Titel: Neue Maschinen und Werkzeuge zur Holzbearbeitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274 (S. 206–213)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/ar274028

Neue Maschinen und Werkzeuge zur Holzbearbeitung.

(Patentklasse 38. Fortsetzung des Berichtes Bd. 271 S. 1.)

Mit Abbildungen auf Tafel 12.

Sägen und Sägemaschinen.

Die Gliedersägen, welche bereits seit Jahren gelegentliche Verwendung zum Querschneiden, namentlich beim Fällen von Bäumen fanden, scheinen neuerdings wieder mehr in Aufnahme zu kommen und zwar in der Form von Handsägen. Für die Verwendung spricht die leichte Zusammenlegbarkeit der Säge, gegen die Verwendung die etwas schwere Arbeit mit der Säge und die erhöhte Beschädigungsfähigkeit der einzelnen gekuppelten, meist vernieteten Glieder. Eine neue Form solcher Gliedersägen von W. F. Stanley in South Norwood, England, beschreibt Scientific American, Suppl. für 1889; dieselbe ist in Fig. 1 dargestellt.

Diese Säge wird aus einer Anzahl gehärteter Stahlscheiben gebildet, welche in doppelten Reihen an einander genietet sind, ähnlich wie die Glieder einer Golle'schen Gelenkkette. Jede Scheibe oder Platte ist mit zwei sägezahnförmigen Enden versehen, und zwar sind die Zähne alle nach innen gerichtet, wodurch je ein Zahn einer vorn und einer hinten liegenden Scheibe zusammen eine M-förmige Schneide bilden und von jeder Scheibe die eine Seite nach der einen und die andere Seite nach der anderen Richtung zu schneidet. Nach den Spitzen hin werden die Platten etwas schwächer, so daſs die Säge auch nach dem Nachschärfen immer einen sauberen Schnitt liefert. An beiden Enden der Säge sind starke Drahtstücke befestigt, welche Oesen zur Aufnahme der hölzernen Handgriffe besitzen, die beim Transport der Säge aus den Oesen herausgezogen werden können. Die ganze Sägenkette läſst sich dann bequem zusammenlegen und in einer Ledertasche, welche an einem Riemen über die Schulter zu tragen ist, leicht transportiren. Da die einzelnen Scheiben durch Stanzen hergestellt werden können, ist der Preis des Werkzeugs ein niedriger. Dasselbe wiegt wenig über 0k,75 und entspricht einer gewöhnlichen Baumsäge von 1m,25 Länge. Ein Versuch ergab, daſs man mit der neuen Säge einen lebenden Baum von 30cm Durchmesser in fünf Minuten absägen konnte.

W. Bundy in Minnesota, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 47299 vom |207| 4. September 1888) schaltet zwischen je zwei besonders gestaltete und arbeitende Schneidezähne einer Säge einen sogen. Putzzahn ein, welcher den Zweck hat, den Sägenschnitt zu glätten und also beim Schnitt möglichst glatte Flächen zu erzielen, die keiner weiteren Bearbeitung bedürfen.

