Titel: Appreturmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276 (S. 207–216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/ar276030

Ueber das Waschen, Bleichen, Färben u.s.w. von Gespinnstfasern, Garnen, Geweben u. dgl.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 275 S. 218.)

Mit Abbildungen auf Tafel 11.

Im ersten Theil dieser Abhandlung sind nur diejenigen Verfahren und Vorrichtungen einer näheren Betrachtung unterzogen worden, bei welchen die Färb- o. dgl. Flotte auf die Oberfläche des Materials aufgetragen wurde. Wir kommen nun zu denjenigen Einrichtungen, bei welchen nicht nur eine Oberflächenbehandlung vor sich geht, sondern bei denen das Arbeitsstück in seiner ganzen Ausdehnung der Einwirkung der Flotte ausgesetzt wird. Diesen sind alle die noch zu betrachtenden zuzuzählen und es lassen sich dieselben nach der bereits gegebenen Aufstellung in drei groſsen Klassen unterbringen. In die erste derselben gehören alle diejenigen Verfahren und Einrichtungen, bei denen der Arbeitsproceſs zu Stande kommt durch:

B. Einführen des Materials in die Flotte.

Das zu behandelnde Material kommt hierbei in die jeweilig zur Anwendung gebrachte Flüssigkeit und verläſst dieselbe erst wieder, nachdem der Proceſs beendet ist. Um eine vollkommene Durchführung desselben zu ermöglichen, erfährt das Gut in der Flotte entweder noch eine einfache Bewegung oder es findet gleichzeitig eine mechanische Bearbeitung desselben statt, welche in einem Schlagen, Stampfen u.s.w. besteht und durch die ein abwechselndes Ausquetschen und Eindringen der Flotte, also eine gleichmäſsige Behandlung sämmtlicher Theile des Materials herbeigeführt wird.

Zwecks Gewinnung einer besseren Uebersicht über die hier zu besprechenden Verfahren und Einrichtungen sollen zunächst diejenigen einer näheren Betrachtung unterzogen werden, welche zur Behandlung der Rohstoffe (Wolle, Baumwolle u.s.w.) dienen, wobei jedoch bemerkt werden muſs, daſs die sich hierdurch ergebende Theilung des Stoffes, wie bereits im Eingang dieser Arbeit erwähnt, vielfache Wiederholung herbeiführt.

Diejenigen Verfahren und Vorrichtungen, welche zum eigentlichen Entfetten (Entschweiſsen) der Wolle Verwendung finden, sollen als nicht in das Gebiet der Appretur gehörig hier ausgeschieden und an anderer Stelle einer Betrachtung unterzogen werden.

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Das Waschen der losen Gespinstfasern, von denen hier besonders die Wolle in Betracht kommt, erfolgt im Kleinbetrieb bekanntlich in der Weise, daſs man dieselben in einen Bottich, welcher die Flüssigkeit enthält, direkt einführt oder mittels eines durchlöcherten Korbes u.s.w. in die Flotte taucht und in dieser mit Stangen oder Haken bearbeitet, wobei ein Quetschen des Materials an den Wandungen des Gefäſses behufs gründlicher Reinigung gleichzeitig stattfindet. Die Anwendung eines Korbs erleichtert das Ausheben der gewaschenen Gespinnstfasern aus der Waschflüssigkeit. Fig. 1 veranschaulicht eine solcher Art eingerichtete Waschvorrichtung von Kettling und Braun, Crimmitschau.

In gröſseren Fabriken reichen derartige Einrichtungen nicht aus und man benutzt dann besondere Waschmaschinen, welche gewöhnlich die Gestalt eines ovalen Bottichs von 2 zu 3m Gröſse haben, in dessen Mitte ein Sockel steht, der das Getriebe für zwei gekröpfte Wellen trägt, durch welche zwei Gabeln in der Weise bewegt werden, daſs die im Bottich befindliche Wolle, Baumwolle o. dgl. eine umlaufende Bewegung in der Flotte ausführt. Der Bottich kann noch mit einem Abfluſshahn und einem Zufluſs für Waschflüssigkeit ausgestattet sein. Die Fig. 2 und 3 veranschaulichen eine derartige einfache Waschmaschine, welche sich noch bis auf den heutigen Tag erhalten und nur geringfügige Abänderungen erfahren hat, von denen nur die von C. H. Weiſsbach in Chemnitz gemachte zu nennen sein dürfte. Diese besteht darin, daſs an Stelle der Gabeln ein Waschflügel das Untertauchen und Fortschieben der Gespinnstfasern bewirkt.

Für das Bleichen von Faserstoffen u.s.w. hat die Aktiengesellschaft Brin's-Oxygen-Company, Limited in Cannaught Mansions (Westminster, England) ein neues Verfahren angegeben, welches durch das D. R. P. Kl. 8 Nr. 46811 vom 25. Mai 1888 geschützt ist und darauf hinausläuft, bei der Chlorbleiche die gleichzeitige Einwirkung von Sauerstoffgas in der Weise herbeizuführen, daſs man einen langsamen Strom von Sauerstoffgas entweder unter das gasförmige Chlor sich mischen läſst oder in das aus gechlorten Bleichsalzen gebildete und das zu bleichende Gut enthaltende Bad unter Umrühren einleitet.

Der Sauerstoff betheiligt sich nach Angabe genannter Gesellschaft activ, indem beträchtliche Mengen davon aufgebraucht werden, was den Vortheil hat, daſs entweder die Einwirkungsdauer bedeutend gekürzt oder die Menge des Bleichmittels entsprechend vermindert werden kann und zwar um 30 bis 50 Proc. Das Verfahren läſst sich mit Chlorgas, mit Chlorkalk und mit anderen gechlorten Bleichsalzen ausführen. Im ersteren Fall leitet man den Sauerstoff entweder in die Bleichkammer bezieh. das Bleichgefäſs unter das gasförmige Chlor oder man führt es direct in den Chlorentwickler. Im letzteren Fall läſst man das Sauerstoffgas unter möglichster Vertheilung in das aus Chlorkalk oder einem anderen gechlorten Bleichsalz bereitete Bad am zweckmäſsigsten von |209| unten her eintreten, so daſs eine möglichste innige Mischung stattfindet, während das Bleichgut in der Flüssigkeit untergetaucht ist und mit ihr beständig umgerührt wird oder während man das Bleichgut durch die Flotte zieht. Auch kann man das Gemisch von Chlor und Sauerstoff in ein in Bewegung befindliches Wasserbad leiten.

Fig. 4 veranschaulicht einen Apparat zum Bleichen nach dem angegebenen Verfahren, a ist das das Bleichgut und die Flüssigkeit aufnehmende Gefäſs; b eine auf den Umfang mit Vorsprüngen besetzte Walze, welche in der Pfeilrichtung x sich dreht, c ein das Aufrühren der Flüssigkeit bezieh. das Durchmischen beförderndes Hinderniſs. Der Sauerstoff wird durch das auf dem Boden des Bottichs parallel zur Rührwalze b angeordnete, mit vielen Löchern durchbrochene Rohr d zugeleitet, welches auch im Boden versenkt und von einem durchlöcherten Deckel e überdeckt sein kann. Das Gefäſs a kann geschlossen sein, um den noch freien Sauerstoff abzufangen.

Das Färben von Gespinnstfasern geschieht in der einfachsten Weise dadurch, daſs man dieselben direct in den die Flotte enthaltenden Farbkessel einführt und mit Hantirstangen unter die Farbflüssigkeit drückt und hierbei beachtet, daſs ein Anlegen der Fasern an den Wandungen, was ein Verfilzen zur Folge hat, nicht eintritt. Auch die beim Waschen der Gespinnstfasern in Anwendung befindlichen und im Eingang dieser Abhandlung beschriebenen Maschinen, bei welchen das Material in einen ovalen Bottich in Bewegung versetzt wird, können sehr wohl zum Färben loser Gespinnste gebraucht werden. Sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen Hilfsmittel pflegt man die Farbstofflösung nicht mit einem Male zuzusetzen, sondern auf mehrere Male zu vertheilen und erreicht dadurch ein Arbeiten mit weniger starken Bädern und ein gleichmäſsigeres Angehen der Farbstoffe an die Fasern.

Gustav Jagenburg in Rydboholm (Schweden) will nun die sich durch die directe Einführung der concentrirten Farbstofflösung ergebenden Mängel dadurch beseitigen, daſs er nach seinem durch das D. R. P. Kl. 8 Nr. 40602 vom 6. Januar 1887 geschützten Verfahren die Farbstofflösung zunächst mit der im Farbbottich befindlichen Flotte mischt und zwar auſserhalb des Bottichs und dann diesem in fein vertheiltem Zustand wieder zuführt. Zur Ausführung dieses Verfahrens verwendet Jagenburg eine Centrifugalpumpe oder einen Strahlapparat, den er mit einer bekannten Waschmaschine combinirt. Seine Erfindung liegt also nicht, wie die Monatschrift für Textilindustrie auf S. 548, Jahrgang 1888 sagt, in der Verwendung einer bekannten Waschmaschine, sondern in der besonderen Weise der Farbstoffzuführung.

Die besondere Construction der ganzen Einrichtung ergibt sich aus den Fig. 5 bis 8, welche der Amerikanischen Patentschrift Nr. 386985 entnommen sind. Neben dem die Flotte enthaltenden und mit doppeltem Boden C und Flügelwellen D ausgestatteten Behälter A ist eine Centrifugalpumpe

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B angeordnet, welche die Flotte unterhalb des Siebbodens C absaugt, und mit einem Zusatz versehen durch den Zerstäuber F wieder in den Bottig A und zwar in fein vertheiltem Zustand zurückführt. Das Zuführen der concentrirten Farbstofflösung erfolgt durch den Behälter E, der entweder mit dem Saugrohr der Pumpe, Fig. 5 und 6, oder dem Druckrohr derselben in Verbindung gebracht ist. Im ersten Fall erfolgt die Mischung der Flotte mit dem Zusatz in der Pumpe selbst, im letzten Fall dagegen in dem in das Druckrohr eingeschalteten mit einer Anzahl Sieben ausgestatteten Behälter G, Fig. 7.

Während die vorbesprochenen Vorrichtungen zum Färben der Wolle u.s.w. eine fertige Farbstofflösung zur Sättigung der Flotte voraussetzten, wird bei dem durch das D. R. P. Kl. 8 Nr. 38225 vom 27. Mai 1886 geschützten und in den Fig. 9 bis 11 wiedergegebenen Färbeapparat von Sam. Smithson in Ravensthorpe (County of York, England) die Flotte dadurch auf ihrem Sättigungspunkt erhalten, daſs sie im beständigen Kreislauf durch den eigentlichen Farbbottich selbst, wo sie Farbe abgibt und einen mit Farbholz oder einem anderen Farbstoff gefüllten Raum, wo sie sich wieder sättigt, geführt wird.

Der Färberaum A, Fig. 9 und 10, ist zur Erreichung dieses Ziele durch ein Rohr C mit einem Cylinder B verbunden, der oben und unten geschlossen, in seinem Innern mit Röhren D versehen ist, die durch die Böden des Cylinders dampfdicht hindurchgehen.

Dieser Cylinder B dient als Heizcylinder; es wird ihm Dampf durch das Rohr N, Fig. 10 und 11, zugeführt, während das Condensationswasser und der überschüssige Dampf durch ein Rohr o abgeleitet werden, welches im Innern des Heizcylinders B nahe über dem Boden desselben endet und am Kopfe nach auſsen geführt ist.

