Titel: Berliner Ausstellung zur Verhütung der Infection in Brauereien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274 (S. 65–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/ar274009

Ueber die Berliner Ausstellung zur Verhütung der Infection in Brauereien; von Prof. Alois Schwarz in M.-Ostrau.

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 5.

Aus Anlaſs der am 16. Juni 1889 abgehaltenen Generalversammlung des Vereins Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin war von diesem Vereine eine Ausstellung veranstaltet worden mit der ausschlieſslichen Bestimmung, Apparate vorzuführen, welche construirt wurden, um die Infection in Brauereien zu verhindern oder einzuschränken. Bei der hohen Bedeutung, welche die Auswahl, Reinzucht und Fortpflanzung einer bestimmten, passenden Heferasse nach Dr. Hansen's Methoden für das neuere Braugewerbe erlangt hat, kommt solchen Apparaten eine erhöhte Bedeutung zu. Die nachfolgende Besprechung der wichtigsten derselben soll gleichzeitig ein Bild des gegenwärtigen Standes dieses Zweiges der Brautechnik liefern.

Unter den einschlägigen Apparaten sind diejenigen von Bedeutung, welche das bisher allgemein übliche Kühlschiff ersetzen sollen. Letzteres muſs als die erste und nachhaltigste Quelle der Infection in der Brauerei |66| bezeichnet werden, weil die durch das Kochen sterilisirte Würze daselbst unter Luftzutritt abkühlt und hier zahlreiche Keime der verschiedenartigsten Organismen aufnimmt, welche sich im weiteren Verlaufe des Brauprozesses entwickeln und ihre schädlichen Wirkungen ausüben können. – Von Apparaten zum Ersatze des Kühlschiffes waren drei verschiedene ausgestellt.

Die Maschinenfabrik Germania vorm. J. S. Schwalbe und Sohn zu Chemnitz hatte eine vollständige Anlage zum Kochen, Sterilisiren und Kühlen von Bierwürze nach System Hoffmann und Ebert, wie dieselbe seit mehr als einem Jahre in der Exportbrauerei Scheibe in Betrieb steht, vorgeführt.

Die in Fig. 1 Taf. 5 abgebildete Anlage hat den Zweck, die fertig gekochte Bierwürze unter Ausschluſs atmosphärischer Luft von den Trubtheilen zu filtriren und dieselbe dann während des ganzen Kühlprozesses, also vom kochenden Braukessel bis in die Gährbottiche, vollständig vor wilden Hefen, Bakterien und sonstigen Keimen zu bewahren, um sie in reinem Zustande der Gährung übergeben zu können.

Bei dem bis jetzt üblichen Koch- und Kühlverfahren geschieht die Verarbeitung des Bieres unter Zutritt von atmosphärischer Luft; somit können die in der Luft niemals fehlenden Keimsporen die Bierwürze inficiren und auf dieselbe nachtheilig einwirken, was die vielen Veränderungen derselben, sowie die verschiedenen abnormen Gährungserscheinungen, welche trotz Verwendung einer gesunden Hefe vorkommen, beweisen.

Man war daher bestrebt, die Bierwürze so schnell als möglich nach dem Fertigkochen abzukühlen, um dieselbe recht bald den Einflüssen der Atmosphäre zu entziehen; auch machte man schon Versuche, die Bierwürze während des Abkühlens nur mit sterilisirter Luft in Berührung zu bringen, allein ohne durchschlagenden Erfolg. Durch obige Anlage jedoch werden die geschilderten Gefahren beseitigt.

Die Einrichtung der Apparate ist folgende: Die fertig gekochte Würze wird mit dem Hopfen in den luftdicht verschlieſsbaren Sterilisirapparat G geleitet oder auch in demselben fertig gekocht; sterilisirte Luft wird eingeblasen und die Ausdünstungen durch den Dunstschlot regulirt. Durch die auf dem Seihboden abgesetzte Hopfenschicht wird die Würze heiſs filtrirt, durch eine geeignete Heber-Abläuterungsvorrichtung aus dem Apparate gezogen und sofort über den durch F luftdicht ummantelten Kühlapparat gelassen. Die Würze kommt nur mit sterilisirter Luft in Berührung, verläſst den Apparat G trubfrei, möglichst heiſs und sonach auch keimfrei, läuft, mit genau regulirbarer Menge sterilisirter Luft in Berührung gebracht, über den Kühlapparat, bleibt mithin auch während des ganzen Kühlprozesses keimfrei, ohne Mangel an der zur Gährung erforderlichen Luft zu leiden. Die Würze bleibt während des Abkühlens klar und durchsichtig, was in Brauereien bisher |67| äuſserst selten, mit Kühlanlagen ähnlicher Arbeitsweise aber noch nicht erreicht wurde.

