Titel: Schweröl- und Erdöllampen auf der russischen Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275 (S. 563–575)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/ar275101

Die Schweröl- und Erdöllampen auf der russischen Ausstellung für Beleuchtungsgegenstände und Naphtaindustrie in St. Petersburg.

Mit Abbildungen.

Nachstehender Bericht ist zusammengestellt auf Grund der Arbeiten der Herren Tiesenholt, Schröder und Alexejew1), welche im Auftrage der Prüfungscommission die photometrischen Messungen an den ausgestellten Lampen übernommen hatten.

Es mag hier gleich erwähnt werden, daſs in diesem Bericht nur die russischen Lampen genauer beschrieben sind, da die deutschen, englischen, belgischen u.s.w. Systeme auſserhalb Ruſslands bekannt sein dürften.2) Es sind jedoch auch für diese Lampen die Resultate der Prüfungen angeführt, da die vollständige Zusammenstellung aller Daten, |564| auch für die Länder, wo die Lampen bekannt sind, nicht ohne Interesse sein dürfte.

Besonderes Interesse beanspruchte auf der Ausstellung die Concurrenz um zwei Preise im Betrage von 2500 Rubel und 1000 Rubel für die besten Schweröllampen, da bei der kolossalen Production von Schweröl schon lange ein Bedürfniſs nach einer diesbezüglichen Lampenconstruction sich in Ruſsland geltend machte und die bisher erfundenen Schweröllampen den Anforderungen nicht in vollem Maſse entsprachen.

Die Beschreibung der hierher gehörigen Lampen bildet den ersten Theil dieses Referats, während im zweiten die Erdöl- und Pyronaphtalampen behandelt sind.

Die zur Untersuchung der Lampen benutzten Mineralöle hatten folgende Eigenschaften:

Erdöl Pyronaphta Schweröl
Nr. 1 Nr. 2
Spec. Gewicht 0,824 0,854 0,869 0,871
bei 18° bei 19° bei 18° bei 19°
Destillat unter 150° 9,0 Proc.
„ von 150° bis 270° 73,4 „ 35,4 Proc. 17,5 14,4 Proc.
„ über 270° 17,2 „ 64,2 „ 82,5 85,5 „
Entzündungstemperatur 34,5° C. 80° C. 97° C. 112° C.
Asche in 100g 0 Spuren 0,002 0,005
Färbung durch conc. Schwefel-
säure

sehr schwach

gelbbraun

braun
Relative Zähigkeit (Wasser = 1) 1,9 3,0

Die Untersuchungen wurden in der Weise gemacht., daſs stündlich Gewicht, Leuchtkraft und Erwärmung der zu untersuchenden Lampe bestimmt wurde, aus welchen Daten sich dann leicht die übrigen berechnen lassen. – Die photometrischen Messungen wurden mit einem Photometer von Krüss gemacht, wobei als Normallicht ein Hefner-Alteneck'sches Lämpchen (Amylessigäther) diente. Die weiter unten angeführten Zahlen beziehen sich alle auf die Wallrathlichteinheit. Die dazu nothwendigen Umrechnungsfactoren sind der Arbeit von Liebenthal3) entnommen. Nach Liebenthal's Untersuchungen ist die Leuchtkraft einer englischen Normal-Wallrathkerze von 43mm,2 Flammenhöhe = 1,128 Lampen von Hefner-Alteneck (bei einer Flammenhöhe von 40mm).

I. Lampen für Schweröl.

Es waren zwei Preise für die besten Schweröllampen ausgeschrieben: A) Ein Preis von 2500 Rubel für eine vervollkommnete Lampe für die Bedürfnisse der Bauern und der niederen Stände. Bedingungen:

1) Die Lampe muſs Schweröle von mindestens 0,870 (bei 15° C.) spec. Gew. brennen können;

|565|

2) bei 8stündiger Brenndauer im Mittel eine Leuchtkraft von mindestens 4 Kerzen entwickeln und für Licht und Stunde höchstens 4g Oel verbrauchen, bei einem Gesammtverbrauch von höchstens 20g in der Stunde;