Wenn der Färbebottich mit Wasser gefüllt wird, so flieſst ein Theil desselben durch das Rohr C in die Siederöhren D hinein und steigt in demselben so lange, bis es auf gleicher Höhe mit dem Wasser in dem Bottich A ist. Alsdann läſst man durch das Dampfventil N, Fig. 10 und 11, Dampf in B eintreten, wodurch das Wasser in den Röhren D erhitzt wird. Nachdem der Dampf eine kurze Zeit in dem Heizcylinder um die Siederöhren herum circulirt hat, fängt das Wasser in den Röhren D an zu sieden und steigt in Folge dessen in denselben auf einen höheren Spiegel als den des Färbebottichs und tritt nach Verlauf einiger Zeit aus den oberen Enden der Röhren D in einen Dom E über, Fig. 9, welcher oben auf dem Heizcylinder B befestigt ist. Aus dem Dom E flieſst das Wasser durch ein Ablaufrohr F in einen der Räume K eines zum Auslaugen des Farbholzes oder anderen Farbmaterials bestimmten Behälters. Dieser ist, wie aus Fig. 9 und 10 ersichtlich, auſserhalb des Bottichs A angebracht und durch eine bis auf den Boden gehende Scheidewand K1 in zwei Hälften getheilt, von denen jede wiederum durch eine, aber nicht bis auf den Boden reichende Scheidewand K2 in die Räume K |211| und H getheilt ist. Die Räume H sind in einiger Entfernung vom Boden mit Siebböden J versehen, auf welche das auszulaugende Farbholz u.s.w. aufgeschichtet ist. Die Räume unter den Siebböden J stehen mit den Räumen K unterhalb K2 in directer Verbindung. Jeder der Räume H besitzt ein Ueberlaufrohr L bezieh. M, von denen letzteres unterhalb des Auslaugebehälters in L einmündet, das seinerseits mit dem unteren Theil des Färbebottichs A in Verbindung steht.

Der Auslaufstutzen F des Domes E des Heizcylinders B hat zwei Ausfluſsöffnungen G, von denen immer die eine durch einen Stöpsel verschlossen ist, während die andere offen ist. Beide Ausfluſsöffnungen sind so angeordnet, daſs sie gerade über den Räumen K K des Auslaugebehälters liegen.

Das aus der einen Oeffnung G austretende kochende Wasser flieſst in den zugehörigen Raum K und unterhalb des zugehörigen Siebbodens J. Nachdem das Wasser den Siebboden J erreicht hat, steigt es durch die Löcher desselben in der Kammer H nach oben, kommt hierbei mit dem auf dem Siebboden aufgeschichteten Farbholz in Berührung und entzieht demselben den löslichen Farbstoff. Das auf diese Weise mit dem aufgelösten Farbstoff geschwängerte Wasser steigt in der Kammer E so weit in die Höhe, bis es den oberen Rand des Ueberlaufrohres L bezieh. M erreicht hat, und läuft schlieſslich durch das letztere in den Färbebottich A zurück. Die Höhe des Ueberlaufrohres L bezieh. M ist so zu bemessen, daſs die von dem aufsteigenden Wasser mitgerissenen Theilchen des Farbholzes durch ihr Gewicht wieder nach unten sinken müssen, ehe der Abfluſs der gewonnenen Farbflotte stattfindet.

Durch Regulirung der Menge des heiſsen Wassers, welches durch das Auslaugegefäſs geleitet wird, kann die Stärke der Farbflotte in dem Bottich A auf einem gleichen Grad erhalten werden.

Jedes der beiden Ueberlaufrohre L und M kann vermittels eines hölzernen Stöpsels verschlossen werden; es muſs zur Zeit immer dasjenige Ueberlaufrohr verschlossen bleiben, welches zu dem nicht in Betrieb genommenen Auslaugegefäſs gehört. Durch die doppelte Anordnung der Auslaugeräume H und Räume K erreicht man, daſs immer einer derselben in Thätigkeit ist; während der andere gereinigt und frisch beschickt wird.

Die Reinigung der Auslaugeräume H geschieht durch die Mannlöcher O und die mit Stöpseln verschlossenen Stutzen R, Fig. 10 und 11.

