Titel: Maschinen und Werkzeuge für die Bearbeitung von Röhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274 (S. 150–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/ar274020

Maschinen und Werkzeuge für die Bearbeitung von Röhren.

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 9.

Hilles und Jones' Rohrblech-Biegemaschine. Der groſse Bedarf von Blechröhren zur Leitung von Erdöl und natürlichem Erdgase in den |151| Vereinigten Staaten ist Veranlassung zur Ausbildung von Sondermaschinen zur Herstellung solcher Rohre.

Nach American Machinist, 1889 Bd. 12 Nr. 14 * S. 1, bauen Hilles und Jones in Wilmington, Del., Amerika, die im Schaubilde vorgeführte Biegemaschine, welche hauptsächlich wegen ihrer Abmessungen bemerkenswerth erscheint. Auf dieser Maschine können Bleche von 6100mm Länge zu Röhren von 235mm und mehr Durchmesser gerollt werden.

Fig. 1., Bd. 274, S. 151

Die äuſseren Walzenlagerständer, sowie das mittlere Stützlager der Unterwalzen sind auf einer gemeinschaftlichen Bettung aufgeschraubt, an welche sich der Rahmen für das Triebwerk anschlieſst. An Stelle der bei uns üblichen Verschiebung der beiden Betriebsriemen zum Zwecke des Vor- und Rücklaufes der Biegewalzen, sowie zur Abstellung der Maschine ist eine doppelte Reibungskuppelung angebracht, auf deren Losscheiben je ein offener und ein geschränkter Riemen aufläuft. Mittels entsprechend starker Räderumsetzungen wird der Betrieb der unteren Walzen eingeleitet. Von der ersten Antriebswelle aus wird durch ein besonderes Räderwerk eine Mittelwelle betrieben, an deren Enden mittels Winkelräder die Schraubenspindeln bethätigt werden, welche die beiden Lager der freilaufenden oberen Biegewalze verschieben. Selbstverständlich ist das linke Lager zum Kippen eingerichtet, wodurch der Walzenzapfen freigelegt und das geschlossene Rohr herausgeschoben werden kann. Das Gewicht dieser Maschine ist zu 12t angegeben.

D. Saunders' Gewindeschneidmaschine. Um die vortheilhafteste Arbeitsgeschwindigkeit einhalten zu können, wird der erforderliche Wechsel der Umlaufszahl dadurch herbeigeführt, daſs zwischen der Stufenscheibe und der Hauptspindel noch eine Welle eingeschaltet ist. Diese steht mit der Hauptspindel durch ein Räderpaar in feststehender Verbindung, während dieselbe mit der Stufenscheibenwelle mittels Versatzräder einen Eingriff von wechselnder Uebersetzung erhält.

Nach Iron vom 18. Januar 1889, * S. 51, besitzt diese Maschine zwei Gewindeschneid Vorrichtungen, von denen die vordere zum Anschneiden von Gewinden am kurzen Rohrende, die hintere zum Wegdrehen eingerichtete aber für längeres Gewinde bestimmt ist. Zum Halten dient die mittels Doppelschraube versehene Führungskluppe am Schlitten. Auſserdem ist noch ein kleiner Schrägschlitten für den Abstechstahl vorgesehen. Um während des Betriebes ein Ecken oder |152| Schieſstellen des Hauptschlittens zu verhindern, erfolgt der Vorschub desselben gleichzeitig mittels zweier Zahnstangentriebwerke auf gemeinschaftlicher Welle.

Fig. 2., Bd. 274, S. 152

Die hohle Hauptspindel, sowie die selbstcentrirende Spannscheibe ist für Rohre von 100 bis 300mm Durchmesser eingerichtet.

L. Liebrecht's Rohrschneider. Auſser dem früher beschriebenen Handrohrschneider (vgl. D. p. J., 1888 270 * 528) haben L. Liebrecht in Berlin noch die in Fig. 3 und 4 dargestellten Ratschenrohrschneider sich patentiren lassen (D. R. P. Nr. 40699 vom 22. Februar 1887), welche in drei Gröſsenabstufungen für Rohre, Wellen u. dgl. von 50 bis 210mm Durchmesser hergestellt werden.

Fig. 3., Bd. 274, S. 152
Fig. 4., Bd. 274, S. 152
Fig. 5., Bd. 274, S. 152

Für gröſsere Durchmesser wird das doppelschneidige Abstechmesser mittels der Druckspindel entsprechend zurückgestellt, während der Schnittvorschub mit Handbetrieb durch den Querstift vorgenommen wird. Zur Abminderung der Reibung sind Gegendruckrollen vorgesehen, zur bequemen Anlage an die abzuschneidenden Rohre ist diese Vorrichtung zweitheilig hergestellt.

