Titel: Elektrische Beleuchtungsanlage mit Windradbetrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275/Miszelle 7 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/mi275mi04_7

Elektrische Beleuchtungsanlage mit Windradbetrieb.

Im Anschluſs an frühere Mittheilungen über elektrische Beleuchtungsanlagen, bei denen ein Windrad als Motor diente, berichtet die Technische Rundschau, 1889 * S. 299, nach den Annales Industrielles über eine derartige Anlage auf dem Cap de la Havre bei le Havre an der französischen Nordküste, bei welcher die Betriebskraft zum Laden von Accumulatoren verwendet wird, welche dann den elektrischen Strom nach Bedarf für die Zwecke der Küstenbeleuchtung abgeben.

Das zur Verwendung kommende Windrad ist nach der Anordnung von Halladay gebaut, mit selbsthätiger Regulirvorrichtung versehen und auf einem gut verankerten Holzgerüst montirt; dasselbe gibt bei 10m Windgeschwindigkeit eine Kraft von 18 . Die Windradachse treibt durch ein conisches Getriebe eine mitten durch das Holzgerüst geführte lothrechte Welle an. welche ihrerseits wiederum durch Winkelräder die in geeigneter Höhe gelagerte wagerechte Antriebswelle der Dynamomaschinen in Bewegung setzt. Letztere trägt zwei Riemenscheiben zum Antriebe der beiden Dynamomaschinen und zwar sind diese Scheiben von verschiedenem Durchmesser, weil je nach der Windradgeschwindigkeit nur die eine oder nur die andere Dynamomaschine eingekuppelt wird. Deshalb war eine selbsthätige Umschaltvorrichtung erforderlich.

Als Stromerzeuger dienen zwei langsam laufende Wechselstrommaschinen „Victoria“ nach System Brush, deren an den Polen gemessener Strom 75 Volt beträgt. Bei der kleineren der beiden Maschinen macht der Ring 100 bis 260 Umdrehungen in der Minute und besitzt bei 100 Umdrehungen eine Stromstärke von 8 Ampère, bei 260 Umläufen dagegen 40 Ampère. Bei der gröſseren Maschine schwankt die Ringgeschwindigkeit zwischen 250 und |192| 650 Umdrehungen, wobei die Stärke zwischen 40 und 160 Ampère variirt. Die Pole der Dynamomaschinen sind mit den Accumulatoren unter Einschaltung selbsthätig wirkender Unterbrecher verbunden, welche die Rückentladung bei zu langsamem Gange der Dynamomaschinen verhüten. So schaltet z.B. der Unterbrecher den Strom aus, wenn die kleine Maschine unter 8 Ampère oder die groſse unter 40 Ampère sinkt.

Der Umsteuerapparat enthält eine Kuppelungsmuffe, deren Umschalthebel am anderen Ende mit einer regulirbaren Spiralfeder und einem Solenoid verbunden ist. Letzteres durchläuft ein von jeder der Dynamomaschinen ausgehender Nebenstrom. Wenn der Hauptstrom die gröſste zulässige Zahl von Ampère für die kleine Maschine erreicht, wirkt das Solenoid auf den Umschalthebel und schiebt die Muffe nach links; sinkt der Strom wieder unter dieses Maximum, so kommt die Feder zur Wirkung und rückt die Muffe nach rechts. Dadurch wird die Muffe zeitweise links oder rechts in eine lose auf der Welle der Muffe sitzende Muffe eingelegt und so von den mit diesen beiden Muffen verbundenen Kegelrädern entweder das rechtsseitige oder das linksseitige mit einem dritten Kegelrade in Eingriff gebracht, auf dessen Welle ein Querstück mit Kurbelzapfen sitzt, von welchem aus mittels Schubstangen die sorgfältig geführten Ausrücker der Dynamomaschinen verschoben werden, so daſs immer die eine Maschine eingerückt ist und die andere stillsteht. Auf der Welle des dritten Kegelrades ist noch eine mittels stellbarer Spannfeder schlieſsbare Muffenkuppelung angebracht, welche den Bruch der Welle bei unvorhergesehenen plötzlichen Beanspruchungen verhütet.

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