Titel: Deutsche Allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274 (S. 108–123)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/ar274014

Von der Deutschen Allgemeinen Ausstellung für Unfallverhütung in Berlin 1889.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 273 S. 433.)

Mit Abbildungen auf Tafel 8.

Die Dampfkessel und ihre Ausrüstung.

Die Dampfkessel und namentlich deren Ausrüstung haben eine verhältniſsmäſsig gute Darstellung gefunden. Auſser zahlreichen Probestücken und Modellen sind im Betriebe vorgeführt 20 Dampfkessel, welche in 11 Kesselhäusern Aufnahme gefunden haben. Ferner ist hier der Ausstellung der vereinigten Dampfkessel-Untersuchungs- und Ueberwachungsvereine Erwähnung zu thun, welche eine kleine, aber recht interessante Sammlung explodirter und eingedrückter Rohre, Blechstücke mit Anrostungen und Anfressungen (Corrosionen), Kesselsteinproben, sowie eine Anzahl Zeichnungen und Modelle von Kesseln und Ausrüstungsstücken bietet.

Die Betriebskessel sind in der überwiegenden Mehrzahl Wasserröhrenkessel, einige Locomobilkessel und ein Flammrohrkessel. Naturgemäſs befinden sich die erstgenannten Kessel, welche jetzt im Mittelpunkte des Interesses stehen und neuerdings sicher die meiste Anwendung finden, gerade auf einer Ausstellung für Unfallverhütung am richtigen Platze, weil sie eben durch ihre Eigenart eine besondere Gewähr gegen Unfälle durch Explosionen bieten.

Beiderseits der am nördlichen Rande des Ausstellungsplatzes gebauten groſsen Maschinenhalle befindet sich je ein Kesselhaus, deren eines einen Heine-Kessel von der Borsig'schen Maschinenfabrik in Berlin-Moabit, sowie einen Kessel von Simonis und Lang in Frankfurt a. M. enthält. Beide Kessel sind Wasserröhrenkessel gleicher Bauart.

Der Heine-Kessel, welcher bereits in D. p. J. 1885 257 * 82 beschrieben wurde, hat 98qm Heizfläche. Entgegen seiner früheren Anordnung ist zu bemerken, daſs der unmittelbar über dem Roste liegende Wasserröhrenkessel eine 6 procentige Steigung nach hinten erhalten hat, ebenso wie der sehr groſse Oberkessel, dessen beide Enden mit den entsprechenden Endkammern des Wasserröhrenkessels in Verbindung stehen. Die Speisung erfolgt im Oberkessel. Das Speisewasser wird durch ein weites ovales Rohr im Oberkessel von vorn nach hinten geführt, wo es von dem durch die hintere Endkammer aufsteigenden Dampfwasserstrome nach vorn zu vertheilt wird. Dieses Speiserohr, welches mit dem oberen Theile im Dampfraume liegt, soll zur Ablagerung |109| des Schlammes dienen. Natürlich muſs trotz dieser Vorrichtung wie bei allen Wasserröhrenkesseln ein thunlichst reines, schlämm- und kesselsteinfreies Speisewasser unbedingt angewendet werden.

Die Dampfentnahme erfolgt durch ein im Dampfraume des Oberkessels liegendes und als Wasserabscheider dienendes Rohr, welches auf seiner ganzen Länge geschlitzt ist.

Der Wasserröhren-Unterkessel besteht aus 68 Röhren von je 89mm äuſserem und 82mm innerem Durchmesser. Der Oberkessel, welcher die Armatur trägt, hat 1m,5 Durchmesser bei 5m,4 Länge. Die gesammte Höhe des Kessels, welcher vollständig eingemauert ist, beträgt 4m,25. Die Feuergase umspülen den Unterkessel vollständig und berühren den Oberkessel.

Der neben diesem Kessel liegende Wasserröhrenkessel von Simonis und Lang in Frankfurt a. M. hat im Wesentlichen gleiche Bauart. Nur hat der Wasserrohr-Unterkessel eine gröſsere Neigung (etwa 1 : 5) von vorn nach hinten, während der Oberkessel, der an beiden Enden auch hier mit den Endkammern des Röhrenkessels verbunden ist, ziemlich wagerecht liegt.

Das Speisewasser wird auch hier dem Oberkessel von hinten her durch ein Rohr zugeführt, welches an der Stirn des Oberkessels einmündet, um vom hier aufsteigenden Dampfwasser nach hinten vertheilt und den Wasserröhren zugeführt zu werden. Im Oberkesselboden sind mehrere Querwände angeordnet, welche als Schlammfänger dienen sollen. Die Dampfentnahme findet durch einen aufgesetzten Dom statt.

Abschluſs und Abdichtung der Wasserröhren nach auſsen erfolgt durch Verschluſsdeckel, welche von innen nach auſsen conisch abgedichtet sind und doch von auſsen eingeschoben werden. Fig. 1 a und b erläutern die hier getroffene Anordnung. Der Durchmesser a ist gröſser als der Durchmesser b, so daſs der Deckel gemäſs Fig. 1 b leicht eingebracht werden kann, um nach Drehung in seiner Achse um 90° die Rohröffnung abzuschlieſsen. Der Deckelbolzen wird dann im Bügel verschraubt.

Der Kessel, welcher 80qm Heizfläche besitzt, ist mit einer sogen. rauchverzehrenden Feuerung (Fig. 2) von H. Schomburg Söhne in Berlin ausgerüstet, welche aber geradezu unerhört raucht. Die Feuerung besitzt einen Fülltrichter, aus welchem die Kohlen allmählich auf eine schräge Rostfläche und dann auf einen Planrost fallen, um auf ersterer zu vergasen und auf letzterem zu verbrennen. Die sich bildende Stichflamme tritt durch einen Spalt im Gewölbe unter den Kessel.

Zwischen beiden Kesseln liegt der zur Reinigung des benutzten Kesselspeisewassers dienende Apparat, welcher von der Maschinenbauanstalt Humboldt in Kalk bei Köln gebaut und aufgestellt ist.

Das harte Wasser wird von einer Pumpe in den Zufluſsbehälter A (Fig. 3 und 4) geleitet.

