie bei ihrer Bewegung einen Kreisbogen beschreibt, dem Stoffe nähert oder von demselben entfernt und in Folge dessen Fehler in der Stichbildung entstehen, was bei der Maschine von Michalet und Bourget ausgeschlossen ist. Der Stoffdrücker sitzt in Form einer Hülse auf der Nadelstange und wird beim Durchgange der Nadel durch das Zeug durch eine auf ihn einwirkende Feder auf dasselbe elastisch aufgepreſst, beim Aufwärtsgange der Nadelstange aber von dieser mitgenommen. Der Stoff ist nicht in einem Wagen fest ausgespannt, sondern in dem den Nähmechanismus tragenden Gestelle. Die Bewegung der Stichbildungswerkzeuge erfolgt nicht durch schwingende bezieh. sich drehende Wellen, sondern durch schwingende Hebel, welche auch den Fadengeber in Schwingung versetzen.

Wenn auch anerkannt werden muſs, daſs die Bemühungen, die Stickmaschine durch die Verbindung mit der Nähmaschine zu gröſserer Vielseitigkeit der Erzeugung gefälliger, schöner Muster zu bringen, nicht ohne Erfolge geblieben sind, so muſs doch andererseits auch zugegeben werden, daſs es bis jetzt noch nicht gelungen ist, die überall verbreitete Doppelsteppstich-Nähmaschine zum Sticken geeignet zu machen, d.h. ohne viele Umstände und ohne sehr groſse Handgeschicklichkeit zur Stickmaschine umzuwandeln.

Jede Doppelsteppstich-Nähmaschine, welche als Stickmaschine verwendet werden soll, muſs vier Bedingungen erfüllen und zwar muſs:

1) der Stoff, sobald sich die Nadel auſserhalb desselben befindet, nach jeder beliebigen Richtung und um jeden Betrag verschoben werden können, und zu diesem Zwecke

2) der Stoffschieber, falls ein solcher vorhanden, auſser Thätigkeit gesetzt sein, und

3) die Wirkungsweise des Stoffdrückers derart geändert werden, daſs er nur in dem Augenblicke auf den Stoff einwirkt, in welchem die Stichbildung erfolgt, sonst aber denselben freigibt, und

4) die Fadenführung derart regulirt sein, daſs für kurze auf einander folgende Stiche von beliebiger Länge auch eine genügend freie Fadenlänge vorhanden ist und ein Reiſsen des Fadens ebenso wie ein Abbrechen der Nadel bei der Verschiebung des Stoffes ausgeschlossen bleibt.

Diese vier Bedingungen hat man auf verschiedenste Weise zu erfüllen gesucht und es sollen im Nachstehenden einige wesentliche der hierbei in Anwendung gebrachten Vorrichtungen einer kurzen Besprechung unterworfen werden und zwar in der oben angegebenen Reihenfolge.

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Der zu bestickende Stoff wird bei den Doppelsteppstieh-Näh- und Stickmaschinen in einem Rahmen aufgespannt, welcher mit Hilfe eines Storchschnabels einem vorliegenden Muster entsprechend unter der auf- und abwärts gehenden Nadel bewegt wird. Geeignet angeordnete Lenker und Gegenlenker sichern hierbei die genaue Parallelverschiebung des Stoffrahmens. Jede Vorrichtung zur Verschiebung des Stoffes muſs derart eingerichtet sein, daſs sie durch einen einfachen Handgriff auf der Arbeitsplatte der Nähmaschine befestigt bezieh. von derselben entfernt werden kann, je nachdem die Maschine zum Nähen oder Sticken dienen soll.

Die erste Vorrichtung zur Führung des Stickrahmens an Doppelsteppstich-Nähmaschinen rührt meines Wissens von W. v. Pittler in Leipzig her und ist durch das D. R. P. Kl. 52 Nr. 39491 vom 30. December 1885 geschützt. Die Fig. 3 bis 5 Taf. 8 zeigen die Einrichtung derselben.

