Titel: Muth, über die Leimung der Papierfaser im Holländer.
Autor: Muth, E.
Fundstelle: 1890, Band 275 (S. 71–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/ar275016

Die Leimung der Papierfaser im Holländer nach den practischen Erfahrungen der Neuzeit; von Dr. E. Muth.

(Schluſs der Abhandlung S. 29 d. Bd.)

Auflösen und Verdünnen des Harzleimes.

Der von der Lauge befreite Harzleim hat ein schwach gelblich weiſses, trübes Aussehen. Das getrübte Aussehen hat den Grund darin, daſs in der Masse Kohlensäure und Luft in groſser Menge vertheilt sind. Der Beweis hierfür ist dadurch erbracht, daſs eine Probe des abgeschöpften Harzleimes während des Sommers in einem offenen Gefäſse der Sonne ausgesetzt war, die Masse wurde dünnflüssig und immer klarer, bis dieselbe jetzt ein klares durchsichtiges Aussehen hat wie geläuterter Honig. Auf dem Boden des Glases war etwas Ausscheidung, welche aus Unreinigkeiten des Harzes bestand und aus heller gefärbtem Harze. Wurde dieser helle klare Harzleim mit nur wenig kaltem Wasser durchgerührt, so entstand eine gelblich gefärbte, nur wenig getrübte Flüssigkeit, als aber dieselbe mit der 20fachen Menge Wasser nach und nach verdünnt wurde, nahm diese Flüssigkeit immer mehr |72| weiſses, milchig getrübtes Aussehen an, in dem Grade als mehr Wasser zugesetzt war.

Beim Auflösen des Harzleimes ist deshalb der Grad der Verdünnung wohl zu beachten, indem hiervon die Feinheit des auszuscheidenden Milchharzes abhängig ist. Von den angegebenen Verfahren sind in 1l Flüssigkeit enthalten bei Sembritzky 31g, München-Dachau 22g, Milchharz von Dr. Wurster 15g, Seebald 42g Gesammtharz. Das Erwärmen der Flüssigkeit beim Auflösen des Harzleimes soll so nieder als möglich sein, jedenfalls 60° nicht übersteigen. Wird die Flüssigkeit gekocht, so löst, wenn noch Alkali vorhanden, dieses einen Theil des Milchharzes zu löslichem Harznatron. Je verdünnter die Lösung ist, desto feiner ist die Ausscheidung des Harzes, es ist bei dieser feinsten Vertheilung des Milchharzes möglich die Fasern weit gleichmäſsiger und dichter zu überziehen, als es mit der gleichen Menge Harz möglich ist, wenn dieses in gröſserer Form ausgeschieden ist.

Auſserdem ballt sich bei concentrirter Lösung ein Theil des in der Flüssigkeit vertheilten freien Harzes zusammen, scheidet sich als flockige Masse ab und ist für die Leimung verloren.

Bei Verwendung der verdünnten Leimlösung ist die groſse Menge Flüssigkeit, welche dadurch in den Holländer kommt, störend, zur Erreichung guter Leimung aber nicht zu vermeiden; wenn der Holländer von Anfang an nicht zu voll gehalten wird, kann der Miſsstand etwas gehoben werden.

Vermischen der Leimflüssigkeit mit Stärkeflüssigkeit.

Um das in der Leimflüssigkeit vertheilte Milchharz am Absetzen zu verhindern, wird die Leimflüssigkeit häufig mit aufgekochtem Stärkemehl gemischt. Dieses Mischen hat den Nachtheil, daſs die im Harzleim enthaltenen Unreinigkeiten sowie etwa nicht fein genug vertheilte Harztheilchen in der dickeren Flüssigkeit vertheilt bleiben und mit in das Papier kommen. Die durch das Mischen erzielten Vortheile sind also fraglicher Art, wenn nicht ebenfalls die verminderte Menge der Leimflüssigkeit, welche hierdurch entsteht, in Betracht kommt. Gut gekochter Harzleim hält das in der Flüssigkeit vertheilte Milchharz auch ohne Zusatz von Stärke in Suspension.