Weil nun die Bierwürze während des ganzen Vorganges immer mit derselben Menge reiner Luft von gleicher Beschaffenheit und gleicher Temperatur in Berührung kommt, so muſs, bei sonst geordnetem Brauvorgange, ein sehr gleichmäſsiges Bier erzielt werden, zumal man auch den Vergährungsgrad durch vermehrte bezieh. verminderte Luftzuführung in der Gewalt hat. Der Apparat G, wie die Ummantelung F des Kühlers, also auch der letztere selbst, werden vor dem Gebrauche durch Einlassen von bis auf 120° erwärmtem Dampf sterilisirt. Die Hilſsapparate A, B, C, D und E, die zur Herstellung und Zufuhr keimfreier Luft dienen, sind möglichst vereinfacht, leicht übersichtlich und mit Einrichtungen zum Messen der Temperaturen und des Druckes versehen. Die Kühlschiffe und die Trubsäcke und die für sie erforderlichen groſsen Räume werden durch diese Anlage erspart. Die Kühlapparate mit Ummantelungen können ohne Bedenken an jedem Orte aufgestellt werden und ist der Kühlprozeſs von Witterungsverhältnissen unabhängig. Diese Anlage arbeitet bereits in mehreren Brauereien mit vorzüglichem Erfolge, und wurden mit derselben in allen Fällen vollständig gleichmäſsige Gährungen und ein tadelloses, haltbares Product erzielt.

Die Maschinenfabrik F. Ergang in Magdeburg hatte gleichfalls einen Berieselungs-Kühlbottich zum Kühlen, Lüften und Klären von Bierwürze unter Einwirkung keimfreier Luft nach Angaben des Brauereidirektors Rosing in Hadmersleben ausgestellt. Der Apparat soll zugleich Ersatz für die zur weiteren Temperaturerniedrigung benutzten Berieselungs-Kühlapparate sein.

Die Kühlung der Würze geschieht in einem mit kupfernem Wellblechmantel versehenen Bottich (Fig. 2), dessen gewellte Auſsenfläche mit Brunnen- oder Eiswasser berieselt wird. Zur Lüftung wird keimfreie Luft in feiner Vertheilung am Boden des Bottichs durch die Würze hindurch geblasen und dadurch gleichzeitig eine die Kühlung beschleunigende Bewegung hervorgebracht. Zur Klärung wird die Würze nach vollendeter Kühlung einige Zeit in Ruhe belassen.

Zum Abschluſs gegen die unreine Auſsenluft ist der Bottich mit einem durch Wasserverschluſs abgedichteten Deckel versehen. Dieser Wasserschluſskranz ist zur Vertheilung der Kühlflüssigkeit benutzt, indem das Kühlwasser durch ein innerhalb des Deckelkranzes unter dem Bottichrande gelegenes Sprengrohr eingeführt wird und durch Oeffnungen am Rande des Verschluſskranzes in gleichmäſsiger Vertheilung am Mantel herniederrieselt. Diese Anordnung hält den Wasserverschluſs des Deckels stets gefüllt und rein, da sowohl das an der Innenseite des Deckels abflieſsende Condenswasser, als auch etwa übertretender Schaum durch das Berieselungswasser hinweggespült werden. Das abflieſsende Kühlwasser |68| sammelt sich in einem am Bottichboden befindlichen Fangkranz, aus dem dasselbe durch ein Rohr abgeführt wird.

Die Füllung des Bottichs geschieht bei gehobenem Deckel mittels eines Schwenkrohres über den Rand hinweg. Die beim Auflegen des Deckels eingeschlossene unreine Luft wird durch die der Würze zunächst noch innewohnende Wärme sterilisirt. Will man auch diese Berührung der Würze mit unreiner Luft vermeiden, so kann man den Bottich auch bei geschlossenem Deckel durch eine verschlieſsbare Oeffnung in demselben füllen, nachdem das ganze Innere ausgedämpft und mit sterilisirter Luft ausgeblasen ist. Zum Ablassen der gekühlten Würze dient ein Pendelrohr mit Schwimmer und Seihsieb, damit die abgeklärten obersten Schichten stets zuerst zum Auslaſs kommen und ein Mitreiſsen von Geläger verhindert wird. Auſser diesem Auslaſs befinden sich am Bottichboden noch ein Ablaſshahn für trübe Würze und ein solcher für Spülwasser.

Zum Einblasen von Luft dienen vier oder mehr mit Zerstreuungskapseln versehene Düsen am Boden des Bottichs, welche auſsen mit Regulirventilen versehen sind. Um ein Zurücktreten der Würze in die Luftleitung zu verhindern, ist das Luftzuführungsrohr nahe dem Bottichrande angelegt, und führen von dort aus abfallende Leitungen zu den vorerwähnten Düsen. Ein verschlieſsbarer Abzweig der Luftleitung ist durch einen Gummischlauch mit einer am Bottichdeckel befindlichen Oeffnung zu verbinden, um beim Absetzen, sowie beim Auslassen der Würze sterilisirte Luft in den Bottichraum einführen und so beständig einen geringen Ueberdruck reiner Luft über der Würze erhalten zu können. Die Abführung von Luft und Wasserdampf geschieht durch eine Oeffnung an der Spitze des Deckels, an welcher ein nach unten geführtes, mit Wasserverschluſs versehenes Rohr angeschlossen ist.

Die Aufstellung des Bottichs geschieht entweder ganz freistehend, oder auch in Verbindung mit den Wänden des Kühlraumes, so daſs alle Theile innen und auſsen behufs Reinigung sowohl von der Sohle des Aufstellungsortes, als auch von dem in Brüstungshöhe um den Bottich angelegten Podest aus zugänglich sind.

