Titel: Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274 (S. 495–503)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/ar274081

Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.

(Patentklasse 25. Fortsetzung des Berichtes Bd. 273 S. 1.)

Mit Abbildungen auf Tafel 27 und 28.

Die Verwendung der Wirkwaaren zu Stoffen für Oberkleider (sogen. Tricotstoffe im engeren Sinne) hat seit etwa acht Jahren eine wesentliche Vermehrung der Rundstühle im Gefolge gehabt, denn wenn man auch mannigfach derlei Kleiderstoffe am Kettenstuhle arbeitet (etwa dreireihigen Atlastricot aus Kammgarn oder Seide), so ist doch zweifellos der Rundkulirstuhl die für solche Stoffabrikation leistungsfähigste und meist verwendete Wirkmaschine. Seine Arbeitsgeschwindigkeit ist in jedem einzelnen Systeme der Maschenbildung doppelt so groſs wie die des flachen Kulirstuhles, weil in einem solchen Systeme alle Arbeiten zur Herstellung der Maschen gleichzeitig erfolgen, also nicht die Maschinentheile für das Kuliren und diejenigen für das Ausarbeiten auf einander zu warten brauchen. Durch die gröſsere Anzahl der Systeme, welche an den mittleren gebräuchlichen Maschinen doch 8 bis 10 beträgt, an groſsen Stühlen aber leicht auf 20 und mehr steigt, erhöht sich die Leistung eines solchen Stuhles sehr bedeutend. Nicht in dem Maſse günstig, wie man wohl wünschen mag, ist die Verwendung des Rundstuhles zu Farbmustern, welche auch in Kleiderstoffen vielfach verlangt werden. Die Lang- und Querstreifen oder die als Streumuster vereinzelt vorkommenden Farbbilder hat man als Preſsmuster, als Ringelwaare, unterlegte und plattirte Farbmuster, sowie in einzelnen Fällen sogar als Futterwaare, deren farbige Futterfäden nach der Waarenvorderseite hindurchdringen, hergestellt, ohne von irgend einer Art, als besonders ergiebig, recht befriedigt zu sein. Der Fachmann weiſs recht wohl, daſs die Fadenlage in Wirkwaaren überhaupt die Darstellung gröſserer Farbbilder nicht gestattet, wenn nicht die wichtigste Eigenschaft dieser Waaren, ihre Elasticität, wesentlich vermindert werden |496| soll; trotzdem sucht man noch fortwährend durch neue Mittel und Stuhleinrichtungen die oben genannten Musterarten an Rundstühlen in vortheilhafterer Weise herzustellen, wie die neuerdings entstandenen und in der Folge beschriebenen Vorrichtungen erkennen lassen.

Ein Ringelapparat für englische Rundwirkstühle von Karl August Oertel in Kappel bei Chemnitz (* D. R. P. Nr. 47703 vom 24. Juni 1888) verwendet für ein System am Stuhle zwei oder mehrere in Form zweiarmiger Hebel aufgelagerte Fadenführer GG1 (Fig. 1 Taf. 27), welche von den Kröpfen aa1 eines Musterrades F unter Gegenwirkung von Federn HH1 ein- und ausgerückt werden. In der tiefsten Lage G1 legen sie den Faden mittels eines Hilfsführers N zur Arbeit in die Nadeln, beim Ausrücken, also Heben in die höchste Lage G wird der Faden über die Kante des Stelleisens O gezogen und von dem gegen letztere abwärts bewegten und drückenden Hebelende E zerschnitten, das freie Fadenende aber durch einen der federnden Klemmhebel JJ1 an das Stelleisen f angedrückt. Der Nadelcylinder des Stuhles enthält eine Curvenführung AA1 , welche den Hebel M bewegt und durch Zugstange M2 und Klinke M5 das Musterrad F dreht. Dieselbe Curve AA1 bewegt den Klinkhebel B, welcher mit B3 das Kettenrad C mit der Musterkette C3 umdreht, deren aufgeschraubte Knöpfe C4 durch den Winkelhebel D das Messer E emporheben, worauf es durch den Zug der Feder E2 schnell auf O herabfällt und den ausgerückten Faden zerschneidet. Die Klemmhebel JJ1 werden durch die Fadenführer selbst, welche beim Emporsteigen an den Bolzen L stoſsen, zeitweilig von f abgerückt, damit sie die Fadenenden freigeben, wenn der betreffende Faden wieder in Arbeit kommen soll.

