Titel: Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275 (S. 494–506)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/ar275087

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen).

(Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes Bd. 273 S. 289.)1)

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 25 (Heft 12).

1) Die von der India-Rubber, Gutta-Percha und Telegraph Works Co. mit besonderer Rücksicht auf geringe Erhitzung gebaute, für die englische Admiralität bestimmte Maschine (sogen. Silvertown-Dynamo) ist in den Fig. 1, 2 und 3 in Ansicht, Quer- und Längenschnitt skizzirt. Sie ist eine gewöhnliche Gramme-Maschine mit nach einwärts gerichtetem Hufeisenmagnete und wird auf den englischen Kriegsschiffen unmittelbar |495| an eine Willans-Maschine angekuppelt. Der Ankerkern besteht aus nacktem Eisendrahte von 0mm,787 Durchmesser, der auf einen sternförmigen mit Seitenflanschen versehenen Metallkern aufgewickelt ist; die Zwischenräume zwischen den Armen desselben werden beim Aufwickeln des Drahtes mit quadrantförmigen Holzkeilen ausgefüllt, damit die Wickelung, welche auf einer besonderen Drehbank ausgeführt wird, eng und vollkommen cylindrisch ausfällt. Der Anker wird mit der Hand gewickelt und besteht aus 160 Windungen 19 strähnigen Kabels Nr. 16, dem ein rechteckiger oder besser etwas trapezförmiger Querschnitt gegeben ist, damit die Zwischenräume zwischen den Windungen so gering als möglich ausfallen. Der Stromsammler hat 80 Abtheilungen; der Widerstand des Ankers in kaltem Zustande beträgt 0,018 Ohm.

Fig. 1., Bd. 275, S. 495

Die Magnete sind von weichem, ausgeglühtem Schmiedeeisen hergestellt, haben 645qc Querschnitt und sind an den Polstücken in der Mitte auf 420,7, an den Enden auf 422mm,3 ausgebohrt. Die Nebenschluſswickelung ist möglichst nahe dem Kerne angebracht und besteht aus 20 Lagen von (2mm,11) Draht, jede Lage zu 74 Windungen: die Gesammtzahl der Windungen auf beiden Schenkeln ist 2960; der Widerstand, welcher kalt 18,6 Ohm beträgt, steigert sich bei 6stündigem |496| Betriebe auf 20,7 Ohm; die erregende Kraft der Nebenwickelung ist 11400 Ampère-Windungen. – Die Hauptwickelung besteht aus Kupferstreifen von 19 × 6⅓mm, in 14 Windungen auf. jedem Schenkel; der Widerstand derselben ist 0,006 Ohm, die erregende Kraft 5712 Ampère-Windungen. – Die Leistung der Maschine bei 460 Umdrehungen in der Minute ist zu 200 Ampère mit 80 Volt Klemmerspannung angenommen (Industries, 1889 * S. 90).

2) Die House to House Electric Supply Company hat in ihrer Lichtcentralstation bei West Brompton Dynamomaschinen nach dem englischen Patente von Lowrie und Parker (1888 Nr. 12907) angewendet. Es sind dies mehrpolige Wechselstrommaschinen; sie sind für eine Leistung von 100000 Watt berechnet; der Strom im Anker übersteigt nicht 2000 Ampère auf den Quadratzoll englisch (6qc,5); die Spannung beträgt 2000 Volt und die Zahl der Strom Wechsel ist 10000 in der Minute, bei 380 Umdrehungen in der Minute.

Fig. 4., Bd. 275, S. 496

Die Lowrie-Parker-Dynamo (Fig. 4 bis 8) hat einen feststehenden Anker und sich drehende Elektromagnete; jedoch ist, abweichend von Mordey's Maschine (1888 270 * 114) derselben Art, sehr viel Eisen im Anker verwendet. Lowrie hält den Gebrauch von Ankern ohne Eisen unvortheilhaft, weil der schnell umlaufende Magnet bestrebt sein müsse, den kräftigsten Theil des magnetischen Feldes aus der Stellung der gröſsten Wirksamkeit herauszudrehen. – Eine wesentliche Eigenthümlichkeit der Maschine ist, daſs der gröſste Theil des Kupfers des Ankers (nahezu 87 Proc.) in dem wirksamen Theile des Feldes liegt, da nur der kleinere Theil der Spulen, nämlich die parallel zur Drehungsrichtung liegenden Windungen, wirkungslos ist, wodurch die Maschine einerseits wenig Kupfer erfordert, andererseits äuſserst wirksam ist.