Der zu bestickende Stoff wird in den Rahmen a mittels des Ringes b1 mit Spannschraube d trommelfellartig eingespannt und dann mittels eines zweiten, der Rille b des Ringes a (Fig. 4 Taf. 8) entsprechenden Ringes c mit Spannschraube e straff gezogen. Dieser Ring c ist mit zwei Augen h versehen, mittels welcher derselbe auf Stiften g des Stickrahmens f unverschiebbar, aber dennoch leicht lösbar befestigt wird. Der Stickrahmen f wird nun durch den bei d2 angreifenden, bei D1 gelagerten und bei D2 geführten Pantographen D bewegt und ist zu diesem Zwecke auf einer wagerechten oder etwas geneigten Unterlage C verschiebbar, welche auf der Grundplatte A der Nähmaschine befestigt wird.

Bedingung für die richtige Function des Stickrahmens f ist nun daſs derselbe in jeder Lage durch die Unterlage C unterstützt und auſserdem so geführt wird, daſs zwei zu einander senkrecht stehende Linien des Rahmens stets zwei gleichfalls senkrecht zu einander stehenden Linien der Unterlage C parallel bleiben.

Diese Bedingung wird in Fig. 3 durch Vermittelung eines Schlittens B erfüllt, der sich an der Unterlage C beispielsweise mittels Rollen k parallel mit sich selbst verschieben kann und gleichzeitig eine zu seiner Bewegungsrichtung senkrechte Führung in Form von Rollen ii1 besitzt, welche eine senkrechte Leiste des Stickrahmens f zwischen sich fassen. Die Zapfen l der Rollen i1 werden zweckmäſsig excentrisch gelagert, so daſs eine Nachstellung der Rollen i1 behufs Beseitigung des todten Ganges in der Führung des Rahmens f vorgenommen werden kann.

Bei der in Fig. 5 dargestellten Modification wird der Rahmen durch Hebel o und Gegenlenker q geführt. Die Rollen n dieser Hebel o gleiten in Schlitzen m des Rahmens f, während die Rolle r des die Verbindung der Hebel vermittelnden Zapfens p in einer Führung s der Unterlage C sich verschieben kann. Die bei o1 an die Hebel o angreifenden Gegenlenker q sind bei q1 an der Unterlage drehbar gelagert.

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Eine weitere Ausbildung hat die vorstehend beschriebene und in den Fig. 3 und 5 dargestellte Vorrichtung zur Parallelführung des Stickrahmens durch die in der Fig. 6 Taf. 8 wiedergegebene (D. R. P. Kl. 52 Nr. 42392 vom 14. Mai 1886) erfahren. Dieselbe gestattet eine direkte Verbindung des Storchschnabels mit dem Gelenksysteme. Die den Stoff haltenden Ringe a und b werden in den ringsegmentartigen Rahmen f eingeklemmt, welcher mit der Schiene f fest verbunden ist, deren Enden v mit den Gelenkstücken u und durch diese mit der Schiene r derart in Verbindung gebracht sind, daſs die vier Schienen fur ein Parallelogramm bilden. Der Stab r ist mit einem Schlitze t ausgestattet, in welchem sich das eine Ende des einen Lenkers o mittels Zapfens o2 und eventuell einer Gleitrolle führt, während der zweite Hebel o an den Gelenkpunkt der Stangen u und r angreift. Die beiden Hebel o führen sich mit ihren Enden am Zapfen p in dem Schlitze s der als Unterlage dienenden Führungsschiene C und sind bei o2 und o1 mit den Gegenlenkern q verbunden, welche bei q1 an der Führungsschiene C drehbar gelagert sind. In Folge dieser Anordnung kann der Storchschnabel derart mit dem Lenkermechanismus verbunden werden, daſs eine der Stangen D eine Verlängerung der Gegenlenker q bildet und die andere Stange bei v1 angreift. Der Punkt q1 bildet dann gleichzeitig den festen Drehpunkt des Storchschnabels. Man kann jedoch auch den letzteren direkt an f angreifen lassen, wie in Fig. 6 punktirt dargestellt ist, muſs dann jedoch für einen besonderen festen Drehpunkt D sorgen.

