Titel: O. Schäffler's Mikrophon mit freischwingender Kammer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 275/Miszelle 4 (S. 430–431)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj275/mi275mi09_4

O. Schäffler's Mikrophon mit freischwingender Kammer.

Ist ein Mikrophon nur auf starke Schalleinflüsse berechnet, so wird es für schwache fast unempfindlich und vermag auf weitere Entfernungen nur unvernehmbar zu arbeiten. Spricht das Mikrophon auf schwächere Schallwellen an. so tritt leicht unter der Einwirkung stärkerer Wellen eine absetzende Trennung der Elektroden und dadurch eine akustische Verstümmelung |431| der Sprache ein, so daſs diese auf weitere Entfernungen unverständlich wird. In den Pulvermikrophonen stellt sich theils eine Stauung und Verbackung der Füllung ein, theils entweicht dieselbe, oder sie wird durch den Hauch feucht: daher macht sich eine öftere Aufrüttelung, Ergänzung und Auswechselung der Füllung nöthig. Platten und Kohle sind leicht zerbrechlich. In vielen Mikrophonen endlich erfordern die angebrachten Stellvorrichtungen eine wiederholte Nachstellung.

Textabbildung Bd. 275, S. 431

Diese Nachtheile strebt Otto Schäffler in Wien (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 46878 vom 14. Juli 1888) in seinem Mikrophon mit freischwingender Kammer dadurch zu umgehen, daſs er auf (oder unter) der wagerechten schwingenden Platte A eine zweitheilige, napfartige Kammer k befestigt; welche mit der Platte frei schwingt: die beiden in der Kammer k angebrachten Kohlenelektroden m und n werden durch eine bis fast zum Rande der Kammer reichende Schicht frei auf ihnen liegender Kohlenstückchen (2 bis 5mm groſsen Kohlenschrote oder Kohlenpulver) leitend mit einander verbunden. Die Kohlenstücke lasten nur mir ihrem eigenen Gewichte aufeinander, werden deshalb weder zermahlen, noch backen sie zusammen. Die Elektroden können im Senkrechtschnitt verschiedene Form erhalten, z.B. stufenförmig sein, wie m und n in der Abbildung. Es können auch mehr als zwei Kohlen angewendet werden. Sowohl nebeneinander wie übers Kreuz, die dann durch Stanniolstreifen zu zwei Gruppen miteinander leitend verbunden werden, während andere Stanniolstreifen die Verbindung der Gruppen mit den Klemmschrauben herstellen. Wird die Kammer auf der Platte befestigt, so wird sie oben mit einer Stulpe d geschlossen; die Schallwellen werden dann der Platte A durch das Mundstück von unten zugeführt. Man kann aber die Kammer auch gleich aus den Kohlencontacten selbst herstellen, indem man entweder zwei Kohlenstücke mit geeigneten Aushöhlungen, oder mit einem die Kammer bildenden Mantel neben einander von unten an die schwingende Platte anschraubt, oder indem man bloſs ein Mittelstück an die Platte anschraubt und es an seinem dachen Boden mittels einer Platte mit einem dasselbe rings umschlieſsenden napfförmigen zweiten Stücke verbindet; dann führt das Mundstück die Schallwellen der Platte A von oben hei' zu.

Solche Mikrophone sind seit mehr als zwei Jahren bei der Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft im Gebrauch und haben sich da gut bewährt. Bei den 1888 in Paris angestellten Versuchen haben sie sämmtliche auſserdem versuchte Mikrophone übertroffen. Bei diesen Versuchen ward in Paris ein Mikrophon mittels 2 Condensatoren (je 0,5 Mikrofarad) an eine nach Brüssel führende Doppelleitung geschaltet, diese in Brüssel durch 2 Paare Condensatoren mit einer nach Paris auf anderem Wege zurückführenden Doppelleitung verbunden, an welche endlich in Paris der Empfänger durch 2 Condensatoren angelegt war. Das Schluſssignal (von 800 Ohm Widerstand) war in Brüssel in einen Nebenschluſs zu den Condensatorenpaaren, d.h. in einen Draht, welcher zwischen den beiden Verbindungsdrähten der 4 Condensatoren gespannt war, geschaltet. Die Leitungen bestanden in Frankreich aus Siliciumbronze, in Belgien aus Phosphorbronze und hallen 2,4 Ohm für 1km Widerstand: auf dem einen Wege hatte jede Leitung 768, auf dem anderen 816 Ohm Widerstand. Alle 4 Leitungen werden gleichzeitig für den Telegraphendienst verwendet. Zwischen dem Mikrophon und den beiden seinen Anschluſs vermittelnden Condensatoren lag eine unterirdische Doppelleitung von 9km Länge und 0,25 Mikrofarad-Capacität für 1km, während jeder der beiden Zweige 270 Ohm Widerstand hatte.

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