Wie aus Fig. 2 zu ersehen, haben die Zähne a und b an einer Kante eine Sehneidfläche c erhalten, welche sich vor der anderen Kante desselben Zahnes befindet und durch Abschrägen der betreffenden Kante hergestellt wird. Der eine Zahn ist rechtsseitig, der andere dagegen linksseitig abgeschrägt, so daſs demnach die Messerschneide des einen Zahnes auf die eine, die des nächsten Zahnes jedoch auf die andere Seite zu liegen kommt. Die Neigung der abgeschrägten Fläche ist genügend groſs, um eine richtige Schneidkante an jedem Zahne zu erhalten. Hinter den Schneidzähnen a und b, welche in Sätzen zu zweien angeordnet sind, liegt ein Meiſsel- oder Putzzahn e, dessen vordere und hintere Kante sich parallel oder annähernd parallel zu einander und dessen Längenrichtung sich unter einem kleinen Winkel zur Mittellinie des Sägeblattes erstreckt. Die vordere Kante f des Zahnes c liegt quer zu der Bahn des Sägeblattes und etwas tiefer als die hintere Kante g desselben. Zwischen diesem Meiſselzahn c und den Schneidzähnen ab ist eine Aussparung o angebracht, welche eine gröſsere Tiefe als der Raum h zwischen den beiden Schneidzähnen besitzt. Der Meiſselzahn e wird dabei etwas kürzer gemacht als die beiden Schneidzähne ab. Bei neuerer Abänderung sind die Schneidkanten der Schneidzähne wie vorbeschrieben hergestellt, doch liegen dieselben parallel oder annähernd parallel zu den Flächen des Sägeblattes. Bisher wurden die Enden der Zähne rechts- und linksseitig geneigt, und das Sägen geschah durch die scharfen Enden der Zähne, welche die Fasern des Holzes abbrechen, während bei der vorliegenden Neuerung die Schneidkante jedes Schneidzahnes derartig rechts- und linksseitig geschränkt ist, daſs dieselbe parallel zur Seitenfläche des Sägeblattes liegt. In Fig. 3 sind die Schneidkanten ij nicht geschränkt dargestellt und liegen in derselben Ebene wie die Seitenflächen des Sägeblattes, in Fig. 4 dagegen haben sie eine Schränkung empfangen, so daſs sie sich nun parallel zu den Seitenflächen des Blattes, jedoch nicht in derselben Ebene mit letzterem erstrecken. Da jede der Schneidkanten ihrer ganzen Länge nach in derselben Ebene liegt, so wird das Holz in ähnlicher Weise wie durch ein Messer zertheilt, im Gegensatz zu den bisher gebräuchlichen Zähnen, welche das Holz seitwärts abbrechen. In Fig. 4 ist der Deutlichkeit halber die Schränkung stärker angedeutet, als sie in der Praxis ausgeführt wird, in welcher sie nur in sehr geringem Maſse zur Anwendung kommt. Beim Gebrauch macht der Zahn a einen Schnitt auf einer Seite des von der Säge weggenommenen Raumes, der Zahn b dagegen auf der anderen gegenüberliegenden Seite, und lassen beide Zähne das zwischen diesen Schnitten liegende Holz unberührt. Der unmittelbar den beiden Zähnen ab folgende Meiſselzahn e reinigt hierauf den zwischen besagten Schnitten liegenden Raum, wobei die Aussparung o als Sammelraum für das Sägemehl dient, bis dieses über die Kante des durchgeschnittenen Holzes fällt. Die Thätigkeit der Zähne ab besteht demnach darin, Schnitte zu beiden Seiten des von der Säge weggenommenen Raumes zu machen, während der Meiſselzahn e den Raum zwischen den beiden Schnitten reinigt. Da die Zähne ab mit Messerflächen versehen sind, so schneiden sie die Faser des Holzes direkt und brechen dieselbe daher nicht ab, wie dies durch die Zähne der bisher gebräuchlichen Sägen geschah.

Zweck der in Fig. 4 a dargestellten neueren Zahnform von A. Mersing in Galatz (* D. R. P. Nr. 46344 vom 5. August 1888) ist, die senkrecht arbeitenden Gattersägen zu befähigen, in beiden Richtungen der Bewegung des Sägegatters, also beim Niedergang wie auch beim Aufgang zu schneiden. Die Zähne haben zu diesem Behüte M-Form. Ihre Flächen ab und a1 b1 sowohl, als ac und a1 c sind unter einem spitzen Winkel gegen die eine und unter dem entsprechenden Gegenwinkel gegen die andere Fläche des Sägeblattes |208| geneigt. Die Neigungswinkel von ac sind möglichst gleich denjenigen von a1 c, so daſs die Linien d-e und f-g im Schnitt nach 1-2 möglichst parallel sind. Der Schrank der Spitzen a und a1 eines und desselben Zahnes ist zwar klein, aber verschieden, und zwar ist die Richtung des Schrankes der Spitze a der Richtung des Schrankes a1 entgegengesetzt, wie im Schnitt nach 3-4 zu sehen. Deshalb stellen sich die Ebenen df und eg der Spitzen der Zähne in dem Schnitt nach 1-2, als unter einem sehr spitzen Winkel zur Fläche des Sägeblattes geneigt dar. Die gezeichneten Winkel sind nicht allein als diejenigen anzusehen, unter welchen die Schärfung und Schränkung der Zähne ausgeführt werden; diese sind vielmehr von der Art des Holzes sowohl, als von dessen Feuchtigkeitsgrad abhängig.

