Titel: Neuerungen an Bohrmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273 (S. 69–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/ar273010

Neuerungen an Bohrmaschinen.

Mit Abbildungen.

Richards' Flügelbohrmaschine.1) Um den Uebelständen abzuhelfen, welche mit rasch laufenden Winkelrädern verknüpft und die namentlich bei Flügelbohrmaschinen wegen ihrer gröſseren Anzahl störend sind, zu begegnen, baut G. Richards, Atlantic Works in Manchester, eine Flügelbohrmaschine mit ausschlieſslich Riemenbetrieb, wobei nur für die kleineren Umlaufszahlen der Bohrspindel ein Rädervorgelege eingeschaltet wird, das unmittelbar auf der Bohrspindel liegt und nach Drehbanksart angeordnet ist (Engineering, 1888 Bd. 46 * S. 468).

An der Fuſsplatte der Standsäule (Fig. 1) läuft auf festem Zapfen die Stufenscheibe und treibt mittels eines Winkelriemens eine Riemenrolle, von welcher längs des Flügels ein zweiter wagerecht laufender Riemen über die Triebscheibe auf der Bohrspindel und eine entsprechende Endrolle |70| geführt ist, wobei eine Spannrolle die bessere Anlage dieses Riemens an die Triebscheibe vervollständigt. Auf einem stehenden Zapfen ist das ausrückbare Rädervorgelege für den langsamen Gang angeordnet, dessen Excenterzapfen am Bohrschlitten sitzt. Letzterer ist nach oben in einem leichtgebauten Rahmen erweitert, welcher die Lager für die Steuerungstheile und den die Bohrspindel entlastenden Gewichtshebel enthält. Dieser ist mittels Hängestangen mit der runden Zahnstange der Spindelverlängerung durch eine Zapfennuſs verbunden, so daſs nach erfolgter Auslösung der oberen Steuerungsschnecke das Gegengewicht wirksam und die Bohrspindel gehoben wird.

Fig. 1., Bd. 273, S. 70
Die Universal-Flügelbohrmaschine der Universal Radial Drill Co. in Cincinnati, Ohio, zeigt nach American Machinist, 1888 Nr. 46 * S. 4, die schon früher beschriebene Bauart (vgl. Radial Drill Co., 1887 265 * 314 und Niles, 1887 266 * 584), nur daſs hier der Ausladearm noch um seine wagerechte Achse drehbar, daher die Bohrspindel auch in jeder Ebene schräg stellbar ist.

Die glatte cylindrische Bohrsäule stützt sich vermöge eines Spurzapfens auf einen Säulenstumpf, welcher auf der Grundplatte befestigt ist. Nur bei schwerer Arbeit wird diese leicht drehbare Bohrsäule mittels der im Fuſsrande vorgesehenen, in einer Ringnuth laufenden Schraube mit der Grundplatte fest verbunden. Um dadurch aber die leichte Beweglichkeit nicht zu verlieren, ist das innere Spurlager der Bohrsäule auf einer federnden Platte befestigt, welche die Bohrsäule von der Grundplatte abhebt, sobald die Schrauben gelüftet werden. Der Betrieb erfolgt von einer wagerechten Decken welle aus durch Winkelräder auf die mittlere Welle der Bohrsäule, welche aus derselben verschiebbar ist, um den Eingriff der Winkelräder den örtlichen Verhältnissen anpassend zu ermöglichen. Mittels Stirnrad paares wird eine auſsen hängende Seitenwelle betrieben, welche durch ein Winkelradpaar die Riemenstufenscheiben und von diesen aus die liegende Antriebswelle im Flügel bethätigt.

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Fig. 2., Bd. 273, S. 71
Diese Scheiben- sowie Räderwerke sind am Hintertheile eines verschiebbaren Rohrstückes angeordnet, an dessen Vordertheil der Ausladearm um einen Scheibenzapfen mittels Schneckenradtriebwerkes verdrehbar ist. Zwischenräder vermitteln den Betrieb zwischen Flügelwelle und untere Stufenscheibenwelle, während die am Schlitten schräg zu stellende Bohrspindel mittels Winkelräder getrieben wird. Die Steuerung wird durch zwei Paar Stirnräder von ungleicher Uebersetzung in der Weise nach beiden Richtungen erzielt, daſs vermöge einer zwischenliegenden ausrückbaren Kuppelung immer je eines dieser Räder mit der Steuerwelle gekuppelt wird. Da nun beim unteren Radpaare |72| noch ein Zwischenrad eingelegt ist, so folgt, daſs bei einer mit dem abgekröpften Handhebel erfolgten Verstellung dieser Kuppelung entweder Stillstand oder langsamer Steuerungsgang in der Bohrrichtung oder rascher selbsthätiger Rückgang der Bohrspindel in recht einfacher Weise erhalten wird.

Bei Hulse's Flügelbohrmaschine ist die Anordnung des Triebwerkes und die Einrichtung zum Heben und Senken des Flügels mittels Kraftbetrieb bemerkenswerth.