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Der Anker besteht aus einem groſsen aus Eisenblechscheiben zusammengesetzten Ringe von 1m,52 Durchmesser und 127mm Breite, an dessen innerer Fläche die Kupferspulen mit Hilfe von Holzleisten festgehalten werden, welche an das äuſsere Gestell der Dynamo angeschraubt sind. Diese Spulen sind auf Holzkerne gewickelt, die in der Richtung des Halbmessers der Maschine etwas concav gestaltet sind; das Kupfer wird in Streifen von 9,53 × 1mm Querschnitt verwendet, die durch geflochtene, mit Schellack getränkte Baumwolle isolirt sind; jede Spule hat etwa 30 Windungen. Das äuſsere Ende jedes Streifens ist mit dem inneren Ende der nächsten Spule in Reihenschaltung verbunden. Es liegen 28 solche Spulen (Fig. 5) auf der Fläche des Ankers; die Enden derselben sind innerhalb des Maschinengestelles nach zwei Polklemmen geführt, welche innerhalb eines kleinen Schrankes im Mantel der Maschine liegen. Auſserdem ist eine Verbindung mit einer einzelnen Spule hergestellt, von der aus alle Messungen mit Ampère- und Voltmeter gemacht werden. Der Bau des feststehenden Ankers mit dem äuſseren Eisenringe ist sonach sehr stark und unveränderlich, ein Biegen oder Verschieben, wie es bei stehenden sowohl wie bei sich drehenden Ankern, welche mit einfach aufgelegten Streifen versehen sind, vorkommt, ist unmöglich. Alle hoher Spannung ausgesetzten Verbindungen liegen innerhalb des Maschinenrahmens, und die beiden Klemmen befinden sich innerhalb des Mantels der Maschine, so daſs die Arbeiter vor elektrischen Schlägen gesichert sind, wenn sie nicht etwa den Mantel aufschrauben.

Die Magnete, ebenfalls 28, sind auf die Mantelfläche eines 63mm,5 starken schmiedeeisernen, ohne Schweiſsung aus einem Stücke hergestellten Ringes sicher aufgeschraubt. Die Magnetkerne haben rechteckigen Querschnitt mit abgerundeten Ecken (Fig. 6), um die Wickelung zu erleichtern, doch ist das äuſsere Ende mit scharfkantigen, flanschenartig vorstehenden Ecken (Fig. 8) versehen, welche als Träger für die Ränder der Spulen dienen. Mittels zweier ⊺-formigen Bolzen ist jeder Kern auf dem Ringe befestigt (Fig. 7). Die Speichen, welche den Ring tragen, treten abwechselnd an die Magnete, so daſs sie nicht eine magnetische Kurzschlieſsung der Kerne verursachen. Die Magnete sind mit Draht Nr. 8 (4mm,19) gewickelt und nehmen einen erregenden Strom von 8 Ampère auf.

Ein besonderer Vorzug dieser Maschine besteht noch darin, daſs bei eintretender Erwärmung ihre elektromotorische Kraft zunimmt, weil die Magnete durch die Ausdehnung des Ringes dem Anker genähert werden, so daſs die Stärke des magnetischen Feldes wächst, während bei anderen Anordnungen das Gegentheil eintritt.

Die Lagerung der Welle ist äuſserst sorgfältig ausgeführt; die Lager sind jedoch zur gröſseren Sicherheit gegen Heiſslaufen mit Wassermänteln umgeben, durch welche ein beständiger Strom kalten Wassers |498| geleitet werden kann. Die Lager sind zweitheilig; die Unterschalen können im Falle einer Ausbesserung oder Auswechselung gedreht und herausgezogen werden, ohne daſs die Welle herausgenommen werden muſs. Die Lager sind 508mm lang; eines derselben hat Stellringe, um seitliches Spielen zu begrenzen, sie haben zwei Nuthen zum Auffangen des ablaufenden Oeles, welches sich in einem Behälter sammelt und wieder verwendet wird.