Französischer Rundwirkstuhl mit Ringelapparat von Gebrüder Haaga in Stuttgart (* D. R. P. Nr. 47246 vom 25. Mai 1888). Während an englischen Rundstühlen, die gewöhnlich nur wenige Systeme enthalten, das selbsthätige Abschneiden der ausgerückten Fäden durch eine Schere und Anlegen der neuen Fäden schon mehrfach und unter verschiedenen Ausführungsformen der Theile zur Anwendung gekommen ist, tritt diese Einrichtung an französischen Rundstühlen meines Wissens zum ersten Male auf: In jedem Systeme sind vor der Mailleuse zwei Fadenführer a und b (Fig. 2 Taf. 27) an Platten angeschraubt und mit denselben an einem lothrechten Stelleisen so zu verschieben, daſs sie, bevor sie sich heben oder senken, unten mit ihrem Oehre vor die Nadelreihe schwingen und nach dem Vorschieben wieder über diese Nadelreihe zurückschwingen. Der Schlitz f in jeder Führungsplatte hat eine diesen Bewegungen entsprechende Form, so daſs die Excenter c und d durch h und i, p und q die Platten mit den Führern nur zu heben, und die Federn c1 sie nur zu senken brauchen. Der oben stehende Führer ist in Thätigkeit, er liefert seinen Faden durch einen Schlitz im Blechstücke x an die Mailleuse; der untere Führer dagegen hat beim Senken |497| vor den Nadeln seinen Faden unter die Nadelreihe gebracht, wo er, da er noch an der letzten Masche hängt, mit fortgezogen, aber schlieſslich von einer Schere l zerschnitten wird, während die Feder m das freie Fadenende an das Streicheisen v klemmt und festhält. Sobald dieser untere Führer sich hebt, so bringt er auch den Faden wieder über die Nadelreihe, leitet ihn also in einer Lücke durch die Nadelreihe, welche ihn alsbald mit fortführt bis zur Mailleuse. Die Bewegung des einen Scherenblattes l veranlaſst das Excenter e durch grjw und das andere Blatt ist am Streicheisen v befestigt. Mit der Schere l öffnet sich auch die Feder m, um das festgeklemmte Fadenende frei zu geben. Die Excenter cd haben regelmäſsig wechselnde Erhöhungen und Vertiefungen, sie sind an der Welle s befestigt, welche durch ein Klinkrad t und einzelne auf dem Nadelringe angebrachte Bolzen u gedreht werden kann, wenn diese Bolzen an das Rad t treffen. Ein Zähl- und Musterapparat innerhalb des Stuhles wirkt auf diese Bolzen u derart, daſs er sie an t hinausschiebt oder von t hinweg einwärts zieht, so daſs nach beliebig vielen Umdrehungen der Fadenwechsel eintreten kann. Der Apparat ist an vorhandenen Stühlen leicht anzubringen.

