Titel: Schwungrad mit aus Draht gewickeltem Schwungringe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 273/Miszelle 2 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj273/mi273mi10_2

Schwungrad mit aus Draht gewickeltem Schwungringe.

Die sich stets wiederholenden und namentlich im Walzwerksbetriebe (vgl. 1887 265 * 65) vorkommenden Schwungradexplosionen haben wiederholt die Frage angeregt, ob das bisher zu den Schwungrädern benutzte Material nicht durch ein widerstandsfähigeres zu ersetzen sei. Aus diesem Bestreben gingen die Constructionen aus Schmiedeeisen hervor, in denen entweder das ganze Schwungrad aus Schmiedeeisen hergestellt wurde oder aber es wurde wenigstens der Schwungring aus Schmiedeeisen hergestellt. Im ersteren Falle wurden die Speichen durch zwei geschlossene, flach kegelförmige Wände von Kesselblech ersetzt, deren radiale Verbindungsstellen durch Laschen vernietet wurden, welche zugleich zum Abstützen dienten. Der Schwungring besteht aus Flacheisen, welche in einfacher Weise und mit versetzten Stöſsen entweder hochkantig oder flach gebogen, zum Ringe zusammengebaut werden. Im anderen Falle beschränkte man sich darauf, nur den Ring aus Schmiedeeisen herzustellen oder aber den Guſseisen-Schwungring durch warm umgelegte schmiedeeiserne Ringe zu verstärken; wobei in Folge des Schwindens des Ringes ein für das feste Gefüge des Schwungringes vortheilhaftes Zwängen entsteht. Nicht selten wählte man zu diesem Verstärkungsringe ein breites Flach eisen, um dasselbe zugleich als Riemscheibe benutzen zu können.

Neuerdings hat sich R. Mannesmann eine Schwungradeinrichtung patentiren lassen (D. R. P. Nr. 47209 vom 12. August 1888), bei welcher der Schwungring aus straff gewickeltem Drahte besteht und welche stab- oder ringförmige Speichenstützen aufweist. Die Absicht des Erfinders ist, alle auf Ueberwindung von Zugkräften berechneten Verbindungen des Schwungringes mit den zwischen dem Schwungringe und der Nabe befindlichen Gliedern des Schwungrades zu vermeiden.

Textabbildung Bd. 273, S. 478

Demgemäſs wird Draht um eine Nabe, mit oder ohne Einschaltung loser, lediglich Druckkräften Widerstand leistender Zwischenglieder mit einer so hohen Spannkraft aufgewickelt, daſs bei der für das Schwungrad bestimmten Umfangsgeschwindigkeit die beim Aufwickeln dem Drahte ertheilte Zugspannung einschlieſslich der durch die Fliehkraft in der Bewickelung erzeugten Zugspannung noch eben unter der zulässigen höchsten |479| Beanspruchung des Drahtes bleibt. Die Zwischenglieder brauchen demnach nur die durch die Wickelung erzeugten Druckspannungen auszuhalten und kann deshalb die Umfangsgeschwindigkeit gegenüber der gebräuchlichen um das Doppelte erhöht werden, ohne daſs Explosionen zu befürchten wären. Das Schwungrad besteht nach der Textfigur aus der Guſseisennabe a, den daran geschraubten zwei seitlichen Blechscheiben b und den Stützen c, welche mit b verschraubt sind. Der Draht wird so über die Stützen gewickelt, daſs er sich gleichmäſsig zwischen die Scheiben b legt. Der Stahldraht hat am besten einen Durchmesser von 4mm und wird auf das Schwungrad gewickelt, während die fertig aufgestellte Maschine dieses langsam dreht.

Zum Anspannen des Drahtes dient ein Richtwalzwerk, durch welches derselbe über drei untere Rollen streicht, auf welche er durch zwei obere, anstellbare Rollen aufgedrückt wird. Zur genauen Regelung der Spannung ist zwischen dem Richtwalzwerke und dem Schwungrade ein Gewicht angebracht, welches mit einer Rolle auf dem Drahte gleitet. Zur Führung des Drahtes behufs richtiger Aufwickelung dient ein nahe vor der Aufwickelungsstelle angebrachtes Führungsauge. Es bedarf wohl nicht der Erwähnung, daſs es nicht genügt, das Schwungrad lediglich gegen die Einwirkung der Fliehkraft zu sichern. Mit besonderer Sorgfalt wird man auch darauf zu achten haben, daſs die Construction bei Störungen in der Bewegungsrichtung, wie es bei Walzwerken gar häufig vorkommt, hinreichend fest ist. Dieser Bedingung kann durch die Wahl der Blechstärke b in jedem Falle genügt werden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: