Titel: Zirkonlicht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1889, Band 274/Miszelle 4 (S. 571–572)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj274/mi274mi12_5

Zirkonlicht.

In der Versammlung des Vereins von Gas- und Wasserfachmännern Rheinlands und Westfalens macht der Vorsitzende, Herr Söhren, über das von Dr. Kochs in Bonn erfundene Zirkonlicht nachstehende Mittheilungen (Zeitschrift des Vereins, 1889 S. 988).

Zirkonerde hat nächst der kaum jemals in gröſseren Mengen zu beschaffenden Erbinerde das gröſste Lichtemissionsvermögen, so daſs bereits anfangs der fünfziger Jahre Tessié du Motay Zirkonstifte zur Beleuchtung herstellte, welche, im Knallgasgebläse erhitzt, sehr hohe Lichtintensitäten ergaben. Die 1867 auf der Ausstellung in Paris, sowie auch die 1870 auf dem Westbahnhofe in Wien vorgenommenen praktischen Versuche wurden in Folge des schnellen Unbrauchbarwerdens der Leuchtkörper und des hohen Preises des Sauerstoffgases hald aufgegeben. Später hat Caron und zuletzt Linnemann versucht, bessere Glühkörper aus Zirkonerde herzustellen. Die durch Pressen erhaltenen dünnen Scheibchen reiner Zirkonerde werden dabei in ein Platintellerchen eingelassen, welches sehr theuer ist, viel Wärme absorbirt und gelegentlich schmilzt.

Um für medicinische Untersuchungszwecke eine bessere Lichtquelle als Kalklicht zu erhalten, hat nun Privatdocent Dr. Kochs sich die Aufgabe gestellt, die Zirkonerde zu ganz porösen Leuchtkörpern an einander zu fritten, welche, ohne von dem Lichtemissionsvermögen der Zirkonerde einzubüſsen, bedeutende Haltbarkeit haben. Dies ist ihm überraschend gut gelungen und zeigte Redner einige Glühkörper vor, von denen sich einige längere Zeit in Gebrauch befunden haben.

Die Körper können in jeder Form und Gröſse, als Cylinder, Kegel oder kugelartige Körper je nach Bedürfniſs hergestellt werden, und werden in geeigneten Brennern, durch eine kleine eiserne Feder befestigt, eingesetzt. Die Körper sollen in drei Qualitäten hergestellt werden, und zwar Qualität I für photometrische Zwecke mit höchstem Lichtemissionsvermögen zu 10 stündiger Dauer, Qualität II für ärztliche und physikalische Zwecke mit etwas geringerem Lichtemissionsvermögen und 100 stündiger Haltbarkeit, und Qualität III mit Möglichst langer Haltbarkeit zu Beleuchtungszwecken. Die Lichtstärke dieser Körper beträgt nach Kochs' Messungen 40 Kerzen der Amylacetatlampe bei einem Verbrauche von 25l Leuchtgas und 25l Sauerstoffgas für die Stunde, letzteres unter einem Drucke von 1cm Quecksilbersäule ausströmend. Nach neueren Versuchen sollen schon 0cm,5 Quecksilberdruck bei geeigneten Brennern genügen. Das Licht der Zirkonerde gleicht in der Farbe dem des elektrischen Bogenlichtes. Auſser der Haltbarkeit der Zirkonpräparate hatte bisher auch der hohe Preis des Sauerstoffgases allen derartigen Beleuchtungsarten hindernd entgegen gestanden, durch ein neues patentirtes Verfahren stellt sich jedoch gegenwärtig der Preis für 1cbm Sauerstoff bei Atmosphärendruck auf nur etwa 20 Pf. Das Verfahren, wie es gegenwärtig in England betrieben wird, stützt sich auf die Thatsache, daſs Baryumsuperoxyd bei heller Rothglut die Hälfte seines Sauerstoffes abgibt und wenn man bei dunkler Rothglut atmosphärische Luft darüber leitet, dieser den Sauerstoff entzieht, so daſs man nur reinen Stickstoff erhält; dieser Vorgang kann mit derselben Substanz unzählige Male wiederholt werden, nur muſs die zugeleitete Luft völlig trocken und frei von |572| Kohlensäure sein; die hierzu geeigneten Apparate bilden den Gegenstand des Patentes. Der Preis der Leuchtkörper ist heute, im Kleinen hergestellt, für 1g 2 M.; wird sich indessen bei Massenherstellung jedenfalls auf weniger als die Hälfte stellen.

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