Die zur Verwendung kommende Luft wird durch eine Kolbenpumpe von einem möglichst staub- und rauchfreien Orte zunächst durch einen Flanellsack (Vorfilter) gesaugt und in einen gröſseren Luftkessel gedrückt, aus dem dieselbe durch ein Wattfilter und einen Schlangenkühlapparat zum Kühlbottich gelangt. Das Wattfilter ist, um ein Durchwachsen der abgefilterten Keime zu verhüten, mit Ausdämpf- und Trockenvorrichtung versehen.

Als Aufstellungsort für den Kühlbottich ist ein gut zu lüftender, kühl zu haltender Raum vorzusehen. Zu Anfang der Berieselung, so lange das Kühlwasser mit Temperaturen über 30 bis 40° abläuft, ist es zweckmäſsig, den Kühlraum gut zu ventiliren, damit man nach Möglichkeit |69| durch theilweise Verdunstung des Rieselwassers die Abkühlung erhöhen kann. Wird mit Eiswasser gekühlt, so ist es nöthig, den Raum zum Schütze gegen Wärmeaufnahme von auſsen abzuschlieſsen.

Die Berieselung mit Brunnenwasser, dessen Temperatur wohl im Mittel zu 10° anzunehmen ist, erfolgt zweckmäſsig, bis die Würze eine Temperaturerniedrigung auf etwa 20° erfahren hat, und beträgt die hierzu erforderliche Menge für 1hl Würze annähernd 2hl Wasser.

Das in der ersten Periode der Kühlung mit einer Temperatur von 40 bis 80° und mehr abflieſsende Wasser eignet sich zum Auffangen behufs späterer Verwendung in der Spülhalle. Da, wo Wassermangel vorhanden ist, läſst sich das ganze Berieselungswasser für untergeordnete Zwecke verwenden.

Die weitere Kühlung mit Eiswasser, welches einem Eiswasserkasten oder, wo angängig, einem Süſswasserkühler der maschinellen Kälteanlage zu entnehmen ist, ist so zu reguliren, daſs das abflieſsende Wasser eine Temperaturdifferenz von 2 bis 3° gegen die im Bottich enthaltene Würze hat. Die zu erzielende Wirkung hängt hierbei, wie bei den sonst gebräuchlichen Kühlapparaten, wesentlich von der Anordnung der Einrichtung ab.

Der Apparat ist leicht zu reinigen und bezüglich seiner Reinlichkeit zu controliren, und das geringe Luftquantum, mit dem man zu arbeiten hat, läſst sich durch das vorbeschriebene Filter völlig keimfrei machen.

Die auf einem Kühlschiffe sich abspielenden Vorgänge werden in dem Apparate vollkommen nachgeahmt. Die Klärung der Würze geht erfahrungsgemäſs trotz der etwas hohen Würzeschicht im Bottich ziemlich schnell von statten, so daſs durch das vorerwähnte Schwimmrohr nach etwa einstündigem Absetzen eine vollkommen klare Würze abläuft. Die Kühlung der Würze bis auf Gährkellertemperatur dauert ungefähr 4 Stunden, wovon die eine Hälfte auf die Berieselung mit Brunnenwasser, die andere auf die mit Eiswasser zu rechnen ist.

Die Apparate werden in Gröſsen bis zu 90hl Inhalt gebaut. Bei gröſserem Ausschlagsquantum empfiehlt es sich, zwei Apparate anzuwenden, damit das Verhältniſs zwischen Inhalt und Kühlfläche des Apparates kein zu groſses wird.

Als dritten ähnlichen Apparat zum Ersatze des Kühlschiffes hatte die Actiengesellschaft F. Eckert in Berlin einen wagerechten Kühlapparat mit schwingenden Kühlkörpern ausgestellt (Fig. 3 umstehend). Er ist mit einer Haube und einem Ventilator versehen, hat Wannenform und wirkt durch eine innerhalb auf wagerechter Achse schwingende Kühlvorrichtung. Die als Gegengewicht dienenden Hohlkörper vermitteln durch Gummischläuche den Zu- und Abfluſs des Kühlwassers; dasselbe läuft durch die einzelnen Röhren in senkrecht zur Welle gerichtete Kühltaschen und diese erhalten ihre schwingende Bewegung am äuſseren |70| Ende der Welle durch einen Arm, welcher mittels einer einfachen und im Ausschlagwinkel stellbaren mechanischen Vorrichtung seine Bewegung erhält. Der schwingende Arm ist mit der Welle nur durch einen Schraubenbolzen verbunden; nach dessen Entfernung und nachdem die Gummischläuche abgenommen sind, kann die ganze Kühlvorrichtung aus dem Bottich herausgedreht und ebenso wie der Bottich selbst leicht gereinigt werden. Die Kühlkörper können, da sie nur durch je zwei Schrauben zusammengehalten sind, sehr leicht aus einander genommen und zusammengesetzt werden, um sie im Inneren von Schlamm u. dgl. zu reinigen, wodurch die gute Wirksamkeit stets erhalten bleibt.