Einen Schritt weiter als alle bekannten Ringelapparate geht der Hundwirkstuhl mit Knüpfapparat von C. Terrot in Cannstatt (* D. R. P. Nr. 47290 vom 1. December 1888), weil er für ein System eine gröſsere Anzahl Fäden (es sind deren sechs angegeben) abwechselnd derart in Betrieb bringt, daſs er den folgenden Faden an den vorhergehenden anknüpft. Es sind zwar im Allgemeinen Knoten in Kulirwirkwaare nicht gebräuchlich, das Anlegen der Fäden wird vielfach vorgezogen, aber sie sind auch nicht gerade ausgeschlossen und die Terrot'sche Einrichtung arbeitet mit groſser Genauigkeit und Sicherheit den in Fig. 7 Taf. 27 gezeichneten Knoten. Der Apparat ist, wie Fig. 3 zeigt, am Ruudstuhle in der Ausdehnung von S3 aufwärts bis S angebracht und wird vom Zahnkranze S3 des Nadelringes N1 in Bewegung gesetzt. Jeder Arm o2 des oberen Theiles Fig. 3 und 5 ist der Führer eines Fadens und der arbeitende Faden macht den in Fig. 4 skizzirten Weg 11 * von der Spule S zu den Nadeln N: er geht durch das Oehr seines Armes o2 über die Rollen I II III durch die Oehre V VII und dazwischen durch das Oehr VI eines federnden Fadensammlers n1. Während dieser Faden 1 arbeitet, wird schon der nächstfolgende, welcher nach 1 arbeiten soll, in der Richtung 22 * um die durch Rolle II gebildete Schleife 11 herumgeführt, so daſs beide Fäden in die Lage kommen, welche sie später im Knoten einnehmen, aber vorläufig nur lose an einander liegen. Sobald der Wechsel eintreten soll, legt sich die Bremse y an die Rollen I III und der Knoten 12 * wird fest zusammen gezogen, der Stuhl aber verarbeitet inzwischen den von n1 aufgesammelten Faden 1 *. Die Enden der Fäden am Knoten werden abgeschnitten, während der Führer o2 * an die Stelle von o2 rückt, und |498| ein neuer Führer kommt gleichzeitig mit dem weiter folgenden Faden an die Stelle von o2 * und letzterer wird nun wieder um die Schleife des arbeitenden Fadens herumgelegt. Behufs Herstellung dieser Verbindung nimmt zunächst ein beweglicher Arm a (Fig. 5 und 6), welcher zwei Zangen enthält, mit einer derselben den Faden o2 von seinem Führer ab und geht mit ihm unter der Rolle II hin und hinter derselben empor; dort gibt er ihn an einen Greifer d (Fig. 6) ab, welcher ihn um die zwei Schutzwinkel x und um die zwei Strecken des Fadens 1 herumführt, wobei d um 180° gedreht wird. Nun öffnen sich beide Zangen von a, erfassen beide Enden der eben hergestellten Schleifenlage des Fadens 2 und halten sie fest, um zur rechten Zeit den Knoten 21 zusammenziehen zu können. Sobald die Schleifen 21 um einander herum gelegt sind, so bleibt der Knüpfapparat stehen, und eine Zähl- und Musterscheibe wird noch direkt von Erhöhungen des Nadelkranzes gedreht und bestimmt die Zeit des Fadenwechsels. Ist dieselbe gekommen, so hält die Bremse y die Rollen I III (Fig. 4 und 5) fest und die Rolle II wird gehoben, um ihre Fadenschleife 1 fallen zu lassen. Nach dem Knüpfen legt sich ein drehbarer Arm b7 mit der Rolle IV an den neuen Faden, zieht ihn wieder in Schleifenform aus und gibt diese Schleife an die wiederum gesenkte Rolle II und I ab, worauf auch die Bremse y sich öffnet und den gewöhnlichen Fadenlauf wieder herstellt. Der Fadensammler n1, welcher durch das Verarbeiten seines Vorrathes gesenkt worden war, hebt sich wieder empor, um den Vorrath für eine nächste Knüpfzeit auszuziehen.