Der überschüssige Dampf und das Condensationswasser können aus B nach Bedarf durch eines der beiden Rohre P, Fig. 10 und 11, in den Raum unter dem Siebboden J der Auslaugegefäſse eingeleitet werden, um das aus dem Heizcylinder B kommende Wasser noch weiter zu erhitzen, bevor es zu dem Farbholz gelangt. Der überschüssige Dampf kann auch durch das Rohr S, Fig. 10 und 11, in das in dem Färbebottich enthaltene Wasser eingeführt werden.

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Der Heizcylinder B kann auch so eingerichtet sein, daſs der zum Erhitzen des Wassers dienende Dampf nicht um die Siederöhren herum, sondern durch dieselben hindurchgeleitet wird.

An die Behandlung der Rohstoffe schlieſst sich diejenige der Vorgespinnste und Garne an. Die in diesem Kapitel zu betrachtenden Einrichtungen sind, soweit sie das Färben der Garne betreffen, ausschlieſslich Färbemaschinen für sogenannte offene Garne, d.h. Garnsträhne bezieh. Garne im Strang.

Das zu behandelnde Material wird entweder einfach in die Flotte eingeführt oder es erfährt in derselben gleichzeitig noch eine Bewegung, um die Fasern zu lockern und somit der Farbflüssigkeit freieren Zugang zu denselben zu verschaffen. Der erste Fall findet z.B. Anwendung bei der Herstellung sogenannter geflammter Garne, der zweite dagegen dann, wenn es sich um eine gleichmäſsige Ausfärbung handelt.

Die Anfertigung geflammter Garne erfolgte bisher entweder mittels des Drückens oder durch das Färben. Das Druckverfahren, obgleich es seit längerer Zeit in Anwendung ist, hat verschiedene Mängel, welche in folgendem etwas näher angegeben werden sollen.

Die Verdickungsmittel, welche man unbedingt der Farbe zuführen muſs, um sie zum Drucken geeignet zu machen, bleiben in der Faser und nehmen derselben die ihr innewohnende Elasticität. In Folge dessen erhärtet die Faser und verliert ihre Eigenschaft, beim Spinnen geschmeidig zu bleiben, auch ist ein Probenehmen der Farben ungenau und das Verdampfen bei höherer Temperatur, welches das Drucken beendigen muſs, macht die Fasern brüchig.

Die Gewebe, welche mit flammirt gedruckten Fäden hergestellt sind, können deshalb nicht verfilzt werden, ohne daſs eine mehr oder weniger starke Entfärbung stattfindet, wodurch wieder eine Herstellung genau nach Muster unmöglich wird.

Auſserdem hat das Drucken noch den Uebelstand, daſs die Färbung an der Oberfläche eine dunklere als im Inneren der Faser ist, da die Farbe schwer in das Garn eindringt, auch erhält man beim Drucken keine reinen Farbränder.

Diese angegebenen geschilderten Uebelstände sollten durch das Verfahren des Chinirens durch Farbbäder gehoben werden. Dieses Verfahren besteht darin, daſs die Fäden durch einen Apparat zwischen besonders gestaltete, mit geradlinigen oder krummlinigen Erhöhungen versehene Rahmen gespannt werden, welche gewisse bestimmte Theile der Garnfäden bedecken, und daſs diese Rahmen durch eine Presse zusammengepreſst werden, so daſs beim nachfolgenden Eintauchen der zu einem Packet vereinigten Schutzrahmen mit den Garnen diejenigen Stellen von der Flotte nicht beeinfluſst werden, welche von den Erhöhungen der Schutzrahmen gehalten sind.

Die nach diesem Verfahren chinirten Garne sind fest, schön, vollkommen |213| rein und bewahren ihre natürliche Festigkeit und Elasticität, sie färben nicht ab und können allen Spinn- und Walkoperationen unterworfen werden, ohne daſs sie sich schwer verarbeiten lassen.

Die in den Fig. 12 bis 17 dargestellte und durch das D. R. P. Kl. 8 Nr. 49027 vom 20. November 1888 geschützte Maschine von Edmond Lepainteur und der Société Grulois und Déprès in Roubaix (Dep. du Nord, Frankreich) soll nun die beim Chiniren im Farbbade verwendeten Rahmen packetiren. Dieselben sind zu diesem Zweck zu beiden Seiten der Maschine in Ständern aufgeschichtet.