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Aus diesem flieſst so viel Wasser in den darunter stehenden Behälter B als die in diesem aufzulösenden Zusatzmittel erfordern. Der Reagentienbehälter B ist durch eine Scheidewand in zwei Hälften getheilt; bevor die eine Hälfte des Behälters von der Reagenslösung entleert ist, wird die andere vorgerichtet, so daſs ein beständiger Abfluſs stattfindet. Der selbsthätige Regulator C regelt, dem Bedarfe entsprechend, mittels Schwimmer den Zufluſs, sowohl von hartem Wasser aus A, als von Reagenslösung aus B, in den Setzkasten D; dieser enthält in seinem Inneren eine Reihe flacher, geneigter Wände, um welche die Flüssigkeit in vielfachen Windungen hindurchflieſst. Auf diesem Wege findet die praktisch vollkommenste Ausscheidung der kalkhaltigen Salze des Wassers, des Gypses sowohl als des kohlensauren Kalkes, statt: der ausgeschiedene Schlamm rutscht an den geneigten Wänden abwärts in die Spitzkasten a, aus denen derselbe von Zeit zu Zeit durch Hähne abgelassen wird. Das weichgemachte Wasser hingegen tritt bei b stetig aus, nachdem es zuvor noch durch eine Filterschicht c (Hobelspäne o. dgl.) gegangen ist, welche etwa mechanisch mitgerissene feste Theile zurückhalten soll und zur Regelung des Wasserstandes im Apparate dient.

Die Mengen der Zusätze an Soda und ungelöschtem Kalke richten sich naturgemäſs nach der chemischen Zusammensetzung und der in der Stunde zu behandelnden Menge des harten Wassers.

Zur Förderung des Kesselwassers in die Kessel dient eine Worthington-Pumpe (vgl. 1886 259 478) der Worthington-Pumpen-Compagnie in Berlin. Die Eigenthümlichkeit dieser Pumpe besteht in der Anordnung zweier direkt wirkender Dampfpumpen neben einander, welche derart zu einander in Verbindung gesetzt sind, daſs die eine den Dampfschieber der anderen regelt. Jeder arbeitende Kolben öffnet, bevor er seinen Hub beendet, den Dampfzutritt der anderen Pumpe, bleibt dann stehen und geht erst dann zurück, wenn sein eigener Schieber durch den anderen Pumpenschieber geöffnet ist. Demnach ist ein stoſsfreier Gang ermöglicht und ein Schwungrad überflüssig, weil kein todter Punkt vorhanden ist.

Der Hebel F (Fig. 5), welcher dem Schieber E seine Bewegung ertheilt, nimmt am gesammten Hube Theil. Für Druckhöhen bis 10at gelangt ein in einer Metallbüchse geführter Plungerkolben B zur Anwendung; Dampfkesselspeisepumpen erhalten massive Kolben. Die Pumpenventile sind entweder Metallventile oder je nach Zweck Gummiventile, welche mittels einer Messingfeder auf ihren Sitz gepreſst werden, und bei denen zur Erzielung gleichmäſsiger Druckvertheilung zwischen Feder und Gummiplatte eine dünne Messingplatte eingeschaltet ist. Die Hubzahl beträgt für jeden Plunger in der Minute für kleinere Pumpen 75, für gröſsere 30 bis 50. Das Wasser tritt in die untere Kammer C ein und geht durch die Saugventile um den Pumpenkolben B herum; durch |111| die Druckventile tritt es dann in die Druckkammer D über; wie aus der Fig. 5 zu ersehen, ist also der von der geförderten Flüssigkeit zurückzulegende Weg ein fast gerader. Für hohe Pressungen, sowie bei Förderung unreinen Wassers werden Plunger mit auſsenliegender Stopfbüchse angewendet. – Die Dampfcylinder der in obiger Figur dargestellten Pumpenanordnung müssen stets mit voller Füllung, also mit geringem Wirkungsgrade arbeiten. Um diesem Mangel an Oekonomie entgegenzutreten, wendet man bei gröſseren Leistungen, besonders für Wasserwerke, Verbund- oder Compoundpumpen an, indem die Zwillingspumpen mit zwei Paaren Woolf'scher Maschinen mit hinter einander liegenden Cylindern gekuppelt sind. Da das hierdurch erzielte Expansionsverhältniſs auch nur höchstens 1 : 4 beträgt, so werden die Worthington-Verbunddampfpumpen in neuester Zeit mit einer eigenartigen Hilfsvorrichtung ausgestattet, welche in beiden Dampfcylindern jede beliebige Expansion gestattet. Diese Vorrichtung besteht im Wesentlichen aus zwei kleinen schwingenden Cylindern, deren Kolben mit der Kolbenstange der Pumpe gelenkig verbunden sind und welche mit hoch gepreſstem Wasser oder Glycerin gefüllt sind. Während der ersten Hälfte des Pumpenhubes wirken diese kleinen schwingenden Cylinder als Widerstand und nehmen Arbeit auf, welche sie während der zweiten Hälfte des Hubes wieder abgeben, so daſs sie ausgleichend wie ein Schwungrad wirken.

In dem auf der anderen Seite der Maschinenhalle liegenden Kesselhause befindet sich ein Mac-Nicol-Kessel von Petry-Dereux in Düren. Wie Fig. 6 erkennen läſst, liegt über der Feuerung – hier ist eine Donnely'sche Wasserrostfeuerung vorgesehen (vgl. 1886 259 * 155 und 1887 264 * 9) – ein schräger, ziemlich kurz gehaltener Wasserrohrkessel, dessen vorderes Ende an den groſsen Oberkessel angeschlossen ist, während er hinten in einen Unterkessel mündet, welcher an beiden Enden mit dem Oberkessel verbunden ist. Der Wasserumlauf wird durch die eingezeichneten Pfeile angegeben.

Die Speisung erfolgt durch das abgebogene Rohr a, während der Dampf aus einem besonderen Dome entnommen wird.

Diesem Kessel, welcher eine gesammte Heizfläche von 100qm hat, liegt der Gedanke zu Grunde, durch das Röhrenbündel eine möglichst groſse Heizfläche auf einem kleinen Raume zu vereinigen und doch alle Vortheile eines Groſswasserraumkessels zu behalten.

Der Kessel hat eine Länge von 8m; der Wasserröhrenkessel besitzt 69 Röhren von 95mm Weite und ist 3m lang, der Hinterkessel hat 0m,750 Durchmesser bei 5m Länge, der Oberkessel 1m,300 Durchmesser bei 8m Länge. Zu beachten ist, daſs der ausgestellte Kessel nur an seinem hinteren Ende fest gelagert, am vorderen Ende aber auf glatte Unterlagen gelegt bezieh. aufgehängt ist, so daſs er sich ungehindert ausdehnen kann.