3) der Unterschied zwischen der gröſsten und kleinsten Leuchtkraft binnen der 8 Stunden Brenndauer darf nicht mehr als eine Kerze betragen;

4) die Flamme muſs ruhig sein und darf nicht flackern;

5) die Lampe muſs einen Metallbehälter für das Oel haben, dabei möglichst billig, fest und vor Allem einfach construirt sein, um auch von Laien leicht und gefahrlos gehandhabt werden zu können;

6) das Oel im Metallbehälter darf sich nicht mehr als um 7° C. über die Temperatur der umgebenden Luft (18° bis 25°) erwärmen. (Diese letzte Bedingung, um die Schweröllampe auch für die Benutzung von Erdöl brauchbar zu machen.)

B) Ein Preis im Betrage von 1000 Rubel für eine gewöhnliche Hauslampe zum Gebrauch von Schweröl von mindestens 0,970 spec. Gew. (bei 15° C). Bedingungen:

1) die Lampe muſs bei 8stündiger Brenndauer eine Leuchtkraft von mindestens 12 Kerzen entwickeln, bei einem Verbrauch von höchstens 4g für die Kerze und Stunde;

2) die Schwankungen zwischen dem Maximum und Minimum der Leuchtkraft dürfen zwei Kerzen nicht übersteigen;

3) die Flamme muſs ruhig sein und darf nicht flackern;

4) im Falle, daſs die Lampe einen metallenen Oelbehälter besitzt, darf die Maximalerwärmung des Behälters nicht über 7° C. im Vergleich zur Zimmertemperatur steigen.

Bei der Bewerbung um beide Preise haben Lampen ohne Glascylinder oder mit irgend welchen sonstigen wesentlichen Vereinfachungen den Vorzug.

Von allen ausgestellten Lampen genügte keine einzige vollständig den gestellten Bedingungen, so daſs man sich genöthigt sah, den Termin um ein Jahr zu verlängern. Bei diesem zweiten Preisausschreiben kamen dann allerdings vollkommen befriedigende Resultate zu Tage.

Wir werden uns daher im Folgenden nur mit den Lampen der zweiten Concurrenz beschäftigen und von den Lampen der ersten Concurrenz nur die Resultate der Messungen mittheilen. Erwähnenswerth von den russischen Lampen der ersten Concurrenz sind nur die Lampen von Tchorjewsky.

Lampe von Tchorjewsky ohne Glas.

Die Construction derselben ist ohne weitere Erklärung aus Fig. 1 zu verstehen. Der Glascylinder wird durch den starken Zug ersetzt, den das kleine Lämpchen im Fuſse der Hauptlampe erzeugt. Der Docht |566| der Hauptlampe kann nach Belieben rund, flach oder mitrailleusenartig sein. Die kleine Hilfslampe ist von gewöhnlicher Construction, und besitzt einen metallnen Schornstein. Der gröſste Fehler der Lampe ist die starke Erwärmung des Oelbehälters, was jedoch durch ein weiteres Entfernen desselben vom mittleren Rohr, durch welches die erwärmte Luft strömt, vermieden werden könnte.

Fig. 1., Bd. 275, S. 566
Fig. 2., Bd. 275, S. 566
Fig. 3., Bd. 275, S. 566

Störend ist weiter die complicirte Abhängigkeit der Leuchtkraft von vielen verschiedenen schwer controllirbaren Bedingungen, wie stärkeres oder schwächeres Brennen der kleinen Hilfslampe, Erwärmung des Zugrohres u.s.w.

Die Resultate der Messungen waren folgende:4)


Leuchtkraft
in Kerzen

Stündlicher Verbrauch in g
Differenz zwi-
schen Maximum
und Minimum
der Leuchtkraft
in Kerzen

Maximal-
Erwärmung
der ganzen
Lampe

für die Kerze
4,88 24,88 5,27 2,19 22° C.

Lampe von Tchorjewsky mit zwei Cylindern.

Diese Lampe ist dadurch bemerkenswerth, daſs an ihr das Princip der Regenerativlampen in sehr ausgesprochener Weise durchgeführt ist.