Abscheidung des Harzes aus dem Harznatron.

Das in der Flüssigkeit gelöste Harznatron, welches neben dem fein vertheilten Harze in derselben enthalten ist, muſs im Holländer in die unlösliche und leimende Form verwandelt werden. In alkalischer Flüssigkeit bleibt dieses Harznatron gelöst, in neutraler Flüssigkeit genügt das Einleiten von Kohlensäure, um es als Milchharz auszuscheiden, ein Verfahren, welches in der Fabrik von Korn und Bock benutzt wird. Schwache Säuren scheiden das gelöste Harz in feiner Vertheilung aus |73| und das ausgeschiedene Harz nimmt um so gröbere Form an, je stärker die verwendete Säure war.

Wie die freien Säuren abscheidend auf das Harz wirken, ähnlich verhalten sich die Erd- und Metallsalze. Es handelt sich jedoch bei der Harzleimung darum, daſs die mit dem Harze gebildete unlösliche Verbindung ihre wasserabstoſsenden leimenden Eigenschaften auch nach dem Trocknen sowie beim Lagern des Papiers behält. Diese Eigenschaften haben von den bekannteren Salzen diejenigen der Thonerde am meisten, ja die basischen Salze derselben üben auf die Fasern wasserabstoſsende Wirkung aus. Früher als man dem freien Harze auf die Leimung nachtheilige Wirkung zuschrieb, wurde für die Abscheidung des gelösten Harzes der Alaun verwendet, jetzt dagegen ist an dessen Stelle die billigere, wirksamere und leichter lösliche schwefelsaure Thonerde getreten.

Schwefelsaure Thonerde zur Abscheidung des Harzes.

Die Wirkung der schwefelsauren Thonerde, wenn diese mit dem gelösten Harznatron zusammenkommt, besteht darin, daſs sich unlösliche Harzthonerde bildet und lösliches schwefelsaures Natron. Dieser Vorgang findet statt, wenn nur so viel schwefelsaure Thonerde genommen wird, daſs die Flüssigkeit neutral ist. Da jedoch die Praxis lehrt, daſs nur dann leimfestes Papier erhalten wird, wenn schwefelsaure Thonerde im Ueberschusse vorhanden ist, das ablaufende Wasser also sauer reagirt, so läſst sich annehmen, daſs von der im Ueberschusse vorhandenen Thonerde ein Theil der Harzthonerde umgesetzt wird in Harz und unlösliche basische Thonerde, welch letztere sich ebenfalls auf der Faser abscheidet und zur Leimfestigkeit des Papieres beiträgt.

Vorgang bei der Harzleimung.

Der Vorgang bei der Leimung des Papieres im Holländer läſst sich auf Grund der bisher gemachten Beobachtungen so zusammenfassen, daſs die Faser mit einem wasserabstoſsenden Stoffe ausgefüllt werden muſs, für welchen dieselbe absorbirende Eigenschaften hat. Das Aeuſsere der Faser muſs mit einem fein vertheilten Körper, also hier mit Milchharz, mit Harzthonerde sowie mit den durch Umsetzung entstandenen basischen Thonerdesalzen überzogen werden, welche die Faser, wie bereits angegeben, um so vollständiger und dichter einhüllen, je feiner die Vertheilung der wasserabstoſsenden, schützenden Körper ist. Da jedoch auf der Papiermaschine beim Verfilzen und Verschlingen der Fasern Zwischenräume entstehen, so müssen auch diese mit dem gleichen wasserabstoſsenden Körper ausgefüllt werden. Dieses ist jedoch nur möglich, wenn die leimenden Stoffe auch verschiedene Gröſse haben, wovon die gröſseren die ungleich groſsen Zwischenräume zuerst verstopfen, während das von der Papiermaschine ablaufende Wasser die |74| feineren Stoffe in die zuerst verstopften Zwischenräume hineinzieht, so daſs diese jetzt erst dicht und vollkommen ausgefüllt werden.