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Das Speisewasser wird von einer Hülsenberg'schen direkt wirkenden Dampfpumpe (vgl. 1886 261 * 317) geliefert; das Kesselwasser wird jedoch erst in einem Dervaux'schen Speisewasserreiniger gereinigt, welcher von H. Reisen in Köln geliefert ist.

Der Dervaux'sche Kesselreinigungsapparat (Fig. 7) besteht aus einem, mit einem Rippenkopfe C versehenen Schlammsammler D und einem zur Aufnahme von Soda und Kalk oder kaustischer Soda oder Natronlauge dienenden Topf L. Der Schlammsammler, welcher stets über dem Kessel stehen muſs, ist mit demselben durch die Rohre R und V verbunden, während der Topf L in die Speiseleitung eingeschaltet ist. Der Topf L kann jedoch fortbleiben, wenn die Einführung von Soda u.s.w. entweder durch Einbringen in den etwa vorhandenen Speisebehälter oder in die Saugeleitung der Speisepumpe bewerkstelligt werden kann. Im letzteren Falle stellt man an einen leicht zugänglichen Ort der Saugeleitung der Speisepumpe ein Gefäſs, welches mittels eines eintauchenden Röhrchens oder Schlauches mit dem Saugerohre zu verbinden ist, so daſs während des Pumpens die in Lösung vorhandenen Chemikalien allmählich aufgesaugt werden. Die Einführung kann durch ein eingeschaltetes Hähnchen so geregelt werden, daſs sie auf den ganzen Tag gleichmäſsig vertheilt wird, was der zeitweiligen Einführung vorzuziehen ist. Sämmtliche Röhren werden durch den Stutzen M in den Kessel eingeführt. Das Rohr V besitzt in der Höhe des mittleren Wasserstandes einen Schlitz P und ist über dem Kessel von einem Umhüllungsdampfrohre U, welches eine Wärmeausstrahlung des Rohres V verhindert, centrisch umgeben. In den Topf L bezieh. in die Speiseleitung oder den Speisebehälter werden täglich einmal die vorher ungefähr bestimmten Chemikalien eingeführt, welche durch das Speisewasser in den Kessel geführt werden. Im Kessel geht die Ausscheidung der Stein bildenden Salze, kohlen- und schwefelsaurer Kalk, kohlensaure Magnesia u.s.w. vor sich, welche zunächst als Schlamm und Schaum, theils auf, theils in dem Wasser schwimmen, bevor sie zur Ablagerung gelangen können. Da nun das Wasser so kräftig durch den Apparat umläuft, daſs die ganze Wassermenge des Kessels in 10 Stunden 5 bis 10 mal durch denselben gelangt, so wird nach und nach sämmtlich sich bildender Niederschlag in dem Schlammsammler D abgesetzt, von wo er täglich durch mehrmaliges, secundenlanges Oeffnen des Reinigungshahnes N abgeführt wird. Durch Anordnung des Apparates über dem Kessel ist der Druck im Rippenkopfe des Schlammsammlers um so viel geringer gegenüber dem im Kessel selbst, als die Wassersäule zwischen dem Wasserspiegel im Kessel und dem im Rippenkopfe ausmacht. Dieser Druckunterschied genügt, um eine heftige Dampfentwickelung in der Wassersäule des Steigrohres V herbeizuführen, da das darin aufsteigende Wasser verhindert ist, Wärme abzugeben, bis es über das Schutzrohr U heraustritt. Es ist also die aufsteigende |113| Wassersäule stets leichter als die sinkende im Rohre R. Im Rippenkörper wird der Dampf condensirt; das Wasser gelangt in den stagnirenden Raum, wo es in Folge einiger Abkühlung nicht mehr kocht und Gelegenheit findet, den Schlamm, da er schwerer ist als Wasser, sinken zu lassen. Aus seiner verhältniſsmäſsigen Ruhe gelangt das Wasser gereinigt durch das Rohr R in den Kessel zurück. Es wirken beide Rohre also heberartig. Der Schlitz P im Rohre V hat den Zweck, den auf der Oberfläche des Wasserspiegels schwimmenden Schaum abzusaugen. Wenn bei sinkendem Wasserstande dieser Schlitz auch zuweilen in den Dampfraum kommt, so wirkt der Dampfeintritt, so lange ein gewisses Maſs nicht überschritten wird, noch fördernd auf den Umlauf; dieser hört aber bei weiterem Sinken auf, um wieder bei steigendem Wasserstande zu beginnen.

Zur Messung des dem Kessel zugeführten Speisewassers dient ein Schmid'scher Kolben-Wassermesser, welcher von Speyerer und Comp. in Berlin aufgestellt ist.