Der erregende Strom wird jeder Dynamo von einer kleinen Elwell-Parker-Dynamo geliefert, die von der groſsen Dynamo aus betrieben wird. Rings um die Maschine befindet sich ein 150mm über den Fuſsboden erhöhter gut isolirter Raum.

Auf der oben genannten Centralstation sind drei wagerechte Verbund-Dampfmaschinen von je 250 , mit 381mm Durchmesser des Hochdruckcylinders, 635mm Durchmesser im Niederdruckcylinder und 762mm Kolbenhub aufgestellt. Jede der drei Maschinen besitzt ein 4m,27 im Durchmesser haltendes Schwungrad, von jedem derselben wird die Kraft durch sieben Hanfseile von je 38mm Durchmesser auf je eine Dynamo übertragen.

Sämmtliche Leitungsdrähte sind unterirdisch nach dem Meſszimmer geführt und an einem aus Porzellan hergestellten auf Ebonit befestigten Schaltbrette vereinigt, auf dessen Rückseite alle Verbindungen liegen, so daſs es unmöglich ist, diese mit hoher Spannung behafteten Verbindungen zufällig zu berühren. Die Verbindung zwischen den Dynamo und den Hauptleitern wird mit Hilfe von Verbindungsblöcken (Fig. 10) bewirkt, die vier vorstehende Messingstöpsel haben, welche in Porzellannäpfe (Fig. 9) eingesteckt werden; wegen des Abstandes der Stöpsel von einander ist es nicht möglich, eine der Dynamo in Kurzschluſs zu bringen. Jede der drei Dynamo läſst sich auf jede Leitung schalten.

Die Regulirung der Dynamo findet innerhalb 1 Proc. Abweichung statt mit Hilfe des Lowrie-Hall-Regulators (vgl. Electrical Engineer, Bd. 2 * S. 283 und 319), weicher darauf beruht, daſs ein vom Wechselstrome durchflossener langer Eisendraht sich bei der Erhitzung ausdehnt und durch seine hierbei eintretende Durchbiegung ohne jede Reibung einen Contacthebel bewegt, der einen elektrischen Strom auf dem einen oder einem anderen Wege sendet und dadurch einen in den erregenden Stromkreis eingeschalteten Flüssigkeitswiderstand abändert.

Es ist noch eine interessante von Lowrie herrührende Einrichtung zur beständigen Prüfung der Isolirung der unterirdischen Hauptleitungen vorhanden. In jedem, hochgespannte Wechselströme aufnehmenden Leiter wird eine bestimmte statische Ladung erzeugt, die bei vollkommener Isolirung nur an den Polklemmen der Dynamo zur Erde entweichen kann. Diese Ladung wird hier benutzt, um, sobald die Polklemme des Schaltbrettes mit der Erde verbunden wird, in einer luftleeren, in einer dunkeln Büchse angebrachten Röhre eine Glüherscheinung |499| hervorzubringen, deren Stärke durch ein Guckloch der Büchse beobachtet werden kann und auf die Güte der Isolirung der Leitungen schlieſsen läſst.

Die Hauptleitungen sind in unterirdisch verlegten Eisenröhren von 76, 102 und 127mm untergebracht. Für alle Rohrsorten kommen Verbindungsstücke von derselben Gröſse zur Verwendung, so daſs auch die Straſsenbüchsen alle gleich groſs sind. Die Isolirung der Leiter (nach Tatham's Weise) ist die höchste bisher erreichte; sie miſst 32000 bis 43000 Megohm für 1 englische Meile bei Prüfung unter Wasser und besteht aus neun Lagen Flechtschnur, mit einer patentirten Lösung getränkt; die Kabel sind alsdann mit Blei überzogen und schlieſslich mit Hanf umwickelt. Die Kabel werden in fünf Normalgröſsen, für 2000, 1500, 1000, 500 und 250 sechzehnkerzige 50-Watt-Lampen in 1km,6 Entfernung bei einem Verluste von 2 Proc. angefertigt. Die letzte Kabelsorte ist aus Fabrikationsrücksichten die kleinste.

Die angewendeten Stromumsetzer (Transformatoren) sind theils stehend, theils liegend (Londoner Electrical Engineer, 1889 * S. 89).