Textabbildung Bd. 272, S. 158
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Die Führungsschiene C wird in der Grundplatte A der Nähmaschine bis an die Stichplatte eingeschoben oder auf irgend eine andere Weise zweckmäſsig auf der Tischplatte der Maschine angebracht.

Die vorstehend erläuterten Vorrichtungen zur Parallelführung des Stickrahmens ermöglichen nur. das Original durch die Nähmaschine in verkleinertem Maſsstabe, nicht aber im vergröſserten wiedergeben zu lassen. Letztere Aufgabe löst nun der in der nebenstehenden Textfigur sowie Fig. 8 Taf. 8 veranschaulichte Frankenberg'sche Stickapparat (D. R. P. Kl. 47 Nr. 41586 vom 27. Januar 1887).

Der zu bestickende Stoff ist in den unter der Nadel liegenden ringförmigen Rahmen B eingespannt, dessen Bewegung mit Hilfe des auf dem Originale geführten Stiftes C unter Vermittelung zweier Gelenkparallelogramme erfolgt, mit welchen der Stoffrahmen durch die verstellbare Gleitschiene C verbunden ist.

Die beiden genannten eigenartig zusammengestellten Parallelogramme afbde und a1 f1 b1 d1 e1 mit den Verlängerungen ec und e1 c1 sind an dem auf dem Nähmaschinentische festgeschraubten Bocke A derart befestigt, daſs die Stellen a und a1 feste Punkte am Bocke A sind.

Bei den bis jetzt betrachteten Stickrahmenführungen war der Führungsstift mit dem Stickrahmen durch einen Storchschnabel verbunden, muſste also auf der Nähtischplatte eine geeignete Führung erhalten. W. v. Pittler in Leipzig umgeht dies in seinem D. R. P. Kl. 52 Nr. 43007 vom 8. Februar 1887 dadurch, daſs er an Stelle nur eines Storchschnabels deren zwei anwendet.

Mit dem Stickrahmenhalter D (Fig. 9 und 10 Taf. 8) ist eine Stange fest verbunden, an deren beiden Augen cd die beiden Storchschnäbel A und B angreifen, welche ihre festen Drehpunkte aa1 beispielsweise in den Endpunkten einer Schiene z haben und so angeordnet sind, daſs sie sich in ihren Bewegungen nicht hindern. Die Führungsenden beider Storchschnäbel sind dann bei C mit einander vereinigt, so daſs bei der Bewegung des Führungsstiftes C die beiden Storchschnäbel stets gleichzeitig verschoben werden. Es wird nun eine Parallel Verschiebung der Stange cd eintreten, wenn die Punkte Cca und Cda1 in je einer geraden Linie liegen und beide Storchschnäbel die Bewegung des Punktes C nach c bezieh. d im gleichen Verhältnisse übertragen.

Die Gröſsenverhältnisse der Storchschnäbel können entweder die gleichen sein (Fig. 9 Taf. 8) oder sie können verschieden sein (Fig. 10 Taf. 8), ebenso können die beiden Storchschnäbel A und B über einander oder auch neben einander angeordnet sein (Fig. 11 Taf. 8). In jedem Falle bilden die drei Punkte Caa1 ein Dreieck, dessen Seiten Ca und Ca1 bei c bezieh. d in gleichen Verhältnissen geschnitten werden, so daſs also cd stets parallel aa1 bleibt, welche Lage der Punkt C auch einnehmen mag. Es wird somit durch diese Führung gleichzeitig die Parallelverschiebung und Verkleinerung der Bewegung erzielt und |160| auſserdem ermöglicht, gleichzeitig mehrere Stickrahmen, welche neben einander an den Schienen cd zu befestigen sein würden, mittels einer einzigen Führung in Thätigkeit zu setzen.