Wird die Steuerung einer eincylindrigen Wassersäulenmaschine durch einen Muschelschieber mit Kurbelbewegung oder durch einen in ähnlicher Weise wirkenden Steuerkolben besorgt, so muſs dieser Kolben dem Arbeitskolben gegenüber eine Voreilung von 90° oder von 180 + 90 = 270° haben. Im zweiten Falle müssen aber die Kanäle anders geführt sein als im ersten. Wird nun ein Kolben I (Fig. 8) durch einen um 270° voreilenden Kolben II gesteuert, so hat ersterer dem letzteren gegenüber eine Voreilung von 90° und muſs also bei passender Kanalführung auch im Stande sein, diesen, d.h. den Kolben II, zu steuern. Das Kolbenpaar würde sich mithin gegenseitig selbst steuern, zusammen also eine Zwillingsmaschine ohne besonderen Steuermechnismus bilden. Aus den Figuren ist ersichtlich, daſs jeder der beiden Kolben I und II mit vier Wegen versehen ist, welche paarweise angeordnet sind, und zwar so, daſs das obere Paar im Grundrisse ein Kreuz bildet, jeder Kanal also zwei einander diametral gegenüberstehende Oeffnungen verbindet, während die unteren Kanäle je zwei im rechten Winkel stehende Oeffnungen verbinden. Diese Kolben bewegen sich in je einem Bronzecylinder, welcher in der Höhe der Zu- und Abfluſskanäle a und b mit viereckigen Durchgangsöffnungen a1 b1 c1 d1 bezieh. a2 b2 d2c2 versehen ist. Bei der Stellung des Kolbens I in Fig. 8 correspondirt a1 mit c1, sowie b1 mit d1 , während bei höherer Kolbenstellung, entsprechend dem dargestellten Schnitte (Fig. 9), durch Kolben II die Verbindungen a1 d1, sowie c1 b1 hergestellt werden. Ganz dasselbe gilt auch für den Kolben II. Um das Spiel der Kolben zu verstehen, ist zu beachten, daſs die Oeffnungen a1 a2 mit dem Zufluſsrohre a, – die Oeffnungen b1 b2 mit dem Abfluſsrohre b in unmittelbarer, nie gehinderter Verbindung stehen, während die Oeffnungen c1 und c2 ihre Fortsetzung in den Kanälen e1 und e2 finden, welche aufsteigend in den Kurbelraum des jedesmaligen |114| anderen Kolbens münden; endlich die Oeffnungen d1 d2 mit den abwärtsführenden Kanälen f1 f2 verbunden sind, deren Verlängerung unter den jedesmaligen anderen Kolben führt. Man erkennt nun leicht, daſs die Kreuzverbindung des Kolbens I, wenn sie zur Wirkung kommt (entsprechend der Zeichnung), auf dem Wege a1 c1 e1 Druckwasser über den Kolben II gelangen läſst, dem unter dem Kolben II befindlichen Wasser aber auf dem Wege f1 d1 b1 Abfluſs gestattet, die Kreuzverbindung bei I veranlaſst also, daſs Kolben II sinkt. Durch Herstellung der Winkelverbindung werden Aus- und Einströmung verwechselt. Es tritt durch a1 d1 f1 Wasser unter den Kolben II, während das über demselben befindliche Wasser durch e1 c1 b1 entweicht. Die. Winkelverbindung bei I veranlaſst also, daſs der Kolben II steigt. Die um 90° voreilende Kurbel I durchläuft ihren unteren Halbkreis, während der Kolben II sinkt, ihren oberen, wenn II steigt. Die Hubwechsel von II entsprechen also jedesmal der Mittelstellung von I. In dieser sind aber alle Kanäle geschlossen, während bei Stellung von I unter Mitte (unterer Kurbelhalbkreis) die Kreuzverbindung, bei Stellung von I über Mitte (oberer Kurbelhalbkreis) die Winkelverbindung hergestellt ist. Ganz ähnlich steuert nun der Kolben II den Kolben I; nur sind die Kanalverbindungen hier umgekehrt, da II um 270° gegen I voreilt.

Durch die Kurbelbewegung werden die Kolben gezwungen, bestimmte Hublängen zu durchmessen, so daſs also jeder Umdrehung der Kurbel eine bestimmte Wasserdurchgangsmenge entspricht. – Das regelmäſsige Schmieren des Schmid'schen Wassermessers muſs sorgfältig beachtet werden. Dasselbe sollte wiederholt während der Betriebszeit und insbesondere kurz vor jeder längeren Betriebspause bewirkt werden. Man öffnet zu diesem Zwecke den Schmierhahn und schraubt das Schmiergefäſs n kräftig zwei bis drei ganze Umgänge herunter, wodurch eine genügende Menge Fett an alle gleitenden Flächen gelangt.

In dem nun folgenden Kesselhause sind drei Schmid'sche Wasserrohrkessel (vgl. 1886 261 * 2) von Huldschinsky Söhne in Gleiwitz ausgestellt, sowie zwei Wasserrohrkessel von Breda und Comp. in Schkeuditz-Leipzig (vgl. 1885 257 82 und 1888 269 * 483).

Zwei Schmid'sche Kessel haben je 62qm Heizfläche, der dritte 173qm. Die Breda-Kessel haben je 84qm Heizfläche.

Die Kessel dienen zum Betriebe der Dampfmaschinen für den von Siemens und Halske angeordneten elektrischen Lichtbetrieb der gesammten Ausstellung.

Der eine Breda-Kessel ist insofern bemerkenswerth, als er einen nicht weniger als 3m langen Rost besitzt, dessen Bedienung naturgemäſs ungewöhnliche Anstrengung des Heizers verlangt. Weshalb diese wunderbare Anordnung getroffen wurde, konnte nicht ermittelt werden.

An dem Schmid'schen Kessel ist die patentirte neue selbsthätige Speiseregulirung bemerkenswerth. Wie beigedruckte Textfigur erkennen |115| läſst, besteht der Regulator aus einem mit dem Wasser- und dem Dampfraume des Kessels verbundenen guſseisernen Gehäuse, in welchem in Höhe des mittleren Wasserstandes ein Schwimmer sich befindet, der durch Hebelübersetzung ein entlastetes Kolbenventil bewegt. Der Eingangsstutzen dieses Kolbenventiles ist mit dem Dampfraume des zu speisenden Kessels, der Ausgangsstutzen dagegen mit der Dampfleitung zur Pumpe verbunden. Bei der höchsten Stellung des Schwimmers ist der Dampfzutritt zur Pumpe abgeschlossen, bei der tiefsten dagegen völlig geöffnet. Im ersteren Falle bleibt die Pumpe stehen, im zweiten macht sie ihre gröſste Hubzahl. Bei gleichmäſsiger Dampfentnahme tritt dementsprechend auch eine regelmäſsige Bewegung der Pumpe ein. Ist dagegen die Dampfentnahme ungleichmäſsig, so richtet sich auch danach der Gang der Pumpe, welcher schneller oder langsamer einen stets gleichmäſsigen Wasserstand aufrecht erhält. Auf der Achse, um welche sich der vom Schwimmer bewegte Hebel dreht, sitzt auſserhalb ein Zeiger, welcher gleichzeitig an einer Scala den Wasserstand im Kessel markirt. Durch ein Gegengewicht, welches auf diesem Zeiger sitzt, wird das Gewicht des Hebels ausbalancirt.

Textabbildung Bd. 274, S. 115

Die von dem Regulator an- und abgestellte Pumpe ist eine direktwirkende Dampfpumpe ohne rotirende Bewegung, welche in jeder Stellung zuverlässig angeht und sowohl bei schnellem wie bei langsamem Gange gleich sicher und vortheilhaft arbeitet.

Ziemlich versteckt liegt zwischen dem Hauptgebäude und der Brauerei das Kesselhaus von Dürr und Comp. in Ratingen, welches den in Fig. 10 dargestellten Kessel enthält. Derselbe hat einen unteren Wasserrohrkessel, welcher in eigenthümlicher Weise nur am vorderen Ende mit dem Oberkessel verbunden ist. Um einen regen Wasserumlauf zu ermöglichen, sind die Wasserröhren nach Art der Field'schen Rohre durch Einsatzröhren getheilt, während der Oberkessel selbst durch eine Längsscheidewand in zwei Theile getrennt ist.