Textabbildung Bd. 274, S. 70

Der Apparat hat auſser dieser Wasserkühlung auch Luftkühlung, welche durch einen unterhalb des Bottichs befindlichen Ventilator erzeugt wird. Ueber dem Apparate ist eine Haube angebracht, unter welcher das Luftrohr des Ventilators einmündet; gleichzeitig kann ein feiner Wasserstrahl eingeführt und zerstäubt werden, um der Luft die wünschenswerthe Feuchtigkeit zu verleihen. Eine Klappe macht die Haube von oben zugänglich und ein Dunstrohr dient zur Abführung der sich entwickelnden Dämpfe. Zwecks Ablassens der oberen wässerigen Schichten der Flüssigkeit ist ein drehbares Rohr, welches sich an der Seitenwand befindet, vorgesehen. Der übrige Inhalt wird nach vollendeter Kühlung durch ein Bogenstück an dem unteren Theile des Bottichs, an welchem sich ein Dreiwegehahn befindet, abgelassen. Zum Betriebe während der Ausstellung diente ein vierpferdiger Bénier'scher Heiſsluftmotor.

Eine weitere Vorrichtung zum Ersatze des Kühlschiffes war eine von der Firma Burmeister und Wains in Kopenhagen ausgestellte Centrifuge zur Kühlung und Filtration der Bierwürze, welche in Fig. 4 im Durchschnitt dargestellt ist. Dieselbe hat die gewöhnliche Anordnung einer Centrifuge, ist jedoch luftdicht geschlossen und steht mit der Auſsenluft bloſs durch das Luftfilter A in Verbindung. Der Einlauf der heiſsen Würze erfolgt durch das Rohr C in den Centrifugenkörper G, in welchem die in der Würze suspendirten Stoffe ausgeschleudert und an der Peripherie des Cylinders D abgesondert werden. Die Centrifuge macht eine bestimmte Anzahl von Umdrehungen in der Minute; |71| ist diese Tourenzahl erreicht, so ertönt ein Läutewerk und es wird der Antriebsriemen durch den Regulator selbsthätig abgeworfen. Die Centrifuge schlieſst mit dem Rohre B an einem Filtrationsbottich (Hopfenseiher) an und mit dem Rohre C an einem Mitrailleusenkühler. Ersterer dient dazu, den Hopfen zurückzuhalten; letzterer dient zur Kühlung der geklärten Würze, nachdem dieselbe die Centrifuge verlassen hat. Die Lüftung der Würze erfolgt in der Centrifuge selbst in der Weise, daſs Luft durch das Luftfilter eingesaugt wird, welche sich der Würze mittheilt und diese mit dem etwa nöthigen Sauerstoffe versorgt.

Der Apparat bedeutet ebenfalls einen wichtigen Fortschritt, da er im Stande ist, ohne Anwendung des Kühlschiffs eine klare, vollkommen sterile und genügend gelüftete Würze zu liefern. Er zeichnet sich hauptsächlich dadurch aus, daſs er leicht mittels heiſsen Wassers oder Dampfes zu reinigen und zu sterilisiren ist und keinerlei Pumpen für die Zuleitung der Würze und der Luft erfordert. Mit diesem Apparate werden gegenwärtig in mehreren Brauereien Versuche angestellt, welche voraussichtlich günstige Ergebnisse liefern werden.

Von Bedeutung sind auch diejenigen Vorrichtungen, welche den vorstehend beschriebenen Apparaten die erforderliche keimfreie Luft zu liefern haben und welche überhaupt reine Luft in gröſseren Mengen denjenigen Räumen des Brauereibetriebes, in welchen das Bier der Infection durch fremde Organismen ausgesetzt ist, zuführen. Solche Luftfilter waren in drei verschiedenen Systemen ausgestellt. Hervorragende Beachtung fand ein nach dem Patente des Dr. K. Möller (Firma K. und Th. Möller in Brackwede, Westfalen) ausgeführtes Luftfilter, welches, auf wissenschaftlicher Grundlage ruhend, die angedeutete Aufgabe in vollendeter Weise gelöst hat. Dieses Luftfilter, welches 300cbm Luft in der Stunde liefert, hat nachstehende Einrichtung (Fig. 5 und 6):

Das keimdichte Luftfilter besteht aus einem Vorfilter V, welches den gewöhnlichen Staub, den Ruſs, etwa der Luft beigemischte Dunstbläschen und den gröſsten Theil der Bakterien und Hefenpilze zurückhalten soll, und dem Hauptfilter K, welches sämmtliche nicht vor dem Vorfilter zurückgehaltenen Mikroben und deren Sporen aufzunehmen bestimmt ist, so daſs die Luft dieses Filter völlig keimfrei verläſst. Jedes dieser Filter ist in einem luftdichten eisernen Kasten eingeschlossen, welche sich von einander leicht lösen lassen, ohne daſs die unfiltrirte Luft in den keimfreien Raum über dem Hauptfilter eindringen kann. Wird das Hauptfilter vor dem Feucht werden geschützt, so kann es angeblich ohne Reinigung Jahre lang benutzt werden, während das Vorfiltertuch e vergleichsweise schnell verschmutzt und alle 3 bis 6 Monate durch Ausklopfen gereinigt werden muſs. Jedes der beiden Filter ist aus kräftigen Geweben von Baumwolle hergestellt, die in Taschenform genäht sind und dadurch in kleinem Raume groſse Filterfläche bieten. Das Vorfilter hat ein Filtertuch aus 1 bis 2 Lagen, das Hauptfiltertuch |72| besteht aus 10 Lagen; dementsprechend muſs die Filterfläche des letzteren erheblich gröſser sein als die des ersteren. Jedes der Taschenfilter wird in (einen oder mehrere) Winkeleisenrahmen b eingespannt, der luftdicht in seinem Blechkasten eingenietet ist; dieser Rahmen trägt eine Anzahl Stiftschrauben, auf welche die Kragen des Filtertuchs geschoben werden; die Kragen der verschiedenen Lagen des Tuchs werden dabei auf einander gelegt und mittels eines Flacheisenrahmens g durch die auf den Stiftschrauben befindlichen Muttern zusammengedrückt und abgedichtet. Um das Zusammenklappen der Taschen durch den Druck der zu filternden Luft zu verhüten, werden in dieselben starke Rohrgestelle f eingeschoben, welche mittels zweier darüber fortlaufender Winkeleisen h durch vier kräftige Schrauben in die Taschen gepreſst werden. Jede Tasche ist an fünf Seiten geschlossen und an der sechsten Seite offen, wo die filtrirte Luft austritt, deren Richtung durch Pfeile angedeutet ist.

