Titel: Untersuchungen von Cellulose und Papier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1890, Band 276/Miszelle 5 (S. 381–382)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj276/mi276mi08_5

Untersuchungen von Cellulose und Papier.

(W. Herzberg, Mittheilungen der Königl. techn. Versuchsanstalten zu Berlin 1889, 7. Jahrg.)

1) Schwarze Flecke auf Cellulose.

Cellulose, nach dem System, von Ritter-Kellner hergestellt und mit Fluſswasser ausgewaschen, da kein Quellwasser vorhanden war, wies zahlreiche dunkle Flecke von der Gröſse eines Stecknadelknopfes bis zu der einer mittelgroſen Erbse auf. Die mikroskopische Untersuchung zeigte, daſs Pilzwucherungen vorlagen; die einzelnen Cellulosefäden waren von Pilzen eng umsponnen, so etwa wie Bäume von Epheu umrankt werden. Diese Pilzkeime stammen wahrscheinlich nicht aus dem Fabrikationswasser, sondern aus der Luft- da dieselben zu ihrer Entwickelung nur Spuren von Mineralsalzen beanspruchen, so bot ihnen die feuchte Cellulose einen vortheilhaften Vegetationsboden. Die Cellulose enthielt 1,5 Proc. unverbrennliche Stoffe gegen 0,5 Proc. fleckenlose Waare aus derselben Fabrik. Das Absterben der Pilze erfolgte nach dem Trocknen der Cellulose. Die Flecke, mit saurer Jodlösung nach der Frank'schen Methode auf Calciummonosulfit geprüft, enthielten verhältniſsmäſsig viel von diesem Kalksalz, dessen Anwesenheit für eine Ursache der Pilzwucherungen gehalten wird. Man bemerkte, daſs zur Vermeidung derselben danach zu streben sei, den Kochprozeſs so zu leiten, daſs die Cellulose Möglichst frei von Calciummonosulfit sei. Um das Auftreten von Pilzen zu Verhindern, muſs die Cellulose thunlichst getrocknet werden, oder wenn dies bis zu dem nöthigen Grade nicht möglich ist, ist dem Auftreten von Pilz-Wucherungen durch Anwendung von schwachen Lösungen desinficirender Stoffe entgegen zu arbeiten. 1l Zinkchlorid von 40° Bé. auf 100k Wasser verhindert die Wucherungen nach Dr. Müller gänzlich; zu 100000k Zellstoff 40k solcher Losung tropfenweise gesetzt, schadet weder dem Leim noch dem Farbprozeſs. (Heft 2 S. 62.)

2) Mikroskopische Untersuchungen des Papiers.

An Stelle eines früher angewandten Verfahrens (Ergänzungsheft III. der Mittheilungen 1887), die innig verfilzten Papierfasern von den Füllstoffen, dem Leim und der Stärcke zu trennen, verfährt man jetzt derartig, daſs man eine Durchschnittsprobe des Papiers mit etwa ½l Wasser, dem 5cc concentrirter Natronlauge zugesetzt ist, unter beständigem Umrühren so lange kocht, bis das Papier zergangen ist. Der Brei wird nun in einen unten mit einem 1000 Maschensieb verschlossenen Trichter gebracht und mit Wasser so lange gewaschen, bis die Natronlauge entfernt ist. Die klumpigen Theilchen werden nun noch durch Schütteln mit vorher gereinigten böhmischen Granaten in einer Pulverflasche von etwa 400cc Inhalt, die zu ⅛ mit den Steinchen gefüllt ist, zerkleinert. Auf diese Weise erhält man einen nur aus einzelnen Fasern bestehenden klaren Stoff, der sich zum Mikroskopiren vortrefflich eignet.