Gattersägen.

Die Firma F. Arbey et fils in Paris bringt zufolge einer Mittheilung in Revue industrielle, 1889 * S. 35, ein Bundgatter in den Handel, welches mit beständigem Vorschub des Holzes und beim Auf- und Niedergänge schneidenden Sägen ausgestattet ist. Fig. 5 und 6 zeigt die Gattersäge in zwei Ansichten.

Das Gatter wird von dem oberen Querstück B des Rahmens mittels der Pleuelstangen D von den Kurbelscheiben F der Triebwelle G aus angetrieben. Letztere erhält ihre Umdrehung durch die Riemenscheibe H. Von der Triebwelle G wird die an den Querstangen I und dem Lager J angeordnete endlose Schraube K betrieben, welche durch das Schneckenrad L die Welle M mit den Stufenscheiben N bewegt. Von letzteren wird mittels des Riemens O die Stufenscheibe P bethätigt, welche durch die Querwelle Q, die Kegelräder RS, die senkrecht in einem mittels des Handrades d verstellbaren Schlitten X gelagerte gerillte Speisewalze W für den Vorschub des Blockes betreibt. Die Gegen walze C läuft im Support b. Um den Block während der Arbeit nieder zu drücken, ist hinter den Sägen der mit Gummibuffer h ausgerüstete Halter f vorgesehen und vor den Sägen eine durch Gegengewicht niedergedrückte Rolle.

Die in D. p. J. 1888 267 * 385 beschriebene Vorschubvorrichtung für Horizontalgatter, welche beim Vorwärts- und Rückwärtsgange schneiden, hat von Goede in Berlin eine weitere Veränderung erfahren (Zusatz * D. R. P. Nr. 46390 vom 4. September 1888).

Das nach dem Hauptpatent Nr. 37458 und ersten Zusatzpatent Nr. 41950 angeordnete Vorschubsystem, welches den Vorschub bei beiden Hubrichtungen im gleichen Geschwindigkeitsverhältniſs mit den Sägen zur Wirkung bringt, kann durch Ersetzung der beiden Excenterkegel mit einem Excenterkegel und zwei unter 180° anliegenden Rollen bewirkt werden. Fig. 7 zeigt hierzu eine Seitenansicht und Fig. 8 die Oberansicht.

Der Excenterkegel D ist mit Nuth und Feder auf die Welle A gesetzt, so daſs diese ihre Rotation auch auf den Excenterkegel überträgt und dadurch die beiden einander gegenüber an dem Excenterkegel liegenden Rollen P und P1 zu der den Vorschub erzeugenden Bewegung veranlaſst werden. Diese Bewegung wird nach den auf den Zapfen R und R1 schwingenden Hebeln Q und Q1 übertragen.

Der Hebel Q1 ist als Winkelhebel ausgebildet und überträgt seine Bewegung mit dem nach unten zeigenden Arm durch Verbindungsglied O auf den nach oben zeigenden Arm des Winkelhebels Q2, so daſs mit den Hebeln Q1 und Q2 durch die Zugstangen FF1 und Hebel HH1 die vom Excenterkegel den Rollen gegebene Bewegung auf die Frictionskegel HH1 und von diesen |209| auf das Frictionsrad K zur Vorschubbewegung mit bekanntem Weitertransport übertragen wird. Die ringförmige Nuth D1 des Excenterkegels dient zum Eingriff eines Hebels zur Verstellung des Kegels in der Achsenrichtung für verschiedene Verschubgröſsen.