Behufs Sterilisirung, d.h. zur Tödtung der in dem Filterstoffe und in dem Reinluftraume enthaltenen Mikroben, läſst man bei s Dampf einströmen, der die Filtertücher durchdringt und durch die Reinluftröhre abströmt, diese gleichzeitig sterilisirend; währenddeſs schlieſst man die Lufteintrittsöffnung durch einen Blindflansch ab, um den Austritt des Dampfes dort zu hindern. Nach dem Sterilisiren das Filtertuch trocknen zu können, ist zwischen Hauptfilter und Vorfilter eine mit gespanntem Dampfe zu füllende Heizschlange h angebracht, aus der das gebildete Condenswasser ebenso wie aus dem Filter durch einen Condenswasserapparat abgeleitet wird. Während des Trocknens wird ein kräftiger Luftstrom mittels eines Ventilators durchgelassen, welch letzterer auch während des demnächstigen Betriebes des Luftfilters die erforderliche Druckluft liefert. Um das Eindringen von Mikroben während des Stillstandes des Ventilators zu hindern, befindet sich in der mit dem Filterkasten luftdicht verbundenen Reinluftleitung ein Wasserverschluſs. Bei fachgemäſser Behandlung kann völlige Keimfreiheit der filtrirten Luft erzielt werden.

Um sich fortlaufend derselben zu vergewissern, befindet sich an dem Reinluftraume des Filterkastens ein Luftprüfer L, bestehend aus einem Lufthahn mit Schutzhaube, welche letztere das Hineinfallen von Keimen aus der Luft während der Probenahme verhütet. Die Proben werden in der Weise aufgestellt, daſs man die zu untersuchende Luft in einen mit Nährgelatine ausgekleideten sterilisirten Kolben strömen läſst. Enthält die Luft Keime, so bilden sich auf der Nährgelatine längstens in 8 bis 10 Tagen (!) Kolonien der fraglichen Mikroben; bleibt die Gelatine unverändert, so war die Luft keimfrei.

Das erste nach Angabe der Fabrikanten völlig keimdichte Filter wurde an Macheleidt und Comp. in Scheibe i. Th. im August 1887 geliefert und ist ununterbrochen in Betrieb gewesen; es liefert die Luft |73| für die Ummantelung des Kühlers und den Gährkeller (bezieh. den Kaum für Hefereinzucht). Kürzlich ist eine complete Filteranlage für die Herren H. J. ten Doornkaat-Koolmann, Bayrisch-Bierbrauerei, Westgaste bei Norden (Ostfriesland), und zwei einfache Keimfilter für die Maschinenfabrik Germania in Chemnitz (für das Böhmische Brauhaus Berlin) geliefert worden. In allen diesen Fällen haben sich diese Filter vortrefflich bewährt und der von ihnen zu lösenden Aufgabe bestens entsprochen, so daſs diese Apparate vollkommen geeignet erscheinen, in Verbindung mit den früher beschriebenen Kühl- und Klärvorrichtungen die Infection in der Brauerei in wirksamster Weise zu verhüten.

Eine von Richard Papperitz in Berlin ausgestellte Luftfiltriranlage war folgende:

Ein länglicher viereckiger Kasten trägt in einiger Entfernung über dem Boden einen zweiten Boden, welcher nicht über die ganze Länge reicht, und über diesem zweiten Boden eine gerade Zahl senkrecht eingeschobener Zwischenwände, welche abwechselnd oben und unten eine Oeffnung über die ganze Kastenbreite lassen.

