Titel: Verwendung des sogen. Monier-Gewölbes zu Straſsenbrücken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275/Miszelle 5 (S. 189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/mi275mi04_5

Verwendung des sogen. Monier-Gewölbes zu Straſsenbrücken.

Die Baudirektion der k. u. k. priv. Südbahngesellschaft in Wien hat in Aussicht genommen, bei dem bevorstehenden Umbaue zahlreicher Wegebrücken in der Strecke Wien-Felixdorf (Wiener-Neustadt) das eine sehr geringe Constructionshöhe erfordernde sogen. Monier-Gewölbe dort anzuwenden, wo nach Lage der Verhältnisse gemauerte Bögen nicht Platz linden. Da ausreichende Erfahrungen über die Eignung der bezeichneten Gewölbe für Brückenbauten noch nicht vorliegen., so hat man auf dem Güterbahnhofe in Watzleinsdorf bei Wien ein 4m breites Probegewölbe von 10m Spannweite ausgeführt und dasselbe mehrfachen Belastungsversuchen unterworfen.

Das Gewölbe ist zwischen gemauerten Widerlagern am 19. Oktober 1889 aus Stampfbeton in Schichten von je 4cm Stärke hergestellt worden. Die Pfeilhöhe beträgt nur 1m = 1/10 der Spannweite, die Gewölbestärke im Scheitel 15cm, an den Kämpfern 20cm; die Zwickel sind nicht übermauert. Der Beton besteht aus 1 Th. Portlandcement und 3 Th. Donausand. Das zu dem Monier-Gewölbe gehörige Drahtgeflecht, welches geviertförmige Maschen von je 55cm Weite hat, liegt nur 2cm von der inneren Leibung entfernt. Die der Stirn parallelen Stäbe bestehen aus 10mm starken Rundeisen, welche von Widerlager zu Widerlager in einem Stücke durchgehen; die parallel den Widerlagern angeordneten Drähte sind 7mm stark.

Nach 14 Tagen wurde der Bogen ausgerüstet und mit einer eben abgeglichenen Kiesschüttung überdeckt, welche im Scheitel 25cm hoch ist. Die ganze Constructionshöhe im Scheitel beträgt daher 15 + 25 = 40cm. In der Kiesschüttung ruht ein vollspuriges Eisenbahngeleis, dessen Querschwellen je 80cm von einander entfernt sind. Am 10. December 1889, bei einer Kälte von – 8°, wurde das damals 52 Tage alte Gewölbe mehrfachen Probebelastungen unterzogen, bei welchen zunächst zweiachsige Lastwagen von bezieh. 3000 und 6000k Achsdruck in verschiedenen Stellungen zur Verwendung kamen und neben. dem schwereren Wagen auch noch eine dem Menschengedränge entsprechende gleichförmige Belastung aufgebracht wurde. Schlieſslich führte man noch einen dreiachsigen Tender von 9200k Achsdruck, endlich denselben Tender in Verbindung mit einer dreiachsigen Locomotive von bezieh. 13000, 13000 und 10300k Achsdruck hinüber. Die Einsenkungen des Gewölbes beobachtete man an neun Punkten, von denen drei in der Scheitellinie und je drei in der Mitte zwischen Scheitel und den beiderseitigen Widerlagern sich befinden. Die gröſste vorübergehende Senkung bei diesen starken Belastungen betrug 1½ bis 2mm, während an zwei Punkten die gröſsten bleibenden Senkungen mit ¾ und 1mm beobachtet wurden. Irgend ein Riſs oder eine Beschädigung des Gewölbes konnte nicht wahrgenommen werden.

Seit den Probeversuchen und bis zum Ablaufe des Winters und Frühjahres bleibt das Versuchsgewölbe vollständig den Witterungseinflüssen ausgesetzt, weil man ein Urtheil auch über die Wetterbeständigkeit der Construction gewinnen will. Zu Anfang des nächsten Sommers sollen nochmals zwei Reihen von Belastungsversuchen bis zum Bruche des Gewölbes durchgeführt werden, so daſs dann genügende Unterlagen für die Entscheidung über die Verwendbarkeit desselben gewonnen sein dürften. (Nach Centralblatt der Bauverwaltung vom 11. Januar 1890.)

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