Titel: Frisch's Messung des Gesammt-Isolationswiderstandes elektrischer Anlagen während des Betriebes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273/Miszelle 2 (S. 45)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/mi273mi01_2

Frisch's Messung des Gesammt-Isolationswiderstandes elektrischer Anlagen während des Betriebes.

In der Zeitschrift für Elektrotechnik, 1889 * S. 218, hat Gustav Frisch, Assistent am elektrotechnischen Institute der k. k. technischen Hochschule in Wien, gezeigt, wie man den Gesammt-Isolationswiderstand einer elektrischen Anlage messen kann, ohne den Betrieb einstellen zu müssen.

Da der Isolationszustand einer elektrischen Anlage wesentlich die Betriebssicherheit derselben bedingt, empfiehlt es sich, in entsprechenden Zeiträumen Isolationsmessungen an dem Leitungsnetze vorzunehmen, weil dadurch etwa auftretende Mängel rechtzeitig, also noch ehe sie zu Betriebsstörungen Anlaſs geben könnten, entdeckt und einer Ausbesserung unterzogen werden können. Zu diesem Behufe genügt zunächst die Bestimmung des Gesammt-Isolationswiderstandes der ganzen Anlage gegen Erde und erst wenn der so erhaltene Werth als unzureichend gefunden wird, dann tritt die Nothwendigkeit heran, die Leitungsgruppen und endlich die Einzelnleitungen zu untersuchen, um so die fehlerhaften ausfindig zu machen.

Bei allen bisher benutzten Bestimmungsweisen des Gesammt-Isolationswiderstandes ist jedoch die Einstellung des Betriebes für die Dauer der Messung unbedingt erforderlich. Manche Anlagen sind jedoch in ihrem ganzen Umfange, oder doch wenigstens theilweise immerwährend im Betriebe. So z.B. die Beleuchtungsanlagen der beiden Hoftheater in Wien, bei denen einige Leitungsgruppen auch während des Tages beansprucht sind, desgleichen manche elektrische Kraftübertragungsanlagen u.s.w. Könnte nun die Isolationsmessung während des Betriebes ausgeführt werden, so hätte dieselbe überdies den wesentlichen Vortheil, daſs die Messungen unter den thatsächlich vorherrschenden Betriebsverhältnissen erfolgen, ein Umstand auf den besonders Uppenborn aufmerksam gemacht hat.

A. a. O. entwickelt nun Frisch, wie sich die Messung während des Betriebes ausführen lasse und findet den Satz:

Der Isolationswiderstand X einer beliebigen elektrischen Anlage gegen Erde kann während des Betriebes in der Weise ermittelt werden, daſs man mit einem geeigneten Galvanometer, dessen Widerstand R (einschlieſslich Zusatzwiderstand) bekannt ist, die Stromstärken J1 und J2 bestimmt, welche man erhält, wenn dieses Galvanometer einerseits an Erde, andererseits nach einander an zwei Punkte a und b der Leitung angelegt wird, deren Spannungsunterschied (Δ) bekannt ist. Es ist sodann die Summe aus dem Isolations- und dem Galvanometerwiderstande gleich dem Quotienten aus jenem Spannungsunterschiede und der Differenz der beiden (mit ihren Vorzeichen genommenen) Stromstärken; oder es ist: X = Δ : (J1 + J2) – R.

Sollte die Messung ergeben, daſs J1 und J2 entgegengesetzte Richtungen haben, so ist die Summe derselben zu nehmen und die Formel lautet sodann: X = Δ : (J1 + J2 ) – R.

Die Punkte a und b, von denen aus die Messung der Stromstärken J1 und J2 erfolgt, können natürlich beliebig gewählt werden, sofern nur ihr Spannungsunterschied Δ vor der Messung bekannt ist. Am einfachsten wird es sein, wenn man unmittelbar zu beiden Seiten der Stromquelle anlegt, denn dann ist A die (ohnedies bekannte) Betriebsspannung.

Frisch zeigt schliesslich a. a. O. noch, wie sich selbst die kleinste Anlage ohne wesentliche Kosten und ohne Hinzuziehung neuer Instrumente für diese Zwecke einrichten lasse, und daſs die gefundene Formel, wenn nicht Stromstärken, sondern Spannungsdifferenzen δ abgelesen werden, in die Formel: übergeht.

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