Aehnlicher Art ist die Vorschubeinrichtung für Horizontalgatter, welche von W. Wagener in Dahme (* D. R. P. Nr. 45688 vom 30. März 1888) vorgeschlagen wird.

Die Vorschiebevorrichtung besteht aus einem Rade a (Fig. 9) mit eingedrehter Rille, worin sich zwei Sperrkegel b und b1 befinden, die in den Kniehebeln c und q gelagert sind und auf den Bolzen d und d1 drehbar festklemmen. Die Kniehebel c und q, um die Welle q drehbar, sind durch die Verbindungsstangen e und e1 mit dem Kunstkreuz f, das in dem Block g gelagert und um den Bolzen h drehbar ist, verbunden. Das Kunstkreuz ist durch die Verbindungsstange i mit dem auf der Steuerungswelle k aufgehängten Coulissenhebel l verbunden. Die Steuerungswelle k trägt vorn einen Kebel m, welcher durch die Schiene n mit der Verbindungsstange i verbunden ist, wodurch bei Drehung der Steuerungswelle k die Verbindungsstange i an dem Coulissenhebel verschoben werden kann. Die Steuerungswelle k und das Rad a ist in dem Block o gelagert. Der Coulissenhebel l ist durch die Verbindungsstange p mit einer auf der Gatterwelle sitzenden Kurbel verbunden und erhält hierdurch seine Bewegung. Die Bewegung des Rades a, welches auf der Welle q festgekeilt ist, wird von der Gatterwelle durch die angeführten Hebelvorrichtungen in der Pfeilrichtung bewirkt und die Welle q überträgt durch Räderübersetzung diese Bewegung auf den Gatterwagen.

Die Bewegung erfolgt durch eine Kurbeldrehung in gleicher Art, wie sich die Säge bewegt. Die zum Betriebe des Schaltrades a des Sägegatters dienenden Frictionsschaltkegel b und b1 sind auf den Bolzen d und d1 drehbar, die in den auf Welle q sitzenden Kniehebeln c und c1 lagern. Das Kunstkreuz f, das in dem Bock g gelagert und in h aufgehängt ist, wird durch die Schienen e und e1 mit den Kniehebeln c und c1 verbunden. Der Coulissenhebel l ist auf der Steuerungswelle k aufgehängt und diese in dem Bock o gelagert; er erhält seine Bewegung durch die Zugstange p, schwingt also um o von der Gatterwelle r durch die Kurbelscheibe s. Auf die Steuerungswelle k ist der Hebel m aufgekeilt, die Verbindungsschiene i verbindet das Kunstkreuz f mit dem Coulissenhebel l, die Verbindungsschiene t ist durch n mit dem Hebel m verbunden. Wird die Steuerungswelle k gedreht, so wird durch Uebertragungen von m und n die Verbindungsschiene i in dem Coulissenhebel l gehoben bezieh. gesenkt; die Ausschlagbewegung des Coulissenhebels ist, da sich der Kurbelhub nicht ändert, gleich groſs. Die Stellung der Verbindungsschiene i in dem Coulissenhebel l ermöglicht, daſs die Ausschlagbewegung des Kunstkreuzes f eine verschiedene sein kann.

Da die Hebel c und c1 ihre Bewegung durch das Kunstkreuz f erhalten, greifen die Frictionsschaltkegel b und b1 abwechselnd in das Schaltrad a ein, so daſs bei einer Kurbeldrehung der Gatterwelle das Schaltrad a zwei gleiche Bewegungen in demselben Sinne wie die Säge machen muſs. Der Coulissenhebel l sitzt lose auf der Steuerungswelle k; da die Steuerungswelle k während des Ganges beliebig gedreht werden kann, wird das Kunstkreuz eine kleinere oder gröſsere Ausschlagbewegung machen, die in derselben Weise auf das Schaltrad a übertragen wird.

Unter Bezugnahme auf die letztbeschriebenen Constructionen ist in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1889 * Nr. 10 und * Nr. 18, unterstützt durch Versuche, eine abfällige Beurtheilung des beständigen Vorschubes veröffentlicht. Die bezügliche Kritik hat im Wesentlichen folgenden Inhalt.

