Titel: Brooks' unterirdische Kabel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275/Miszelle 4 (S. 335–336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/mi275mi07_4

Brooks' unterirdische Kabel.

David Brooks aus Germantown, Philadelphia, hat (nach dem Londoner Electrical Engineer, 1889 * S. 231) 1863 die Benutzung des Paraffinwachses zur Isolirung von Leitern elektrischer Ströme eingeführt. Auf Grund fortgesetzter versuche kam er auf die Anwendung flüssiger Isolirmittel, die in Eisenrohren Unter einem gewissen Druck erhalten wurden, wegen des dabei nicht ganz zu vermeidenden Leckens griff er aber schlieſslich zu einem dickflüssigen Harzöl, nämlich den Rückständen von Harzöl, nachdem die dünneren Oele abgetrieben sind. Dieses als „London-Oel“ oder „Nierenöl“ (kidney oil) bekannte Oel ist, wenn zum Gebrauch für die Kabel bereit, von hellbrauner Farbe und so zähflüssig |336| wie recht dicker Syrup. Es isolirt sehr gut und die Gallone (4l,5) kostet nur 33 Pfg. Es wird in halbflüssigem Zustande an dem Orte, wo das Kabel verlegt wird, in gewöhnliche Eisenröhren eingelassen, worin die Kupferkabel mit einer Umhüllung aus gewöhnlicher Baumwolle, Jute oder Hanf liegen.1) Die Eisenröhren haben meist nur 22mm Durchmesser. Auf die Einguſsstellen an den Röhren werden Deckel geschraubt, etwa alle 91m werden Verbindungsbüchsen eingefügt, welche Verbindungen und Abzweigungen der Drähte ermöglichen. Nachdem die Röhren verlegt und mit Blei gedichtet sind, wird das Kabel mittels eines Drahtes eingezogen, der beim Legen in die Röhren Stück für Stück eingeführt wird. Die Röhren sind im Inneren ausgerieben, damit nicht etwa Vorsprünge das Kabel gefährden; sie werden in Längen von 150 bis 300m für eine Kabellänge verlegt und an den Enden, wo das Kabel eingezogen wird, erweitert. Während die Röhren gelegt werden, wird das in einem Kessel aufgerollte Kabel mit dem Oel gekocht, bis keine Luftblasen mehr aus ihm aufsteigen; dann wird es noch heiſs durch eine vom Kessel nach der Verbindungsbüchse gelegte Röhre eingezogen. Nach dem Einziehen wird der Kessel nach jeder Verbindungsbüchse gefahren und eine Röhrenlänge nach der anderen voll Oel gegossen. Die Kosten betragen nur den dritten Theil von denen gewöhnlicher unterirdischer Kabel. Da das Isolirmittel flüssig ist, so füllt es jedes zufällig z.B. durch Blitzschlag entstehende Loch sofort aus, ohne daſs die Isolation schlechter wird. Das Theeröl ist ferner schwerer als Wasser und stöſst dieses ab; daher kann keine Feuchtigkeit von auſsen zu der Kabelhülle gelangen, ja wenn selbst Wasser in das Rohr käme, würde es in ihm nach oben steigen.

Vor 2 Jahren ist von der Pennsylvania-Eisenbahn-Gesellschaft ein Kabel mit 53 Telegraphendrähten von über 2km Länge so gelegt worden; 450m liegen in einem mit Wasser gefüllten Graben, der Rest hängt in der Luft zwischen den Balken der Brücke. Es hat sich merkwürdig gut gehalten, obgleich in Amerika alle unterirdischen Kabel mehr oder weniger vom Blitz zu leiden haben. A. a. O. (S. 233) wird noch ausführlich über Versuche mit einem solchen Kabel berichtet, die in der Fabrik von Johnson und Phillips in Charlton, Kent, angestellt worden sind.

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In ähnlicher Weise verlegt die Privattelegraphen-Gesellschaft in Wien ihre Telephonkabel. 15 isolirte Doppelleitungen werden mit getheertem Band umwickelt und die nöthige Anzahl solcher Kabel reihenweis in Holzkästen gelegt, dann ein Gemisch aus Theer und Cement eingegossen und ein Holzdeckel auf den Kasten genagelt. D. Ref.

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