Oben ist der Kasten durch einen Deckel geschlossen, welcher nur zwischen der letzten Zwischenwand und der Riemenwand des Kastens eine Oeffnung nach oben trägt. Zwischen den eingeschobenen senkrechten Wänden sind liegende Rohre in die Seitenwände des Kastens eingedichtet, welche durch auſserhalb des Kastens liegende Doppelbogen unter einander zu mehreren Schlangen verbunden sind. Der übrige senkrecht auf- und abgewundene Raum zwischen den Scheidewänden ist mit losen, sehr luftdurchlässigen, scharfkantigen, feinen Metalldrehspänen angefüllt. Am geschlossenen Ende des Raumes zwischen den Böden ist die Eintrittsöffnung für die zu reinigende Luft angebracht. Zu beiden Seiten des Lufteinganges sind in demselben Raume einander gegenüber mehrere Streudüsen angebracht, durch welche hoch gespanntes Wasser während des Lufteinganges zu feinstem Nebel zerstäubt wird. Durch die wagerechten Rohrschlangen wird auf einige Grade unter Null abgekühltes Salzwasser geführt. Am obersten, dem Eingangsende der Rohrschlange, und am untersten, dem Ausgangsende, sind je zwei Ventile angebracht, welche ermöglichen, daſs man statt der kalten Salzlösung gespannten Dampf durch die Rohrsysteme schicken kann. Ueber dem Deckel des Kastens führt aus der letzten Kammer ein Kanal nach dem Verwendungsorte der gereinigten Luft. Der letzte aufsteigende Theil des auf- und abgewundenen weiten Kanales im Kasten, der an der Erwärmung und Abkühlung des Kasteninhaltes Theil nimmt, ist mit feinster Glaswolle angefüllt. Der ganze Kasten ist so schräg aufgestellt, daſs das Gefälle in der Richtung der einströmenden Luft nach einer Ecke des Kastens gerichtet ist, und dieser ist an der tiefsten Stelle mit einem Wasserableiter versehen. Ebenso ist am tiefsten Punkte einer jeden zwischen den senkrechten Wänden gebildeten Kammer ein solcher |74| Wasserabfluſs angebracht, der keine Luft ausläſst. In dem aufsteigenden Kanäle, welcher die in allen Theilen angefeuchtete Luft nach der ersten Kammer führt, ist ein steil liegendes Gitter angebracht, auf welchem ebenfalls grobe Metallspäne ruhen, welche einen groſsen Theil des Wassers aus der dort aufsteigenden feuchten Luft in Form von feinen Tröpfchen an ihren scharfen Kanten absondern; an den gekühlten feineren Spänen der folgenden Kammern und schlieſslich an der kalten Glaswolle des Ausgangsraumes ist dies in erhöhtem Maſse der Fall. Das sich ausscheidende Wasser läuft zu Boden und führt die Unreinigkeiten durch die Wasserableiter mit sich fort. Während des Durchganges der Luft durch den gekühlten Kasten sinkt die Temperatur derselben und findet eine Wiederverdampfung von Wasser aus diesem Grunde nicht statt. Die Luft tritt gewaschen, gekühlt und getrocknet aus. Nach jedem Gebrauche des Apparates wird derselbe dadurch sterilisirt, daſs man an Stelle des kalten Salzwassers hinreichend heiſsen Dampf durch die Rohrschlangen läſst. Nach Füllung mit Wasser läſst sich der ganze Apparat auskochen. Zum Zwecke der Herausnahme und mechanischen Reinigung der Füllmassen sind die eine Stirnwand des Kastens zum Abschrauben und die Zwischenwände zum Herausziehen eingerichtet.

Ein kleines Luftfilter in Verbindung mit einem Luftdruckabziehapparate hatte die Firma N. Schäffer in Breslau ausgestellt. Dasselbe hat den Zweck, die Luft, welche zum Abziehen des Bieres auf das Lagerfaſs gepumpt wird, zu reinigen. Es besteht aus einem einfachen cylindrischen Kessel, in dessen unterem Theile sich eine Lösung von übermangansaurem Kali befindet. Ein Rohr von der Luftpumpe führt die Luft bis nahe zum Boden des Kessels, worauf dieselbe durch die Lösung emporsteigt und gewaschen wird. Damit die Luft vollständig trocknet, bevor sie auf das Lagerfaſs kommt, ist in einiger Entfernung über dem Lagerfaſs ein Boden von gelochtem Blech angeordnet, auf welchem sich eine Schicht Gewerbesalz befindet, an welche die Luft ihre Feuchtigkeit abgibt; nach dem Durchstreichen einer über der Salzschicht angebrachten Watteschicht gelangt die Luft gereinigt und trocken in das Lagerfaſs.

Neben den vorgeführten Luftfiltern waren auch die ausgestellten Wasserfilter für den angestrebten Zweck von besonderer Bedeutung, da auch durch eine zweckmäſsig durchgeführte Filtration des Wassers der Infection in der Brauerei wirksam vorgebeugt wird. In erster Linie sind es die von der Firma Arnold und Schirmer in Berlin ausgestellten Piefke-Filter nach der neuen Construction C für gröſseren Betrieb, da diese nicht allein zur Wasserreinigung, sondern auch zur Filtration von Bier für Brauereien in Frage kommen und für beide Zwecke thatsächlich den höchsten Anforderungen genügen. Auch bei den Filtern nach Construction C ist eine gröſsere Anzahl gleichzeitig wirkender Einzelfilter (Filterkammern in einem luftdicht verschlossenen Gefäſs) über einander |75| angeordnet, wodurch im verhältniſsmäſsig kleinen Raume eine sehr groſse Filterfläche untergebracht ist.