In zweiter Linie kommt bei der Umwandelung einer Doppelsteppstich-Nähmaschine in eine Stickmaschine der Stoffschieber in Betracht, vorausgesetzt, daſs bei der betreffenden Nähmaschine die Weiterbewegung des Stoffes überhaupt durch einen Stoffschieber und nicht durch den Stoffdrücker erfolgt. Der Stoffschieber muſs, sobald gestickt werden soll, auſser Thätigkeit gesetzt werden und dieses geschieht im Allgemeinen dadurch, daſs ihm die auf- und abwärts gehende Bewegung entweder ganz entzogen oder daſs dieselbe derart verkleinert wird, daſs die Arbeitsfläche des Stoffschiebers nicht mehr mit dem auf der Nähplatte liegenden Stoffe in Berührung gelangt. Besondere Vorrichtungen zur Hervorbringung einer derartigen Stoffschieberbewegung sind meines Wissens nicht in Vorschlag gebracht worden, es sind hierbei nur geringfügige Abänderungen der gewöhnlichen Stoffschiebermechanismen erforderlich, welche unter Berücksichtigung der verschiedenartigen Vorrichtungen zur Bewegung des Stoffschiebers etwa daraufhinauslaufen, daſs:

1) der den Hub des Stoffschiebers bewirkende Keil auſser Thätigkeit gesetzt werden kann;

2) die Wirkung der die auf- und abwärts gehende Bewegung des Stoffschiebers hervorbringenden unrunden, gewöhnlich auf der Schiffchentreiberwelle sitzenden Scheibe verändert wird und zwar dadurch, daſs entweder die Hubscheibe verstellt wird oder dadurch, daſs

3) ein zwischen die die Hubbewegung des Stoffschiebers erzeugende unrunde Scheibe und den Stoffschieberhebel eingeschaltetes Zwischenstück verstellt wird;

4) der Stoffschieber auf seinem Stoffschieberhebel in senkrechter Richtung verstellt wird, und

5) der Schwingungspunkt des Stoffschieberhebels verstellt wird.

Es ist hier nicht möglich auf alle die verschiedenen Stoffschiebermechanismen einzugehen, welche der einen oder anderen Bedingung bei geringer Abänderung entsprechen würden, es sollen jedoch einige Beispiele näher betrachtet werden.

Die Fig. 12 und 13 Taf. 8 zeigen Stoffschiebermechanismen, bei welchen der Stoffschieber dadurch auſser Thätigkeit gesetzt werden kann, daſs der den Hub veranlassende Keil verstellt wird. Bei der Ausführungsform Fig. 12 sitzt derselbe an der Arbeitsplatte und wird durch die in einem Schlitze befindliche Schraube v gehalten. Bei einer Verstellung des Keils nach rechts wird die Hubhöhe des Stoffschiebers verringert. Bei dem in Fig. 13 dargestellten Stoffschieber erfolgt eine Veränderung der Hubhöhe durch Verschieben des durch die Schraube a auf dem um b schwingenden und sich in c verschiebenden Hebel d gehaltenen Keilstückes e.

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Zu den unter 3) genannten Stoffschiebermechanismen, bei welchen also ein Auſserthätigkeitsetzen der Arbeitsfläche des Stoffschiebers durch Verstellen eines eingeschalteten Zwischenstückes erfolgt, gehören die in den Fig. 14, 15 und 16 dargestellten Ausführungsformen. Die erstere rührt von Gritzner und Comp. in Durlach, Baden, her. Die Welle u der Maschine trägt, wie gewöhnlich, ein Excenter u1, welches zur Auf- und Abbewegung des Stoffschiebers r dient und ein zweites (nicht dargestellt), welches die Verschiebung desselben besorgt. Das erstere wirkt nicht direkt auf den Stoffschieber, sondern auf die durch Schraube x in ihrer Höhenlage verstellbare Schiene v. Je nach der Stellung, welche dieselbe einnimmt, wirkt das Excenter u1 mehr oder weniger hebend.