Der franzosische Rundwirkstuhl für Preſsmusterwaare von Wilhelm Heidelmann in Stuttgart (* D. R. P. Nr. 48148 vom 16. December 1888) gewährt die Möglichkeit, in einer Maschenreihe viele Nadeln neben einander nicht zu pressen, also eine groſse Anzahl Doppelmaschen neben einander herzustellen, ohne daſs dieselben lange Schleifen bekommen, welche bekanntlich für die weitere Arbeit und auch für den Gebrauch der fertigen Waare recht störend wirken. Der Faden wird, wie Fig. 8 Taf. 27 zeigt, nur zwischen denjenigen Nadeln, welche Maschen bilden sollen, zu Schleifen s kulirt, auf die anderen Nadeln n aber gerade gestreckt (d) hingelegt. Die Mailleuse h (Fig. 10 und 11) enthält deshalb nur an einzelnen Stellen Kulirplatinen g, ist aber sonst leer. Vor der Mailleuse h ist, fest mit ihr verbunden, ein Preſsrad m angebracht, welches an den Stellen der Platinen g tiefe Einschnitte, am übrigen Umfange aber Preſszähne für die einzelnen Nadeln enthält. Die Zähne drücken auf die Nadeln und schlieſsen deren Haken, während die Schleifen von den Platinen vor die Haken geschoben werden; folglich gelangen die kulirten Schleifen s in ihre offenen Nadelhaken, weil an Stelle der kulirten Nadeln das Preſsrad eine breite Lücke l enthält, die gerade Fadenstrecke d aber kommt auf die zugepreſsten Haken. Wenn nun nach der Mailleuse, also bei p1 die Maschen ausgearbeitet werden, |499| so wird dort wieder ein Musterpreſsrad verwendet, welches nur die Nadeln mit den kulirten Schleifen s preſst, für die übrigen aber Lücken enthält. Beim Abschlagen entstehen dann aus den Schleifen s die neuen Maschen und die geraden Fadenstrecken d fallen von den Nadeln ab und liegen dann gerade gestreckt auf der Waarenrückseite, sie geben also genau die Fadenlage der unterlegten Farbmuster, wie Fig. 9 zeigt. Das Resultat dieser Arbeit wird also genau genommen zu den unterlegten Farbmustern zu rechnen sein, wenngleich es aus mehrfacher Preſsmusterarbeit hervorgeht. Es ist hierbei eine Jacquin-Mailleuse verwendet worden, weil eine solche nur das Anbringen eines Preſsrades m leicht gestattet, und man hat ein Gegenrad p angebracht, um diejenigen Nadeln zu unterstützen, auf denen kulirt wird. Bei Veränderungen der Muster sind allerdings die Platinen g in anderer Reihenfolge in die Mailleuse einzusetzen und auch beide Preſsräder, sowie das Gegenrad neu anzufertigen; immerhin können die Kosten hierfür unter Umständen gegenüber der besseren Arbeit und Waare als gering erscheinen. Es wird sich empfehlen, die Jacquin-Mailleusen mit groſsem Durchmesser zu bauen, damit man groſse Platinen mit langer Führung erhält und das Auslaufen und Abnutzen thunlichst vermindert wird.