Beim Bewegen des Balanciers in der einen Richtung zieht derselbe einen Rahmen aus dem einen Ständer hervor und befördert denselben auf die Preſsplatte, und gleichzeitig legt er auf den darunter befindlichen, schon auf der Preſsplatte liegenden Rahmen eine Lage der zu färbenden Fäden, so daſs diese durch den neuen Rahmen überdeckt werden. Beim Zurückgehen des Balanciers werden über den zuletzt gelegten Rahmen die Fäden gelegt und von dem anderen Ständer der Maschine ein Rahmen über diese gezogen. Um das Auflegen des Rahmen zu erleichtern, ist es nöthig, daſs die Preſsplatten bei jedem Hin- und Hergang des Balanciers um eine gewisse Strecke nach abwärts bewegt werden. Wenn eine genügende Anzahl Rahmen mit dazwischen liegenden Auszügen auf einander geschichtet sind, so wird der oberste Rahmen durch einen Deckel überdeckt und die Preſsplatte durch eine besondere mechanische Vorrichtung in die Höhe bewegt, so daſs die Fäden und Rahmen zusammengepreſst werden, und hierauf Preſsplatten und Deckel durch Kettenschrauben und ähnliche Vorrichtungen fest mit einander verbunden.

Das so gebildete Packet ist jetzt bereit, in das Farbbassin eingelegt zu werden.

Die einzelnen Theile der Maschine haben folgende Specialeinrichtung:

Die Schutzrahmen B dienen dazu, die Theile der zu chinirenden Fasern oder Garne gegen die Einwirkung der Farbe im Bad zu schützen. Sie sind aus kleinen Leisten von irgend welchem Material zusammengesetzt und derart ausgeführt, daſs sie genau die gewünschten Zwischenräume einnehmen und behalten, sowie beim Uebereinanderlegen sich genau decken, ohne sich durchzubiegen oder sich im Farbebad zu verziehen. Man gibt diesen Leisten passende Dimensionen; sie werden auf die gewünschte Entfernung entweder mittels kleiner Metallstifte, die an ein Gerippe bildenden Stäben angebracht sind, oder durch mit Gewinde versehene Stangen, welche in der gewünschten Entfernung in die Leisten eingeschraubt sind, eingestellt.

Es kann für diese Leisten Holz jeglicher Art entweder in natürlichem Zustande oder nachdem es besonders bearbeitet worden, verwendet werden, welche Bearbeitung sich darauf erstrecken muſs, die vorhandene Gerbsäure und das Harz zu entfernen, die Leisten zu dichten und ihnen die für ihre Verwendung besseren Eigenschaften zu geben. Natürlicher |214| vulkanisirter oder gehärteter Kautschuk, Hartgummi, Holz, Carton, Linoleum, Celluloid, dichtes Gewebe oder irgend welche geeignete Materialien können für diese Leisten mit Erfolg in Anwendung gebracht werden.

Man kann die vertieften und erhöhten Stellen der Leisten auch durch Schmieden derselben oder Gieſsen von Platten herstellen und die erhöhten Stellen können irgend welches beliebige geradlinige oder krummlinige Dessin bilden. Man kann auf solche Weise neue Muster für die Industrie erzeugen. An Stelle der in der beschriebenen Weise zusammengefügten Leisten kann man auch Blätter benutzen, welche Vertiefungen jeglicher Theilung enthalten. Diese Blätter können ebensowohl auf mechanischem Wege, als wie durch Formen, und aus jedem beliebigen Material, welches den gewünschten Zweck erfüllt, hergerichtet sein. Man kann schlieſslich auch durch Wahl runder Leisten Schattirungen (allmähliche Farbenübergänge) hervorrufen.