Das Wagerechtgatter ist eine Maschine, welche aus dem Mechanismus der geschränkten Schubkurbel , Fig. 10 und 11, besteht, und nur in einem Falle, nämlich dem, daſs der Sägerahmen in der Wagerechtebene der |210| Kurbelwelle liegt, in die rotirende Schubkurbel , Fig. 12, übergeht.

Hieraus ergibt sich, daſs die Geschwindigkeit der Säge, in den Figuren mit c bezeichnet, in jedem Falle, wo die Differenz der Glieder c-d in der kinematischen Kette eine andere ist, sich ändert. In dem hier gegebenen Falle ist die Differenz der Glieder c-d höchstens gleich – 370mm (Fig. 10) und gleich + 630mm (Fig. 11). Die Geschwindigkeitscurve des Stückes c bei c-d = + 630mm ist in Fig. 13 aus der punktirten Linie, bei c-d = – 370mm aus der mit Strichpunkt gezeichneten Linie ersichtlich, während die ausgezogene Linie die Geschwindigkeitscurve für den Fall c-d = 0 zeigt, d.h. wo die geschränkte Schubkurbel (C3'' P +) in die rotirende Schubkurbel (C3'' P ) übergegangen ist.

Will man eine möglichst groſse Leistung erzielen, so erscheint es angemessen, jedem Sägenzahn eine gleiche Arbeit zu ertheilen, d.h. die Vorschubgeschwindigkeit des Blockes proportional der Sägengeschwindigkeit zu machen.

Wie Fig. 13 zeigt, ist die Sägengeschwindigkeit v für die verschiedenen Stellungen des Blattes annähernd gleich der der rotirenden Schubkurbel, und man würde deshalb den Mechanismus der rotirenden Schubkurbel selbst zum Vorschub benutzen können, wenn nicht die durch diese Bewegungsart hervorgerufenen Massendrücke bei der groſsen Geschwindigkeit hindernd in den Weg treten; denn bei Anwendung der rotirenden Schubkurbel ist der Block von der Ruhe in eine gewisse Geschwindigkeit, abhängig von der Gröſse des Vorschubes, zu versetzen und muſs dann wieder in Ruhe übergehen. Um dies erstere zu bewerkstelligen, ist eine Kraft P erforderlich, welche sich nach der

Formel für Centrifugalkraft berechnen läſst, wenn der Quotient klein genommen wird,

P = 0,00112 g. r. n2.

Für n ist die doppelte Umdrehungszahl des Gatters zu nehmen, da die Säge beim Hin- und Rückgang schneidet.

Für ein Gatter von 1000mm Stammdurchgang mit 260 Umdrehungen in der Minute und einem Stamm von 8m Länge und 0m,3 Durchmesser ist das Wagengewicht = 1000k, das Blockgewicht = 500k;

g = 1500k.

Der Vorschub sei 6mm auf eine Umdrehung; das gibt r = 1mm,5 und

P = 0,00112. 1500 . 0,0015. 5202 = 683k.

Diese Kraft P ist sowohl zur Geschwindigkeitsbeschleunigung als auch zur Geschwindigkeitsverzögerung erforderlich. Da die Geschwindigkeitsverzögerung aber lediglich durch Reibung hervorgebracht werden muſs, so ist diese auch bei der Geschwindigkeitsbeschleunigung zu überwinden, woraus als mindeste Vortriebkraft

2 P = 1366k

hervorgehen würde.

Diese Kraft P wächst proportional mit dem zunehmenden Gewichte des Stammes und läſst wegen ihrer Gröſse den variablen Vorschub als nicht vortheilhaft erscheinen.

Trotzdem hat aber in letzter Zeit ein periodischer Vorschub, D. R. P. Nr. 36232 und Nr. 37458, von sich reden gemacht, bei dem die rotirende Schubkurbel durch Curvenkegel ersetzt worden ist. Um ein klares Bild von diesem neuen Vorschub im Verhältniſs zu dem alten gebräuchlichen zu bekommen, sind Diagramme aufgenommen. Hierzu ist die Vorrichtung Fig. 14 benutzt worden.