3) Bekanntlich werden Commutatorstäbe, welche einen zur Achsenrichtung rechtwinkeligen Ansatz a (Fig. 11 und 12) haben, entweder aus einer sehr kupferreichen Legirung gegossen, oder aus einem Kupferstreifen und einem Stücke Legirung zusammengelöthet. Die ersteren stehen in ihrer Leitungsfähigkeit dem Kupfer nach und letztere haben ungleiche Leitungsfähigkeit in ihren Theilen, sind auſserdem kostspielig in der Herstellung. Um beide Uebelstände zu vermeiden, stellt C. E. Billings in der Billings und Spencer Co. in Hartford diese Stäbe aus gehämmertem Kupfer her. Er verwendet dazu Rundkupfer, welches zunächst flach gezogen, dann auf Länge geschnitten und annähernd nach der gewünschten Form umgebogen und schlieſslich mittels Fallwerk in die genaue Form geschlagen wird.

Diese aus reinem Kupfer bestehenden Stäbe haben den Vortheil, daſs ihre Fasern durchweg in der Längsrichtung liegen und die Leitungsfähigkeit eine gleichmäſsige ist (American Machinist vom 10. Januar 1889 * S. 3).

4a) Die Gleichstromdynamo, Type „Δ“, von Ganz und Comp. in Budapest, seit 1887 gebaut, ist eine zweipolige Maschine mit Trommelanker. Fig. 13 zeigt eine solche in der Ansicht.

Die Schenkel der Elektromagnete derselben bestehen aus Schmiedeeisen und sind in den Fundamentkasten der Maschine eingegossen; deshalb und weil die Fasern der Kerne in der Richtung der magnetischen Kraftlinien laufen, ist der magnetische Widerstand gering.

Es ist ferner darauf Bedacht genommen, die Umdrehungsgeschwindigkeit möglichst zu verringern und die Leistung auf die Gewichtseinheit möglichst zu erhöhen, so daſs ein hoher wirthschaftlicher Nutzeffect bei verhältniſsmäſsig vermindertem Kraftaufwande sich ergibt. In Verbindung |500| mit letzterem Umstände steht die geringe Erwärmung der Maschine, während sonst bei Maschinen mit hohem Nutzeffecte das Gegentheil der Fall ist. – In Folge der geringen Umdrehungszahl kann die Maschine in den meisten Fällen durch eine einzige Riemenübersetzung betrieben oder unmittelbar mit der Dampfmaschine gekuppelt werden.

Fig. 13., Bd. 275, S. 500

Der Anker dieser Δ-Dynamo hat noch die Anordnung von 1885; der Kern besteht aus 0mm,5 starken, von einander durch Papier isolirten Eisenblechscheiben; in den Umfang dieser Trommel sind sehr tiefe und schmale Rinnen (Fig. 14) eingehobelt, welche zur Aufnahme der Bewickelung, die hier gewöhnlich aus Drähten besteht, dienen (Fig. 15). Die Trommel kann hierdurch genau rund laufend hergestellt und die Dicke der Luftschicht zwischen ihr und den Magneten auf 2 bis 3mm,75 verringert werden, so daſs der magnetische Widerstand, sowie die Erwärmung der Polschuhe gering ausfallen.

Der Stromsammler hat sehr lange kupferne Streifen, mit welchen die von der Trommel kommenden Verbindungsdrähte durch je zwei Schrauben verbunden sind. Die Köpfe derselben sind durchbohrt und durch die Löcher der beiden zusammengehörenden Schrauben ist ein Draht gesteckt, dessen Enden alsdann umgebogen sind, um ein Lösen der Schrauben zu verhindern.

Je nach der Gröſse der Maschine sind eine bis drei Bürsten auf einem Bolzen befestigt; jede derselben kann für sich mittels eines kleinen Handgriffes beliebig gegen den Stromsammler gepreſst werden, auſserdem kann man mit Hilfe eines gröſseren Handgriffes den ganzen Bürstenständer nach Bedarf ein- und feststellen.

Um die Ankerwelle magnetisch zu isoliren, sind bei kleineren Maschinen die Lagerständer aus Bronze hergestellt, während bei gröſseren Maschinen die mit Bronzeschalen versehenen guſseisernen Lagerständer eine Zinkplatte als Unterlage erhalten und durch Metallschrauben auf der Grundplatte befestigt werden.

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Textabbildung Bd. 275, S. 501

(Zeitschrift für Elektrotechnik, 1889 * S. 76. Mittheilungen des niederösterreichischen Gewerbe-Vereins, 1889 * S. 6.)

