Titel: Edoux' Fahrstuhl auf dem Eiffelthurm.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273 (S. 251–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/ar273052

Edoux' Fahrstuhl auf dem Eiffelthurm.

Mit Abbildungen auf Tafel 12.

Von der zweiten Plattform bis zur Spitze des Eiffelthurmes, für eine Förderhöhe von 160m,4 ist nach Edoux' System ein Fahrstuhl mit zwei Kammern angenommen, welche sich in halber Förderhöhe (80m,2) gleichstellen.1) Beide sind mit über Rollen laufende Kabel derart verbunden, daſs dem Aufstieg der einen Kammer in der oberen Weghälfte die Niederfahrt der anderen in der unteren Hälfte entspricht. Weil aber die eine mittels Druckkolben gehobene Kammer A nur die obere Weghälfte von 80m,2, dagegen die an Kabeln hängende Kammer B nur die untere Förderhöhe befährt, so ist an der Zwischenplattform ein Umsteigen der Fahrgäste aus einer Kammer in die andere erforderlich. Diese Anordnung bietet den groſsen Vorzug einer vortheilhaften Gewichtsausgleichung, Einfachheit und Sicherheit des Betriebes.

Die hierbei zu erfüllenden Bedingungen hat A. Käs in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1889 Bd. 37 Nr. 3 * S. 25, dargelegt, deren gedrängte Wiedergabe hier gestattet sei.

An der Thurmspitze, in H = 160m,4 Höhe, ist der Sammelkasten S (Fig. 4 und 5) für das Druckwasser, an der Wechselstelle in der Höhe ½ H ist der Behälter für das Rücklaufwasser angeordnet. Aus diesem |252| entnehmen die tieferliegenden Preſspumpen das Betriebswasser und heben es nach S. Die Rohrleitungen r und q stellen die Verbindung der beiden Treibröhren mit den Behältern S und W her. Da sich die Gewichte der beiden Fahrkammern ausgleichen, so bleibt die Nutzlast Q, das Eigengewicht der Treibkolben G, das Gewicht des überhängenden Kabels (p in 1k für 1m Länge) und die Wassersäule = 1000k für 1cbm) in Rechnung zu ziehen, wobei η der Wirkungsgrad beim Kolbenfall und φ beim Kolbenaufstieg und f die Summe der Kolbenquerschnitte ist.

Bestimmung des Kabelgewichtes.

a) Bedingung für die Auffahrt zur Wechselstelle. B ist belastet, A ist leer, Rohrleitung q offen. Beim Anhub (Fig. 4)

ηG = H . p + Q. . . . . . . . 1)

beim Hubende an der Wechselstelle (Fig. 5)

ηG = 0,5 .γ . H . f + Q . . . . . . . 2)

durch Gleichstellung folgt

p = 0,5 . γ . f . . . . . . . . 3)

b) Bedingung für die Auffahrt von der Wechselstelle zur Thurmspitze. Kammer A ist belastet, B ist leer, die Rohrleitung q geschlossen, r aber offen.

Beim Anhub (Fig. 5)

φ . γ . f . H = G + Q . . . . . . . 4)

beim Hubende an der Spitze (Fig. 4)

φ (0,5 γ . f . H + p . H) = G + Q . . . . . 5)

Aus der Gleichsetzung folgt Gl. 3)

p = 0,5 γ . f.

Soll daher für diesen Fall die treibende Kraft gleichbleibenden Werth behalten, so muſs das Kabelgewicht der Längeneinheit (1m) gleich dem Gewichte einer Wassersäule sein, welche bei derselben Einheit die halbe Fläche der Treibkolben zum Querschnitte hat,

p = γ(0,5 f)

Bestimmung des Treibkolbengesammtgewichtes G.

Bedingung für die Anfangsstellungen im Aufhube

ηG – p . H = Q . . . . . . . . 1)

und

φ . γ . f . H – G = Q . . . . . . . 4)

oder wenn für

γf = 2p . . . . . . . . . 3)

gesetzt wird

φ . 2p . H – G = Q . . . . . . . 4a)

Bei Gleichsetzung von 4a) und 1) folgt

. . . . . . 6)

während sich die Gesammtfläche der beiden Treibkolben aus Gl. 2) ergibt, wie folgt:

|253|

. . . . . . 7)

oder aus 3):

Wird dieser Werth für die Kolbenfläche in Gl. 7) gesetzt und das so gefundene p in die Gl. 6) eingeführt, so erhält man eine unmittelbare Beziehung zwischen Kolbengewicht G und Nutzlast Q.

. . . . . . . . 8)

Werden sämmtliche Widerstände vernachlässigt, also η = φ = 1 gemacht, so folgen als Näherungswerthe

G = 3Q . . . . . . . . . 8)

. . . . . . . 7)

und

. . . . . . . . . 4a)

Die Verhältnisse des Edoux'schen Aufzuges am Eiffelthurme in Rechnung gebracht, erhält man bei einer Förderhöhe H = 160m,4, Hub der Treibkolben 0,5 H = 80m,2, Nutzlast oder Besetzung einer Kammer mit 60 Fahrgästen Q = 4000k, und da die zwei gleichen Treibkolben, von denen jeder d = 32cm Durchmesser hat, ein Gesammtgewicht G = 19200k besitzen, und da ferner das Gewicht eines Meters Kabelseil zu angegeben ist, demnach Gesammtgewicht der vier Seile p = 80k für 1m Länge, der Wirkungsgrad beim Kolbenfall η = 0,876 und für den Auf hub φ = 0,904, wegen verminderter Rollenzapfenreibung angenommen wird, so folgt durch Rechnung für G = 19205k, für f = 0,16cm, entsprechend für einen Treibkolben 0,5 f = 0,08qm oder d = 32cm und für p = 0,5 . 1000 . 0,16 = 80k.

Pr.

|251|

Vgl. Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1888 Bd. 32 * S. 1016 und 1042.

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