Der Raum über den aus verzinntem Messinggewebe hergestellten, durch starke verzinnte Messingsiebbleche unterstützten Böden der Filterkammern steht mit dem äuſseren Gefäſsraume in freier Verbindung. Unter den Kammerböden sind zur Ableitung der filtrirten Flüssigkeit bestimmte Hohlräume gebildet, welche nach auſsen dicht geschlossen sind und nach innen mit einem cylindrischen Sammelraume für das aus sämmtlichen Kammern abgehende Filtrat in Verbindung stehen, von wo aus letzteres am Boden des Filtergefäſses ins Freie tritt. Damit eine stets gleichmäſsige Wirkung in sämmtlichen Kammern stattfindet, ist in dem cylindrischen Sammelraume ein Standrohr angeordnet.

Die sämmtlichen Filterkammern werden durch eine inmitten des Standrohres angebrachte Spindel mit Mutter zusammengezogen. Für jede Kammer ist ein Rührarmpaar auf den cylindrischen Rändern der ersteren aufgelegen. Die Bewegung der Rührarme wird durch einen Bügel bewirkt, welcher die Enden sämmtlicher Arme umfaſst. Der Bügel wird durch einen Aufsatz auf der Verschluſsmutter für den Filtereinsatz centrisch geführt und kann durch einen Mitnehmer, welcher seine Führung in der Stopfbüchse des Gefäſsdeckels findet, mittels einer Kurbel in Drehbewegung gesetzt werden.

Das in geeigneter Weise aus präparirter Pflanzen- und Asbestfaser bestehende, in vollkommen trockenem Zustande (in Form von gedarrten Tafeln und loser Faser) zur Lieferung gelangende, eigenartige und vollkommen indifferente Filtrirmaterial wird dem zuvor mit Wasser zu füllenden Apparate, aus einem um 1 bis 3m höher stehenden Gefäſse oder mittels einer Pumpe, in starker Verdünnung (es zertheilt sich in kaltem Wasser sehr leicht und schnell) durch den Eingangshahn zugeführt und lagert sich auf den sämmtlichen Gazeböden gleichmäſsig ab, während das Verdünnungswasser durch den Ausgangshahn abflieſst. Genau denselben Weg nimmt die zu filtrirende Flüssigkeit; das Filtrat geht durch den Ausgangshahn ab.

Die Filtrirschichten lassen sich je nach Bedarf durchlässiger oder dichter herstellen, je nachdem man gröberes oder feineres Filtrirmaterial einführt. Man kann mit diesen Filtern die denkbar feinste Filtration erzielen und erhält in Rücksicht auf die groſse Filterfläche doch immer eine verhältniſsmäſsig groſse Leistung.

Die Reinigung des Filters, welche nothwendig wird, sobald die Filterschichten durch die abfiltrirten Unreinigkeiten zugesetzt sind, ist in wenigen Minuten auszuführen. Man leitet von der Ausgangsseite her einen Wassergegenstrom durch den Apparat, welcher auf der Eingangsseite wieder abgeht, und kurbelt dabei. Das nun unter die Siebböden der Kammern tretende Wasser löst das Filtrirmaterial mit den aufgenommenen Substanzen von diesen Böden in Kuchenform los, die |76| Masse wird dann durch die Rührarme zertheilt und geht mit dem Spülwasser in ähnlicher Form ab, wie sie eingespült wurde.

Zum Zwecke der Bierfiltration sind diese Apparate im Wesentlichen noch mit folgenden Einrichtungen versehen. Vor dem Eingange des Filters ist ein Luftabscheider angeordnet, welcher derart construirt ist, daſs der Eintritt der etwa im Bierleitungsschlauche mitgeführten Luft in den Apparat unter allen Umständen verhindert wird. Der Luftabscheider wird zur besonderen Sicherheit bei den Piefke-Bierfiltern meist angewandt, obgleich die Apparate bereits einen verhältniſsmäſsig groſsen Sammelraum für das unfiltrirte Bier haben, welcher ebenso wie der Sammelraum für das Filtrat an seiner höchsten Stelle mit Schauglas nebst Hahn zur eventuellen Luftabführung versehen ist.

Das Einfüllen des Filtrirmateriales in den Apparat, sowie das spätere Herausspülen desselben, wenn es durch die abfiltrirten Unreinigkeiten zugesetzt ist, geschieht in vorher beschriebener Weise.

Nach dem Einschlämmen der Filtermasse läſst man das Füllwasser durch den Entleerungshahn des Filters vollkommen ablaufen, bevor man Bier einführt.

Die Biereinführung geschieht unter einem gewissen Gegendrucke, um schon beim Einlassen desselben ein Freiwerden von Kohlensäure zu verhüten. Die Räume für filtrirtes und unfiltrirtes Bier werden dabei an höchster Stelle, durch Oeffnen eines kleinen Hahnes, mit einander in Verbindung gesetzt, damit über und unter den Filterschichten der gleiche Druck herrscht und sich auf diese Weise der Apparat ohne jede Schaumbildung langsam ganz mit Bier füllt.

Das Filtrat tritt unten in der Mitte des Bodens aus dem Apparate heraus und wird nun entweder in einem erhöht liegenden Raume oder aber auf gleicher Ebene mit dem Filter bezieh. Lagerfaſs durch einen mit Ruheraum versehenen Abfüllständer (sogen. Entschäumer oder Bierberuhiger) ohne den geringsten Kohlensäureverlust auf die Transportfässer zum Abzug gebracht.