Wirkmaschine für Links- und Links-Waare von C. Terrot in Cannstatt in Württemberg (* D. R. P. Nr. 47799 vom 13. Januar 1889). Die sogen. Links- und Links- oder Strick-Waare besteht aus abwechselnd einer nach rechts hin und einer nach links hin abgeschlagenen Maschenreihe. In der Waare w von Fig. 13 Taf. 27 ist z.B. jede Reihe 1 nach rechts und jede Reihe 2 nach links über ihre nachfolgende Reihe hinabgeschoben oder abgeschlagen worden. Zu ihrer Herstellung gehören zwei symmetrisch gegen einander liegende Nadelreihen nm, welche abwechselnd die Waare tragen und eine neue Maschenreihe arbeiten. Man kann also dergleichen Waare am Handfangstuhle arbeiten, hat auch englische und französische Ruudstühle zu ihrer Herstellung eingerichtet und selbst flache mechanische Kulirstühle und Strickmaschinen zur Links- und Links-Arbeit geeignet gemacht. Die Vorlage besteht nun nicht in der Einrichtung einer besonderen Wirkmaschinenart, sondern in der Construction eigenthümlicher Nadeln, welche an runden oder flachen Maschinen gebraucht werden können und namentlich das Uebertragen der Waare von einer Nadelreihe auf die andere erleichtern sollen. Diese Nadeln sind einzeln beweglich und es besteht jede aus zwei unabhängig von einander bewegten Theilen n und n1 oder m und m1 (Fig. 12 bis 15). Das untere Stück n enthält einen steifen Haken 3 und das obere Stück n1 , welches zum Theil in einer Rinne 4 des unteren hin und her gleitet, ist vorn zugespitzt und liegt mit seiner Spitze entweder in der Rinne 4, so daſs die Waare w von n auf n1 geschoben werden kann, oder reicht über den Haken 3 seiner Nadel, sowie bisweilen auch über denjenigen der Gegennadeln (Fig. 15) behufs des Abschlagens |500| und Uebertragens der Maschen hinweg. Die Fig. 12 bis 15 verdeutlichen die Maschenbildung auf einer Nadelreihe n. Während die Nadeln n und Schieber n1, getrieben von geeigneten, an 67 wirkenden Nuthenführungen oder Schlössern, in ihren Lagerschlitzen 8 nach vorn gehen, hält ein Streicheisen x die Waare w zurück, so daſs dieselbe auf n1 geschoben wird. Ist der Faden f in den Haken 3 eingelegt worden, so geht n schneller zurück als n1, der Haken 3 kommt unter die Spitze von n1 und die Platine q (Fig. 13) schiebt die Waare w von n1 hinab in die neue Schleife, welche gleichzeitig während dieses Abschlagens durch q aus dem Faden in 3 gebildet wird. Damit wird eine Maschenreihe 1 nach rechts abgeschlagen. Nun gehen einzeln die Platinen q und Schieber n1 zurück und darauf n und n1 wieder vorwärts, wobei x1 die Waare w zurückhält, so daſs dieselbe auf n1 gelangt. Dabei sind Haken 3 und Gegenhaken III dicht an einander gerückt; sie bewegen sich nun beide gleichmäſsig nach links, während n1 liegen bleibt und die nach rechts sich wendende Platine q die Waare w von n1 über beide Haken hinwegschiebt und in den Haken III fallen läſst, so daſs also diese Waare nun auf den Gegennadeln m hängt. Dieselben arbeiten in gleicher Weise wie oben angegeben ihre nach links abfallende Maschenreihe und übertragen dann ebenso die Waare wieder auf die Nadeln n.

An die Rundkulirstühle schlieſst sich an eine Rundstrickmaschine für reguläre Strümpfe von Henshall, Hepworth und Hanson in Philadelphia (* D. R. P. Nr. 48463 vom 31. Juli 1888), welche in Fig. 16 Taf. 27 im Querschnitte gezeichnet ist. Sie enthält ein kegelförmiges Nadelbett 3, drehbar im Gestell 1, und um dasselbe herum liegend einen ebenfalls kegelförmigen Schloſsmantel 4, welcher auch drehbar ist. Bei dem Rundstricken zur Herstellung eines Waarenschlauches wird das Nadelbett 3 durch die Räder 56 von der Triebwelle 2 gedreht und der Schloſsmantel 4 durch den Bolzen 14 festgestellt. Bei der Arbeit flacher Stücke für die Ferse und Fuſsspitze wird die Welle 2 nach rechts geschoben, also Rad 6 aus 5 entfernt und Rad 7 in 8 eingerückt, so daſs jetzt die Welle 2 durch 11 12 den Schloſsmantel schwingend hin und her dreht, während das Nadelbett 3 durch den Bolzen 13 festgestellt ist. Das Schloſs ist so eingerichtet, daſs es während dieses Schwingens durch einzelne Ringe 30 des Gestelles regulirt werden kann zur Bearbeitung von nach und nach einer gröſser oder kleiner werdenden Nadelzahl. Diejenigen Schloſsdreiecke, welche die Nadeln herabziehen, sind mit dem äuſseren Ringe 22 verbunden und können durch Drehen desselben zur Arbeit fester oder lockerer Waare verstellt werden. Ueber dem Nadelbett 3 ist noch ein zweites kurzes Führungsbett 92 angebracht, welches man durch Drehung der Cylinder 91 oder 94 heben und senken kann; wird es gehoben, so drückt es die Zungennadeln oben etwas aus einander, erweitert also den Nadelkreis und bildet eine etwas |501| weitere Waare als vorher, welche Einrichtung zur Erweiterung des Strumpflängens in der Wade benutzt werden soll, derart, daſs auf eine Anzahl Umdrehungen das Heben und darauf ebenso das Senken von 92 stetig erfolgen soll. Der Fadenführer 110 wird bei der schwingenden Bewegung des Schloſsmantels 4, auf welchem er befestigt ist, dadurch verschoben, daſs seine Platte 113 mit Zähnen in die zahnförmigen Führungsnuthen des Ringes 92 eingreift. Zum Abzug der Waare werden die mit 103 angedeuteten Haken benutzt, welche von verschiedener Länge in einer Anzahl von etwa 10 Stück an der Waare hängen und unten Gewichte tragen; die längsten Stäbe hängt man an die einseitig an zuarbeitenden Fersen und Fuſsspitzen, damit deren Gewichte nicht an die der übrigen antreffen, während sie allein hinabsinken.