Der Oberkessel steht durch geschweiſste Stutzen mit der sogen. Trennungskammer in Verbindung. Letztere dient zur Aufnahme der Siederohre und zu der eigenthümlichen Trennung des Speisewassers, |116| der aufsteigenden Dämpfe und des dampfführenden Wassers. Diese Trennung geschieht einerseits durch die in die Trennungskammer eingesetzten Scheidewände, andererseits durch die in jedes einzelne Siederohr eingesetzten Speiserohre. Die Einführung des Wassers geschieht vorn in dem Theile des Oberkessels, in welchen auch vorn die aufsteigenden Dämpfe und das dampfführende Wasser zuerst gelangen, und scheiden sich hier die Schlamm theile und die kesselsteinbildenden Stoffe durch die plötzliche starke Erwärmung des Speisewassers aus. Das Speisewasser durchzieht hiernach die beiden Theile des Oberkessels in ihrer ganzen Länge, gelangt dann erst nach dem vorderen Theile der Trennungskammer und von hier durch einzelne Speiserohre in die Siederohre. Hier beginnt die eigentliche Dampfentwickelung, welche durch die dünnen Wandungen der Rohre und die senkrechte Führung der Feuergase zu denselben wesentlich befördert wird. Die Dämpfe steigen in dem hinteren Theile der Kammer nach dem Oberkessel, durchziehen denselben bis zu dem Dome. Bei diesem langen Wege werden sämmtliche im Dampfe haftenden Wassertheile ausgeschieden und somit der Dampf getrocknet.

Das aus dem Dampfe ausgeschiedene Wasser tritt mit dem Speisewasser auf dem vorher beschriebenen Wege wieder nach den Siederohren. Dieser Umlauf des Wassers im Kessel verhindert eine Ablagerung in den Siederohren, welche nur in den Oberkesseln stattfinden kann, und zwar hauptsächlich in dem hinteren Theile derselben, da dieser auſserhalb des Umlaufes liegt und dadurch einen natürlichen Schlammsack bildet. Am tiefsten Punkte des Oberkessels und auſserhalb des Mauerwerkes befindet sich der kegelförmige Ablaſsstutzen, welcher das Ausblasen des Schlammes jederzeit vollständig und ohne jegliche Betriebsstörung ermöglicht.

Die Scheidewand in der Trennungskammer ist so angeordnet, daſs die Herausnahme der Speise- und Heizrohre, sowie auch das vollständige Reinigen der letzteren mit Leichtigkeit stattfinden kann. Die Siederohre sind an ihrem vorderen Ende mit einem aufgeschweiſsten, conisch abgedrehten Ringe versehen und mit demselben in die hintere Wand der Trennungskammer frei von Hand, ohne gerollt oder gewalzt zu werden, eingesetzt und werden durch den Wasser- bezieh. Dampfdruck abgedichtet. Das vollständige Freiliegen der hinteren Rohrenden ermöglicht ein ungehindertes Ausdehnen der einzelnen Rohre, wodurch das bei anderen Systemen so lästige und so oft beobachtete Krumm werden der Rohre vermieden ist. Die Verschlüsse sind in Schmiedeeisen hergestellt und so bearbeitet, daſs sie, ohne Dichtungsmittel zu gebrauchen, vollständig abdichten. Die Verschlüsse in der Trennungskammer werden durch den Wasser- bezieh. Dampfdruck in den Kegel eingepreſst, so daſs ein Nachziehen nie erforderlich, sogar ein Lösen der Schrauben während des Betriebes gestattet ist.

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Der aufgestellte Dürr-Kessel gehört zu den angestrengtesten Kesseln der Ausstellung, da er viel zu kleine Abmessungen hat, um die groſse Menge von ihm beanspruchten Dampfes liefern zu können.

Trotzdem der Kessel, wie gesagt, guten Wasserumlauf hat und der Schlamm sich zumeist nur im Oberkessel absetzen wird, ist doch für das Kesselwasser eine Reinigungsvorrichtung vorgesehen, welche von Dehne in Halle a. d. S. ausgestellt ist.

Bei dieser Reinigungsvorrichtung, welche getrennt vom Kessel aufgestellt ist, wird als Fällmittel für den Schlamm Aetznatron und Soda in einer gewissen Mischung verwendet. Das zu reinigende Speisewasser wird zunächst durch einen Vorwärmer auf die Temperatur von 70 bis 80° gebracht, in welcher es durch die Chemikalien am leichtesten und zweckmäſsigsten angegriffen wird. Die Lauge aus Aetznatron und Soda wird nun durch eine Speisepumpe, deren Hubzahl der der Speisepumpe für das Kesselwasser genau angepaſst ist, in einen Mischkasten gebracht, in welchem die Ausscheidung des Schlammes vor sich geht. Dieser wird beim Durchlaufen der Flüssigkeit durch eine Filterpresse in dieser zurückgehalten und als Kuchen gewonnen.

Ein ebenfalls zu klein gewählter, übermäſsig und namentlich sehr ungleichförmig in kurzen Zwischenräumen angestrengter Kessel ist der im Theater aufgestellte Wasserröhrenkessel von Büttner und Comp. in Uerdingen (vgl. 1885 257 * 1. * 5). Dieser Kessel, welcher 76qm Heizfläche hat, besteht ausschlieſslich aus Wasserröhren von 10cm Durchmesser ohne Dampfsammler und Oberkessel. Derselbe gleicht vollständig einem Root'schen Röhrenkessel. Die schräg gelagerten Wasserröhren werden von den im Zickzack geleiteten Feuergasen durchstrichen. Das Speisewasser wird in beide Enden des unteren Querrohres eingeführt, um Verstopfungen desselben zu vermeiden.

Der Kessel hat 90 Rohre von 2500mm Länge, welche in einer Neigung von 1 : 4 liegen.

Interessant an der Kesselfeuerung ist die Anordnung eines Gebläses in Form eines gewöhnlichen Ventilators von 600mm Flügeldurchmesser, welches bei 600 Umläufen in der Minute 95cbm Luft in den Aschenraum der Feuerung einblasen kann, um dieselbe zu forciren. Vor dem Oeffnen der Feuerthüren bei Beschickung des Rostes tritt der Heizer auf eine Fuſsplatte und schlieſst hierdurch die Luftzuführung, um ein Herausschlagen der Flamme zu verhindern.

