Titel: Deutsches Hufnageleisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272/Miszelle 3 (S. 575–576)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/mi272mi12_3

Deutsches Hufnageleisen.

In der Sitzung des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes vom 4. März 1889 hielt Geh. Bergrath Wedding einen Vortrag über deutsches Hufnageleisen.

Derselbe knüpfte an die Behauptung des Herrn Möller-Eberswalde, daſs schwedisches Eisen zur Hufnagelfabrikation nicht durch deutsches ersetzt werden könne, an und führte aus, daſs die Behauptung Möller's die Verwaltung der Peiner Walzwerke nicht von weiteren Versuchen, ein dem schwedischen vollkommen ebenbürtiges Hufnageleisen zu erzeugen, abgeschreckt habe, und daſs dieselbe der Königl. mechanisch-technischen Versuchsanstalt zu Charlottenburg eine Reihe von Eisensorten, von denen sie glaubte, daſs sie den Anforderungen entsprächen, zur Vornahme von Versuchen zur Verfügung gestellt habe.

Redner beschreibt hierauf die gethätigten Zug-, Stauch- und Verwindungsversuche, sowie Kaltbiege- und Schmiedeproben der verschiedensten Art und bemerkt, daſs das Peiner Fluſseisen bei seiner Verarbeitung zu Nägeln etwas anders behandelt werden müsse, als das schwedische Schweiſseisen. Man muſs bei Fluſseisen die Temperatur etwas niedriger nehmen, darf aber trotzdem bei der Bearbeitung Blauhitze nicht eintreten lassen. Wenn auch die deutsche Globe-Hufnagelfabrik zu Bahrenfeld bei Altona Nägel im kalten Zustande aus schwedischem Fluſseisen hergestellt hatte, so ist es an sich nicht als Nachtheil zu bezeichnen, daſs verschiedene Temperaturen bei dieser Fabrikation angewendet werden. Der Vortragende glaubt, daſs dem Peiner Fluſseisen auch dieselbe Anfangshitze, die man dem schwedischen Schweiſseisen gibt, nichts schaden würde. Aus den vorgetragenen Ergebnissen ergibt sich unzweifelhaft, daſs das schwedische Eisen nicht über dem deutschen Fluſseisen steht, daſs bei vielen Proben sogar das schwedische vom deutschen Eisen überragt wird. Der Direktor des Peiner Walzwerkes, Herr Wild, hat erklärt, daſs er bereit sei, nicht nur Proben, sondern jede beliebige, mit seiner Fabrikation überhaupt im Einklänge stehende Menge von Hufnageleisen genau von den Eigenschaften des in der Königl. Versuchsanstalt geprüften zu liefern.

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Der Vortragende hält dafür, daſs kein Hinderniſs mehr entgegen stehe, das deutsche Eisen an Stelle des schwedischen zu setzen, und hofft, daſs Veranlassung genommen wird, die Prüfung an der Stelle vorzunehmen, von der aus die sichersten Ergebnisse zu erwarten sind, nämlich bei unserer Armee, welche damit auch nach dieser Richtung hin vom Auslande unabhängig gemacht werden könnte.

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