Aus diesem Grunde geht das Bestreben dahin, den leimenden Stoffen verschiedene Gröſse zu geben. Die feinste Vertheilung hat das in der verdünnten Leimflüssigkeit enthaltene Milchharz, während das aus der Leimflüssigkeit durch schwefelsaure Thonerde abgeschiedene Harz und die Harzthonerde, so lange die Flüssigkeit schwach sauer reagirt, sich am gröbsten ausscheiden und um so feiner werden, je mehr die Flüssigkeit ihren sauren Charakter verliert. Die schwefelsaure Thonerde hat also die Eigenschaft, aus der Leimflüssigkeit die leimenden Stoffe in gröſserer und kleinerer Vertheilung auszuscheiden, was auf die Leimung von groſsem Einfluſs ist. Auſser der genannten Eigenschaft der schwefelsauren Thonerde ist auch die Concentration, in welcher sie der Leimflüssigkeit zugetheilt wird, auf die Art der Abscheidung von Einfluſs, diese ist um so gröſser, je concentrirter die Thonerdelösung ist.

Präparirung des Wassers durch schwefelsaure Thonerde.

Die Wirkung, welche die schwefelsaure Thonerde beim Leimprozesse ausübt, ist von bedeutender Wichtigkeit, so daſs dieselbe weit mehr gewürdigt werden sollte, als es bisher der Fall war, indem dieses Salz auch die Reinigung des Fabrikationswassers übernimmt, wenn dem Holländer sofort beim Betragen die nöthige Menge Thonerdesalze zugesetzt werden. Kommen nämlich Kalk und Magnesiasalze mit dem gelösten Harznatron zusammen, so bilden sich harzsaure Kalk- und Magnesiasalze, welche sich unter Einwirkung der Luft und beim Trocknen zersetzen in freies Harz und in Kalk- und Magnesiahydrat oder Carbonate; letztere reagiren alkalisch und heben deshalb die Leimung des Papieres auf. Werden nun die gelösten Kalk- und Magnesiasalze vor dem Leimzusatze in eine in Wasser unlösliche Form verwandelt, was durch Zusatz von schwefelsaurer Thonerde geschieht, indem basische Doppelsalze gebildet werden, so wirken diese nicht mehr auf das Harznatron ein und die Leimung des Papiers wird vollständig. Wo Kalk und Magnesiasalze die Leimung benachtheiligen, läſst sich das Wasser auf besagte Art leicht reinigen, doch ist nöthig, daſs der Gehalt dieser Salze durch Analyse zuvor festgestellt ist, denn ein groſser Ueberschuſs von schwefelsaurer Thonerde beeinträchtigt auch die Leimung, da die sauer reagirende schwefelsaure Thonerde die gebildeten basischen Salze im Ueberschusse wieder löst.

Die Bildung der basischen Thonerdesalze wird durch entsprechende Verdünnung begünstigt.

Verhalten der Thonerdesalze als Beize.

Auſser dem angegebenen Verhalten der schwefelsauren Thonerde dürfte derselben eine ähnliche Wirkung beim Leimprozesse zugeschrieben |75| werden wie in der Färberei. Ein kleiner Ueberschuſs von Thonerde präparirt die Faser, macht dieselbe empfänglicher und aufnahmsfähiger für den später folgenden Leimprozeſs. Nach dieser Richtung hin vorgenommene Proben haben günstige Resultate gegeben.

Beschaffenheit des durch Thonerdesalze abgeschiedenen Harzes.

Wie bereits oben hervorgehoben, ist die Beschaffenheit des Harzes nicht nur in seiner Gröſse und Eigenschaften verschieden, je nachdem der Harzleim auf die eine oder andere Art hergestellt ist; auch die Wirkung desselben auf die Leimung ist von gröſstem Einflüsse. Sembrizky macht in Hofman's Handbuch der Papierfabrikation Beobachtungen über sein Leimverfahren bekannt, welche ich Gelegenheit fand, zu bestätigen. Wird abgeschiedener Harzleim zum Leimen verwendet, so scheidet sich auf Zusatz von Thonerde das Harz in einer Form ab, welche das Wasser leicht abgibt und beim Pressen sich an den Fasern festsetzt. Wird dieses Papier an der Luft getrocknet, so ist dasselbe nicht leimfest, erst wenn dasselbe durch den Trockencylinder erhitzt wird, schmilzt das fein vertheilte Harz und bildet eine Decke, welche wasserabstoſsende Eigenschaften hat.