Das Gebläse wird durch elektrische Uebertragung betrieben.

Zur Klasse der Wasserröhrenkessel müssen auch die Zwergkessel von Altmann und Comp. in Berlin, sowie von Lilienthal in Berlin gerechnet werden. Die erstere Anordnung ist unter dem Namen Hoffnieister-Motor bekannt. Der Kessel besteht aus einem flachen Oberkessel, aus welchem die Wasserröhren nach unten durch die Feuerung abgebogen sind, so daſs sie mit beiden Enden vom Boden des Oberkessels |118| ausgehen. Der Oberkessel wird jetzt in einem Stücke durch Schweiſsung hergestellt, so daſs unbequeme Dichtungen vermieden werden.

Der Lilienthal'sche neue Dampferzeuger dient zum Betriebe der Maschinerie für ein groſses Nebelhorn, welches mittels verdichteter Luft zum Ertönen gebracht wird. Die Luft wird durch eine Pumpmaschine bis auf 4at in einen Behälter verdichtet, welcher das Nebelhorn – eine dreistimmige Sirene – auf 15 Minuten in Betrieb erhalten kann. Während dieser Zeit muſs nun der Lilienthal'sche Kessel im Stande sein, genügend Dampf zum Anlassen und zum Betriebe der Luftpumpe zu liefern.

Der Dampferzeuger besteht aus mehreren mehrfach hin und her gewundenen über einander liegenden Perkins-Röhren von 22mm lichter Weite, welche in Verbindung mit einander stehen; die unteren Züge der Rohre umschlieſsen den Feuerraum, während durch die oberen Züge die Feuergase mittels Lenkplatten durchzustreichen gezwungen werden. Die Rohre sind so über einander gelegt, daſs sie nahezu ein Quadrat bilden, welches etwa unter 45° schräg gestellt ist. Das Rohrviereck wird durch einen guſseisernen Kasten eingeschlossen.

Das Speisewasser wird in das an der höchsten Stelle des Kessels liegende Rohr stetig zugeführt, um nach den untersten Lagen über der Feuerung gedrängt und hier überhitzt zu werden, so daſs es bei seinem nun erfolgenden Aufstiege allmählich verdampfen kann.

Für einen normalen Betrieb dieses Dampferzeugers erscheint reines, kesselsteinfreies Speisewasser Vorbedingung. Zu diesem Behufe ist eine Oberflächen-Condensation angebracht, welche die Wiedergewinnung des Dampfwassers gestattet.

Modelle erläutern den Zwergkessel von Paul Preunicke und Comp. in Berlin.

Dieser Dampferzeuger besteht aus vier einzelnen durch Kreuzstutzen, mit einander verbundenen Kesseln, derart, daſs die beiden Seitenkessel an ihren Enden Vollkessel sind, während in der Mitte ein Röhrenbündel liegt. Ist schon die Verbindung des Vollkessels mit dem Wasserröhrenkessel eine glückliche zu nennen, so sind in der gleichzeitigen Verbindung des Ober- und Unterkessels, ersterer als Dampfsammler, letzterer als Vorwärmer, die Vortheile der verschiedensten Dampfkesselsysteme vereinigt.

Der Kessel besitzt einen groſsen Wasserraum, so daſs bei veränderlicher Dampfentnahme keine störenden Schwankungen in der Dampfspannung eintreten. Die Feuergase bestreichen zunächst das Röhrenbündel, gehen über den hinteren Vollkessel weg, vereinigen sich unter dem Dampfsammler, umspülen hierauf den Vorwärmer (Bouilleur) und gehen sodann im Fuchse ab. Auſserdem erhalten die vorderen Enden der Vollkessel und der Vorwärmer durch das hocherhitzte Mauerwerk noch indirekte Heizung. Durch die Anwendung des Vorwärmers, in |119| welchem sich die hauptsächlichsten schlechten Wasserbestandtheile absetzen, kann nur reineres Wasser in den Röhrentheil gelangen, welch letzterer ohnedem durch den starken Umlauf des Wassers in den Röhren nur geringe Ablagerungen in denselben zuläſst. Das Wasser kann öfters und während des Betriebes abgelassen werden. Der Dampfkessel ist gegen gefährliche Explosionen gesichert, da bei zu hoher Spannung bezieh. bei Zerreissen eines oder mehrerer Röhren, die Spannung langsam nach unten entweichen kann, während das gleichzeitig ausströmende Wasser das Feuer auslöscht.

Die Ausführung dieses Kesselsystemes kann so bewerkstelligt werden, daſs die einzelnen Kessel an den Kreuzstutzen entweder durch Umflanschungen mit Winkelringen, oder Verschraubungen derart von einander getrennt werden, daſs die drei Unterkessel gesondert sind, während die Kreuzstutzen an dem Oberkessel hängen bleiben. Hierdurch wird möglich gemacht, daſs wenn z.B. der eine Röhrenkessel ausbesserungsbedürftig werden sollte, der Betrieb mit dem anderen Röhrenkessel fortgesetzt werden könnte. Auch dürfte diese Trennung für den Transport und die Aufstellung des Kessels vortheilhaft sein. Bei Raummangel ist die Anordnung nur eines Seitenkessels möglich.

Von der Berliner Maschinenbau-Gesellschaft vormals Schwartzkopff ist – allerdings nicht im Betriebe – ein Kessel von 77qm Heizfläche nach dem Systeme Babcock-Wilcox (vgl. 1888 269 * 449) ausgestellt. Der Kessel besteht vollständig aus Schmiedeeisen, ist ohne Stehbolzen und Versteifungen durchweg mit metallischen Verbindungen ausgeführt. Die Wasserröhren liegen unter 30° nach hinten geneigt. Die einzelnen senkrechten Reihen sind zu einander versetzt angeordnet, so daſs ein lebhafter Wasserumlauf gewährleistet wird. Die Röhren münden an beiden Enden in schmale Wasserkammern, denen eine eigenthümliche Zickzackform gegeben ist, um die Wasserrohre in gedachter versetzter Weise anordnen zu können. Am tiefsten Punkte liegt ein Schlammsammler. Natürlich besitzt auch dieser Kessel einen groſsen, als Dampfsammler dienenden Oberkessel.

St. Leutner und Comp. in Breslau stellen einen Kessel aus, welcher im Wesentlichen aus einem Ober- und einem Unterkessel besteht, die beide durch senkrechte Siederohre mit einander verbunden sind (vgl. Fig. 11 und 12). Zwischen beiden Kesseln streichen die Heizgase.