Betreffs der Färbung der Fasern zur besseren Erkennung derselben unter dem Mikroskop, sei noch auf den schon früher von Martens hervorgehobenen Punkt hingewiesen, daſs man die Färbung nicht als eine absolute Reaktion für die Fasern ansehen kann. Zur Färbung wird in der Versuchsanstalt eine wässerige Jod-Jodkaliumlösung angewandt von 20cc Wasser, 2cc Glycerin, 1g,15 Jod und 2g Jodkalium. (Heft 3 S. 113.)

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3) Nachahmungen von Japanischem Papier.

Ein im Papierhandel in letzter Zeit als Ersatz für das echte Tokiopapier angepriesenes Fabrikat, das aus Fasern, die denjenigen des echten Tokiopapiers nahe kommen, bestehen und für Documente und Wertpapiere bei gröſserer Billigkeit von gleichem Werth sein soll, wurde geprüft und würde auf Grund der preuſsischen Normalien nach Befund der Prüfung, soweit es sich um Verwendung zu Aktenpapier handelt, als Normalpapier 4 a zu bezeichnen sein. Dasselbe könnte nur für Akten gebraucht werden, welche für den gewöhnlichen Gebrauch bestimmt sind und nur einige Jahre aufbewahrt werden sollen. Da das Papier aus reiner Cellulose (vermuthlich Sulfitstoff) bestand (Aschengehalt 3,1 Proc.; leimfest, mit Harz und Stärke geleimt, Holzschliff nicht vorhanden), so interessirte es, die Veränderungen zu erkennen, welche durch Luft und Licht bewirkt wurden. Die gleichen Proben, 3 Monate am Fenster aufgehängt, hatten gegen die erste Prüfung abgenommen: Reiſslänge um 9 Proc., die Dehnung um 41,2 Proc. Bei gewöhnlichem Lagern würde sich dies in entsprechend längeren Zwischenräumen vollziehen. (Heft 4 S. 152.)

4) Zur Leimung des Papiers.

Die Thatsache, daſs Papier nach einiger Zeit, obschon es anfangs leimfest war und die Schriftzüge mit Tinte scharf erkennen lieſs, diese Eigenschaft verloren hatte, führte dazu 5 verschiedene, rein vegetabilisch geleimte Papiere: 1) dem direkten Sonnenlicht, zwischen Doppelfenstern ausgesetzt, zu beobachten und 2) dieselben Sorten in Cylindern mit Sauerstoff, bezüglich mit Kohlensäure gefüllt, dem zerstreuten Licht auszusetzen. Die Versuche (2) zeigten keine Veränderung am Papier, dieselben Papiere (Versuch 1) hatten dagegen ihre Leimfestigkeit mehr oder weniger eingebüſst und würden für Schreibzwecke ganz unbrauchbar sein. Die Annahme, daſs die Einbuſse der Leimfestigkeit der mit Harz geleimten Papiere nur der zersetzenden Wirkung des direkten Sonnenlichtes zuzuschreiben sei, wurde durch folgendes Experiment bestätigt: Ein Bogen, zur Hälfte mit einem anderen Bogen auf der Sonnenseite verhängt, wurde ein Jahr lang Licht und Luft so ausgesetzt, daſs die Sonnenstrahlen nur die eine Hälfte des Bogens treffen konnten. Das aus reiner Sulfitcellulose hergestellte Papier hatte an der den Sonnenstrahlen direkt zugänglichen Hälfte seine Leimfestigkeit völlig eingebüſst, während die andere Hälfte völlig intakt blieb.

Hinsichtlich des Durchschlagens von Schriftzügen auf zerknittertem Papier fand Verfasser nach eingehenden Untersuchungen Folgendes:

1) Wenn auf einem zerknitterten und geriebenen Papier aufgetragene Schriftzüge durchschlagen, so ist das Papier rein thierisch geleimt.

2) Schlagen die Schriftzüge auf einem zerknitterten und geriebenen Papier nicht durch, so ist das Papier mit Harz geleimt. (Heft 3 S. 107.)

Hecht.

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