Titel: Verdichten von Gasleitungen mittels Gummiringen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275/Miszelle 3 (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/mi275mi03_3

Verdichten von Gasleitungen mittels Gummiringen.

Veranlaſst durch starke Gasentweichungen, welche trotz gründlichen Nachdichtens nicht schwanden, lieſs Kugler in Offenbach nach den auf der 27. Hauptversammlung des Mittelrheinischen Gasindustrievereins (Journal für Gas- und Wasserversorgung, 1889 S. 1125) gemachten Mittheilungen die bis dahin verwendete Bleimuffendichtung des Rohrnetzes beseitigen und bei der Legung neuer Rohre von 75mm und 100mm Durchmesser durch Gummidichtungen ersetzen. Dies geschah anfangs bei Röhren mit gewöhnlichen Bleimuffen, und trotz dieser mit bestem Erfolg. Mittlerweile – sagt der Vortragende – hat die Halbergerhütte Röhren mit Patentmuffen geliefert, welche – für Gummidichtungen angefertigt – im Muffenhals eingegossene Riefen haben, in welche sich die Ringe einlegen. Bei den später ausschlieſslich verwendeten Gummidichtungen ist an keiner derselben bis jetzt eine Undichtheit gefunden. Bei diesen Röhren von geringem Durchmesser waren die Gummiringe, die beiläufig die doppelte Dicke der Dichtungsfuge haben müssen, ohne weitere Vorrichtung leicht einzuschieben.

Die letzthin zu legende, annähernd 2km lange Strecke von 500 und 400mm weiten Gasrohren wurden auch mit Gummiringen gedichtet. Es kamen dabei Ringe von Paragummi mit 13mm Fleischdicke und 450mm bezieh. 360mm |144| lichtem Durchmesser zur Verwendung. Das Einschieben wurde hierbei jedoch mittels einer Zange und eines Hebels mit entsprechender Uebersetzung bewirkt und mit Sicherheit bewerkstelligt.

Zum Schutz gegen schädliche Einflüsse von auſsen, namentlich gegen Säure, die zuweilen im Grundwasser von Fabrikstädten vorkommt, wurden die Gummiringe von auſsen mit Cement verschmiert, was immerhin der Sicherheit wegen zu empfehlen ist. Selbstverständlich müssen die in gewöhnliche Bleimuffen einzuschaltenden Façonstücke mit Blei gedichtet werden, da die Gummimuffen eine zu enge Dichtungsfuge haben und die Bleidichtungen überdies in letzteren Muffen sich der Riefen in denselben wegen nicht dicht verstemmen lassen.

Im vorliegenden Falle, wo wahrscheinlich wegen des angeschwemmten Bodens Senkungen vorkommen und vorgekommen waren, gibt der Vortragende der Gummidichtung unbedingt den Vorzug vor der Bleidichtung. Die nachtheiligen Einflüsse des Gases auf Gummi setzen wir als bekannt voraus und sind der Meinung, daſs hier zwischen zwei Uebeln das kleinere zu wählen war.

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