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Die Polklemmen, an welche die Leitungen angeschlossen werden, sind auf Porzellanplatten mit Holzunterlagen an einem der Magnete (Fig. 13) befestigt, ebenso auch die Klemmen für den Magnetisirungsstrom. Die Stirnflächen der Trommel sind mit einem starken Gewebe bespannt und die Magnetwickelungen mit Wachsleinwand umhüllt, um das Eindringen von Metallstaub u.s.w. zu verhindern. Um die Trommel gegen von oben herabfallende Gegenstände zu schützen, sind beide Magnetschenkel mit einer durchbrochenen Zinkplatte verbunden.

Ist die Dynamo unmittelbar mit der Dampfmaschine gekuppelt, so werden die Magnetschenkel in die gemeinsame Grundplatte eingegossen und die Dampfmaschine durch einen Zinkrost von der Grundplatte isolirt.

Diese Δ-Dynamo dienen mit 110 und 60 Volt Spannung sowohl zur unmittelbaren Beleuchtung als auch zur Erregung von Wechselstrommaschinen; mit höherer Spannung dienen sie für Bogenlampen und Kraftübertragung und, mit geringer Spannung, für galvanoplastische und andere Zwecke.

Die vorstehende Tabelle gibt die Hauptverhältnisse der gebräuchlichsten Gröſsen dieser Maschinen.

4b) Die Wechselstrommaschine von Ganz und Comp. in Budapest (1886 261 * 497. 1887 264 * 589. 1888 268 354), entworfen von Zipernowski, Deri und Blathy, unterscheidet sich in ihren jetzigen Ausführungen hauptsächlich dadurch von der älteren Maschine, daſs an Stelle der flach am inneren Umfang des feststehenden Ankers aufliegenden Spulen jetzt hervorstehende Spulen verwendet und daſs die Kerne der Feldmagnete aus einzelnen Platten hergestellt sind.

Fig. 31 gibt theilweise die Seitenansicht und theilweise verschiedene Querschnitte der Maschine. Um die Erhitzung zu vermeiden, sind die Feldmagnete aus U-förmig gestalteten Eisenplatten F zusammengesetzt, welche auf einander gelegt und um die auf der Welle befestigte Nabe so angeordnet sind, daſs sie einen Stern bilden; die Stöſse der verschiedenen Lager wechseln (siehe die punktirten Linien) dabei ab; diese einzelnen Platten sind durch isolirte Bolzen B mit der Nabe und unter einander verbunden. Die Spulen werden auf besonderen Formen hergestellt, dann über die Kerne geschoben und durch besondere Halter und Schrauben fest gehalten. Der feststehende Anker besteht aus ebenso viel einzelnen Theilen, als das Feld Arme besitzt, die am inneren Umfange des Gestelles der Maschine so befestigt sind, daſs jede einzelne leicht herausgenommen werden kann. Diese Theile haben T-förmigen Querschnitt-, der mittlere, sehr kurze Schenkel A, von derselben Breite und Länge wie die Magnete, ist mit der Wickelung versehen. Die beiden ringförmigen Gestellwände werden durch starke Stehbolzen verbunden, zwischen denen eiserne Querstücke liegen, an denen die Ankerstücke befestigt sind. In der Fig. 31 ist bei I ein Schnitt dicht an der Gestellwand gegeben, um die Befestigung der Querträger zu |503| zeigen; bei II ist einer der letzteren und die Platten des Ankerkernes, endlich bei III die Befestigungsart des Ankerkernes gegen die Querträger zu sehen. Die Ankerplatten werden durch gerippte Bronzeplatten und isolirte Bolzen zusammengehalten; in gröſseren Ankern werden auch dazwischen Bronzeplatten eingefügt und dienen zur Aufnahme der Bolzen, mit welchen das Ankerstück an den Trägern befestigt ist (Querschnitt III). Bei gröſseren Ankern werden auſser den Endplatten auch noch Zwischenplatten angewendet.

Bei den neuesten Maschinen ist die Einrichtung getroffen, daſs die Magnete mit Welle aus dem Anker herausgezogen werden können, wie dies in Fig. 32 dargestellt ist. Die Antriebscheibe muſs vorher von der Welle entfernt werden; dann wird die Welle mit allen daraufsitzenden Theilen und mit dem einen Lagerbocke seitlich verschoben, zu welchem Zweck in dem Ansätze der Grundplatte eine mit Hilfe eines Ratschhebels zu drehende Schraubenspindel gelagert ist, deren Mutter am Lagerbock festsitzt.