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Ihre Construction ist aus dem Schema Fig. 2 ersichtlich. Die Luft tritt zwischen den beiden Glascylindern ein. Beim Passiren des Hohlraums zwischen den beiden Cylindern erwärmt sie sich stark und dient nachher zum Vorwärmen der Dochtröhre. Der Luftmantel a dient als Schutz gegen die Erwärmung des Oels im Reservoir. Die Lampe braucht eine geraume Zeit, um das Maximum ihrer Leuchtkraft zu erreichen, und ist auch dann sehr sensibel gegen jede Luftströmung.

8,2 26,25 3,20 1,2 12°

Dieselben Daten für die anderen Lampen der ersten Concurrenz.

A) Ohne Glas.
Prokofjew 7''' 0,78 10,14 12,81 0,27 18°
Prokofjew 5''' 0,64 8,45 13,63 0,2 12°
Schuster und Baer 0,48 7,29 15,33 0,13 16°
Metz 4,33 17,49 3,98 1,47 17°
Janow 1,98 10,31 5,97 3,19 10°
Prof. Glinsky 2,37 13,14 5,57 0,62
B) Mit Glas.
Prokofjew 3,77 17,47 4,72 1,31 10°
Pervenko 2,91 9,65 3,26 0,71
Pervenko 4,01 17,53 4,37 1,37
Astafjew 12,17 48,95 3,99 4,95 14°
Schandor 10''' 6,09 22,53 3,78 2,39
Schandor 14''' 8,46 30,63 3,70 6,00
Schuster und Baer 5''' 4,28 12,71 3,66 1,18
Serebrjakow 4,21 16,27 3,94 2,68 13°
Potjechin 10''' 5,55 39,79 7,07 2,42 ?
Potjechin 5''' 3,73 15,82 4,19 1,3
Hildebrandt 4,51 17,82 3,94 0,11 13°
Wright und Butler 4,04 16,57 4,09 0,53 15°
Defries 17''' 22,8 82,42 3,61 7,00 19°
Scherring (Victoria-Brenner) 8,70 33,85 3,90 1,37 10°
Jablonowsky und Gatschkowsky 22,5 72,4 3,2 3,96 13°
Makarow 5,4 19,6 3,6 1,1 11°

Von den Lampen der zweiten Concurrenz um den Preis von 2500 Rubel sind folgende zu erwähnen.

A) Lampen mit Glas.

Lampe von Hildebrandt.

Dies ist eine Lampe von sonst gewöhnlicher Construction mit einem 5''' Flachbrenner. Charakteristisch ist der starke Zug, behufs einer vollständigeren Verbrennung und einer gröſseren Stabilität der Flamme. Hervorgerufen wird dieser Zug durch ein langes eisernes Rohr, welches auf den relativ kurzen breiten Glascylinder aufgesetzt wird. Da dieses eiserne Rohr durch einen Bügel gehalten wird, der zugleich als Griff dient, und auf diese Weise mit dem Oelbehälter in directer metallischer Berührung steht, so ist die Erwärmung des Oels eine recht bedeutende trotzdem der Erfinder, um eine directe Wärmeabgabe vom Brenner zum Behälter zu verhindern, einen Holzring zwischen Brenner und Behälter einschaltet. Die Dochtröhre ist an ihrem oberen Ende von einem massiven Kupferringe umgeben, welcher wesentlich zur Stabilität und Leuchtkraft |568| der Flamme beizutragen und die Verkokkung des Dochts zu verhindern scheint. Die Flamme ist sehr hell und weiſs und in Folge des starken Zuges sehr stabil. Resultate der Messungen (Schweröl Nr. 1):

1) 4,13 14,62 3,54 0,44
2) 4,43 15,9 3,58 0,44 9,7°
3) 5,87 18,97 3,24 0,38 11°.

