Titel: D. Kuhnhardt's Vielfachtelegraph ohne synchrone Laufwerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273/Miszelle 2 (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/mi273mi03_2

D. Kuhnhardt's Vielfachtelegraph ohne synchrone Laufwerke.

Während in der absatzweisen mehrfachen Telegraphie die Einrichtung und Schaltung der einzelnen Apparatsätze kaum wesentlich von der für das einfache Telegraphiren erforderlichen Einrichtung und Schaltung abzuweichen braucht, wird das Mehrfach-Telegraphiren dadurch erschwert, daſs die einzelnen Apparatsätze in regelmäſsiger Folge mit der Telegraphenleitung verbunden werden müssen, was gewöhnlich durch synchron laufende Triebwerke bewirkt wird, welche in jedem der beiden Aemter einen Vertheilerarm in Umdrehung versetzen. Einen Versuch, ohne Verwendung von synchron laufenden Triebwerken bewegter Vertheiler, einen Vielfachtelegraphen, und zwar einen solchen für Huyges Typendrucker, betriebsfähig zu machen, hat bereits im J. 1876 M. Koch in Chur gemacht (vgl. 1877 226 500; 1878 228 * 515). Ein neuerer Vorschlag dazu ist von David Kuhnhardt in Aachen (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 44585 vom 1. Juni 1887) ausgegangen. Kuhnhardt beabsichtigt, die Ein- und Ausschaltung jedes einzelnen Morse-Apparatsatzes zur rechten Zeit auf elektrischem |144| Wege zu bewirken und entsendet daher vor und nach jedem Morse-Zeichen einen Strom, dessen Richtung derjenigen der Telegraphirströme entgegengesetzt ist; natürlich werden diese beiden Ströme unabhängig von den Telegraphirströmen und durch besondere Hilfsmittel entsendet, also auch dann, wenn etwa einmal nach der Einschaltung eines Apparatsatzes in der Zeit, während welcher er an der Leitung liegt, gar kein Zeichen telegraphirt werden sollte. Die Morse-Ströme läſst Kuhnhardt nicht durch die Hand des Telegraphisten entsenden, sondern dieser hat stets nur eine dem zu telegraphirenden Buchstaben entsprechende Taste zu drücken, welche dann gedrückt bleibt, bis in der bekannten Weise die erforderlichen Ströme durch unter der Taste hinstreichende Contact machende Nasen entsendet sind. Die Nasen und die Tasten mit ihren Contactfedern sind unter (bezieh. neben) einander auf einem stehenden Kegel (bezieh. auf einer wagerechten Walze) angebracht. Auf dem Kegel (bezieh. der Walze) sind so viele Sätze Tasten und Contacttheile angebracht, als im empfangenden Amte in regelmäſsiger Abwechselung Empfänger an die Linie gelegt werden soll. Im empfangenden Amte braucht Kuhnhardt für jeden Apparatsatz nicht weniger als fünf Elektromagnete und für alle Sätze zusammen noch ein gemeinschaftliches Relais mit zwei Elektromagneten, und diese Häufung von Apparaten macht seinen Vorschlag zweifellos unausführbar. Vergleicht man damit die Einfachheit der von Koch gegebenen Lösung, so drängt sich die Vermuthung auf, daſs die Aufgabe sich sicher in der einfachsten Weise dadurch wird lösen lassen, daſs man im empfangenden Amte einen Walzenumschalter aufstellt, der zur rechten Zeit durch einen den Telegraphirströmen entgegengesetzten Strom (oder in einer anderen geeigneten Weise) um einen Schritt gedreht wird und dadurch den nächstfolgenden Empfänger mit der Telegraphenleitung verbindet, den bisher mit ihr verbunden gewesenen aber abschaltet.

E. Z.

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