Titel: Lainer, zur Reduction der Silberrückstände.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276 (S. 565–567)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/ar276105

Zur Reduction der Silberrückstände; von Alex. Lainer.

In den letzten Mittheilungen1) über die Fällung des Silbers aus Fixirbädern mittels Reducirsalz und Laugenstein wurde hervorgehoben, daſs es sich häufig empfiehlt, auch Chlor-, Brom- oder Jodsilberrückstände in den alten Fixirbädern aufzulösen und sodann erst die Reduction aus der Lösung vorzunehmen.

Dazu ist noch zu bemerken, daſs es meist nöthig ist, diese aufzulösenden Silberverbindungen mit einer heiſsen Laugensteinlösung zu durchtränken. Durch Umrühren mit einem dicken Glasstab sucht man einen feinen Brei zu erreichen, welchen man nun partienweise in die Lösung von unterschwefligsaurem Natron einträgt, wobei ein Ueberschuſs zu vermeiden ist, damit nicht ungelöste Haloidsilbersalze am Boden des Gefäſses verbleiben. Diese Behandlung der festen Silberrückstände mit Laugensteinlösung ist besonders dann unerläſslich, wenn dieselben sauer reagiren.

Will man die Auflösung der Silberhaloide umgehen und sie direkt nach des Verfassers Methode reduciren, so geht man wie folgt vor:

Man gibt das Chlor-, Brom- oder Jodsilber in ein entsprechend groſses Gefäſs und strebt eine möglichst gute Verbreiung der Masse mit heiſser Laugensteinlösung an. Nun gieſst man allmählich eine klare, sehr verdünnte Reducirsalzlösung unter fortwährendem Umrühren der Masse zu. Diese Reducirsalzlösung kann unmittelbar vor der Verwendung mit kalter Laugensteinlösung neutralisirt werden.

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Die Masse wird aufschäumen, daher der Prozeſs überwacht werden muſs.

Zur Orientirung über den Verbrauch an Reducirsalz kann die Angabe dienen, daſs ich bei einem Versuche mit 1k Reducirsalz etwa 400g Chlorsilber reducirte.

Nach dem Zusätze der Reducirsalzlösung wird die Masse in Folge des ausgeschiedenen Silbers sofort schwarz. Wenn das erste starke Aufschäumen vorüber ist, beginnt man die Masse unter fortwährendem Umrühren zu erwärmen. Der Zusatz der verdünnten und neutralisirten Reducirsalzlösung zu dem stark alkalisch reagirenden Brei wird so oft wiederholt, bis derselbe durch und durch schwarz erscheint. Es ist darauf zu achten, daſs Klümpchen von Chlorsilber u.s.w. zertheilt werden, weil der Kern derselben der Reduction widersteht.

Ist die Reduction so weit fortgeschritten, daſs für das Auge keine unzersetzten Theile mehr wahrnehmbar sind, so nimmt man eine kleine Probe des Breies heraus und wäscht dieselbe in einem Becherglase durch Decantation mit heiſsem Wasser so lange aus, bis eine Probe des Waschwassers mit Silbernitratlösung keine Trübung erzeugt. Diesen ausgewaschenen Rückstand übergieſst man mit chemisch reiner Salpetersäure. Löst sich der Rückstand vollständig auf und bleibt die Lösung beim Verdünnen mit dem zehnfachen Volumen destillirtem Wasser klar, so war die Reduction eine vollständige. – Wird die Lösung in Folge des Wasserzusatzes trübe, so war die Reduction keine absolute und wurden Spuren unreducirten Haloidsilbers von der Silbernitratlösung gelöst. Bleibt ein bedeutender, in Salpetersäure unlöslicher Rückstand, so muſs die Hauptmasse abermals mit Laugenstein und Reducirsalz behandelt werden.2)

Ich nehme die Reduction als beendigt an, wenn die Hauptmasse reducirt erscheint, und verzichte auf die Reduction der letzten Spuren der Haloidsilbersalze.

Der schwarze Silberschlamm wird durch Decantation mit Brunnenwasser und schlieſslich mit destillirtem Wasser ausgewaschen, bis das letzte Waschwasser mit Silbernitrat klar bleibt. Das Silber wird nun in einem Glaskolben oder in einer Porzellanschale in Salpetersäure aufgelöst.3) Die Lösung wird behufs Abscheidung von gelösten Silberhaloidsalzen mit Wasser verdünnt. Die Lösung wird sich in einigen Tagen vollständig klären; sodann wird sie von dem Bodensatze abgehebert und bis zur Krystallisation eingedampft. Durch wiederholtes Umkrystallisiren erhält man sehr reines Silbernitrat.

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Der Bodensatz kann gelegentlich mit anderen Silberrückständen der Reduction unterzogen werden.

Diese Art der Reduction auf nassem Wege dürfte nicht nur für den Photographen, sondern allgemein für jene chemischen Laboratorien von Interesse sein, denen kein Schmelzofen zur Verfügung steht.

Laboratorium der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien.

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Photographische Correspondenz, 1890, April- und Mai-Heft (vgl. auch dieses Journal 1890 276 521).

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Ich bemerke hier, daſs man bei diesen Proben ein hellviolettes bis rothes Subchlorid bemerken wird, welches der Salpetersäure widersteht; es dürfte höchst wahrscheinlich mit dem von Carey Lea näher beschriebenen Photochlorid (Photographische Correspondenz 1887) identisch sein.

D. Verf.

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Lainer's Photographische Chemie und Photochemie S. 146 und 144.

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