Titel: Barometer mit Contactablesung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272/Miszelle 3 (S. 94–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/mi272mi02_3

Barometer mit Contactablesung.

Das nebenstehend abgebildete, von J. Boguski und L. Natanson construirte, bei Fueſs in Berlin angefertigte Barometer gestattet das Ablesen mittels elektrischer Contacte. ABC ist ein gewöhnliches Heberbarometer; in die Glaswand seines oberen Schenkels ist ein dünner Platindraht a eingeschmolzen, der nach unten in eine Spitze endigt. Im unteren Schenkel ist eine Mikrometerschraube M befestigt, die 1/100mm angibt, sie ist mit einer Stahlspitze versehen und wird mittels einer beigesetzten Scala N abgelesen. Das Hülfsgefäſs DK ist mittels Schlauch mit dem unteren Schenkel verbunden; es tragt eine zweite Mikrometerschraube D, die jedoch keine Theilung zu haben braucht. Mit derselben ist ein Stahlcylinder E verbunden. Die Mikrometerschraube M und der Platindraht a spielen die Rolle von Polen; ein Strom, der in O entsteht und ein Galvanoskop G durchflieſst, wird durch dieselben dem Quecksilber zu- und abgeführt. Diese Stellen sind unter einander noch mittels eines anderen Schlieſsungskreises leitend verbunden, der jedoch einen ziemlich groſsen Widerstand R enthält. (Man kann eine Säule von pulverförmigem Graphit anwenden, die zwischen zwei Stöpseln in einem Glasröhrchen zusammengepreſst ist; dieser Widerstand entspricht 233,7 S.-E.) Das Röhrchen HF endlich findet bei der Füllung des Barometers Anwendung: das Barometer wird evacuirt, mit Quecksilber gefüllt, und dieses letztere zum Ueberflieſsen durch HF gebracht, wie dies bei der Töpler'schen Quecksilberpumpe geschieht. Sollte mit der Zeit das Vacuum im Barometer schlechter werden, so bietet sich die Möglichkeit, durch dasselbe Verfahren diesem abzuhelfen.

Textabbildung Bd. 272, S. 94
Vorausgesetzt, das Quecksilber befinde sich in A unter dem Platindrahte, ohne ihn zu berühren, und in B sei das Mikrometerende in das Quecksilber eingetaucht. Im Barometer ist der Strom geöffnet, und zwar in A; es flieſst nur ein schwacher Strom durch R. Senkt man D, so verdrängt der Cylinder E das Quecksilber und man bringt es leicht dazu, daſs der Meniscus in A den Platindraht berührt. Dies wird vom Galvanoskop augenblicklich angezeigt. Ohne den Stand der Schraube D weiter zu ändern, schraubt man die Mikrometerschraube M aus dem Quecksilber heraus; im Momente, in welchem der Contact erreicht ist, ersieht man dies an dem Galvanoskopausschlage. Dem Schlagen von Funken ist selbstverständlich bei dieser Einrichtung vorgebeugt. In dieser Weise werden beide Contacte erzielt. Die Entfernung der Platinspitze |95| vom Mikrometerende in der Nulllage ist ein für allemal ausgemessen, und man hat nur die Mikrometerablesung zu dieser Constanten zu addiren (oder sie von derselben zu subtrahiren, je nach Lage des Mikrometers), um den Barometerstand zu finden.

Bekanntlich muſs ein genaues Barometer sehr weite Schenkel haben; bei Kathetometerablesung beeinträchtigen aber weite Schenkel die Schärfe der Einstellung. Bei der vorliegenden Construction können die Schenkel beliebig weit gewählt werden. Eine zweite Fehlerquelle ist dadurch beseitigt, daſs das Vacuum des Barometers bei dessen Ablesung stets das gleiche Volumen einnimmt, die Correction also constant bleibt.

Um die Contacte mit voller Genauigkeit einzustellen, muſs das Quecksilber in vollständiger Ruhe sein: man muſs also mit den Schrauben vorsichtig manipuliren und das Instrument fest aufstellen (Annalen der Physik und Chemie, 1889 Bd. 36 S. 761).

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