Lamb'sche Strickmaschine für schlauchförmige und einseitig offene Waare von gleichmäſsiger Maschenlänge von Seyfert und Donner in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 47810 vom 5. Oktober 1888). Das Schloſs in der gewöhnlichen Lamb'schen Strickmaschine enthält bekanntlich einen Nadelheber und zu beiden Seiten desselben je einen Nadelsenker; von den letzteren beiden Dreiecken wirkt das eine beim Hingange und das andere beim Hergange, um die Nadeln zur Maschenbildung herab zu ziehen, sie müssen folglich beide in genau gleicher Höhe stehen, wenn sie gleichlange Maschen und gleichmäſsige Waare liefern sollen. Wenn man einseitig offene Waare arbeitet, so stellen beide Nadelreihen nach einander eine Maschenreihe her, dann ist also erforderlich, daſs alle vier Seitendreiecke der Maschine in genau gleicher Höhe stehen, und das ist erfahrungsmäſsig sehr schwierig zu erreichen. Im vorliegenden Falle wird deshalb das in Fig. 17 Taf. 27 gezeichnete Schloſs verwendet, welches einen Nadelsenker a und zwei Nadelheber b enthält und damit den Vortheil gewährt, daſs bei einseitiger oder einreihiger Waare nur eben dieses eine Dreieck a abschlägt, also die Nadeln beim Hin- und Hergange ganz gleich weit senkt und bei einseitig offener Waare nur die beiden Nadelsenker a auf beiden Maschinenseiten in gleiche Lage zu bringen sind. Dieses Schloſs hat weiter den Vortheil, daſs die Nadelheber b als einarmige Hebel schräg abwärts hängen und folglich vorlaufend die Nadeln heben, aber nachlaufend, wie b linksseitig in Fig. 17 zeigt, von den Nadelfüſsen n1 etwas gehoben werden und nicht, wie die bisherigen fest liegenden Seitendreiecke, welche vorlaufend die Nadeln nochmals niederdrücken, schädlich auf die Nadeln und das Garn wirken. Durch Federn werden die Heber b wieder in ihre tiefste Lage gezogen. Damit nun aber auch bei diesem Schlosse der Nadelsenker a derjenigen Seite, welche nicht arbeitet, auch nicht auf die Nadeln drückt und die Waare. unnöthig anspannt, so ist in der vorliegenden Maschine die Einrichtung getroffen, daſs das ganze Schloſs selbsthätig von der Nadelreihe emporgehoben wird, wenn es nicht arbeitet. Die Maschine wird als mehrköpfige, d.h. als solche gebaut, welche neben einander mehrere |502| Waarenstücke, z.B. Hosen arbeitet, und wird von Elementarkraft bewegt, es ist also das selbsthätige Reguliren ihrer Arbeit sehr wichtig; sie arbeitet die Hosentheile oben einseitig offen und unten im Beinlängen rund geschlossen, mindert aber diese Stücke auch selbsthätig, so daſs vollkommen reguläre Waare entsteht mit durchaus gleichmäſsiger Maschenlage im offenen und geschlossenen Theile.