Die letzte Columne zeigt, daſs die Lampe nicht vollkommen den gestellten Bedingungen genügt. Der Aussteller veränderte daher auf Wunsch der Prüfungscommission seine Lampe in der Weise, daſs er den combinirten Cylinder durch einen gewöhnlichen, im Handel leicht zu erhaltenden Glascylinder ersetzte und, zweitens, den Holzring zwischen Behälter und Brenner noch etwas erhöhte. Durch diese Neuerungen ist der Hauptgrund der übernormalen Erwärmung – der metallische Contact zwischen dem heiſsen Rohr und dem Behälter – vermieden. In dieser neuen Form genügt die Lampe allerdings den gestellten Bedingungen vollkommen, besitzt jedoch keine so stabile Flamme wie früher und setzt leichter Ruſs ab. Zwei Versuchsreihen ergaben folgende Resultate:

4,31 16,37 3,77 0,62
3,9 15,2 3,9 0,62

Lampe von Makarow (Fig. 3 S. 566).

Sie besitzt einen ringförmigen Behälter a, von welchem zwei Röhren zum Raume b gehen. Der Cylinder c, in dem sich der Docht befindet, ist von einem Metallmantel d umgeben. Die Verbrennungsluft strömt durch den Hohlraum zwischen c und d in der durch Pfeile angedeuteten Weise. Da die Röhre d stark erhitzt ist, so wird dadurch die Verbrennungsluft sowie das aufsteigende Oel vorgewärmt. Der Brenner ist ein gewöhnlicher Flachbrenner von 5'''. Die ganze Lampe ist unten von dem conischen Metallmantel e umgeben. Hervorgehoben muſs werden, daſs die Lampe mit schöner, ruhiger, weiſser Flamme brennt, welche selbst beim raschen Bewegen der Lampe nur unmerklich zittert. Diese groſse Stabilität der Flamme ist offenbar dadurch bedingt, daſs die Zufluſsöffnungen der Luft fast vollkommen gegen äuſsere Luftströmungen geschützt sind.

4,66 15,62 3,40 4,0

Da die Makarow'sche Lampe nur um weniges den gestellten Bedingungen nicht genügte, so verbesserte der Aussteller dieselbe, auf diesbezügliche Aufforderung der Commission. Die Veränderungen bestehen im Wesentlichen in der Anbringung zweier Speisedochte in der auf Fig. 4 angedeuteten Weise. Der eine geht nur bis zum Brenner, während der andere bis dicht unter die Flamme reicht, von der er durch eine Metallkappe getrennt ist. Die beiden Hilfsdochte sind unbeweglich, während der mittlere Brenndocht, wie gewöhnlich, mittels eines Getriebes gehoben und gesenkt werden kann.

5,34 17,41 3,29 1,06
|569|

Eine andere Lampe von Makarow nach demselben Princip construirt und ebenso wie die erste verbessert, nur von etwas anderen Dimensionen ergab:

5,69 18,43 3,23 0,71 6,5°

Lampen von Schröder.

Ihre Construction unterscheidet sich von der der gewöhnlichen Erdöllampen hauptsächlich dadurch, daſs der Docht im Inneren des Oelgefäſses von einer dickwandigen Kupfer- oder Messingröhre, welche fast bis zum unteren Boden des Behälters reicht, umgeben ist. Sie hat den Zweck, das im Dochte aufsteigende Oel vorzuwärmen. Um eine Erwärmung des Oels im Reservoir durch die erhitzte dicke Kupferröhre zu vermeiden, ist diese letztere von einer zweiten dünnwandigen, ebenfalls in das Reservoir hineinreichenden Kupferröhre umgeben, so daſs zwischen beiden Röhren ein Luftmantel bleibt, welcher die Erwärmung verhindern soll. Wie die weiter unten angeführte Tabelle zeigt, ist dies dem Erfinder nicht ganz gelungen.

Die Dochtröhre des 5''' Flachbrenners besitzt an ihrem oberen Ende, ähnlich wie bei der Hildebrandt'schen Lampe, einen massiven Kupferring. Die Flamme ist röthlich und schwankt sehr leicht.

4,35 15,52 3,52 0,44 17°

Auf Ersuchen der Commission hat Schröder seine Lampen geändert und zwar in der Weise, daſs er, um die Erwärmung des Behälters zu vermeiden, denselben ringförmig und vom Brenner getrennt construirt.

4,52 15,31 3,39 0,44 6,5°

Lampen von Schkljar.