Der in Fig. 15 veranschaulichte Stoffschiebermechanismus ist einer von Ludwig Löwe und Comp. gebauten Maschine entnommen. Der Stoffschieber a führt sich in senkrechter Richtung in dem Schieber b, welcher in der festen Führung c eine wagerechte Verschiebung ausführen kann. Die aufsteigende Bewegung wird dem Stoffschieber a durch den um d drehbaren Hebel d1 ertheilt, dessen Ende d2 von der auf Welle h sitzenden Hubscheibe d3 gehoben wird, während die Senkung durch eine im Gehäuse c sitzende Feder veranlaſst wird. Der Hebel d1 wirkt nun nicht direkt auf den Stoffschieber, sondern durch Vermittelung des auf ihm sitzenden Gleitstückes e, welches durch Schraube h eingestellt werden kann. Je nach seiner Stellung auf dem Hebel d1 wird auch der Hub des Stoffschiebers ein verschiedener sein. Die Verschiebung des letzteren erfolgt durch die Hubscheibe f in Verbindung mit der Feder g.

Der in Fig. 16 Taf. 8 wiedergegebene Stoffschieber rührt von L. Gundelach in Leipzig her und ist durch das D. R. P. Kl. 52 Nr. 44627 vom 23. Februar 1888 geschützt.

Die doppelte Bewegung des Stoffschiebers wird durch die auf der schwingenden Schiffchentreiberwelle A sitzende Scheibe B hervorgebracht, welche mit zwei Daumen ausgestattet ist, von denen der eine C den Stoffschieber D in senkrechter Richtung bewegt, während der zweite df den Stoffschieber bei Bewegung der Scheibe B in der Richtung des Pfeiles durch Antreffen an den am Stoffschieber sitzenden federnden Bolzen E wagerecht verschiebt, bei der entgegengesetzten Bewegung jedoch den Bolzen verdrängt und somit nicht auf den Stoffschieber einwirkt, Durch Verstellung der Theile F und G wird die Wirkung der Nasen C und df verändert.

Als letztes Beispiel für die Stoffschiebermechanismen möge die in Fig. 17 Taf. 8 dargestellte Ausführungsform von W. Walker in Dunstable dienen, welche der unter 4) genannten Bedingung entspricht. Der Stoffschieber a kann mit Hilfe der Schraube b und Feder c in dem Stoffschieberhebel d höher oder tiefer gestellt und somit die Arbeitsfläche desselben über die Arbeitsplatte gehoben oder unter dieselbe gesenkt werden.

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Die einfache Verstellung des Stoffschiebers derart, daſs seine Arbeitsfläche nicht mehr auf den Stoff einwirkt, wird eine allseitig freie Verschiebung des Stoffes noch nicht ermöglichen; es muſs zu diesem Zwecke auch nach Bildung eines jeden Stiches der Stoffdrucker von der Arbeitsplatte entfernt werden, und wir kommen somit zu der dritten Bedingung, welche eine zum Sticken dienende Doppelsteppstich-Nähmaschine erfüllen muſs. Bei Betrachtung der hierzu geeigneten Mechanismen müssen wir unterscheiden, ob, was allgemein der Fall ist, der Stoffdrücker den Stoff hält oder ihn auch verschiebt, in welchem Falle ein Stoffschieber nicht vorhanden ist.

