Titel: Zuschriften an die Redaction.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272/Miszelle 4 (S. 576)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/mi272mi12_4

Zuschriften an die Redaction.

Von geschätzter Seite wird uns unter Beifügung der betreffenden Zeichnungen Nachstehendes mitgetheilt mit der Bitte um Veröffentlichung, der wir, zugleich auf Wunsch unseres Referenten, gerne nachkommen.

„In Ihrer Nr. 4 Bd. 272 befindet sich ein Aufsatz über die Doppelsteppstich-Nähmaschine in ihrer Verwendung als Stickmaschine. Der Aufsatz sagt – Seite 157 – daſs, nach Wissen des Berichterstatters, W. v. Pittler in Gohlis-Leipzig der erste war, welcher auf der Doppelsteppstich-Nähmaschine stickte. Nach mir vorliegenden Nachrichten stimmt dieses nicht, und zur Ehre des eigentlichen Erfinders gestatte ich mir daher, die ergebene Bitte an Sie zu richten, folgenden Zeilen in Ihrem werthen Blatte Raum zu schenken.

Der Dessinatör Wuillemin, seinerzeit in Rorschach, jetzt in Gurwolf bei Murten in der Schweiz, hat bereits im Frühjahr 1885, also vor der Anmeldung des ersten Pittler'schen Patentes, einen Stickapparat gebaut und ihn schon damals verschiedenen Herren, welche für das Verfahren Interesse haben, vorgezeigt bezieh. angeboten. Der Mann selbst berichtet, daſs er in seinem Hause im Mai 1885 dem Chef des Hauses F. Saurer Söhne in Arbon, Herrn Adolf Saurer nebst Familie den Stickapparat in Thätigkeit vorgeführt habe. Dem Chef des Hauses Rieter und Comp. in Winterthur habe er den Apparat im Juni gezeigt und im Juli 1885 habe er bereits dem Hause Pfaff in Kaiserslautern denselben zum Verkauf angeboten. Unvorsichtigerweise wurde jedoch, bevor ein Patentschutz für diese sehr interessante Erfindung erzielt worden war, an der St. Gallener Börse über den Apparat gesprochen und es sollen damals Sächsische, dem Stickereigewerbe Nahestehende die Erfindung kennen gelernt haben. Auf diese Weise sei der Gegenstand bekannt geworden. Als dann im J. 1886 das Haus Rieter und Comp. in Winterthur sich ein Patent auf den Wuillemin'schen Stickapparat erwerben wollte, wurde dasselbe auf Grund des inzwischen nachgesuchten Pittler'schen ersten Patentes (welches denselben Apparat darstellt) abgewiesen.

Die vorstehenden Zeilen sollen nur den Zweck haben, das Verdienst der nach meinem Dafürhalten so sehr interessanten Erfindung dem wirklichen Erfinder zu Theil werden zu lassen. Eine Zeichnung des fraglichen Apparates, welchen Rieter und Comp. seinerzeit zum Patente anmelden wollten und der dem ursprünglichen Wuillemin's genau entspricht, erlaube ich mir beizulegen.“

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