Titel: Harris' Herstellung plüschartiger Teppiche durch Benähen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273 (S. 535–537)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/ar273100

Herstellung plüschartiger Teppiche durch Benähen; von Henry Barham Harris in London.

Mit Abbildungen auf Tafel 29.

Teppiche mit plüschartiger Oberfläche werden entweder auf dem Webstuhl und zwar nach Art der Sammtweberei oder in der Weise hergestellt, daſs Chenillefäden bezieh. Florbänder neben dem Grund-Behufs in das Kettenfach eingetragen werden, oder es erfolgt die Florbildung durch einen Knüpfprozeſs (vgl. 1888 270 339).

H. B. Harris in London schlägt nun vor, den Flor durch einen Nähprozeſs zu bilden, und zwar besteht sein durch D. R. P. Kl. 52 Nr. 47631 vom 29. August 1888 geschütztes Verfahren darin, daſs die Polfäden mittels Nadeln in einen Grundstoff derart eingetragen werden, daſs die Nadeln den um eine Kante geführten Stoff zweimal bei jedem Hub durchdringen und die Nadelfadenschleifen von Hakenmessern genügen werden, die sie beim Verschieben des Stoffes selbsthätig aufschneiden.

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Die Fig. 10 und 11 Taf. 29 zeigen die nach diesem Verfahren erzielte Knotenbildung, welche, wie sich aus dieser schematischen Darstellung ergibt, identisch ist mit einer Abart des Smyrnaknotens (1888 270 385). Würde z.B. der Florfaden CxDx nur einfach durch das fertige Gewebe gezogen, so würde ein Zug an dem einen Fadenende genügen, um ihn herauszuziehen. Legt man das Gewebe doppelt und streckt dasselbe, nachdem man den Florfaden durch die umgelegte Kante gezogen, so erreicht man zwar, daſs beide Fadenenden auf einer Seite des Gewebes liegen, indessen ist der Florfaden noch immer lose und leicht herauszuziehen. Wird dagegen der Faden wie in Fig. 10 Taf. 29 zweimal durch die umgelegte Kante einer doppelten Lage des Gewebes gezogen und dieses dabei entsprechend weiter geführt, so wird in dem wieder gestreckten Gewebe eine Schleife gebildet, welche etwa die Form einer liegenden Acht (Fig. 11 Taf. 29) hat und zugezogen im Gewebe A1 B1 festgehalten ist.

Das freie Ende des Grundgewebes A1 wird von der Trommel A ab über das auf die Rollen C geführte endlose Band C1 geleitet, durch das mit Nadeln besetzte, auf den Walzen DE geführte Vorschubtuch E1 dem keilförmigen Führungsstück K zugeführt, um die abgerundete mit Nadelführungen ausgestattete polirte Kante desselben herumgelegt und unter die Abzugsrollen F aus Gummi zurückgeleitet.

Der Antrieb der Vorschubvorrichtung erfolgt durch einen auf der Welle a sitzenden Daumen (Fig. 12 Taf. 29), welcher einen die Schaltklinke c tragenden Arm e anhebt und dadurch das auf gleicher Welle mit der Walze D sitzende Schaltrad bethätigt. Der Ausschlag des Hebels e kann mittels einer Stellschraube d regulirt werden, durch Bewegung desselben mit der Hand kann das Gewebe, während die übrigen Organe stillstehen, nach Belieben verschoben werden.

Die zur Florbildung dienenden Fäden sind entweder auf eine Trommel B aufgewickelt oder sie werden in verschiedenen Farben einer Reihe von Spulen entnommen und in die auf der Schiene N angeordneten Nadeln H eingezogen; diese in Fig. 15 Taf. 29 dargestellten Nadeln weichen von den gewöhnlichen Nähmaschinennadeln insofern ab, als erstens die Spitze derselben grabstichelförmig zuläuft, und speciell insofern, als das Auge der Spitze nicht quer hindurch, sondern in einem kurzen Bogen von einer Seite ausgehend durch die anstoſsende Seite geführt ist und dann einseitig in eine lange tiefe Rinne ausläuft. Die der einseitigen Spitze gegenüberstehende gerade Kante der Nadel ist dem Rahmen K zugewendet (Fig. 14 Taf. 29) und das aus der Seite des Oehrs ohne Rinne austretende Fadenende zur Seite angeordnet, während das entgegengesetzte Fadenende in der von dem Rahmen K abgewendeten Rinne liegt. Die Nadelstange N wird durch eine Herzscheibe O (Fig. 12 Taf. 29) bethätigt, und zwar hebt sie sich zunächst bis zu ihrer höchsten Stellung, wobei die Nadeln durch die umgelegte |537| Kante des Stoffes dringen (Fig. 13 Taf. 29), schwingt dann ein wenig zurück, um das Garn freizulassen, steht einen Augenblick still und senkt sich dann ganz.

Hinter dem Stickrahmen K ist einer jeden Nadel gegenüber ein in der Höhenrichtung einstellbares Hakenmesser auf einer quer und parallel zur Nadelstange laufenden Schiene angeordnet. Der Messerträger m wird durch eine Herzscheibe R (Fig. 12 Taf. 29) so bewegt, daſs die Hakenmesser G in die beim Abwärtsgehen der Nadeln sich bildenden Fadenschlingen eintreten. Die sich auf den wagerechten Theil der Messer G auflegenden Schlingen werden durch je eine Nase verhindert, vorn abzugleiten und schieben sich, der Bewegung des Stoffes folgend, auf den horizontalen Kanten der Messer weiter, bis sie an die zu diesen in einem Winkel ansteigenden Schneidkanten gelangen und von diesen beim weiteren Vorgehen des Stoffes aufgeschnitten werden. Durch die besondere Anordnung der Nadeln wird jedem Hakenmesser immer nur eine Fadenschlinge gegenüber gebracht, und es können dieselben auch immer nur auf der gleichen Seite der Nadeln gefaſst werden. Damit hierbei auch immer eine regelrechte Stichbildung zu Stande kommt, ist parallel zur Nadelstange eine Serie oder ein einziger durchgehender Fadenhebel angeordnet, welche die Fäden straff ziehen, nachdem die Nadeln durch das Gewebe hindurchgetreten sind; hinter diesen Fadenhebeln sind die Fadenspanner, mittels welcher die Spannung der Fäden selbst regulirt werden kann, angeordnet und zwar können dieselben in Form von Spannscheiben direkt auf den Fadenhebel M untergebracht werden. Einer jeden Nadel gegenüber steht der Haken oder Zahn einer Drückerstange L, welche das Gewebe gegen den Rahmen K andrückt und die Fäden faſst, wenn die Nadeln das Gewebe verlassen; dieselben dagegen bei der Herstellung der nächsten Stichreihe freigibt, so daſs sie beim Aufsteigen der Nadeln festgezogen werden können.

Bei Beginn der Arbeit werden die Florfäden zunächst durch je ein Auge J am Stoffdrücker L gezogen, dann um den Hebel M mit den Spannscheiben 1 gelegt, durch ein zweites Auge l des Stoffdrückers und von der vorderen Seite durch das Nadelöhr geführt und vor dem Ingangsetzen der Maschine mit je einem Knoten versehen, die sich beim ersten Eintritt der Nadeln in den Stoff in diesen festsetzen.

H. Gl.

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