Es sei zunächst der erste Fall betrachtet. Das Abheben des Stoffdrückers vom Stoffe in dem Augenblicke, wo sich die Nadel auſserhalb desselben befindet, also eine Bewegung des Stoffes erfolgen soll, kann im Allgemeinen auf viererlei Weise geschehen. Der einfachste Fall ist der, wo der Stoffdrücker auf der Nadelstange derart in senkrechter Richtung federnd verschiebbar sitzt, daſs er beim Abwärtsgange der Nadelstange fest auf den Stoff aufgepreſst wird, beim Aufsteigen der Nadel aber von deren Träger, sobald die Nadel den Stoff verlassen hat, mit nach oben genommen wird, den letzteren also frei gibt. Ein solcher Art ausgeführter Stoffdrücker ist in Fig. 11 Taf. 6 Bd. 240 wiedergegeben, eine besondere Abart zeigt Fig. 18 Taf. 8. Die Hülse a, in welcher der Stoffdrücker b federnd verschiebbar gelagert ist, wird mit Hilfe der die Nadel haltenden Schraube d an der Nadelstange e befestigt. Beim Abwärtsgange der Nadelstange geht Hülse a ebenfalls nach abwärts und der Stoffdrücker wird durch die Feder c elastisch auf den Stoff so lange aufgedrückt, bis die Nadel denselben wieder verlassen hat, in welchem Augenblicke die Hülse a an den Ansatz f des Stoffdrückers trifft und ihn hierdurch mitnimmt.

Die im Vorstehenden gekennzeichneten Stoffdrücker gestatten eine Verwendung der Nähmaschine als solche nicht, falls dieselben nicht abgenommen und an ihre Stelle ein Drückerfuſs angesetzt wird. Weit vollkommener nach dieser Richtung hin sind die nun folgenden Einrichtungen, von denen zunächst diejenigen genannt sein mögen, wo der Stoffdrücker federnd auf der Drückerstange sitzt und durch die aufsteigende Nadel mitgenommen wird, wie aus Fig. 19 Taf. 8 ersichtlich ist. Wenn die Nadelstange sich hebt und die Nadel aus dem Stoffe getreten ist, stöſst der Stift c an den Mitnehmer b und hebt hierdurch unter Ueberwindung der Federkraft d den Stoffdrücker e, welcher mit Hilfe des Ringes g an der Drückerstange f befestigt ist, vom Stoffe ab. Durch Entfernung des Stiftes c oder Verdrehen des Mitnehmers wird der Stoffdrücker in gewöhnlicher Weise wirken.

Zu einer weit einfacheren und technisch vollkommneren Lösung der hier in Frage kommenden Aufgabe gelangte man dadurch, daſs man nicht den Stoffdrücker erst von der Drückerstange trennte, sondern mit dieser |163| als ein Ganzes behandelte und dementsprechend nicht den Stoffdrücker, sondern die unter Federdruck stehende Drückerstange anhob. Es sind hierbei meines Wissens zwei Wege eingeschlagen und verfolgt worden. Entweder wird die Stoffdrückerstange von der aufsteigenden Nadelstange mitgenommen oder es ist auf der die Nadelstange bewegenden Triebwelle eine unrunde Scheibe aufgesetzt, welche das Anheben der Drückerstange im geeigneten Augenblicke besorgt. Vorrichtungen der ersten Art sind in den Fig. 19, 20 und 21 Taf. 8 wiedergegeben. Die Drückerstange wird entweder durch den Nadelkopf mitgenommen und es sitzt zu diesem Zwecke der armförmig gestaltete Mitnehmer a (Fig. 20) auſserhalb des Maschinenhauptes an der Drückerstange verstellbar, oder es erfolgt das Anheben der Stoffdrückerstange durch einen innerhalb des Maschinenkopfes in die Nadelstange b auswechselbar eingesetzten Mitnehmer f (Fig. 21 Taf. 8) unter Vermittelung eines in der Drückerstange B ebenfalls auswechselbar angeordneten Anschlages eE. Die letztere Einrichtung rührt von H. Pohl in Berlin her und ist durch das D. R. P. Kl. 52 Nr. 44905 vom 15. Januar 1888 geschützt.

(Schluſs folgt.)

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Vgl. auch Fischer, Die Stickmaschine, Civilingenieur.

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