Dieselbe ist auf dem Princip der Mariott'schen Flasche begründet. Da jedoch die constante Steighöhe recht bedeutend ist, so eignet sich die Lampe nur schlecht zum Brennen von Schweröl, um so mehr, als der Brenner ein gewöhnlicher Erdölflachbrenner ist. Abgesehen von der unbequemen Füllung, welche mit der Benutzung des Mariott'schen Princips verbunden ist, besitzt die Lampe verschiedene Fehler: leichtes Ueberflieſsen des Oels aus dem Brenner, starkes Schwanken der Leuchtkraft und eine im Verhältniſs zur Gröſse des Dochtes geringe Leuchtkraft

a) 7''' Brenner
5,06 15,78 3,09 3,49 ?
b) 5''' Brenner
2,89 11,91 4,13 1,6 ?

Lampen der übrigen Aussteller:

Lampe von Wolff (aus Chicago)
7,65 24,15 3,16 8,0 ?
Lampe von Bartholomew.
4,85 18,0 3,93 0,7 13°
Lampe von Hartoch.
3,76 15,38 4,09 0,5 ?
|570|

B) Lampen ohne Glas.

Lampen von Snessorew.

Obgleich diese Lampen den Concurrenzbedingungen in keiner Weise genügen, so verdienen sie doch erwähnt zu werden, da sie sich durch Handlichkeit und einfache Construction vortheilhaft von den sonst gebräuchlichen Lampen ohne Glas unterscheiden. Als Nachtlichte, Grubenlampen u.s.w. sind sie sehr gut zu gebrauchen. Der Brenner ist im Wesentlichen wie ein gewöhnlicher Flachbrenner construirt, nur ist die geschlitzte Kappe (der gewöhnlichen Brenner) bedeutend gröſser. Ebenso wie bei den gewöhnlichen Flachbrennern, verbrennt das Oel am oberen Dochtende nur theilweise, während der andere Theil desselben durch die heiſse Dochtröhre verdampft wird, sich unter der Kappe mit der nöthigen Luft mischt und dann über der Oeffnung der Kappe mit leuchtender Flamme verbrennt.

1) 1,35 11,5 8,33 0,09 12°
2) 4,30 35,39 8,23 9,3

Die Lampen von Foucault und Hartoch weisen so viele Fehler auf, daſs genauere Messungen an ihnen nicht gemacht worden sind.

Der Preis von 2500 Rubel wurde vertheilt unter die Herrn Makaroff (1200 Rubel), Hildebrandt (900) und Schröder (400 Rubel).

II. Lampen ausgestellt zur Bewerbung um den Preis von 1000 Rubel.

Lampe von Jablonowsky.

Dieselbe besitzt einen Rundbrenner mit einer Brandscheibe. Der Oelbehälter ist ringförmig und durch zwei Röhren mit dem ebenfalls ringförmigen verticalen Dochtbehälter verbunden. Der Docht sitzt durch Reibung in einer dünnen Messinghülse, die den Zähnen des Heberädchens entsprechende Schlitze hat, so daſs durch Drehen desselben die Hülse mit dem Dochte gleichzeitig gehoben und gesenkt wird. Dadurch wird ein sehr gleichmäſsiges Heben des Dochtes erzielt. Die Luft tritt zum Theil von auſsen, durch den Brennerkorb zur Flamme, zum Theil geht sie durch das innere Rohr des Dochtbehälters. Da der stark erhitzte Brenner in metallischer Berührung mit den Wänden des Dochtbehälters steht, so wird das aufsteigende Oel, sowie die Luft vorgewärmt. Nachtheile dieser Lampe sind übernormale Erwärmung des Oelbehälters und Neigung zur Ruſsbildung. In engem Zusammenhange mit der letzteren Erscheinung steht das starke Schwanken der Leuchtkraft. Richtig in Stand gesetzt und bei vorsichtiger Handhabung brennt die Lampe hell und gut, bei sehr geringem Oelverbrauch.

16,13 51,24 3,17 3,4 17°

Lampe von Hildebrandt.

