Titel: Doppelt-Schrauben-Torpedoboote der italienischen Marine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274/Miszelle 3 (S. 47–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/mi274mi01_3

Doppelt-Schrauben-Torpedoboote der italienischen Marine.

Ueber die erfreulichen Leistungen des deutschen Schiffbaues gehen uns von einem ausländischen Fachmanne nachstehende Mittheilungen zu:

Die italienische Marine erhielt im vorigen Sommer 10 neue Torpedoboote von Schichau in Elbing. Von diesen Booten hatten 5 die folgenden Gröſsenverhältnisse: Länge 39m, Breite 4m,8, Tiefgang 2m,2. Das Deplacement beträgt bei voller Ausrüstung 85t. Die Maschinen sind dreifache Expansionsmaschinen von je 1100 indicirten PP. Die vertragsmäſsig bedungene Geschwindigkeit betrug 21,5 Knoten als Mittel einer 3 stündigen ununterbrochenen Fahrt in offener See, und wurde unter diesen Umständen als Mittel der Proben für alle 5 Boote eine Geschwindigkeit von 22,5 Knoten in der Stunde wirklich erreicht.

Die 5 weiteren Boote „Aquila“, „Sparviero“, Nibio, „Falco“ und „Avolterio“ haben eine Länge von 46m,5, eine Breite von 5m,2 und einen Tiefgang von 2m,3. Jedes Schiff hat 2 Kessel von zusammen 1700 Quadratfuſs Heizfläche und zwei- bis dreifache Expansionsmaschinen von zusammen etwa 2000 indicirten PP.

Die Maſse jeder Maschine sind: Cylinderdurchmesser 17'', 26'' und 37'' bei 17'' Kolbenhub. Die Maschinen arbeiten mit einem Anfangsdampfdruck von 13at und machen bei voller Kraft 320 bis 325 Umdrehungen in der Minute. Die beiden Schrauben haben je gegen 2m Durchmesser und sind ganz aus Stahl geschmiedet. In jedem Boot sind 12 wasserdichte Abtheilungen. Maschinen und Kesselräume sind ringsherum durch Kohlenbunker geschützt, welche im ganzen 42t Kohlen fassen, was das Schiff befähigt, bei 10 Knoten Geschwindigkeit eine Strecke von 5500 Seemeilen zurückzulegen. Die Schiffsbeplattung in, der Auſsenhaut und auf Deck besteht aus 6 bis 7mm Stahlplatten. Jedes Boot hat 3 Torpedolancirapparate, 6 Torpedos und 2 Hotshkiſs-Revolver-Kanonen an Bord.

Alle Abtheilungen haben groſse Dampflenzejektoren, welche zusammen in der Stunde 800t Wasser über Bord werfen können.

Das Deplacement jedes Schiffes beträgt bei voller Ausrüstung und bei vollem Kohlenvorrath etwa 160t. Das Deplacement der Probefahrt betrug annähernd 145t bei 21t,5 Probefahrtsbelastung. Dies Deplacement setzt sich zusammen aus:

Gewicht von Kessel und Maschine mit Wasser u.s.w. 61t
Kohle in den Bunkern 14t
Torpedos, Munition, 24 Mann Besatzung mit Ausrüstung,
Lebensmitteln und Ersatzstücken

7t,5
Das ganze Schiff mit 3 Torpedolancirapparaten, 2 Hotshkiſs-
Kanonen, elektrische Beleuchtung und Signal-Apparaten,
Masten, Segeln u.s.w.


62t,5
––––
im Ganzen 145t.

Die Kajüten für die Officiere, sowie für die Ingenieure sind sehr geräumig und aufs feinste eingerichtet.

Die Abnahme-Probefahrten fanden in offener See vor Pillau statt und hatte jedes Boot auſser den Maschinen- und Drehmanövern eine ununterbrochene 3 stündige Fahrt zu machen.

Die Ergebnisse bei den ersten 3 Schiffen waren folgende:

I. „Aquila“, 28. Juli 1888. Windstärke 4 und bewegte See. Mittlere Geschwindigkeit 26,2 Knoten in der Stunde.

II. Sparriero, 6. August 1888. Windstärke 3, mäſsig bewegte See. Mittlere Geschwindigkeit 26,6 Knoten in der Stunde.

III. Nibio, 22. August 1888. Windstärke 2, See ruhig. Mittlere Geschwindigkeit 26,8 Knoten in der Stunde.

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Die Maschinen arbeiteten bei allen Booten während aller Fahrten durchaus tadellos und zeigten sich als ungemein sparsam.

Die Ueberführung der Boote von Elbing nach Spezzia verlief trotz des zeitweilig recht schlechten Wetters durchaus gut ohne die geringste Störung. Alle Boote legten die Reise in äuſserst kurzer Zeit zurück.

Diese Schicau'schen Doppelschraubenboote sind in Folge ihrer starken Bauart, ihrer hohen Seefähigkeit und großen Geschwindigkeit, mit welcher sie alle bis jetzt gebauten Boote weit überflügeln, von der italienischen Regierung sehr geschätzt und sollen in der Marine besonders für den Dienst als „Eclaireurs“ verwandt werden.

Gegenwärtig sind bei Schichau in Elbing auſser 24 Stück anderer Torpedoboote noch 6 weitere solcher Doppelschraubenboote von 26 bis 27 Knoten Geschwindigkeit, entsprechend 42 bis 43km in der Stunde, im Bau begriffen.

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