Die Gitter oder Ständer für die Schutzrahmen B bestehen aus den Ständern C, welche auf dem Tisch D des Apparates befestigt und symmetrisch auf beiden Seiten der Presse angeordnet sind. Sie haben den Zweck, die Schutzrahmen an ihrem Platze zu halten, welche in ihnen in mehr oder weniger groſser Anzahl aufgestapelt sind. Den Boden eines jeden Gitters bildet eine Art Schieber, der aus zwei Stangen E E, die in eine Nase F mit daran befindlichem Anschlagtheil I auslaufen, gebildet ist. Diese beiden Schieber oder beweglichen Böden hängen mit einander zusammen und tragen auf jeder Stange eine Coulisse G, in welche Zapfen o an dem Balancier N eingreifen. Hierdurch wird ermöglicht, daſs bei jeder Umdrehung ein Rahmen aus den Gittern genommen und auf die Platte der Presse P befördert wird. Die Endtheile I halten die höher liegenden Rahmen auf ihrem Platze in den Gittern C, während die Schieber E die darunter liegenden hervorziehen.

Dies ist in folgender Weise erreicht. Die Endtheile I der Stangen E sind ungefähr doppelt so lang, als die Gröſse der Rahmen B beträgt, die Nasen F liegen nach einwärts. Der weitere Raum zwischen den parallelen Stangen vor den Nasen ist gleich der Breite eines Rahmens B, dagegen ist die Entfernung der Endtheile I von einander hinter den Nasen F geringer als die Breite des Rahmens.

Die Stangen gleiten auf dem Tisch der Maschine beim Bewegen des Balanciers hin und her. Wenn nun einer der Schieber aus dem einen mit Rahmen B gefüllten Gitter C einen Rahmen B erfaſst und nach der Presse zieht, so legen sich die Endtheile I unter den untersten Rahmen und verhindern denselben, herabzufallen. Wenn hierauf der Schieber wieder zurückgeht, so gleiten die Stangen E unter die aufgehäuften Rahmen, und wenn schlieſslich der Schieber so weit wieder zurückgegangen ist, daſs die Nasen hinter dem untersten Rahmen liegen, so fällt dieser in den Raum zwischen den Stangen E und kann auf die beschriebene Weise auf die Presse gefördert werden.

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Der Balancier zum Einlegen der Rahmen und Vertheilen der Fäden besteht aus zwei Metallstangen K K. Er ist mit einem seiner beiden Enden auf einer Welle L befestigt, welche in Lagern auf den Säulen M ruht. Ungefähr in der Mitte seiner Länge besitzt er die Traverse N, welche die beiden Balancierstangen mit einander verbindet. Jedes Ende des Balanciers trägt einen Zapfen, welcher in die Coulissen G an den Schiebern eingreift und ihnen eine hin- Und hergehende Bewegung ertheilt. Die beiden senkrechten Coulissen G G tragen ein Theillineal O, welches die zu chinirenden Fäden führt und gleichmäſsig vertheilt. Bei jeder einfachen Bewegung des Balanciers wird ein Auszug der Garne oder auch Vorgespinnste auf die bereits auf der Preſsplatte liegenden Rahmen vermittelst der Schieber und ein Rahmen auf den Preſstisch befördert. Am Ende der Bewegung der Schieber E wird der Tisch der Preſsplatte um die Stärke eines Rahmens nach abwärts bewegt, um Platz für einen neuen Rahmen zu schaffen. Zu diesem Zwecke werden abwechselnd die beiden Sperrklinken V V aus dem Sperrzahn ausgehoben, wodurch der Preſstisch durch Vermittelung der Welle S, der Räder R und der Zahnstangen Q infolge seines Eigengewichtes abwärts geht; hierbei ist die Kupplung T ausgekuppelt.

Der Balancier empfängt seine Bewegung von einer Riemscheibe oder Kurbel. Ein auf der schwingenden Welle L befestigter Hebel steht durch eine Verbindungsstange mit der Kurbel auf der Antriebswelle in Verbindung und ertheilt dem Balancier die erforderliche beschriebene Hin- und Herbewegung.