An dem Gestell a ist eine hohle Säule b befestigt, in welcher sich ein Kolben c nach oben und unten, ohne seitliche Drehungen zu gestatten, bewegen kann. Ueber dem Kolben liegt eine Feder d, welche ihn stets nach unten drückt. Durch Vermittelung der Stange e, an welcher oben eine Schnur f befestigt wird, läſst sich der Kolben auf und ab bewegen. Die Schnur f geht über die Rolle g zur Kurbelwelle, an welcher eine kleine Kurbel so befestigt |211| wird, daſs sie mit der Hauptkurbel die Todtlagen gemein hat. In der Säule b ist ein Schlitz, aus welchem der Schreibstifthalter h herausragt. Der in h elastisch gelagerte Schreibstift muſs während der Bewegung auf ein am Wagen angebrachtes Papier bei einem der Sägengeschwindigkeit proportionalen Vorschub gerade zickzackförmige Linien b, wie Fig. 15 zeigt, anzeichnen, da die Geschwindigkeit des Schreibstiftes proportional der Sägengeschwindigkeit ist. Ist die Vorschubgeschwindigkeit constant, so ergeben sich sinoidische Curven, welche in der Todtlagennähe starke, in der Mitte des Hubes dagegen geringe Steigungen haben.

In Fig. 15 sind die verschiedenen Diagramme in etwa zwanzigfacher Vergröſserung in der Vorschubrichtung zusammengetragen, sie stellen Mittelwerthe aus mehrfachen Versuchen dar.

Die Linie a zeigt die theoretische Form für constanten Vorschub, die Linie b für den der Sägengeschwindigkeit proportionalen Vorschub.

Linie c zeigt das Diagramm, aufgenommen an einem Gatter mit constantem Vorschub, Linie d und e dasselbe von zwei Gattern mit patentirtem Vorschub.

Diese Zusammenstellung zeigt deutlich einen Zusammenhang der Linien a und b; dagegen weichen die Linien d und e sehr von ihrer theoretischen Form b ab und haben mehr einen sinoidischen Verlauf. Dies war ja auch von vornherein zu erwarten; denn, wie die Rechnung zeigte, sind die Massendrücke an den todten Punkten so groſs, daſs sie eine Federung der vielen einzelnen Theile bedingten, und die am Anfang eingeleitete variable Bewegung setzt sich auf dem Wege bis zum Wagen in annähernd constante um.

Es ist demnach die dem Patent zu Grunde liegende Absicht keinesfalls erfüllt, und der mannigfachen Kraftschlüssigkeit wegen ist bald ein unregelmäſsiger Gang zu erwarten. Man wird deshalb gut thun, bei dem constanten Vorschub zu bleiben.

Diese Beurtheilung des ständigen Vorschubes hat den Inhaber Benekendorf der Firma Goede zu einer Entgegnung veranlaſst (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1889 * S. 422), welcher wir folgenden Abschnitt entnehmen.

Der Verfasser gibt die Mangelhaftigkeit des constanten Vorschubes zu, seine Betrachtungen über den der Sägengeschwindigkeit proportionalen Vorschub kann ich aber als zutreffend nicht gelten lassen. Um das darzuthun, sollen zunächst die Massendrücke betrachtet werden, welche in der Abhandlung als nicht vortheilhaft für den variablen Vorschub aufgeführt sind. Die Berechnungen nehmen für das Gesammtgewicht von Wagen und Stamm 1500k richtig an; es ist aber dabei vernachlässigt, daſs der Wagen mit Rollen auf gehobelten Schienen läuft und dadurch der Widerstand, welchen der Vorschub zu überwinden hat, bedeutend verändert wird. Zu dieser Berechnung sind für den Wagen von 8m Länge 14 Rollen mit 106mm Durchmesser des Laufkranzes und 16mm Durchmesser der Zapfen zu nehmen. Hieraus ergibt sich die für die Bewegung des Wagens nothwendige Kraft, wenn zunächst die zur Fortbewegung der auf eine Rolle vertheilten Last Qm erforderliche wagerechte Kraft Pm nach der dafür geltenden Formel berechnet wird:

,

G = 1 (Gewicht der Rolle 1k)

Mithin ist der thatsächliche Widerstand, welchen der Wagen mit dem Gesammtgewicht von 1500k den Theilen entgegensetzt, die den Vorschub bewirken:

14 Pm = 5,2 . 14 = 72k,8.

Um danach für die Bewegung des Wagens durch eine umlaufende Schubkurbel die erforderliche Kraft zu berechnen, sind somit in die betreffende |212| Formel g anstatt 1500k nur 72k,8 einzusetzen, und damit ergibt sich P = 33, also 2 P = 66k, während diese Kraft von dem Verfasser der Abhandlung gegen den der Sägengeschwindigkeit proportionalen Vorschub irrthümlich mit 2 P = 1366k berechnet ist.

Es ist hiernach wohl gerechtfertigt, die Klarheit des Bildes, welche mit den Diagrammen gebracht werden soll, anzuzweifeln.

Die Unregelmäſsigkeit der Diagrammlinien wird allerdings mit Sicherheit beim Leergang und auch annähernd beim Schneiden von geringen Breiten eintreten, da dann die Säge der Beschleunigung nicht den für richtige Arbeit vorausgesetzten Widerstand entgegensetzen kann. Aber nur die volle Arbeit kann für die Beurtheilung maſsgebend sein, weil für die anderen Fälle die Art des Vorschubes überhaupt weniger in Betracht kommt.

In eigenthümlicher Weise wird nun noch von der Kraftschlüssigkeit für den patentirten Vorschub ein unregelmäſsiger Gang abgeleitet, während die vorstehende Beschreibung unzweifelhaft zeigt, daſs durch einseitigen Federzug die fortdauernde Kraftschlüssigkeit in vollkommenster Weise gesichert ist und die Uebertragung des Vorschubes von den Excenterkegeln nach dem Schaltrad mit nach innen offenen Gelenken bewirkt werden kann. In Folge dessen wird hierbei niemals todter Gang eintreten, wie auch durch mehrjährigen Betrieb bewiesen ist.

Der praktische Erfolg, welcher mit den betreffenden patentirten Vorschubverbesserungen bei bis jetzt zahlreichen Ausführungen erzielt ist, bleibt als bester Beweis für ihren Werth bestehen.

Um Saumgatter auch als Vollgatter benutzen zu können, hat W. Besser in Rauscha, Kreis Görlitz (* D. R. P. Nr. 45363 vom 12. Juni 1888) eine Einrichtung getroffen, zufolge welcher die Gatterbogen mit einer Armirung versehen und dann die Sägenregister mittels besonderen Kappen eingehängt werden.

Eine Einspannung für Biockgatterwagen von A. Gerson und G. Sachse in Berlin (* D. R. P. Nr. 45357 vom 6. Mai 1888) ist in Fig. 16 dargestellt.

Auf der in den Seitenwänden des Blockwagens drehbar gelagerten Schraubenspindel a sitzt als Mutter ein Gelenk b, welches mit den Gelenken cc1 und dem wagerechten Schenkel des Winkels d durch vier Bolzen zu einem Parallelogramm verbunden ist. Um das obere Ende des Winkels d dreht sich in senkrechter Richtung der zweiarmige Hebel g. Der Baumstamm wird zwischen den zugeschärften Enden des Hebels g und des Winkels d, welche das durch Schraube, Excenter, Keil oder andere bekannte Mittel zu schlieſsende Maul einer Zange bilden, eingespannt. Das Gelenk b wird durch die Schienen ee1, auf denen es sich bei Drehung der Spindel a fortschiebt, in wagerechtem Sinne gerade geführt. Das vordere Ende des Winkels d stützt sich in der tiefsten Lage auf die Schiene f. Wird das durch d und g gebildete Maul geschlossen, so wird der Winkel d an den Baumstamm herangezogen. Hebt sich das Ende des Baumstammes während des Sägens, so verhindert das Spiel des Parallelogramms, daſs der Blockwagen von den Schienen abgehoben wird; dabei wird aber jede unbeabsichtigte seitliche Verschiebung des Stammes vermieden. Die Schraubenspindel a wird dazu benutzt, beim Sägen von Stämmen, die in wagerechtem Sinne krumm sind, das Stammende während der Arbeit seitlich zu verschieben.