Ober- und Unterkessel sind liegende Cylinder, deren Länge durch die Gröſse des Kessels bedingt ist; an diesen sind der Länge nach, möglichst dicht neben einander, die eben besprochenen Stutzen angenietet, von denen jeder ein Rohrbündel von 12 Stück aufnimmt. Die Länge der Röhren beträgt etwa 3m und ermöglicht ein drei- bis viermaliges Bestreichen derselben durch die Heizgase. Die sonstige Gesammtconstruction und die Art der Erneuerung ergibt sich aus der Abbildung. Aus dem Speisewasser, welches in den Oberkessel mittels eines |120| durchgehenden Rohres mit vielen Oeffnungen eingeführt und dadurch auf den ganzen Wasserinhalt vertheilt wird, scheiden sich durch die plötzliche Erwärmung die festen Bestandtheile aus und werden mit dem Wasser in den Unterkessel geführt, wo sie sich auf dem Boden ablagern und dadurch aus dem Bereiche des Feuers gebracht werden. Da die eine Hälfte der Röhren bis in den Dampfraum durchgeführt ist, so kann das Speisewasser hier erst vom Unterkessel aus eintreten, während durch die andere Hälfte der Röhren das Speisewasser nach unten fallen muss. Es ergibt sich hieraus ein zuverlässiger und lebhafter Umlauf, welcher das Ansetzen von Kesselstein verhindert. Kleine Inkrustationen werden sich loslösen, aber in den Unterkessel fallen, wo sie nicht mehr schaden können.

Der ganze Kessel ist nur oben aufgehängt, so daſs sich die Röhren mit dem daranhängenden Unterkessel ungehindert ausdehnen und zusammenziehen können; es ist also hier keine Veranlassung zum Undichtwerden der Verbindungsstellen zwischen Röhren und Böden gegeben, wie dies bei den liegenden Röhrenkesseln häufig der Fall ist. Auſser bei den Mannlochverschlüssen und Armaturen sind keinerlei Dichtungsstellen vorhanden.

Sehr beachtenswerth ist die zur Beseitigung von Explosionsgefahren getroffene Einrichtung, welche sich im Allgemeinen dadurch kennzeichnet, daſs bei übermäſsig angestiegenem Innendrucke zwischen den Röhren und dem Oberkessel Oeffnungen entstehen, welche den Druckausgleich herbeiführen und Dampf bezieh. Wasser in die Feuerung schicken.

Zwei geschweiſste runde Stutzen von 600mm Durchmesser besitzen jeder einen Boden von 30mm Stärke, durch welchen die senkrechten Röhren hindurchgehen. Während nun die unteren Rohrenden im Boden des unteren Stutzens unwandelbar befestigt sind, werden die oberen Rohrenden mittels conischer abgedrehter Bunde in die entsprechend bearbeiteten Oeffnungen des oberen Bodens von innen nach auſsen fest hineingesteckt, so daſs sie einen dichten Abschluſs bilden. Die geraden Böden werden bei Ueberschreitung eines bestimmten inneren Kesseldruckes (hier 16 bis 17at) sich durchbiegen; die Röhren können, da sie sich nicht zusammenstauchen lassen, dieser Durchbiegung nicht folgen und müssen deshalb mit ihren conisch eingesetzten oberen Enden aus dem oberen Boden sich überall da herausheben, wo eine merkliche Durchbiegung der Böden eintritt. Hierdurch entstehen ringförmige Oeffnungen am Umfange der Rohrenden, aus denen das Wasser (oder auch der Dampf) entweicht, das Feuer auslöscht und die zu hohe Spannung auf ihr zulässiges Maſs zurückführt. Dies veranlaſst die Böden in ihre frühere Lage zurückzukehren und wieder einen dichten Abschluſs mit den Rohrenden zu bilden.

Die so gefährliche plötzliche Entlastung des Kessels kann hierbei |121| nicht eintreten, da die Oeffnungen zunächst sehr klein sind und auſserdem nach und nach bei den einzelnen Röhren entstehen werden.

Es liegt demnach in der Construction des Kessels selbst eine vollkommene Sicherheit gegen Explosionsgefahr, indem bei zu hoher Spannung langsam und ohne explosive Wirkung Oeffnungen an den Verbindungsstellen zwischen Oberkessel und Röhren entstehen, welche das Wasser entweichen lassen und dadurch den normalen Druck wieder herstellen, während sich die Oeffnungen wieder schlieſsen.

Sollte in Folge von Wassermangel eine Explosionsgefahr eintreten, so werden die zum Theil von Wasser entleerten Röhren sich erst recht aus ihrer Sitzfläche abheben, indem sie sich stark ausdehnen und den Dampf entweichen lassen. Bei sehr energischer und plötzlicher Dampfentwickelung könnten höchstens einige glühende Rohrstücke ohne explosive Wirkung zerstört werden.

Es ist in der That überraschend, mit welcher Zuverlässigkeit bei dem ausgestellten Versuchskessel der eben beschriebene Vorgang sich abspielt, und es wäre äuſserst interessant, diese Versuche auch mittels Dampfdruck, d.h. durch Heizung des Kessels vorzunehmen.

Zu den eigentlichen Groſswasserraumkesseln übergehend, haben wir zunächst den zum Betriebe der Brauerei dienenden Zweiflammrohrkessel von H. Paucksch in Landsberg a. W. zu erläutern, welcher 75qm Heizfläche bietet und mit einer neuen Form der Tenbrink-Feuerung ausgerüstet ist.

Die Flammrohre des Kessels sind besonders eigenthümlich, da sie aus einzelnen kurzen Schüssen zusammengesetzt sind, welche verschieden groſse Durchmesser haben. So besitzt z.B. der ausgestellte Kessel Flammrohre, deren Schüsse, an der Feuerung angefangen, folgende Durchmesser haben: 800mm bei 1m Länge, 750mm, 700, 650, 700mm bei je 500mm Länge u.s.w. Man ersieht hieraus, daſs die Verengungen und Erweiterungen des Flammrohrquerschnittes nicht unbeträchtlich sind. Der Zweck dieser Anordnung geht dahin, Wirbelungen der Federgase hervorzubringen, um eine bessere Ausnutzung und Verbrennung zu erzielen.