Soll das Filter gereinigt werden, so wird vorher das noch im Apparate befindliche Bier mit schwachem Luftdrucke herausgedrückt und so bis auf den letzten Rest filtrirt auf die Gebinde gebracht.

Trotzdem bei den Piefke-Filtern der Bedarf an Filtrirmaterial nur ein geringer ist (so z.B. kostet eine Füllung für das gröſste Bierfilter etwa 5 M.), wirft man das bei der Reinigung aus dem Apparate herausgespülte Material nicht weg, sondern regenerirt dasselbe mit Hilfe des von Arnold und Schirmer construirten Stofffängers und Sterilisirapparates.

Der Stofffänger besteht aus einem mit Eisenfüſsen versehenen dreitheiligen Kasten, in dessen mittlerer Abtheilung eine hohle mit feiner verzinnter Messinggaze überzogene Siebtrommel lagert. Eine mit Filz überzogene Walze wird mittels Federdruck an die Siebtrommel angepreſst. Das verschmutzte Filtrirmaterial wird in die eine mit Holzboden |77| versehene Abtheilung des Kastens gethan, ein starker Strahl heiſsen oder kalten Wassers darauf gerichtet und mittels einer Kurbel die Gazetrommel gedreht. Das Filtrirmaterial setzt sich an die Trommel an, wird durch die gleichzeitig in Drehung versetzte Filz walze ausgerungen und nach der zweiten, mit Gazeboden versehenen Abtheilung des Kastens geführt, während das Schmutzwasser durch die Gazetrommel hindurch zu beiden Seiten abflieſst.

In dieser Weise wird der Filterstoff in wenigen Minuten gereinigt. Will man, nachdem die Filtermasse nun von den ihr anhaftenden Substanzen befreit ist, auch noch die möglicherweise in derselben verbliebenen Keime von Mikroorganismen tödten, so wird das gewaschene Material in einem verzinnten kupfernen Siebkorbe in ein druckdicht zu verschlieſsendes verzinntes Kupfergefäſs gebracht, durch welches man Dampf leitet. Das mit fahrbarem Fuſs versehene Gefäſs ist so eingerichtet, daſs ein gründliches Durchdämpfen des Inhaltes aufs schnellste bewirkt wird. Den Piefke'schen Filtrirapparat kann man mit Hilfe von Dampf jederzeit schnell und einfach sterilisiren, so daſs vollständige Keimfreiheit des ganzen Inneren erzielt wird, also ein Grad der Reinheit, wie er beim Auseinandernehmen eines Filtrirapparates nie zu erhalten ist. Denn selbst wenn man die einzelnen Theile auskochen wollte, so ist es doch unvermeidlich, daſs beim Zusammenbau Keime aller Art sich an dieselben wieder ansetzen und mit eingebracht werden.

Die bekannte Filterfabrik L. A. Enzinger in Worms hatte neben anderen Apparaten den isobarometrischen Faſsfüllapparat ausgestellt.

Der Apparat besteht aus dem erhöht auf einem Tische stehenden Gegendruckkessel, den Faſsfüllhähnen mit Schläuchen und den Faſsauflagern, deren Ständer zum Aufhängen der Faſsfüllhähne dienen. Am Boden des Kessels befindet sich der Einlaufhahn von 40mm Weite, welche Weite auch der Zuleitungsschlauch haben soll. Unten an der Vorderseite des Kessels ist der Auslaufstutzen angebracht, an dessen drei Armen die 20mm bezieh. 25mm weiten Bierschläuche der Abfüllhähne angeschraubt werden. Die 15mm weiten Luftschläuche der Hähne werden ebenfalls mittels Verschraubung an den Gewindestutzen auf der unteren Seite der drei Arme befestigt. Die 7mm weiten Abspritzschläuche der Hähne werden durch die an der unteren Seite des Tisches befindliche Schlauchöse gesteckt und in ein unter den Tisch gestelltes Gefäſs geleitet. Auf dem Auslaufstutzen ist eine Glaslaterne angebracht und in dieser ein Schwimmerventil, welches selbsthätig den Austritt der überschüssigen Luft und damit den Zulauf des Bieres regelt.

Die Aufstellung des Apparates geschieht in folgender Weise: Die Faſsaufläger werden, nachdem vorher die kleinen Tische mit Leuchtern an den Ständern angeschraubt wurden, an der Vorderseite des Kessels in gerader Linie aufgestellt und zwar ein Aufläger vor der Mitte des Kessels, die beiden anderen rechts und links davon so weit entfernt, |78| daſs genügend Platz vorhanden ist, wenn die gröſsten Fässer aufliegen, also etwa 800 bis 1000mm von Mitte zu Mitte. Die Universalgelenke, durch welche die Stangen der Hähne gehen, werden dann mit ihren Zapfen oben in die Bohrungen der Ständer gesteckt und mittels Stellschrauben vor dem Herausfallen gesichert, worauf dann die Schläuche der Hähne an den Auslauf bezieh. Luftröhren des Kessels angeschraubt werden. Das Abfüllen erfolgt unter einem Drucke von ½ und 1at.

Unter den übrigen ausgestellten Apparaten war auch noch ein Flaschenfüllapparat zum gleichzeitigen Abfüllen von sechs Flaschen, jedoch ohne Revolvervorrichtung, bemerkenswerth.

(Schluſs folgt.)

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