In der Zeichnung ist noch eine Vorrichtung dargestellt, um das durch Winkel d und Hebel g gebildete Zangenmaul schnell zu schlieſsen und zu öffnen. Der hintere Arm des Hebels g wird durch einen Sperrzahnsector gebildet, in den sich die mit einem Handgriffe versehene und durch eine Feder niedergedrückte Sperrklinke k legt. Letztere sitzt an einem Bügel i, welcher sich um den ei mit g verbindenden Bolzen h dreht und ein mit Muttergewinde versehenes Loch besitzt, in welchem die Schraubenspindel l steckt. Das Ende der Schraubenspindel l stützt sich auf den am Winkel d befestigten Arm m.

|213|

Nachdem der Stamm auf den Blockwagen gelegt ist, wird der Hebel g, der durch das Gewicht seines hinteren Armes nach oben gezogen wird, auf den Stamm gedreht. Durch das Einfallen der Sperrklinke k in den Sperrzahnsector wird er in dieser Stellung festgehalten, und eine ganz kurze Drehung der Schraubenspindel l genügt nun, den Stamm festzuklammern. Um den Stamm freizugeben, wird die Schraube l zurückgedreht, die Sperrklinke k unter Benutzung ihres Handgriffes ausgehoben und Hebel p nach oben gedreht.

Kreissägen.

Bei den Kreissägen mit feststehenden Lagern bedarf man zum Abschneiden von Brettern, Latten u. dgl. im Winkel und der Quere nach auſser in der Länge auch nach der Seite zu eines entsprechend langen Raumes.

Von W. und R. Weissker in Gera, Reuſs (* D. R. P. Nr. 47581 vom 18. August 1888) wird eine Kreissägeanordnung vorgeschlagen, bei welcher diesem Umstände durch Drehbarmachung der Kreissäge mit ihrer Lagerung abgeholfen und dadurch nach der Seite zu eine Raumersparniſs erzielt wird.

Auf dem hölzernen Tischgestelle ist der guſseiserne, nach innen mit Führungsleiste versehene Ring a (Fig. 17) eingelassen und festgeschraubt. In diesem führt sich drehbar die runde, mit Randrippe versehene Scheibe b, an deren unterer Seite die im Lager f befindliche Kreissägenwelle mittels Schraube c am Säulenständer g auf und nieder bewegt werden kann. Der Säulenständer g ist an der Scheibe b derart befestigt, daſs die Riemenscheibe h gerade unter das Mittel der Scheibe b zu stehen kommt, so daſs bei einer Drehung bis zu 90° ein halbgekreuzter, bei einer Drehung bis zu 180° ein gekreuzter Riemenlauf entsteht. Die Laufrolle k steht mit ihrer inneren Kante senkrecht unter dem Mittel der Scheibe h und ist ballig gedreht, so daſs auch bei geradem Riemenlaufe das Sägeblatt vom Riemen nicht berührt wird. Die unterste Laufrolle m steht über die Laufrolle k etwas vor. Die Laufrolle m, sowie die Antriebsscheibe n sind ebenfalls ballig gedreht behufs Ausgleichung der beim halbgekreuzten Riemengange entstehenden Verschiebung des Riemens. Um ein Verwenden der Kreissäge zu verhüten, führt sich das gegabelte Ende des die Kreissägenwelle tragenden Theiles am Ständer i.

Behufs Ausgleichung der durch das Auf- und Niederschrauben bedingten veränderlichen Riemenlänge ist die in einem Winkeleisenrahmen schwingende, durch Eigengewicht selbstspannende Laufrolle k angebracht, deren punktirte Stellung dem niedrigsten Stande der Kreissäge entspricht.

(Fortsetzung folgt.)

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