Die einzelnen Schüsse sind nach auſsen umgebördelt und hier durch einen Versteifungsring verbunden. Diese Verbindung ist ungemein fest und sicher, wie zwei ausgewechselte Flammrohre beweisen, welche in Folge Ausglühens ungeheuer eingebeult sind, ohne daſs die Flanschen irgend welche Beschädigung erkennen lassen.

Die benutzte Tenbrink-Feuerung hat eine ungewöhnliche Anordnung. Ueber dem durch Schüttfeuerung beschickten schräg liegenden Roste, welcher nicht im Wassermantelrohre liegt, befinden sich zwei Wasserquerrohre, welche die Feuergase nach vorn ablenken gegen ein drittes oberhalb gelagertes Querrohr, welches die Gase dann in die Feuerrohre drängt.

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Das Speisewasser wird in das unterste Querrohr von unten aus dem Hauptkessel zugeleitet, so daſs es bereits ziemlich stark erhitzt, also möglichst schlammfrei in den Tenbrink-Apparat gelangt, diesen also der Gefahr der Verschlammung möglichst wenig aussetzt.

Eine eigenartige Verallgemeinerung der Galloway-Rohre wird in einem Flammrohre von M. Jahr in Gera gezeigt. Statt der kreuzweise in das Feuerrohr eingesetzten Galloway-Rohren sind in den Umfang des Feuerrohres Einbauchungen a (Fig. 13) hergestellt, welche durch Klappen b so geschlossen werden, daſs Oeffnungen cd frei bleiben, durch welche das Wasser hindurch streichen kann.

Diese taschenartigen Wasserrohre bieten den Vortheil, daſs sie durch ihre seitliche Lage im Feuerrohre leicht zugänglich sind, da die Deckel ohne Mühe gelöst und abgenommen werden können.

In einem besonderen Kesselhause von Rich. Schwartzkopff in Berlin befindet sich ein Feuerrohrkessel, der an sich keine besondere Eigenthümlichkeiten bietet, aber jedenfalls zu den interessantesten Ausstellungsgegenständen zu rechnen ist, weil er eine groſse Zahl hervorragender Maſsregeln aufweist, welche die Sicherheit des Kesselbetriebes gewährleisten sollen. Der Kessel hat ausschlieſslich den Zweck, die Schwartzkopff'schen Specialitäten im Betriebe vorzuführen und ihre Anordnung und Wirkungsweise zu zeigen. Eine besondere Anziehung übt dieser Kessel noch insofern aus, als derselbe innen elektrisch beleuchtet ist und durch den Wasserstandszeiger dem Beschauer Einblick in den Kessel zur Beobachtung der verschiedenen Vorgänge im Kessel gestattet. Die einzelnen Apparate werden später besprochen werden, nachdem wir die ausgestellten Locomobilkessel erwähnt haben. Diese Ausstellung findet nur ein schwaches Gegenstück in dem kalt ausgestellten, gleichfalls alle möglichen Sicherungen zeigenden Seitrohrkessel in der Abtheilung der königl. preuſsischen Eisenbahnen.

R. Wolf in Buckau-Magdeburg ist mit drei seiner Locomobilen auf Tragfüſsen – oder wie diese Locomobilenart ebenso widersinnig wie geschmacklos genannt wird, stationären Locomobilen – vertreten. Zwei dieser Locomobilen von je 45qm Heizfläche sind ständig in dem Maschinenhause von Siemens und Halske für die elektrische Beleuchtung thätig und zeichnen sich diese durch ihre auſserordentliche Leistungsfähigkeit aus, da sie mit nicht weniger als 70 angestrengt sind.

Die eigentliche Ausstellungslocomobile von 50qm Heizfläche dient zum Betriebe der Keſsler'schen Mühle und ist in einem besonderen Gebäude aufgestellt. Die Locomobile ruht auf Tragfüſsen und ist mit Compoundmaschinen versehen. Sie besitzt einen ausziehbaren Röhrenkessel mit 95 Röhren von 51mm innerem Durchmesser. Die Gesammtlänge des Kessels beträgt 5m bei 1m,5 Durchmesser. Der auſserordentliche Effect dieser sehr verbreiteten Compoundlocomotive erklärt sich |123| aus der günstigen Lage der Dampfcylinder im Dampfraume des Kessels, so daſs hier der denkbar beste Schutz gegen Dampf- bezieh. Abkühlungsverluste durch die Maschine und die Vermeidung jeder Dampfleitung gegeben ist.

Kolbenführung, Kurbel, Schwungrad und Riemenscheibe sind auf dem Kessel befestigt. Eine Abstellvorrichtung ist bereits früher beschrieben worden.

Mehrere ähnlich gebaute „fahrbare“ Locomobilen sind von H. Lanz in Mannheim ausgestellt. Dieselben sind nicht im Betriebe vorgeführt, zeigen aber alle möglichen Sicherheitsvorrichtungen, wie sie der Betrieb auf freiem Felde fordert. Die gröſste Locomobile kann 45 leisten.

Die von C. Beermann in Berlin, sowie von der Actiengesellschaft H. F. Eckert in Berlin ausgestellten Locomobilen lassen keine wesentlichen Abweichungen von der üblichen Bauart erkennen.

Die merkwürdigerweise so wenig beachtete Ausführung der Locomobilen mit stehendem Kessel ist nur von Petzold und Comp. in Berlin ausgestellt. Diese Locomobilenart sollte wirklich seitens der Landwirthschaft mehr gepflegt werden, da sie sehr viele Vortheile gegenüber den Locomobilen mit liegendem Kessel zeigt. Zunächst ist die getrennte Aufstellung von Kessel und Maschine durchgeführt, dann aber ist der verhältniſsmäſsig kleine Kessel mit groſser Heizfläche auszurüsten und verlangt die geringe freie Wasseroberfläche keine peinlich wagerechte Aufstellung im Felde.

Die Locomobile von Petzold und Comp. leistet 8 ; sie besitzt einen stehenden Feuerbüchskessel von 10qm Heizfläche mit 24 engen Quersiederohren.

Von Scharrer und Groſs in Nürnberg sind ebenfalls halblocomobile Maschinen mit stehendem Kessel nach dem Systeme Lachapelle zur Ausstellung gebracht. Die hohe, rings von Wasser bespülte Feuerbüchse, in welcher sich wagerechte Sieder kreuzen, schlieſst den Feuerherd ein. Die Sieder, durch welche das Wasser umläuft, werden von der Flamme senkrecht getroffen und brechen dieselbe.

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