Die gelöste Harzseife, welche sich bildet, wenn Harz mit einem Ueberschuſs von Soda zusammengebracht wird oder welche in der Flüssigkeit enthalten ist, die von der gelblichen abgeschiedenen Harzseife abgeschöpft wird, scheidet das Harz bei Thonerdezusatz in schmieriger Form ab, welches das Wasser nur schwer abgibt, und beim Pressen mit dem Wasser zum gröſsten Theile abläuft. Das Papier, welches mit diesem Leime hergestellt wird, hat auch nach dem Trocknen keine Leimfestigkeit, das Wenige, was von Harz im Papier geblieben ist, trocknet zu feinem Pulver, welches keine leimenden Eigenschaften hat.

Animalisch geleimtes Papier mit Tischlerleim.

Das Bestreben, dem Papier Aussehen und Eigenschaften des auf der Oberfläche geleimten Papiers zu geben, wie es solche beim Durchziehen von Leimlösungen erhält, war die Veranlassung, daſs dem Harzleime ein Zusatz von Knochen- oder Lederleim im Holländer gegeben wurde. Da hierbei die Lösung von thierischem Leim, in welcher sich die Faser im Holländer befindet, nur sehr verdünnt ist und dieser Leim auſserdem durch Thonerdesalze keine Aenderung erfährt, so können die Wirkungen, welche derselbe auf das Papier ausübt, nur sehr unbedeutend sein, wenn nicht bedeutender Verlust an Leimlösung stattfinden soll. Nur so viel von dem Tischlerleim wirkt auf das Papier, als das Wasser gelöst enthält, welches beim Trocknen des Papieres verdunstet.

Mit Ammoniumalbumin geleimtes Papier.

Alle Eigenschaften des Tischlerleimes haben die in der Milch enthaltenen Albuminate, diese haben jedoch vor dem Tischlerleim voraus, |76| daſs die Albuminate durch Thonerdesalze abgeschieden werden, wodurch sie dem Gewichte des Papiers zu Gute kommen und dem Papier alle die Eigenschaften geben, welche es durch concentrirte Leimlösung erhält. Die Anwendung desselben ist äuſserst einfach und der ganze Vorgang der gleiche wie bei der Leimung mit Harzleim.

Einen bedeutenden Vorzug hat das Ammoniumalbumin vor dem Harzleime dadurch, daſs das Ammoniumalbumin (gleichgültig ob Leinen, Baumwolle oder Zellstoff) von der Faser mit Begierde aufgesaugt wird, so daſs dieselbe nach dem Trocknen pergamentartige Eigenschaften erhält. Auch büſst die so behandelte Faser nicht an Geschmeidigkeit ein, in Folge dessen das Verfilzen der Fasern sehr vollständig ist.

Die durch Thonerdesalze ausgeschiedenen Albuminate haben gallertähnliches Aussehen, sind sehr voluminös, wodurch dieselben die Fasern fein, dicht und gleichmäſsig mit wasserabstoſsenden Stoffen überziehen, in Folge dessen die so behandelte Faser gröſste Leimfestigkeit zeigt. Die voluminösen gallertartigen Albuminate füllen die im Papier entstandenen Zwischenräume möglichst dicht aus, so daſs das Papier nach dem Trocknen groſse Leimfestigkeit, Härte und Griff zeigt, sowie auch das mit Ammoniumalbumin geleimte Papier gröſsere Dehnungsfähigkeit hat, als das mit reinem Harzleim geleimte Papier, bei welchem Verfahren die Faser nur mit dem spröden Harze ausgefüllt und überzogen wird, wodurch die Faser spröde Eigenschaften erhält.