Die Lamb'sche Strickmaschine von Persson Olsson in Stockholm (* D. R. P. Nr. 47742 vom 4. März 1888) enthält folgende Vorrichtungen zur Verstellung des Mitteldreiecks G (Fig. 18 Taf. 28), also zum Oeffnen und Schlieſsen des Schlosses an einer beliebigen Stelle der Maschenbreite: Das Mitteldreieck ist durch zwei Schrauben mit einem lothrecht geführten Schieber E verbunden, welcher am unteren Ende eine Rolle H trägt, und in der Führungschiene D des Schlittens werden an beliebigen Stellen Keilstücke KK1 festgestellt, an welche die Rolle H anstöſst und an denen sie sich hebt oder senkt, so daſs das Schloſs G sich schlieſst oder öffnet. Eine Feder F hält den Schieber E und das Dreieck G in jeder Lage genügend fest. Für die Herstellung einseitig offener Waare haben die Regulirungsstücke die Form eines Doppelhebels bcie; läuft an demselben in der ausgezogenen Lage die Rolle H empor, so geht sie nur von b aufwärts bis über den Drehbolzen c, dann drückt sie jedoch die beiden in i mit einander verbundenen Hebel nieder, weil der Drehpunkt e wieder in einem um g drehbaren Hebel liegt, welcher durch die schwache Feder h in lothrechter Stellung gehalten wird, durch den Schieberdruck auf i aber in e so viel nach links ausweicht, daſs i tiefer wie e zu liegen kommt, worauf die Feder h beim Zurückdrücken von e die beiden Hebel in i hinabsenkt bis in die punktirte Lage. Kommt das Schloſs nun auf dem Rückwege wieder an die Hebel, so drückt der Schieber E auf b1 und senkt diesen Arm etwas, aber nicht um so viel, als daſs die ausgezogene Lage wieder hergestellt würde, denn das Ende b1 ist schmäler als die Stelle i; es bleibt also die Lage b1 i1 erhalten. Beim nächsten Schlittenhube von rechts her gelangt die Rolle B unter den Hebelarm b1 und wird gesenkt bis unter c, ihr Schieber E öffnet also das Schloſs wieder. Von c ab aber drückt H die Hebel i1 wieder empor bis über die Mittellinie ce und nun gelangt durch die Wirkung der Feder h der Doppelhebel wieder in die erste Lage bie. Es ist somit ein und derselbe Apparat geeignet zum Oeffnen und auch zum Schlieſsen des Schlosses und seine Stellung für beide Arbeiten wird durch den Schloſsschieber E selbst hervorgebracht.

Maschine zur Herstellung von Zierfaden-Posamenten mit Randschleifen von Paul Bauer in Buchholz (* D. R. P. Nr. 47596 vom 5. April 1888). Die Fig. 19 und 20 Taf. 28 zeigen eine ähnliche Maschine wie die im vorigen Berichte in D. p. J., 1889 273 5, mit erwähnte Häkelmaschine; dieselbe ist aber dahin vervollständigt worden, daſs sie die Schuſsfaden-Posamenten nicht bloſs von der Breite v2 v3 (Fig. 21) herstellt, sondern |503| einzelne der Schuſsfäden zu langen Schleifen auszieht und als solche in dem Streifen der Borde oder des Bandes festhält. Für jedes Waarenstück enthält die Maschine etliche Zungennadeln n auf beweglicher Nadelbarre a, welche sich im Abschlagkamm e verschieben, ebenso viele Lochnadeln c auf wendbarer Nadelbarre b, welche die Kettenfäden s, aus denen die Maschenstäbchen hergestellt werden, führen, und die Schuſsfadenführer f2 f3 mit den Schuſsfäden v2 v3. Die Kettenmaschine b trägt nun zur Seite der Lochnadeln noch einige verschiebbare Stäbchen d, welche im Allgemeinen von Federn zurückgezogen, von Hebeln und Excentern aber dann vorgeschoben werden, wenn sie eine Schleife v3 halten sollen. Der Führer f3 geht seitlich über die Lage der Stäbchen d hinaus, kommt nun d nach vorn, so legt sich der Faden um ihn herum und wird gehalten, bis die nächste Maschenreihe vollendet ist. Durch die Verwendung der verschieden weit von den Lochnadeln liegenden Fangstäbe d kann man auch Schleifen von verschiedener Länge bilden.

Prof. Willkomm.

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