Titel: Ueber die Schädlichkeit des Gassperrwassers für Fische; von H. Kämmerer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275/Miszelle 3 (S. 94–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/mi275mi02_3

Ueber die Schädlichkeit des Gassperrwassers für Fische; von H. Kämmerer.

Nach der Entleerung eines lange Jahre hindurch im Gebrauche gewesenen Gasbehälters auf dem städtischen Gaswerke in Nürnberg fand sich das Wasser der Pegnitz auf groſse Strecken mit höchst übelriechenden, theerigen Stoffen verunreinigt und es starben die Fische in groſser Menge. Verfasser untersuchte nun drei Proben Sperrwassers aus sehr alten Gasbehältern und fand in denselben 0,4564, 0,6290, 0g,9351 Ammoniak im Liter, sowie 0,5, 0,5, 1cc,5 Theeröle von 80 bis 280° Siedepunkte, ferner Rhodan in geringer Menge, etwas gelöstes Schwefeleisen und Naphtalin, ferner Theerrückstände in der bei der Destillation rückbleibenden Masse, sowie Spuren eines dem Naphtalin anhaftenden heftig riechenden Körpers, dem Gerüche nach Phenylisocyanür. Aus der Pegnitz entnommene Wasserproben hatten einen intensiven Geruch |95| nach Leuchtgas oder Theer und enthielten reichlich theerige braunschwarze Substanzen, ferner leichte Theeröle und Naphtalin, Spur Ammoniak und Rhodan. Die bei der Destillation des Wassers entweichenden Gase enthielten Schwefelwasserstoff und Acetylen. Die verendeten Fische rochen stark nach Leuchtgas, besonders beim Zerschneiden. Bei Untersuchung der Kanalstrecke vom Gaswerke zur Pegnitz fand sich Schlamm in Massen vor, bestehend hauptsächlich aus Naphtalin und anderen schweren Kohlenwasserstoffen, wenig Ammoniak- und Rhodanverbindungen, Schwefelmetallen, in einem Falle auch Phenol enthaltend. Obenauf schwamm Theer.

Eine im Hofe des Gaswerkes entnommene Probe aus einem Kanalschachte enthielt im Liter 5g Naphtalin und 5cc,7 leichte Theeröle. Im Gaswerke hatte man das Wasser langsam in die Kanäle laufen lassen, während es in die Pegnitz plötzlich in groſser Masse kam, wie sich herausstellte, in Folge von Stauung an einem Wehr und plötzlichem Oeffnen desselben.

Verfasser stellte Versuche an mit Fischen in dem Sperrwasser in verschiedenen Graden der Verdünnung; es zeigte sich, daſs es selbst nach 20facher Verdünnung noch höchst giftig wirkte, die Fische starben trotz folgenden Einsetzens in reines Wasser. Einkochen des Wassers auf ⅓ des Volumens und Verdünnen mit reinem Wasser auf das frühere Volumen nahm demselben die Giftigkeit. Beim Auskochen entwich Ammoniak und Acetylen, später Carbylamin; das Wasser reagirte ursprünglich neutral, bei dem Kochen alkalisch, später schwach sauer. Anscheinend zersetzt sich der giftige Stoff bei längerem Kochen unter Bildung von Ammoniak oder Aminen; es macht dies wahrscheinlich, daſs es ein Cyanür oder Isocyanür ist.

Bei neuer Entleerung eines Behälters wurde das Sperrwasser in die Scrubber geleitet, hier mit Ammoniak angereichert, schlieſslich im Feldmann'schen Apparate auf Sulfat verarbeitet und so unschädlich gemacht, der Schlamm dagegen mit Koksstaub zu Briquetten verarbeitet und verbrannt. (Bericht über die Versammlung bayerischer Vertreter der angewandten Chemie 1889.)

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