Die Presse, deren Tisch zur Aufnahme der Preſsplatte P ausgeschnitten ist, ist in der Mitte der Maschine angeordnet. Die bewegliche Preſsplatte P ist an zwei Zahnstangen Q montirt, die ihre Bewegung mittels der Zahnräder R R auf der Welle S empfangen. Die Welle S geht durch die ganze Maschine hindurch. Sie besteht aus zwei Theilen, welche mit einander durch die Kuppelung T vereinigt werden, wenn der Kuppelungshebel T1 die beiden Kuppelungshälften vereinigt. Es kann dann die Preſsplatte von den Riemscheiben W W1 aus oder mittels eines Handrades und der Schneckenübersetzung X X1 gehoben und können dadurch die Rahmen B mit zwischenliegendem Material zusammengedrückt werden. Am anderen Ende trägt die Welle das Sperrad U, in welches die beiden Klinken V V1 greifen. Durch die Vorrichtung U V V1 wird das Herabgehen der Preſsplatte mit dem zunehmenden Beladen derselben mit Schutzrahmen erreicht.

Um ein abwechselndes Ausklinken der Sperrklinken V V1 aus dem Sperrrad U zu erreichen, besitzt die eine der Anschlagstangen I zwei Anschläge, welche zwischen den beiden freien Klinkenenden hindurchgehen und diese bei ihrem Bewegen abwechselnd aus dem Sperrrad U ausheben, wenn die Schieber am Ende ihrer Hubbewegung angelangt sind. Statt der dargestellten Preſsvorrichtung (Zahnräder R und Zahnstangen |216| Q) kann auch jede beliebige andere Preſsvorrichtung, eine Dampf- oder eine hydraulische Presse in Anwendung gebracht werden. Wenn das Aufnahmegefäſs angefüllt ist, so befindet sich die Preſsplatte in ihrer tiefsten Lage und der obere Theil des Packetes liegt mit dem Maschinentisch in gleicher Ebene. Es wird dann eine zweite Platte auf dem Tisch der Maschine befestigt, welche die Oeffnung in dem Tisch oberhalb der Rahmen fest verschlieſst, und dann die Kuppelung T eingerückt und mittels der Uebersetzung W W1 X X1 die Preſsplatte P in die Höhe bewegt. Hierdurch wird das Packet zusammengepreſst. Das Packet wird nun fest zusammengeschnürt, was dadurch erfolgt, daſs zwei Deckel von Holz oder Metall, die mit Haken versehen sind, über das Packet gelegt und mit einander verbunden werden, oder daſs das Packet mit Schnüren, kleinen Ketten oder Drahtseilen zusammengezogen wird.

Das Packet ist jetzt fertig, um in das Farbbad eingelegt zu werden; was in der erwähnten Weise geschieht. Nach dem Färben wird das Packet in Wasser oder Lauge ausgewaschen und sodann aufgemacht, um die gefärbten Faserbänder entfernen und trocknen zu können.

Statt des abwechselnden Uebereinanderlegens des zu färbenden Materials und der Rahmen kann man das erstere auch um einen Rahmen wickeln und diese mit der Hand in den Aufnahmeraum einlegen und darüber einen leeren Rahmen legen oder aber man kann die umwickelten Rahmen auf der einen Seite, die nicht umwickelten auf der anderen Seite der Maschine anordnen. Wenn man dann dem Balancier die hin- und hergehende Bewegung ertheilt, so ergibt sich, daſs abwechselnd ein umwickelter und ein nicht umwickelter Rahmen über einander gelegt werden.

Zu denjenigen Färbmaschinen, bei welchen das Material nicht nur in die Flotte eingesenkt, sondern in derselben gleichzeitig noch bewegt wird, gehören in erster Linie diejenigen, bei denen das Garn in Form von Strähnen über in einem Rahmen geeignet angeordnete Träger gespannt und mit diesen einer Schwingbewegung unterworfen wird. Die hierher zu rechnenden Einrichtungen haben in constructiver Hinsicht eine vielseitige Ausbildung erfahren und sollen nur einige derselben einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

(Fortsetzung folgt.)

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