Das Ammoniumalbumin wird dem Holländer am besten gleich mit Beginn des Mahlprozesses zugetheilt in etwas concentrirter Lösung, so daſs 1l Flüssigkeit etwa 300 bis 400g Ammoniumalbumin gelöst enthält. Während dem Mahlprozeſs, der 4 bis 8 Stunden dauert, nehmen die Fasern die Albuminate aus der Lösung auf, so daſs die Faser im Innern damit vollständig ausgefüllt ist, der übrig bleibende Theil scheidet sich auf der Faser ab.

Erforderniſs für die gröſste Leimfestigkeit des Papiers.

Damit das Papier allen Ansprüchen an Leimfestigkeit entspricht, müssen die Fasern mit den wasserabstoſsenden Stoffen dicht überzogen, die im Papier entstandenen Zwischenräume vollkommen und dicht ausgefüllt sein, ferner ist nothwendig, daſs die Fasern vollständig mit den wasserabstoſsenden Stoffen durchdrungen und ausgefüllt sind. Es ist deshalb bei der Wahl der leimenden Stoffe besonders auf solche Rücksicht zu nehmen, welche im Stande sind, die Fasern auszufüllen und welche von den Fasern aus der Flüssigkeit aufgesaugt werden. Wie sehr dieses letztere besonders nöthig ist, sieht man am besten, wenn neue Fasern, sei es in Form von neuen Abschnitten oder auch als Faser selbst verarbeitet werden. Bei diesen Stoffen ist es kaum möglich, dem Papier die nöthige Leimfestigkeit zu geben, indem selbst beim sorgfältigsten Kochen die im Innern der Fasern enthaltenen Harze, Fette u.s.w. nicht entfernt werden können. Durch die Behandlung, |77| welche die Fasere beim Tragen erfahren, werden dieselben erst in lösliche Form verwandelt, so daſs später beim Leimprozesse auch die wasserabstoſsenden Stoffe ins Innere der Fasern eindringen können. Je mehr das Innere der Fasern mit wasserabstoſsenden Stoffen ausgefüllt, desto besser ist das Leimverfahren, um so leimfester ist das Papier.

Trocknen des Maschinenpapiers auf den Trockencylindern.

Das in der Masse mit Harz geleimte Papier würde an der Luft getrocknet, wie bei der thierischen Leimung des Papiers auf der Oberfläche, niemals leimfest werden, weil die in dem Papier enthaltenen wasserabstoſsenden Stoffe erst durch das Erhitzen unter einander verbunden und geschlossen werden. Um leimfestes Papier zu erhalten, ist es nöthig, daſs das im Papier enthaltene Harz die Harzthonerde zum Schmelzen bringt, wodurch sich eine Schicht bildet, welche das Eindringen der Tinte ins Innere verhindert. Hierbei genügt es jedoch nicht, daſs nur die Oberfläche des Papiers mit dem geschmolzenen Harze bedeckt ist, auch das Innere desselben muſs mit der geschmolzenen Masse durchdrungen sein, welche dicht und geschlossen wird, wenn das erhitzte Papier mit der weichen Masse durch die Glättpressen geführt wird. Dort wird das Ganze fest zusammengepreſst und erstarrt nach dem Erkalten zu einer gleichmäſsigen Masse.

Die Trocknung des Papiers ist von groſsem Einfluſs auf die Festigkeit des Papiers; erfolgt diese schneller, als daſs die feinen Fasern dem Zusammenziehen der Papierbahn folgen können, so müssen diese zerreiſsen und das Papier verliert dadurch sehr an Festigkeit. Auch auf die Leimfestigkeit wirkt die rasche Trocknung sehr nachtheilig. Hier wird durch das zu rasche Zusammenziehen der Papierfläche die durch Schmelzen des Harzes gebildete feine Harzschicht zerrissen und wenn dieses Papier beschrieben wird, dringt die Tinte ins Papier ein.

