Titel: Die Herstellung der Glühlampen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273/Miszelle 3 (S. 45–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/mi273mi01_3
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Die Herstellung der Glühlampen.

Ueber die Herstellung der Glühlampen hat J. Zacharias im Centralblatt für Elektrotechnik, 1889 S. 103, nachfolgende Darstellung aller Arbeitsstufen gegeben.

Die Glasbirnen beziehen die meisten Fabriken aus den Hütten, fertig geblasen. Für die weitere Verarbeitung ist die erste Arbeit die Vorbereitung der Gläser zur Aufnahme des Kohlenfadens. Letzterer ist bekanntlich an kurzen Platindrähten befestigt, welche in besonders vorgerichtetem Glase eingeschmolzen sind.

Zur Herstellung der Fäden, die in den verschiedenen Fabriken in oft sehr abweichender Weise erfolgt, verwendet man: Baumwollfäden (Swan), Gelatine oder nitrirte Cellulose (Khotinski, Lane-Fox), Pflanzenfaser von Gräsern oder Bäumen (Edison, Siemens u.a.). Andere Fabrikanten benutzen eine natürliche Faser unter Anwendung eines chemischen Verfahrens (Langhans, Cruto, Seel). Je nach dem Materiale ist auch die Verarbeitung desselben zu einem Faden von möglichst gleichmäſsiger Stärke sehr verschieden. Die Einen haben Zieheisen, die Anderen Walzen dazu nöthig, oder sie schneiden von der plastischen Masse Streifen. Um dann die so erzeugte Faser zu einer festen Kohle zu verwandeln, packt man die Fäden entweder in kleine feuerfeste Kästen und setzt sie längere Zeit einer hohen Hitze aus, oder man macht sie durch Tränken in geeigneten Flüssigkeiten etwas leitend und erhitzt sie durch einen elektrischen Strom. Beide Verfahren bezwecken, die Faser leitend zu machen und auf einen gewissen Widerstand zu bringen. Da derselbe jedoch noch nicht hinreichend gleichmäſsig ausfällt, so gibt man durch Niederschlagen von Kohlenstoff auf der Faser derselben genau den gewünschten Widerstand.

Das Niederschlagen von Kohlenstoff geschieht gleichfalls in sehr verschiedener Weise und ist durch zahlreiche Patente den einzelnen Fabriken geschützt. Die Patente zerfallen in drei Gruppen: Die Einen verwenden hierzu Gase, Andere flüssige Kohlenwasserstoffe und die Dritten feste Kohlenwasserstoffe, Einige auch zwei dieser Stoffe. Der Erfolg ist stets derselbe, nur die Kosten der Herstellung und die Gleichmäſsigkeit des Niederschlages dürften verschieden sein. Jeder Fabrikant behauptet natürlich, das beste Verfahren anzuwenden, hauptsächlich deshalb wohl, weil er die anderen Verfahrungsweisen wenig oder gar nicht kennt oder probirt hat, bezieh. nicht anwenden darf. Ein sehr einfaches Verfahren besteht z.B. darin, die zuvor zu Kohle verwandelte Faser in Erdöl zu tauchen und in dieser Flüssigkeit zum Glühen zu bringen.

Hat man die so erzeugten Kohlenfäden auf die geeignete Länge geschnitten, so werden sie mit den Platindrähten verbunden. Auch hierin weichen die verschiedenen Fabriken sehr von einander ab. Edison klemmt die Fäden ein und schlägt Kupfer auf die Enden galvanisch nieder, Lane-Fox und Swan schlagen gröſsere Mengen Kohlenstoff an der Verbindungsstelle auf, während Andere wieder einen geeigneten Kitt hierzu anwenden. Seit einiger Zeit scheint man den Kupferniederschlag verlassen zu haben und nur noch Kohlenstoff zur innigen Verbindung anzuwenden.

Es folgt nun das Einsetzen der befestigten Fäden in die Glasbirnen: entweder hat man beide Platinenden gemeinschaftlich in ein Stück Glas eingeschmolzen, das man nun mit dem Halse der Birne vereinigt, oder die Drähte werden getrennt gehalten und sitzen in einem gemeinschaftlichen Obertheile, dessen Ränder mit der Birne innig zusammengeschmolzen werden. Zu gleicher Zeit hat man an der Glasbirne entweder unten oder oben ein langes, schwaches Rohr angeblasen, um durch dasselbe die Luft auszupumpen.

Das Auspumpen der Lampen bewirkt man durch die bekannten Quecksilber-Luftpumpen. Entweder sind es Pumpen wie die Geisler'sche und deren zahlreiche Abarten, oder die Sprengel'sche mit fallendem Quecksilberstrahle. Letztere wird jetzt ausschlieſslich für diesen Zweck verwendet, weil sie wenig Aufsicht verlangt und am schnellsten ein hohes Vacuum erzeugt. Zwei bis zehn Lampen, je nach deren Gröſse, schmilzt man auf ein gemeinsames Rohr an und verbindet dieses mit je einer Pumpe.

An sich ist die Glühlampe nun zwar fertig, bis sie jedoch zur Verwendung geeignet ist, hat sie noch mancherlei Stufen zu durchlaufen. Zunächst untersucht |47| sucht man, ob die Lampen ohne Fehler sind, und merzt dabei den Ausschuſs aus; dann wandern die guten Lampen zur Bestimmung der Helligkeit zum Photometer. Die Lampen werden nach Helligkeit, Spannung und Stromverbrauch genau sortirt und in Lagerräumen in geeigneten Regalen aufbewahrt. Die in Bestellung erhaltenen wandern in die Gypserei und hier werden an sie zunächst kurze Kupferdrähte angelöthet; dann gypst man die verlangten Contactstücke daran und löthet schlieſslich die Kupferdrähte an den Metalltheilen der Contacte fest. Vor dem Versandt in Kisten oder Fässern erhält jede Lampe noch die erforderliche Bezeichnung und Verpackung.

Wollte man für alle verschiedenen Ansprüche bezüglich der Spannung, Kerzenstärke und der Contacte stets Lampen in Vorrath halten, so gäbe das Hunderte von verschiedenen Sorten. Am meisten gebraucht werden Lampen von 16 Kerzen und 65 bezieh. 100 bis 110 Volt.

Groſs ist die Zahl von Contacten bezieh. Lampenfassungen, die man allmählich eingeführt hat. Nur wenige genügen allen an sie zu stellenden Anforderungen voll und ganz. Wenn auch fast alle sichere Leitung des Stromes gewähren, so genügen sie nicht für Lampen, welche wie in Mühlen oder auf Schiffen Erschütterungen ausgesetzt sind. Bei Lampen, welche in geneigter oder wagerechter Lage brennen, krümmen die Kohlenfäden sich oft nach unten; es gibt hiergegen ein sehr einfaches Mittel, nämlich die Lampen so zu drehen, daſs sie die Krümmung der Faser nach oben haben. Die allerwenigsten Arten der Fassungen tragen jedoch diesem Umstände Rechnung.

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