Die Lampe besitzt einen gewöhnlichen 8'''5) Rundbrenner mit einer |571| Brandscheibe, die relativ hoch über dem Ende der Dochtröhre angebracht ist. Eigenthümlich ist die Benutzung zweier getrennter Dochte, von denen ein jeder einen halben Kreisumfang bildet und welche einzeln durch zwei getrennte Heberädchen gehoben und gesenkt werden. Dadurch wird das Putzen der Dochte, sowie das Reguliren der Flamme sehr erleichtert. Im übrigen gleicht diese Lampe sehr der vorigen von Jablonowsky.

8,60 39,18 4,52 1,7 8,5°

Lampe von Semaschko.

Diese Lampe unterscheidet sich von allen übrigen durch vollkommene Originalität des Princips, auf dem sie basirt. Man denke sich zur Erläuterung desselben ein mit Oel gefülltes Barometer, dessen Rohr aber am oberen Ende nicht zugeschmolzen, sondern vollkommen luftdicht durch einen porösen ölgetränkten Pfropfen – etwa einen Docht – geschlossen ist. Wird nun das Oel am oberen Dochtende angezündet, so strömt in Folge der Capillarität stets neues Oel nach, und das Rohr bleibt immer gefüllt. In Folge der Capillarität hat also das Oel nur die stets gleichbleibende Dochthöhe zu durchsteigen, während es bis zum Docht durch den Athmosphärendruck gehoben wird.

Fig. 4., Bd. 275, S. 571
Fig. 5., Bd. 275, S. 571
Fig. 6., Bd. 275, S. 571

Das Schema der Lampe ist auf Fig. 5 abgebildet.

Das Oel steigt aus dem Behälter a durch die Röhren b in den ringförmigen Raum c, passirt die ringförmige mit vielen Oeffnungen versehene Wand f, tritt in den mit einem porösen Stoff (Filz, Watte, Tuch) angefüllten ringförmigen Hohlraum d und tritt dann in den Docht e. Die Füllung geschieht durch eine seitlich in den Raum c mündenden Trichter. Die Luft tritt in der auf der Zeichnung durch Pfeile angedeuteten Weise zur Flamme. Der 10''' Docht wird, ähnlich wie bei der Lampe von Jablonowsky, gleichzeitig mit einer Hülse, in der er durch Reibung sitzt, gehoben. Hervorgehoben muſs werden, daſs die Lampe mit glänzend weiſser Flamme brennt.

11,51 41,00 3,52 3,44
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Dieselben Daten für die übrigen Lampen dieser Kategorie.

Lampe von de Jonge.
a) 14,89 73,52 4,90 2,60 12°
b) 17,48 97,90 5,48 3,05 18°

Der Preis von 1000 Rubel wurde Herrn Semachko zuerkannt.

III. Russische Erdöl- und Pyronaphta-Lampen.

Lampe „Triumph“ von Klüssmann.

Dieselbe besitzt einen 22''' Rundbrenner. Das obere Ende der Dochtröhre ist von mehreren concentrischen aufrechten Cylindern umgeben, deren Bestimmung in der regelmäſsigen Vertheilung der Verbrennungsluft besteht. Diese Cylinder sitzen auf einer lose auf dem Brennerkorbe angebrachten wagerechten Scheibe, welche zugleich zum Heben und Senken des Dochtes dient.

Der Docht sitzt „à friction dure“ in einer Metallhülse, welche auf ihrer Oberfläche mit Schraubenwindungen versehen ist. Beim Drehen der wagerechten Scheibe schraubt sich die Hülse mit dem Docht sehr gleichmäſsig in die Höhe. Die innere Luftströmung geht durch ein Rohr, welches den Behälter durchbricht.

Beim Umwerfen der Lampe löst sich die drehbare Scheibe leicht vom Brenner ab, so daſs das Dochtende um etwa 2 bis 3cm freigelegt wird, was selbstverständlich mit groſser Gefahr verbunden ist.

a) Pyronaphta
31,01 114,95 3,61 12,2 14°
b) Erdöl
30,57 110,65 3,56 10,7 16°

Lampen von Wassermann.