Um die Trocknung des Papiers so viel als möglich unabhängig von den Trockencylindern zu machen, sowie um eine Oberflächenleimung mit thierischem Leim zu ermöglichen, werden jetzt vielfach Vorrichtungen an der Papiermaschine angebracht, mittels welcher angestrebt wird, das Papier mit heiſser Luft zu trocknen. Alle diese Vorrichtungen werden jedoch insoweit ein nicht zufriedenstellendes Resultat geben, als das so getrocknete Papier nicht die genügende Leimfestigkeit hat; Festigkeit und Dehnung sind bei diesem Trockenverfahren gröſser als beim Trocknen auf den Cylindern. Ich hatte Gelegenheit, diesen Vorgang zu beobachten, nachdem das Papier über fünf Trocken-Vorrichtungen geführt wurde, auf welchen dasselbe mit heiſser Luft getrocknet, während die feuchte Luft abgesaugt wurde; erst auf den beiden letzten Cylindern erhielt das Papier seine nöthige Trockne. Auf der Oberfläche war das Papier, da es gewendet wurde, auf beiden Seiten mit einer schützenden Harzdecke versehen, allein diese war zu |78| schwach, um das Innere vor dem Eindringen der Tinte zu schützen. Die Hitze der beiden Trockencylinder reichte jedoch nicht aus, um das Harz im Innern des Papiers zum Erweichen zu bringen, da die trockene Faser als schlechter Wärmeleiter die Hitze nicht nach dem Innern fortpflanzen konnte. Wurde die feuchte Papierbahn aber auf dem ersten Cylinder etwas stärker erhitzt und mit dieser Temperatur das Papier über die Trockenvorrichtungen geführt, so war diese Temperatur genügend, um das Harz so weich zu halten, daſs es auf dem letzten Cylinder noch so weit erwärmt werden konnte, um das Papier auf der Trockenpresse zu einer gleichmäſsigen Masse pressen zu können.

Der gleiche Zeug, welcher nach dem ersten Verfahren schlecht im Leime haltendes Papier gab, lieferte nach diesem Verfahren ein Papier, welches nicht nur gut im Leime hielt, sondern auch groſse Festigkeit und Dehnung zeigte.

Daſs das auf der Oberfläche der Faser fein ausgeschiedene Harz beim Erhitzen und Schmelzen des Harzes nicht zusammenläuft und gelb transparente Harzflecken bildet, wie man solches bei schlecht aufgelöstem Harz sehr häufig findet, dürfte seinen Grund auch darin haben, daſs neben der ausgeschiedenen Harzthonerde auch basische Thonerdesalze sich auf der Faser abgesetzt haben, welche das Zusammenschmelzen des Harzes nicht behindern, wohl aber das Zusammenlaufen der Harztheilchen zu groſsen transparenten Anhäufungen.

Frictionschüttlung.

Da bei dem Maschinenpapier die Schüttlung nur nach der Breitseite der Papierbahn stattfindet, so soll besonders auf die jetzt gebräuchliche Frictionschüttlung aufmerksam gemacht werden, denn für richtigen Schluſs des Papiers ist die Schüttlung Haupterforderniſs. Festigkeit, Leimsicherheit, beide sind mit von dem Schüttelprozesse abhängig, wobei sowohl die Anzahl der Schüttelstöſse als auch die sogen. Hubhöhe beachtet werden muſs.

Angaben über die Menge der zum Leimen nöthigen Stoffe.

Da aus den gemachten Angaben ersichtlich, von wie vielen Umständen die Leimung des Papiers mit Harz abhängig ist, indem auſser der Art des Leimes, der Art und Behandlung des Zeuges im Holländer und auf der Maschine, auch die Beschaffenheit des Wassers u.s.w. von Einfluſs ist, so lassen sich quantitative Vorschriften, welche für alle Verhältnisse sichere Leimung geben, nicht machen. Das für die einzelne Fabrik zutreffende günstigste Verhältniſs, wie viel von den genannten leimenden Stoffen genommen werden muſs, wird durch systematisch durchgeführte Proben erhalten, welche zum Ziele und sicheren Erfolg führen müssen, wenn die bei der Leimung des Papiers sich abspielenden Vorgänge richtig beachtet werden.