Fig. 32., Bd. 275, S. 503

Die in Fig. 32 abgebildete Maschine ist für eine Leistung von 80k-Watt bestimmt; sie hat 14 Magnetpole und 14 Ankerstücke, welche so verbunden werden können, daſs man entweder 2000 oder 4000 Volt Spannung und 40 bezieh. 20 Ampère Stromstärke erhält. Die Maschine macht 360 Umdrehungen in der Minute und 5040 Stromwechsel. Das Gesammtgewicht des Eisens in den Ankerkernen und Magneten ist etwa 1350k, das des Kupfers etwa 422k. Der Ankerwiderstand beträgt 1,038 Ohm bei einer Maschine von 2000 Volt Spannung. Der Widerstand der Feldmagnete miſst 3,24 Ohm; ein Strom von 28,7 Ampère ist zu voller Erregung erforderlich, was einen Verlust von 3,33 Proc. für die Erregung bedingt. Bei den angestellten Versuchen wurden zunächst |504| die Magnete nicht erregt; dann betrug bei der normalen Umdrehungszahl die Betriebskraft 4,07 ; dann wurden die Feldmagnete erregt und dadurch eine Klemmenspannung von 2000 Volt erzeugt, aber der Strom wurde nicht vom Anker abgeleitet; da wurden 9,81 gebraucht, also 5,74 durch Foucaultströme und andere Verluste verzehrt.

Fig. 33., Bd. 275, S. 504

4c) Einer der neueren Stromumsetzer (Transformatoren) von Ganz und Comp. ist in Fig. 33 abgebildet. Der Kern desselben besteht aus gegen einander isolirten, ringförmigen Eisenblechscheiben, welche durch gut gefirniſste Holzklammern zusammengehalten werden. Durch dieselben wird dieser Eisenkern in mehrere Abtheilungen getheilt, deren jede eine primäre und eine secundäre Spule enthält, und zwar liegt erstere dem Kern zunächst. Die Holzklammern sind an beiden Enden durch starke Eisenscheiben von gröſserem Durchmesser als der Kern sammt Wickelung verbunden, so daſs das Ganze leicht und ohne Nachtheil für die Wickelung auf diesen Scheiben fortgerollt werden kann. Die Klemmschrauben sind auf Porzellanscheiben befestigt, die an einer der Eisenscheiben sitzen, während die andere Scheibe mit Füſsen versehen ist, worauf der Apparat bequem stehen kann (Industries vom 3. Mai 1889 * S. 425).

5) R. Weber in Leipzig gibt in seinem englischen Patent Nr. 16603 vom 2. December 1887 eine kleine, sehr kräftig wirkende Dynamo an, die besonders für den Betrieb einer Glühlampe bestimmt ist und vom Rade eines Velocipedes angetrieben wird. Um möglichst an Kaum zu sparen, sind die Pole C des hufeisenförmigen Elektromagnetes B (Fig. 16 bis 19) innerhalb des Hufeisens nach einwärts gebogen, so daſs sie sich |505| zwischen den Magnetschenkeln und dem in der Mitte des Hufeisens gelagerten Anker D befinden. Der Kern des Ankers besteht aus aufeinander gelegten, jedoch von einander isolirten dünnen Eisenplatten von ⌶-Form, welche auf die Welle aufgeschoben sind und zwischen ihren Flanschen die der Länge nach gewickelte Wickelung E aufnehmen. Die Ankerwelle F läuft in Metalllagern, welche in den am Elektromagnete befestigten Trägern M, N angebracht sind. Am unteren Ende trägt die Welle den Commutator G, gegen welchen sich die an den Polen des Elektromagnetes isolirt befestigten Bürsten I und K legen. Die Schmierung der Lager a und b erfolgt durch Röhrchen e und i von dem Oelbehälter d aus.