Fig. 3., Bd. 273, S. 72
Genau in der Drehungsachse des Flügels ist eine stehende Welle gelegt, welche mittels des an der Rückseite der Standsäule angebrachten Triebwerkes bekannter Anordnung bethätigt wird. An der durch den oberen Flügelzapfen gehenden Verlängerung ist ein schwaches Winkelrad aufgekeilt, welches durch eine ausrückbare Keilbüchse ein Wendegetriebe und dadurch die oben liegende Riemenscheibenwelle nach irgend einem Drehsinn in Thätigkeit setzt. Hierdurch wird mittels |73| eines Riemens die untere Schneckenwelle betrieben und ein Mutterschneckenrad gedreht, welches auf der inneren Standspindel aufgreift, wodurch der Flügellagerschlitten getragen wird.

Längs des Flügels ist ferner die wagerechte Triebwelle abgezweigt, geht an der Bohrspindel vorbei und treibt diese durch Vermittelung einer stehenden Zwischenwelle durch ein Stirnradpaar die Bohrspindelhülse. Am unteren Theile dieser Zwischenwelle wird die Steuerscheibe durch Winkelräder betrieben und die Steuerung nach üblicher Art davon abgeleitet (Industries vom 11. Januar 1888 * S. 29).

Fig. 4., Bd. 273, S. 73
G. Booth's Ausbohrmaschine, bei welcher namentlich der Bohrspindelschlitten bemerkenswerth erscheint, ist nach The Engineer, 1888 Bd. 65 * S. 531, von George Booth and Co. in Halifax gebaut (vgl. Niles, 1888 267 * 583). An die mit Führungsschlitzen und Spannlöchern versehene Grundplatte von 5029 zu 1956mm Länge und Breite ist eine Querwange angesetzt, auf welcher mit 1524mm Verschiebung die Standsäule mittels Zahnstangenbetrieb sich einstellen läſst. An deren lothrechter Seitenführung gleitet der Bohrschlitten, welcher in seinem weit vorragenden Arme Führung für das verschiebbare Bohrspindellager |74| gewährt. Die Hochstellung der Bohrspindel wird bis 1830mm, die Ausschiebung in der Achsenrichtung bis 1220mm ermöglicht. Der Betrieb der guſsstählernen 100mm starken Bohrspindel erfolgt nach üblicher Art von einem Spindelstockvorgelege durch Vermittelung der liegenden und stehenden Zwischenwelle und eines Stirnradpaares, während die von 0,8 bis 6mm beliebig abgestufte Schaltung der Bohrspindel sich in vortheilhafter Weise vor älteren Einrichtungen dieser Art unterscheidet, indem die Schaltungsgröſse nicht von Differentialrädern oder Stufenscheiben abhängig ist, sondern mittels Versatzrädern, wie bei einer Drehbank, beliebig bemessen werden kann.

Dies wird dadurch erreicht, daſs das als Spurlager ausgebildete Bohrspindellager mittels einer Leitspindel schlittenartige Bewegung erhält. Diese Leitspindel wird von einer gleichliegenden Welle von der Bohrspindel aus betrieben, indem auf einem, am Armende befindlichen drehbaren Schlitzlager (Schere) nach üblicher Anordnung die gewählten Versatzräder die erforderliche Verbindung herstellen. Durch eine Ausrückkuppelung wird der Selbstgang abgestellt und alsdann der Vorschub mit Handrad bewerkstelligt.

Fig. 5., Bd. 273, S. 74
Bickford's freistehende Bohrmaschine unterscheidet sich vor den bekannten amerikanischen Bohrmaschinen (vgl. Gould-Eberhardt, 1886 262 * 395 und Currier-Synder, 1888 268 * 20) nur in unwesentlichen Aenderungen der Steuerungsanordnung und in weniger gefälliger Formgebung. Auch wird durch den Wegfall der üblichen Rücken strebe die Standfestigkeit der ganzen Maschine vermindert. Der Steuerungsriemen läuft auf wagerechten Stufenscheiben, betreibt unmittelbar von der Bohrspindel aus die stehende Steuerwelle, welche vermöge Winkelrad und Schneckentriebwerk die Zahnstangenhülse der Bohrspindel bethätigt. Sowohl diese Zahnstangenhülse als auch das untere Schlittenlager sind durch selbständige Gewichte entlastet.

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Der den unteren cylindrisch abgedrehten Säulenfuſs lagerartig umfassende Tischwinkel führt eine stehende Zahnstange, welche sich an die Säule anlegt und auf den unteren Rand derselben stützt, zur Höhenverstellung des Bohrtisches dient und mit dem Tischwinkel um die Säule gedreht werden kann; während eine Klemmschraube die Feststellung sichert (American Machinist, 1888 Bd. 11 Nr. 36 * S. 7).

Fig. 6., Bd. 273, S. 75
Von W. Lodge und H. Dreses in Cincinnati, Ohio, wird nach dem Amerikanischen Patent Nr. 385063 vom 24. December 1887 eine Ausrückvorrichtung der Steuerung für Bohrmaschinen gebaut, welche aus einer mittels Handhebel F (Fig. 6) auf der Getriebswelle C verschiebbaren Zahnkuppelung E besteht, welche in das lose laufende Schneckenrad D greift. Federstifte a und b und eine Stellplatte i sichern die Einstellung des in der Gabel der Getriebswelle C um einen Stift drehbaren Handhebels F.

Pr.

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Ueber Flügelbohrmaschinen vgl. Asquith, 1887 264 * 597. Berry, 1887 264 * 630. Radial Drill Co., 1887 265 * 314 und 266 * 586. Hülse, 1887 266 * 583. Niles, 1887 266 * 584. Bett, 1888 270 * 398. Grant, 1888 270 * 399.

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