Titel: C. V. Boys' Versuche mit Seifenblasen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273/Miszelle 2 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/mi273mi05_2

C. V. Boys' Versuche mit Seifenblasen.

In der physikalischen Abtheilung der Royal Society stellte nach Engineering, Mai 1888 S. 488, C. V. Boys eine Reihe sehr lehrreicher Versuche mit Seifenblasen an, um zu beweisen, daſs es der Einfluſs einer zwischenliegenden Luftschicht ist, welche die thatsächliche Berührung zweier Seifenblasen von gleichem Stoffe verhindert. Er lieſs zunächst eine Seifenblase zwei senkrecht und parallel einander gegenüberstehenden Drahtringen sich anhängen und erzeugte in ihrem Inneren eine zweite, kleinere Blase. Durch Entfernung beider Ringe von einander wurde die äuſsere Blase in ähnlicher Weise, wie dieses schon Plateau an seinen „Gleichgewichtsfiguren“ gezeigt hat, zu einem Cylinder aus einander gezogen. In diesem Cylinder rollte die kleinere Blase, wenn der eine oder der andere Drahtring gehoben wurde, von einem Ende bis zum anderen. Wurde die innere Blase mit Wasserstoffgas statt mit Luft gefüllt, so rollte sie auf der oberen Seite des Cylinders. Bei dem nächsten Versuche zog Boys die äuſsere Seifenblase zwischen beiden Drahtringen so weit in die Länge, daſs ihr äquatorialer Durchmesser bis zu dem der Ringe sich verkleinerte. |239| Hatte nun die innere Blase einen gröſseren Durchmesser als die Ringe, so wurde sie durch die Seiten der äuſseren Blase in Eiforrn gedrückt, zum Beweis, daſs beide Blasen trotz des verhältniſsmäſsig starken Druckes sich nicht vereinigten. Um diese Eigenschaft auch noch auf einem anderen Wege zu zeigen, legte Boys eine Seifenblase auf einen Drahtring von bedeutend kleinerem Durchmesser als die Blase selbst; dann spannte er durch Eintauchen in Seifenbrühe ein Flüssigkeitshäutchen über einen anderen Drahtring. Mit diesem Häutchen zwängte er jene Seifenblase durch den Ring, wobei die Blase ganz aus ihrer Form kam. Sehr hübsch nahm sich folgendes Experiment aus. Innerhalb einer luftgefüllten Seifenblase, welche an einem Faden eine kleine Papiergondel trug und auf einem Drahtringe ruhte, wurde eine mit Gas gefüllte kleinere Blase erzeugt, welche nun die erstere von dem Ringe löste und bis zur Decke des Hörsaales mitnahm.

Als ein. interessanter Beweis der Diffusion der Gase diente folgender Versuch. Eine Seifenblase wurde mittels Adhäsion einem befestigten Ringe angehängt, und innerhalb derselben eine mit einer Mischung von Gas und Luft gefüllte kleinere Blase erzeugt, welche sofort an die höchste Stelle der äuſseren Blase schwebte. Ueber das Ganze wurde eine Glasglocke gedeckt, in welche man Leuchtgas einströmen lieſs. Nach wenigen Secunden sah man die innere Seifenblase auf den Boden der äuſseren herabsinken, zum Beweis, daſs durch das Häutchen der letzteren Diffusion stattgefunden, in deren Folge das specifische Gewicht ihrer Füllung abgenommen hatte. Um die Diffusion noch an einem anderen Beispiele darzulegen, wurde eine mit Sauerstoffgas gefüllte Seifenblase wenige Secunden in eine Glasglocke getaucht, welche Aetherdämpfe enthielt. Als die Blase herausgenommen und einem Lichte genähert wurde, verpuffte sie mit einer Flamme, zum Beweis, daſs in der kurzen Zeit, wo ihre Oberfläche den Aetherdünsten ausgesetzt war, in Folge eingetretener Diffusion ein explosives Gemenge von Sauerstoff und Aetherdampf die Stelle des reinen Sauerstoffes eingenommen hatte.

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