6) S. C. Hanberg in Kopenhagen gibt der in seinem englischen Patent Nr. 16790 vom 6. December 1887 angegebenen Dynamo einen Hufeisenmagnet von C-förmiger Gestalt (Fig. 20), um dessen mittleren Theil A die Wickelung angebracht ist, während zwischen den beiden Schenkeln der Anker umläuft. Dadurch, daſs die Entfernung b-b der letzteren gleich der Höhe c-c der Wickelung gemacht ist, wird die Herstellung der letzteren sehr vereinfacht.

7) J. G. Stauer in West-Drayton (1888 268 * 359. 270 49), welcher in seinem früheren Patente ein Solenoid zur Regulirung der Dynamo verwendet, benutzt jetzt nach dem englischen Patent Nr. 17726 vom 24. December 1887 einen Centrifugal-Regulator, dessen Stellzeug auf die Bürsten einwirkt und dieselben auf dem Umfange des Commutators verschiebt, sobald sich der Widerstand bezieh. die Geschwindigkeit ändert.

8) A. G. Waterhouse in Hartford, Connecticut, gibt in dem englischen Patent Nr. 15388 vom 25. Oktober 1888 folgende in Fig. 21 schematisch dargestellte Einrichtung zur Regulirung der elektromotorischen Kraft in einem für den Betrieb von Glühlampen bestimmten Stromkreise. Vom Commutator C des Stromerzeugers gehen zwei Drahtleitungen aus. Die eine, Spule F, bildet einen Stromkreis um die Feldmagnete und durch einen äuſseren Widerstand F1 F2 und den Arbeitsmagnet W. Ein zweiter Stromkreis S von hohem Widerstände enthält den Regulirungsmagnet R. Der um das eine Ende drehbare Hebel D ist am anderen Ende mit einem vorstehenden Stifte D1 versehen, welcher einen oder mehrere Contactringe T trägt, durch die der Hebel D in elektrische Verbindung mit einer Reihe von Contactplatten I treten kann, die, vom unteren Ende angefangen, nach oben hin mit auf einander von oben nach unten folgenden Punkten des Widerstandes F1 durch die Drähte I1 verbunden sind. Der unterste Theil des Widerstandes F1 ist noch durch die Leitung D2 mit dem Drehpunkte X des Hebels verbunden, so daſs ein durch den Widerstand F1 gehender Strom auf dem Wege D2 DT nach dem Drahte I1 gelangen kann. Hierdurch wird ein Theil des Widerstandes F1 kurz geschlossen, sobald Hebel D durch |506| den Magnet W gehoben oder gesenkt und die Stellung der Ringe T verändert wird. Ist die elektromotorische Kraft der Maschine niedrig, so wird der Anker von W abfallen, die Ringe auf D1 gleiten abwärts, der Strom in den Feldspulen erzeugt eine entsprechende Zunahme des Hauptstromes. Der Magnet R dient zur Unterstützung des Magnetes W, er wird durch den besonderen Stromkreis SS1 bethätigt und ist mit einem Feder-Contacthebel K versehen, der durch den Draht Y mit dem Feldleiter F2 verbunden ist. Die Wickelung von W ist durch den Leiter F3 und einen Leiter B1 mit einem Contactpunkte O verbunden. Zieht der Magnet R seinen Anker an, so findet keine Berührung zwischen K und den Punkten O und P statt. Sobald die elektromotorische Kraft der Maschine unter ein bestimmtes Maſs sinkt, wird der Hebel K den Punkt P berühren und ein Theil des Stromes wird durch YKPNOB1 F3 gehen. Der durch W gehende Strom wird vermindert und seine Thätigkeit empfindlicher gemacht werden.

In Fig. 22 ist die Anordnung für einen Stromkreis gegeben, der Bogenlampen enthält. Die Dynamo hat eine Hilfsbürste A1, welche durch den Leiter H mit der Hauptbürste A verbunden ist; zwischen dieser Bürste und dem Punkt F2 ist der Widerstand F1 eingeschaltet. Der Zweck der Magnete R und W ist, die Regulirung durch Veränderung des Widerstandes zwischen F1 und F2 herbeizuführen, wobei indeſs beide Magnete durch denselben Stromkreis erregt werden, welcher von F2 ausgeht und durch die Lampen L zurückkehrt.

(Fortsetzung folgt.)

Vgl. auch Pumpanlage 1889 274 * 411. Wood 1889 274 414. Kennedy 1889 273 384. Allgem. Elektricitätsges. 1889 274 * 503. Schulze 1889 273 574.

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