a) Lampen mit 27''' und 20''' Rundbrenner. Der innere Luftstrom geht bei diesen Lampen durch ein Rohr, welches den Behälter durchsetzt. Durch eine eigenthümlich geformte Brandscheibe wird dieser innere Luftstrom in zwei getrennte Ströme zertheilt (Fig. 6). Der eine Luftstrom wird von der unteren Seite der Brandscheibe perpendiculär auf die Flamme gelenkt, während der andere Strom durch den röhrenförmigen Fuſs des Tischchens hindurchgeht, auf eine zweite kleinere Scheibe stöſst und die Flamme seitlich lenkt. Das Glas hat an der betreffenden Stelle eine bauchförmige Erweiterung – jedoch erwärmt es sich durch die starke Flamme übermäſsig und entglast leicht. Der Docht sitzt auf einer Hülse, an der seitlich eine Schraubenmutter angebracht ist. Diese Schraubenmutter spielt auf einer senkrechten festen Spindel und kann durch Drehen derselben sehr gleichmäſsig gehoben und gesenkt werden. Der Brenner ist bei der 27''' Lampe durch einen Bajonettverschluſs, bei der 20''' Lampe durch eine Schraube mit dem Oelbehälter verbunden. Daher ist die erstere Lampe beim Umfallen |573| sehr explosionsfähig, da das Erdöl leicht durch den nicht ganz dichten Bajonettverschluss in den Brenner flieſst und sich dort entzündet. Die Lampe brennt mit röthlicher Flamme. Das Glas trübt sich aus dem oben angeführten Grunde rasch.

b) Die 18''' Rundbrennerlampe hat einen nicht durchbrochenen Behälter und der innere Luftstrom gelangt zur Flamme wie gewöhnlich, durch eine Oeffnung in der Seite des Dochtrohrs. Diese Oeffnung ist durch ein Drahtnetz geschlossen und steht in unmittelbarer Verbindung mit der Auſsenluft, so daſs der innere und der äuſsere Luftstrom vollkommen unabhängig von einander sind. Der Hebemechanismus ist ähnlich dem der vorherigen Lampe. Die Oeffnungen, durch welche die Luft in das Reservoir nachströmt, münden in den Brennerkorb – ein Umstand, der beim Fallen der Lampe sehr gefährlich ist, da das Erdöl sich durch diese Oeffnungen in den Brenner ergieſst und sich dort entzündet. Die Flamme ist glänzend weiſs, jedoch trübt sich auch bei dieser Lampe der Cylinder sehr bald durch Entglasung.

a) Erdöl
25,22 86,65 3,42 1,6 13°
b) Pyronaphta
24,03 80,82 3,56 4,2 ?

Lampe von Jablonowsky und Gatschkowsky.

Sie unterscheidet sich nur wenig von der Schweröllampe von Jablonowsky. Die Steighöhe ist entsprechend dem geringeren spec. Gew. und der leichteren Beweglichkeit des Erdöls bedeutend gröſser als bei der Schweröllampe. Der Docht wird gleichzeitig an 6 Stellen durch 6 Rädchen, die mit einander durch conische Zahnräder in Verbindung stehen, gehoben. Die Flamme ist schön weiſs, hat aber keine hübsche Form.

(Erdöl)
18,70 68,62 3,68 6,0 13°

Lampe von Lippert (ohne Glas).

Dieselbe ist in D. p. J. 1888 270 537 beschrieben.

a) Erdöl
18,48 69,40 3,81 5,6 18°
b) Pyronaphta
15,97 58,15 3,60 2,1 ?

Lampe von Makarow (ohne Glas).

Der Behälter hat ein seitliches Rohr, welches eine kleine Hilfslampe speist. Diese Lampe brennt in einem senkrechten Metallcylinder, von dem ein breites, mehrfach gebogenes Rohr durch den Behälter der Hauptlampe geht und die Flamme mit einem starken Luftstrom versorgt. Der Zug ist stark genug, um ein rauchloses Brennen herbeizuführen, |574| jedoch ist der Erdölverbrauch bei verhältniſsmäſsig geringer Leuchtkraft sehr groſs. Die Flamme ist etwas röthlich.

1) 10''' Brenner
9,14 41,75 4,55 1,4 ?
2) 5''' Brenner
3,75 20,38 5,42 0,6 ?