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Wie viel jedoch an Harz noch gespart werden kann, wenn der Harzleim richtig hergestellt wird und den Angaben entsprechend zur Anwendung kommt, ist daraus ersichtlich, daſs eine Fabrik für die Herstellung von Normal-Schreibpapier 2½k Harz zum Leimen braucht, während eine andere für das gleiche Papier 8k Harz auf 100k Zeug verwendet. Zieht man in Betracht, daſs zur Abscheidung des Harzes die gleiche Menge Thonerdesalze nöthig ist, so ist leicht auszurechnen, um wie viel die eine Fabrik theurer wie die andere arbeitet durch den völlig nutzlosen Mehrverbrauch an Harz und Thonerde, welcher die Qualität des Papiers nur geringer macht.

Stärke und Dextrin.

Neben den bisher angegebenen Stoffen wird Stärke vielfach als Zusatz zum Leimen des Papiers verwendet, doch hat dieselbe keineswegs leimende Eigenschaften, noch erhält sie dieselben dadurch, daſs sie mit Thonerdesalze Verbindungen eingeht, welche wasserabstoſsende Eigenschaften haben. Die Wirkung der Stärke beim Leimen ist nur eine indirekte, indem sie die in der Flüssigkeit vertheilten leimenden und Mineralstoffe am Absetzen verhindert und gleichmäſsigere Vertheilung derselben auf dem Sieb herbeiführt.

Der Zweck, weshalb die Stärke den meisten Papieren zugesetzt wird, ist der, daſs die Papiere mehr Steife erhalten, sie kommen dadurch den Eigenschaften etwas näher, welche Tischlerleim dem Papiere gibt.

Wo es sich darum handelt, daſs die Steife des Papiers auch in feuchter Luft erhalten bleibt, wird an Stelle eines Theils der Stärke das Dextrin genommen. Dessen Verwendung ist genau wie diejenige der Stärke.

Recapitulation.

Bei der Leimung des Papiers im Holländer sind als Hauptpunkte zu beachten:

1) Die für Leimpapier verwendete Faser muſs eine derartige Vertheilung erhalten, daſs dieselbe dem wasserabstoſsenden Zusätze eine möglichst groſse Oberfläche darbietet. Dieses ist möglich, wenn die Faser nach der Längsrichtung derselben aufs feinste gespalten wird, hierdurch behält dieselbe gröſste Geschmeidigkeit, beim Schüttelprozeſs verfilzt sie sich mit den zunächst liegenden Fasern, so daſs das Papier um so gröſsere Festigkeit zeigt.

2) Die zum Leimen des Papiers dienenden Stoffe müssen die Eigenschaft haben, das Innere der Faser vollständig auszufüllen, die auf der Faser selbst befindlichen wasserabstoſsenden Stoffe müssen den höchsten Grad von Feinheit haben, da auf diese Art die Faser am vollständigsten überzogen wird. Die gleichen wasserabstoſsenden Stoffe, welche im Holländer erzeugt, die Faser überziehen, füllen auch die Zwischenräume |80| im Papier aus. Damit dieses möglichst vollständig erreicht wird, müssen diese Stoffe verschiedene Gröſse haben.

3) Genügende Leimfestigkeit im Papier wird nur erreicht, wenn die feuchte Papierbahn auf dem Trockencylinder bis zur nöthigen Temperatur erwärmt ist.

Ueber die Leimung der Papierfaser im Holländer und die damit in Verbindung stehenden Vorgänge bei der Herstellung von Leimpapier wurden bereits früher schätzenswerthe Mittheilungen gemacht, um aber über alle Vorgänge Klarheit zu schaffen, bedarf es auch fernerhin des Fleiſses und der Ausdauer der Fabrikanten. Es sollen deshalb diese Zeilen dazu den Anlaſs geben, daſs auch fernerhin die Erfahrungen durch Mittheilungen gegenseitig ausgetauscht werden.

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