Titel: Die Herstellung von Kohlenstäben aus Mineralöl-Rückständen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 272/Miszelle 2 (S. 604)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj272/mi272mi13_2

Die Herstellung von Kohlenstäben aus Mineralöl-Rückständen.

Von einer hervorragenden englischen Fabrik werden Kohlenstäbe für elektrische Beleuchtung aus dem bei der Destillation von Mineralöl bleibenden Rückstande in folgender Weise hergestellt. Dieser Rückstand, der ein glänzendes Aussehen hat, sehr leicht und spröde ist und von vornherein den Eindruck von reiner Kohle macht, wird pulverisirt, sodann erhitzt und mit sogen. Theer gemengt, welcher jedoch, dem Gerüche nach zu urtheilen, wahrscheinlich aus einer Mischung von schwerem Oel und Pech besteht. Eine Menge von 65 Pfd. der Mischung, bestehend aus etwa 3 Th. Koks und 1 Th. Theer, wird 45 Minuten lang gemahlen, um die beiden Stoffe innig mit einander zu vermengen. Hierauf wird die Masse durch Maschinen in ähnlicher Weise wie beim Pressen von Bleiröhren in die gewünschte Form gebracht. Der hydraulische Cylinder ist wagerecht; in ihm wird die Masse einem Drucke von 5t,5 auf 1 Quadratzoll ausgesetzt. Der die Presse verlassende Kohlenstrahl wird auf Rollen in einem Troge fortgeleitet und sobald er eine Länge von drei Kohlenstäben erlangt hat, in drei Stücke zerschnitten. Die Stäbe werden sodann in Packete zusammengelegt, wobei durch Kohlenstaub das Zusammenkleben verhütet wird; sie werden sodann von Arbeitern ausgerichtet und soweit getrocknet, daſs sie in eiserne Kästen verpackt werden können. Die Kästen werden in geeigneten Oefen mehrere Stunden lang der Rothglühhitze ausgesetzt, wodurch alle noch vorhandenen vergasbaren Stoffe ausgetrieben werden; es bleibt sodann reine Kohle übrig von groſser Dichte und metallischem Klange. Wenn die Stäbe den Ofen verlassen haben, werden sie in einer Maschine selbsthätig auf ihre Leitungsfähigkeit geprüft und die guten Stäbe von denjenigen gesondert, die zu viel Widerstand zeigen. Die für gut befundenen Stäbe werden sodann an einem Ende gerade, am anderen spitz geschliffen und sind somit fertig; sollen sie jedoch noch verkupfert werden, so werden sie noch in einem galvanoplastischen Bade wenige Minuten der Wirkung des Stromes ausgesetzt.

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