Die photometrischen Untersuchungen der übrigen ausgestellten Erdöl- und Pyronaphtalampen ergaben folgende Resultate:

Lampen von Wright und Butler.
1) 38''' Rundbrenner „Harvey“ (Erdöl)
20,44 76,4 3,69 8,5 ?
2) 8''' Flachbrenner
8,7 29,3 3,37 0,2 ?
Lampen von Hinks.
1) 10''' Duplexflachbrenner (Erdöl)
19,86 68,6 3,38 6,0
2) 10''' Flachbrenner (Erdöl)
10,1 34,4 3,37 0,8 ?
Lampen von Philips „Shaftesbury“.
1) 10''' Duplexflachbrenner
13,04 49,55 3,75 7,5 10°
2) 8''' Flachbrenner a) Erdöl
6,94 24,7 3,52 0,7
b) Pyronaphta
5,88 21,2 3,58 0,8 ?
Lampen von Siemang (Fabrik Breden).
1) 8''' Flachbrenner
8,47 28,5 3,33 1,0 10°
1) 10''' Rundbrenner a) Erdöl
7,99 31,6 3,94 0,5
b) Pyronaphta
6,68 28,75 4,27 0,3 ?
Lampen der Firma „Société anonyme pour la fabrication d'appareils d'éclairage“
(Lempereur et Bernard).
1) 20''' Rundbrenner a) Erdöl
34,13 108,68 3,14 4,3 14°
b) Pyronaphta
26,71 89,25 3,34 11,0 19°
2) 22''' Rundbrenner a) Erdöl
38,97 137,71 3,38 10,3 14°
b) Pyronaphta.
27,36 119,52 4,36 13,5 14°
Lampen von Defries.
1) 26''' Rundbrenner a) Erdöl
58,63 190,64 3,22 19,8 12°
b) Pyronaphta
40,3 161,8 4,03 22,3 ?
2) 17''' Rundbrenner (Erdöl)
34,42 104,61 2,99 6,2 15°
3) 14''' Rundbrenner (Erdöl)
10,85 44,18 4,13 3,3 13°
4) 7''' Flachbrenner
5,19 22,08 4,32 1,0 12°
Lampen von Schnorr (Fabrik Hirschkorn).
1) 19''' Rundbrenner „Columbus“ (Erdöl)
32,7 107,56 3,32 21,0 16°
2) 26''' Rundbrenner „National“ (Erdöl)
49,13 163,9 3,3 21,5 15°
|575|
3) 34''' Rundbrenner (Erdöl)
47,49 205,18 4,42 37,0 17°
Lampe von Schuster und Baer.
20''' Rundbrenner a) Erdöl
19,87 94,48 4,78 5,2 13°
b) Pyronaphta
23,35 102,9 4,42 0,9 13°
Lampe von Schinz.
50''' Rundbrenner a) Erdöl
20,74 87,27 4,2 1,5
b) Pyronaphta
21,44 87,08 4,13 8,5 ?
Lampen von Bayle.
1) 20''' Rundbrenner a) Erdöl
6,63 27,9 4,23 0,6 ?
b) Pyronaphta
5,5 24,25 4,41 0,7 ?
2) 28''' Rundbrenner a) Erdöl
11,32 48,35 4,26 1,7 ?
b) Pyronaphta
8,22 38,29 4,61 1,0 ?

St. Petersburg, den 31. Januar 1890.

R. Luther.

|563|

Memoiren der kaiserlichen Russischen Technischen Gesellschaft, Bd. XXIII, Heft 8, 9 und 10 (1889).

|563|

Vgl. D. p. J. 1888 270 491.

|564|

Liebenthal, Elektrotechnische Zeitschrift, 1888 S. 96.

|566|

Die 5 Columnen haben in der ganzen Abhandlung dieselbe Bedeutung in derselben Reihenfolge. Die Zahlen gelten für Schweröl Nr. 1. Schweröl Nr. 2 brannte befriedigend nur auf den mit † bezeichneten Lampen.

|570|

Die Gröſseangabe der Dochte von Rundbrennern bezieht sich hier, so wie überall in diesem Bericht auf den halben Kreisumfang des Dochtes.

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