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Noble, Hull and Co. in Erie, Amerika, bringen in ihrem Rohrschneider Acme (Fig. 5) statt eines Schneidstahls einen Stahlwürfel zur Anwendung, dessen 12 Kanten abwechselnd zum Schneiden verwendet werden. Zur Vermeidung des Kippens umfaſst der das Schneidwerkzeug enthaltende Obertheil gabelartig den Stützhebel (Industries, 1888 * S. 207).

A. Paterson's Rohrbördelmaschine. Zum Bördeln, Anwulsten und zur Formgebung von Rohrenden wird von A. Paterson in Mackeesport, Pennsylvanien, Amerika, eine Maschine für Kraftbetrieb gebaut, die nach dem Englischen Patent Nr. 17119 vom 13. December 1887 in Fig. 7 Taf. 9 dargestellt ist.

In den bügelförmigen Gerüstständern A und B sind zwei Walzen D, D derart schräg und gleichzeitig versetzt gelagert, daſs das zu formende Rohr längsseits zwischendurch geführt werden kann. Die entsprechenden, in den Ständerführungen gleitenden Walzenlager C, C sind vermöge stehender Schraubenspindeln M in der Höhenrichtung stellbar.

In wagerechter Führung des Ständers A sind hingegen mittels Zahnstangen T die Zapfenklötzchen S, R für die Bördelrollen verschiebbar, während durch das am Ständer B angeschraubte Futtergehäuse E und das hierin sich frei drehende Backenwerk F das Rohr durchgeht und gehalten wird.

Der Betrieb der Schrägwalzen D geht von der Schneckenwelle G durch J auf die stehenden Seitenwellen K über, von wo er mittels zweier Schneckenradtriebwerke K auf die Walzenwellen übertragen wird. Diese Antriebsweise gestattet mit Leichtigkeit Schrägstellungen der Walzen wellen D.

Fig. 6., Bd. 274, S. 153

Die Anstellung oder die eigentliche Steuerung wird von der Antriebswelle G mittels Wechselgetriebe O, P und der Zahnkuppelung Q abgeleitet und durch die Welle L mittels der Schneckentriebwerke N auf die vier stehenden Lagertragspindeln ohne Weiteres übertragen, so daſs hierdurch die Walzenentfernung geändert bezieh. die Walzen D einander genähert oder entfernt werden können, und hiermit das durchgeschobene Rohr in Drehung versetzt wird.

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Mit dieser Walzenverschiebung werden aber gleichzeitig durch Vermittelung der auf den zwei linksseitigen Spindeln M befindlichen Getriebe U die Zahnstangen T und mit diesen die Zapfenklötzchen S der Bördelrollen R genähert und entfernt.

Rohrklemmen und Rohrschlüssel. Hierfür dürfte wohl die bildliche Darstellung als genügend zureichend sein.

Bauer and Son in Brockley Tool Works, Kent, bauen die Zangenklammer Fig. 6.

Felthousen and Sherwood in Buffalo, N. Y., Amerika, stellen den in Fig. 7 ersichtlichen Gasrohrschlüssel her, welcher aus einem Keilstiel und Ueberlegklammer besteht. Wird die Klammer nach links verlegt, so dient diese Vorrichtung ganz wohl als Schraubenschlüssel.

Fig. 7., Bd. 274, S. 154
Fig. 8., Bd. 274, S. 154
Fig. 9., Bd. 274, S. 154
Fig. 10., Bd. 274, S. 154

Ellrich Hardware in Plantsville, Connecticut, Amerika, erzeugen nach Industries vom 25. Mai 1888 die Parallelzange Fig. 8 und T. R. Ellins in Sheffield gepreſste Rohrzangen aus Stahl (Fig. 9), während von A. Ambler in Springfield, Ohio, ein gewöhnlicher stellbarer Schraubenschlüssel dadurch als Rohrschlüssel gebraucht werden kann, daſs ein kleines geriffeltes Stahlröllchen Fig. 10 zwischen Rohr und Spannbacken eingelegt wird.

A. Rast's Wasserrohrreiniger. Um die Innenwandung der Siederöhren bei Wasserrohrdampfkesseln von Kesselstein zu reinigen, ist von A. Rast in Wien die in Fig. 8 bis 10 Taf. 9 ersichtliche Vorrichtung ersonnen worden.

Nach dem Englischen Patent Nr. 16657 vom 28. December 1888 besteht dieselbe aus einem Kolbenkörper a mit Rohrverlängerung f und Kurbel g.

Durch die Achse von a schiebt sich die Stange c, welche eine Druckscheibe trägt, die vermöge einer Mutter c1 zurückgezogen werden kann.

Dadurch werden drei federnde Zapfenhebel nach auswärts gepreſst, von denen einer ein Schneidrad, die anderen aber Zahnrädchen tragen.

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Diese zerschneiden und zerkrümeln die abgelegte Kesselsteinhaut, wodurch beim gleichzeitigen Drehen und Durchschieben dieser Vorrichtung das Kesselrohr gereinigt wird.

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